Strabon zur Koloniegründung

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Strabon
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Gründung einer augusteischen Kolonie: Strab. 4,6,7 Original

ἐκ δὲ ταύτης τῆς αἰτίας πόλεμοι συνεχεῖς ἦσανπρὸς ἀλλήλους ἀμφοτέροις τοῖς ἔθνεσι. Κρατησάντων δὲ Ῥωμαίων τῶν μὲνχρυσουργείων ἐξέπεσον καὶ τῆς χώρας οἱ Σαλασσοί, τὰ δ᾽ ὄρη κατέχοντεςἀκμὴν τὸ ὕδωρ ἐπώλουν τοῖς δημοσιώναις τοῖς ἐργολαβήσασι τὰ χρυσεῖα: καὶπρὸς τούτους δ᾽ ἦσαν ἀεὶ διαφοραὶ διὰ τὴν πλεονεξίαν τῶν δημοσιωνῶν. Οὕτωδὲ συνέβαινε τοὺς στρατηγιῶντας ἀεὶ τῶν Ῥωμαίων καὶ πεμπομένους ἐπὶ τοὺς τόπους εὐπορεῖν προφάσεων ἀφ᾽ ὧν πολεμήσουσι. Μέχρι μὲν δὴ τῶν νεωστὶχρόνων τοτὲ μὲν πολεμούμενοι τοτὲ δὲ καταλυόμενοι τὸν πρὸς τοὺς Ῥωμαίους πόλεμον ἴσχυον ὅμως, καὶ πολλὰ κατέβλαπτον τοὺς δι᾽ αὐτῶν ὑπερβάλλονταςτὰ ὄρη κατὰ τὸ λῃστρικὸν ἔθος: οἵ γε καὶ Δέκιμον Βροῦτον φυγόντα ἐκ Μουτίνης ἐπράξαντο δραχμὴν κατ᾽ ἄνδρα: Μεσσάλας δὲ πλησίον αὐτῶν χειμαδεύων τιμὴν ξύλων κατέβαλε τῶν τε καυσίμων καὶ τῶν πτελεΐνων ἀκοντισμάτων τῶν γυμναστικῶν. Ἐσύλησαν δέ ποτε καὶ χρήματα Καίσαρος οἱ ἄνδρες οὗτοι καὶ ἐπέβαλον κρημνοὺς στρατοπέδοις, πρόφασιν ὡς ὁδοποιοῦντες ἢ γεφυροῦντες ποταμούς. Ὕστερον μέντοι κατεστρέψατο αὐτοὺς ἄρδην ὁ Σεβαστὸς καὶ πάντας ἐλαφυροπώλησε, κομισθέντας εἰς Ἐπορεδίαν Ῥωμαίων ἀποικίαν, ἣν συνῴκισαν μὲν φρουρὰν εἶναι βουλόμενοι τοῖς Σαλασσοῖς, ὀλίγον δ᾽ ἀντέχειν ἐδύναντο οἱ αὐτόθι, ἕως ἠφανίσθη τὸ ἔθνος. Τῶν μὲν οὖν ἄλλων σωμάτων τρεῖς μυριάδες ἐξητάσθησαν ἐπὶ τοῖς ἑξακισχιλίοις, τῶν δὲμαχίμων ἀνδρῶν ὀκτακισχίλιοι: πάντας δ᾽ ἐπώλησε Τερέντιος Ὀυάρρων ὑπὸδόρυ καταστρεψάμενος αὐτοὺς στρατηγός: τρισχιλίους δὲ Ῥωμαίων πέμψαςᾤκισε τὴν πόλιν Αὐγοῦσταν ὁ Καῖσαρ, ἐν ᾧ ἐστρατοπέδευσε χωρίῳ ὁ Ὀυάρρων,καὶ νῦν εἰρήνην ἄγει πᾶσα ἡ πλησιόχωρος μέχρι τῶν ἄκρων ὑπερβολῶν τοῦὄρους.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Übersetzung: H.C. Hamilton und W. Falconer
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Übersetzung

This gave rise to frequent wars between the two nations; when the Romans gained the dominion, the Salassi lost both their gold works and their country, but as they still possessed the mountains, they continued to sell water to the public contractors of the gold mines; with whom there were continual disputes on account of the avarice of the contractors, and thus the Roman generals sent into the country were ever able to find a pretext for commencing war. And, until very recently, the Salassi at one time waging war against the Romans, and at another making peace, took occasion to inflict numerous damages upon those who crossed over their mountains, by their system of plundering; and even exacted from Decimus Brutus, on his flight from Mutina, a drachm per man. Messala, likewise, having taken up his winter quarters in their vicinity, was obliged to pay them, both for his fire-wood, and for the elm-wood for making javelins for the exercise of his troops. In one instance they plundered the treasures of Cæsar, and rolled down huge masses of rock upon the soldiers under pretence of making roads, or building bridges over the rivers. Afterwards Augustus completely overthrew them, and carried them to Eporedia, a Roman colony which had been planted as a bulwark against the Salassi, although the inhabitants were able to do but little against them until the nation was destroyed; their numbers amounted to 36,000 persons, besides 8000 men capable of bearing arms. Terentius Varro, the general who defeated them, sold them all by public auction, as enemies taken in war. Three thousand Romans sent out by Augustus founded the city of Augusta, on the spot where Varro had encamped, and now the whole surrounding country, even to the summits of the mountains, is at peace.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Autor_in: Tobias Nowitzki
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Strab. 4,6,7

