Oikonomikos

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Xenophon
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Xen. Oik. 4, 1-4 – Original:

[4] ἀλλὰ πάσας μὲν τί σε δεῖ ἐπιδεικνύναι, ὦ Σώκρατες; ἔφη ὁ Κριτόβουλος: οὔτε γὰρ κτήσασθαι πασῶν τῶν τεχνῶν ἐργάτας ῥᾴδιον οἵους δεῖ, οὔτε ἔμπειρον γενέσθαι αὐτῶν οἷόν τε, ἀλλ᾽ αἳ δοκοῦσι κάλλισται τῶν ἐπιστημῶν καὶ ἐμοὶ πρέποι ἂν μάλιστα ἐπιμελομένῳ, ταύτας μοι καὶ αὐτὰς ἐπιδείκνυε καὶ τοὺς πράττοντας αὐτάς, καὶ αὐτὸς δὲ ὅ τι δύνασαι συνωφέλει εἰς ταῦτα διδάσκων. [2] ἀλλὰ καλῶς, ἔφη, λέγεις, ὦ Κριτόβουλε. καὶ γὰρ αἵ γε βαναυσικαὶ καλούμεναι καὶ ἐπίρρητοί εἰσι καὶ εἰκότως μέντοι πάνυ ἀδοξοῦνται πρὸς τῶν πόλεων. καταλυμαίνονται γὰρ τὰ σώματα τῶν τε ἐργαζομένων καὶ τῶν ἐπιμελομένων, ἀναγκάζουσαι καθῆσθαι καὶ σκιατραφεῖσθαι, ἔνιαι δὲ καὶ πρὸς πῦρ ἡμερεύειν. τῶν δὲ σωμάτων θηλυνομένων καὶ αἱ ψυχαὶ πολὺ ἀρρωστότεραι γίγνονται. [3] καὶ ἀσχολίας δὲ μάλιστα ἔχουσι καὶ φίλων καὶ πόλεως συνεπιμελεῖσθαι αἱ βαναυσικαὶ καλούμεναι. ὥστε οἱ τοιοῦτοι δοκοῦσι κακοὶ καὶ φίλοις χρῆσθαι καὶ ταῖς πατρίσιν ἀλεξητῆρες εἶναι. καὶ ἐν ἐνίαις μὲν τῶν πόλεων, μάλιστα δὲ ἐν ταῖς εὐπολέμοις δοκούσαις εἶναι, οὐδ᾽ ἔξεστι τῶν πολιτῶν οὐδενὶ βαναυσικὰς τέχνας ἐργάζεσθαι. [4] ἡμῖν δὲ δὴ ποίαις συμβουλεύεις, ὦ Σώκρατες, χρῆσθαι; ἆρ᾽, ἔφη ὁ Σωκράτης, μὴ αἰσχυνθῶμεν τὸν Περσῶν βασιλέα μιμήσασθαι; ἐκεῖνον γάρ φασιν ἐν τοῖς καλλίστοις τε καὶ ἀναγκαιοτάτοις ἡγούμενον εἶναι ἐπιμελήμασι γεωργίαν τε καὶ τὴν πολεμικὴν τέχνην τούτων ἀμφοτέρων ἰσχυρῶς ἐπιμελεῖσθαι. καὶ ὁ Κριτόβουλος ἀκούσας ταῦτα εἶπε:
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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Übersetzung: E.C Marchant
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Übersetzung

[4]“Surely, Socrates, there is no need to go through the whole list. For it is not easy to get workmen who are skilled in all the arts, nor is it possible to become an expert in them. Pray select the branches of knowledge that seem the noblest and would be most suitable for me to cultivate: show me these, and those who practise them; and give me from your own knowledge any help you can towards learning them.” [2] “Very good, Critobulus; for, to be sure, the illiberal arts, as they are called, are spoken against, and are, naturally enough, held in utter disdain in our states. For they spoil the bodies of the workmen and the foremen, forcing them to sit still and live indoors, and in some cases to spend the day at the fire. The softening of the body involves a serious weakening of the mind. [3] Moreover, these so-called illiberal arts leave no spare time for attention to one’s friends and city, so that those who follow them are reputed bad at dealing with friends and bad defenders of their country. In fact, in some of the states, and especially in those reputed warlike, it is not even lawful for any of the citizens to work at illiberal arts.” [4] “But what arts, pray, do you advise us to follow, Socrates?” “Need we be ashamed of imitating the king of the Persians? For they say that he pays close attention to husbandry and the art of war, holding that these are two of the noblest and most necessary pursuits.”
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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Autor_in: Tobias Nowitzki
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Xen. Oik. 4, 1-4

