Münze Sol Invictus

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Tobias Nowitzki
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Konstantinischer Nummus, 313/4 n. Chr.

Leitfragen:

1) Was ist auf der Münze im Einzelnen zu sehen?

2)Weshalb ließ Konstantin gerade diese Motive auf die Münze prägen?

3)Welche Rückschlüsse lässt diese Münzdarstellung auf die religiöse Haltung Konstantins zu?

Kommentar:

Konstantin I., auch Konstantin der Große genannt, ist heute insbesondere für seine Hinwendung zum Christentum bekannt und den Satz „In diesem Zeichen wirst du siegen“, der ihn angeblich dazu brachte, das Kreuz auf seine Standarten zu setzen. Hier haben wir eine Münze, die er prägen ließ, vor uns, die eine auf den ersten Blick unverständliche Symbolik aufweist, wenn man das gängige Bild vom christlichen Kaiser Konstantin anlegt.

Was aber ist auf der Münze zu sehen? Die Vorderseite zeigt uns ein Porträt Konstantins, umgeben von seinem Namen IMP CONSTANTINUS P F AUG. Dieser Name ist, neben der Bezeichnung des abgebildeten Mannes, auch ein politisches Statement, denn er nennt sich Kaiser (IMP= Imperator) und außerdem Augustus (AUG). Zum Zeitpunkt der Münzprägung, mindestens ein Jahr nach seinem Sieg an der Milvischen Brücke bei Rom, ist er zwar als Augustus, das bedeutet als einer der beiden oberen Kaiser im System der Tetrarchie, anerkannt, aber er möchte dies auch deutlich untermauern. Der Rest seines Namens weist auf religiöse Dinge hin, er ist pius fidelis (P F), also fromm und gläubig. Im Licht der populären Sichtweise auf Konstantin würde man dies selbstverständlich sofort als eine Art christliches Bekenntnis lesen wollen, aber diese Symbolik fehlt auf der Münze vollkommen. Vielmehr ist auf der Rückseite der Münze eine wichtige pagane Gottheit abgebildet, der Sonnengott Sol Invictus. Die Widmung sagt deutlich, wem die Münze gewidmet ist, nämlich dem abgebildeten Sonnengott, „dem Gefährten Sol Invictus“ (SOLI INVICTO COMITI). Sol ist hier als eine Art Weltenherrscher gezeigt, er hält den Globus in seiner Linken, die Rechte ist erhoben, wie ein Feldherr zu den Truppen sprechen würde – die Möglichkeit, diese Figur gleichzeitig mit Konstantin zu identifizieren, ist durchaus vorhanden und sicherlich auch so intendiert gewesen.

Sol Invictus war für Konstantin eine wichtige Gottheit auf seinen Münzdarstellungen, was Rückschlüsse auf seine religiöse Einstellung zulässt. Zum einen nutzt er, trotz seiner starken Begünstigung des Christentums, keine eindeutig christliche Symbolik auf seinen Münzen, ein Kreuz oder Christogramm suchen wir hier vergebens. Zum anderen aber hat er sich gerade den Gott aus dem paganen Pantheon herausgesucht und zu seinem Gefährten erhoben, der die meisten monotheistischen Züge trägt, denn Sol Invictus wurde oft auch als der „größte der Götter“ bezeichnet oder als Personifizierung aller Gottheiten gesehen. Es gibt in der Forschung daher auch die These, dass der Sol Invictus-Kult für Konstantin eine Art Scharnierfunktion zwischen den christlichen und den paganen Untertanen darstellte, da er für beide gleichermaßen akzeptabel war. Der Kult war fast monotheistisch konzipiert, Sol Invictus eine positive Lichtgottheit und daher für die christlichen Untertanen sicherlich eher akzeptabel als andere Gottheiten. Gleichzeitig war er ein Zugeständnis an die paganen Untertanen, die hier eine Fortführung der alten Religion sehen konnten. Abschließend ist auffallend, dass der „erste christliche Kaiser“ auf seinen Münzen nicht Christus, sondern den Sonnengott abbildete.

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Podcast-Hinweise
Sehen Sie zu dieser Quelle auch den Podcast „Diokletian, Konstantin und die konstantinische Dynastie“. Um einen breiteren Einblick in die Spätantike zu erhalten, sehen Sie auch die Podcastreihe „Römische Geschichte III – Spätantike“.
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Siehe zur Münzprägung in der Spätantike auch die Münze des Diokletian (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/462-2/). Zu Konstantin siehe auch seinen Herrschaftsantritt (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/ausrufung-konstantins-zum-kaiser/), die Berichte zu seiner Vision (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/laktanz-zu-konstantins-vision/, http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/443-2/) und den zur Gewaltorgie in seiner Familie (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/448-2/).