Leitfragen:

1) Warum verfolgt Augustus die Veteranenansiedlung auf diese Weise?

2) Wie stellt sich die augusteische Friedenspropaganda im Licht dieser Quelle dar?

3) Welches Augustusbild wird in der Quelle hervorgerufen?

Kommentar:

Diese Quelle aus Strabons Werk Geographika wurde wahrscheinlich um die Zeitenwende verfasst, also unter der Herrschaft des Augustus. In dieser Quellenstelle fassen wir einen Bericht über die Koloniegründungspraxis des Princeps. Die betreffende Kolonie, Augusta Praetoria, ist die heutige Stadt Aosta im Nordwesten Italiens.

In der Geschichte ihrer Gründung kommen zwei Grundzüge der frühen augusteischen Zeit zusammen: Kriege gegen aufständische Stämme an den Randgebieten und die Ansiedlung von Veteranen im großen Maßstab. Der Stamm der Salassi hatte, wie aus Strabons Text hervorgeht, römischen Generälen immer wieder Probleme bereitet, wenn sie die Gebirgspässe überqueren wollten. Augustus beendete diese Situation mit großer Brutalität, indem die Salassi im Krieg geschlagen und anschließend durch Terentius Varro in die Sklaverei verkauft wurden. Anschließend siedelte Augustus dort, wie Strabon sagt, 3000 Römer an, laut Cassius Dio handelte es sich dabei um Veteranen aus der Prätorianergarde (Cass. Dio. 53, 25,5), was sich auch im Namen der neuen Kolonie wiederfindet.

Die Gründung dieser Kolonie hatte für Augustus mehrere Vorteile und war in ihrer Form beispielhaft für die diversen Koloniegründungen, die er im ganzen Imperium vornahm. Zuerst einmal verhinderte er damit, dass sich an dieser Stelle eventuell ein neuer, romfeindlicher Stamm ansiedelte. Die Lage an den Alpenpässen war strategisch wichtig, daher war es sinnvoll, dort Veteranen anzusiedeln. Diese konnten im Notfall auch als eine Art Wehrbauern herangezogen werden, um die Grenze zu verteidigen, eine Idee, die auch Alexander der Große mit seinen diversen Stadtgründungen schon verfolgt hatte. Des Weiteren löste Augustus auf diese Weise auch ein drängendes soziales Problem: Die vielen Veteranen der Bürgerkriege mussten mit Land versorgt werden, denn Augustus hatte die Armee nach der Schlacht von Actium drastisch verkleinert. Die allermeisten dieser Soldaten kamen aus besitzlosen Schichten und hatten sich insbesondere deshalb der Armee angeschlossen, um nach Ende ihrer Dienstzeit mit einem Stück Land entlohnt zu werden. Da gutes Ackerland aber selten unbesiedelt war, kamen Augustus diese vielen kleineren Kriege und Feldzüge sehr recht, denn so wurde gutes Land frei, das er unter seinen Veteranen aufteilen konnte. So verhinderte er erstens Unzufriedenheit unter den Veteranen, zweitens vergrößerten diese so nicht die ohnehin gewaltige städtische Unterschicht der plebs urbana, deren Mittellosigkeit ein ständiges Problem für die Kaiser darstellte. Drittens kam er schließlich auch seiner sozialen Pflicht als Feldherr nach, der seit der späten Republik als Patron de facto auch verantwortlich für die Versorgung seiner Veteranen war.

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Podcast-Hinweise
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Vergleiche hierzu auch die Inschrift von Kyrene (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/532-2/) und die Propaganda des ewigen Friedens unter Augustus, zu sehen unter anderem auf seinen Münzen (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/augustenische-muenze/) und der Statue des Augustus von Prima Porta (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/529-2/), sowie die Berichte aus seiner Autobiographie (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/res-gestae-i/, http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/res-gestae-ii/, http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/res-gestae-iii/). Zum eben nicht dauerhaften Frieden im Reich siehe auch den Bericht Dios zur Varusschlacht (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/varusschlacht-dio/), sowie den Grabstein des Gefallenen aus dieser Schlacht (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/562-2/).