Leitfragen:

1) Welche Gründe gibt Sokrates an, aus denen man bestimmten Künsten nicht folgen soll?

2) Wieso werden gerade die genannten Künste von ihm gelobt?

3) Welche Rückschlüsse lässt die Ablehnung bestimmter Künste auf die Sichtweise der Griechen auf den Körper zu?

Kommentar:

Im Oikonomikos Logos beschreibt Xenophon durch die Worte Sokrates‘ den idealen Ablauf von Haus- und Landwirtschaft. In diesem Abschnitt behandelt Sokrates die Frage, welche Fähigkeiten nützlich und welche schädlich für den Haushalt sind.

Bestimmte Künste, so Sokrates, sollten nicht ausgeübt werden, da sie zu einem trägen Leben innerhalb der eigenen Wände verleiten würden, das man größtenteils am eigenen Herdfeuer verbringe. Damit wäre die Gefahr verbunden, dass mit dem Körper auch der Geist schwach werde. Welchen Künsten soll man sich also widmen, fragt Kritoboulos, und Sokrates antwortet ihm: Mit der Ehe und dem Krieg sollte sich ein Mann befassen.

Die Auswahl lässt einen Rückschluss darauf zu, was die griechische Gesellschaft zur Zeit Sokrates‘ als zentral ansah. Da wäre zum einen die Ehe. Sie hat den sehr nachvollziehbaren und biologisch notwendigen Zweck der Fortpflanzung, allerdings wäre für die biologische Fortpflanzung keine Ehe notwendig. Diese ist aber für die Athener und andere Polisverbände von größter Wichtigkeit, da an sie das Bürgerrecht gekoppelt war. Nur wer Sohn einer athenischen Mutter aus rechtmäßiger Ehe war, konnte in Athen das Bürgerrecht erhalten. Somit mussten also auch aus den legitimen Ehen erstens möglichst viele Kinder hervorgehen, und zweitens durfte die Frau keine Affären haben, die die Rechtmäßigkeit der Kinder in Frage gestellt hätte. Mit wem der Mann außereheliche Beziehungen einging, war den Athenern wie anderen Griechen recht gleichgültig, es sei denn es war Ehebruch mit einer verheirateten Frau. Wozu aber waren die vielen Kinder notwendig? Eine große Anzahl von Bürgern war überlebenswichtig, weil die Männer der Bürgerklassen die Hoplitenphalanx der Armee stellten und somit der Garant für die unabhängige Existenz der Polis an sich waren. Daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn gerade Ehe und Krieg von Sokrates gemeinsam genannt werden.

An der Quelle lässt sich ferner ein philosophisches Konzept der Griechen erkennen: die sogenannte Kalokagathia, übersetzt etwa die „Gleichzeitigkeit von Schönheit und inneren Werten“. Die kalokagathia besagte, dass nur die Menschen, die auch äußerlich schön, das heißt im Fall von Männern, trainiert und in Form waren, innerlich gut sein würden. Dieser Anspruch des archaischen Adels hat sich gehalten, und Sokrates erwähnt ihn hier, denn mit dem Körper würde vor dem heimischen Feuer auch der Geist schwach, was man unbedingt vermeiden müsse. 

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Podcast-Hinweise
Sehen Sie zu dieser Quelle auch den Podcast „Krise und Entstehung der Polis“. Um einen breiteren Einblick in die Archaik zu erhalten, sehen Sie auch die Podcastreihe „Griechische Geschichte I – Archaik“.
Hier geht’s zum Podcast

 

Siehe zur archaischen Gesellschaftsordnung auch den Beitrag zu Hesiod (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/zu-den-krummen-urteilen/).