Bundesgenössische Münze

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Tobias Nowitzki
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Bundesgenössischer Denar, 90-88 v. Chr.

Leitfragen:

1) Was ist auf der Münze im Einzelnen zu sehen?

2) Wieso wurden gerade diese Motive auf die Münze geprägt?

3) Welche Rückschlüsse lassen die Abbildungen auf der Münze über das Verhältnis der Herausgeber gegenüber Rom zu?

Kommentar:

Bei der vorliegenden Münze handelt es sich um einen Denar, der zwischen 90 und 88 v. Chr. von den von Rom abgefallenen Bundesgenossen geprägt wurde. Er fällt somit in die Zeit des sogenannten Bundesgenossenkrieges. Auf der Vorderseite sehen wir die Göttin Italia, Personifikation Italiens, ihr Name steht in oskischer Schrift neben ihr. Auf dem Kopf trägt sie einen Lorbeerkranz, das Symbol für Sieg und Triumph. Auf der Rückseite sehen wir einen Soldaten mit Bewaffnung, der mit dem Fuß auf ein römisches Feldzeichen tritt, rechts neben ihm auf dem Boden liegt ein Stier. Eine Umschrift ist auf der Rückseite erkennbar, aber nicht mehr leserlich.

Die Münze stammt aus der Zeit des Bundesgenossenkrieges, dies wird aus mehreren Details deutlich. Zuerst einmal weist die oskische Schrift darauf hin, dass es sich hierbei nicht um eine römische Prägung handelt, die die lateinische Schrift genutzt hätte. Nichtrömische italische Prägungen kennen wir jedoch nur aus den Jahren 90 bis 88 v. Chr., als ein großer Teil der römischen Bundesgenossen vom vormaligen Oberherren abfiel und einen Krieg gegen Rom begann. Dieser hatte sich an der Frage des Wahlrechts der Bundesgenossen in Rom selbst und damit der Teilhabe an der Macht im Staate entzündet und wurde bald mit großer Härte und Erbitterung auf beiden Seiten geführt. Im Zuge des Krieges begannen die Bundesgenossen, sich so sehr von Rom zu lösen, dass sie nicht mehr dort das Wahlrecht anstrebten, sondern ein vereinigtes Italien ohne die Oberherrschaft Roms – sogar eine eigene Hauptstadt namens Italia war im Gespräch. Daher rührt auch die Symbolik der Italia auf der Münze; es soll symbolisch gezeigt werden, dass Rom gegen ganz Italien stünde und daher chancenlos sei. Dieselbe Symbolik bedient der Soldat auf der Rückseite, der ein römisches Feldzeichen in den Staub tritt. Der Stier ist das Symbol des italischen Widerstandes gegen Rom; auf anderen Münzen sehen wir ihn, wie er die kapitolinische Wölfin tötet.

Somit ist diese Münze nicht nur Ausdruck eines gewachsenen Selbstbewusstseins der ehemaligen Bundesgenossen gegenüber Rom, sondern auch einer hohen Zuversicht in den militärischen Sieg. Da der Bruch nun einmal vorhanden war, wollte man keinen Krieg führen, nur um unter römischer Herrschaft ein wenig mehr Rechte zu haben. Nein, man wollte sich von der römischen Oberhoheit ganz befreien – wenn auch niemand etwas dagegen einzuwenden hatte, dass das neue, vereinigte Italien weiterhin große Teile des Mittelmeerraumes beherrschen würde. Aus Sicht der Bundesgenossen war es ohnehin so, dass ihre Militärkontingente einen großen, wenn nicht den weit größeren Anteil an den Eroberungen Roms hatten. Auch daher stammte das neue Selbstbewusstsein der Bundesgenossen: Sie waren das Rückgrat der römischen Armee; aus eben diesem Grund hatte auch Hannibal erst versucht, sie zum Abfall von Rom zu bewegen, bevor er Rom selbst angegriffen hätte.

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Podcast-Hinweise
Sehen Sie zu dieser Quelle auch den Podcast „Sulla und das Zeitalter der Bürgerkriege“. Um einen breiteren Einblick in das Zeitalter der Römischen Republik  zu erhalten, sehen Sie auch die Podcastreihe „Römische Geschichte I – Republik“.
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Siehe zum Bundesgenossenkrieg auch den Bericht zu dessen Gründen (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/gruende-des-bundesgenossenkriegs/).