Gotenfoedus von 382 n. Chr.

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16. Rede Themisius 12-14

Leitfragen:

1.) Was war der Auslöser für die Entstehung dieses Vertragsbündnisses?
2.) Was ist das Besondere an diesem foedus?
3.) Was bedeutete dieses Bündnis für die germanisch-römischen Beziehungen?

Kommentar:

Der Auszug der vorliegenden Rede stammt von einem gewissen Themistius, der Senator und Stadtpräfekt von Konstantinopel war. Die Rede wurde wahrscheinlich 383 n. Chr. in Konstantinopel anlässlich des Friedensschlusses mit den Goten und der Ernennung des Saturninus zum Konsul gehalten.

Unter Theodosius I. hatte das Römische Reich erhebliche Schwierigkeiten bei der Aushebung neuer Rekruten. Als Konsequenz und um Fälle von Selbstverstümmelungen o.ä. zur Vermeidung des Kriegsdienstes einzuschränken, wurden die Grundbesitzer verpflichtet, einen bestimmten Geldbetrag an den Staat abzugeben, damit dieser aus diesen Mitteln selbst Soldaten ausheben konnte. Dies führte allerdings dazu, dass immer mehr „Nicht-Römer“ in die Armee aufgenommen wurden, was zu einer zunehmenden „Barbarisierung“ des römischen Militärs führte. Als Folge dessen standen sich auf den Schlachtfeldern immer öfter Angehörige derselben Ethnie gegenüber, was der Moral des – zumindest nominell römischen – Heeres abträglich war.

Besonders deutlich zeigte sich diese Problematik, als 380 n. Chr. einige Westgoten unter der Führung ihres Königs Frigitern gefährlich weit nach Makedonien vorstießen. In dieser Sitution sah sich Theodosius I. vor dem Problem, dass sich sein Heer, welches vornehmlich aus Goten bestand, für diese Auseinandersetzung als unbrauchbar erwies. Aus diesem Grund bat er den Westkaiser Gratian um Hilfe. Dieser schickte ebenfalls (Söldner)truppen unter dem Kommando von Argbogast und Bauto, zweier Franken, zur Unterstützung. Diese waren in der Lage, die Westgoten zurückzuschlagen. Dennoch konnte von keinem ausreichenden Sieg gesprochen werden, denn die Situation des Römischen Reiches war weiterhin geprägt von verschiedenen germanischen Stämmen, die auf römischem Gebiet umherzogen und plünderten. Auch der große Anteil germanischer Mitglieder und Gruppenverbände in der Armee wurde mehr und mehr zu einem ernstzunehmenden Problem.

Um dieser Problematik Herr zu werden, beschloss Theodosius I. 382 n. Chr. einen Vertrag (foedus) zwischen den Goten und Römern abzuschließen, der Frieden mit den Westgoten schließen und gleichzeitig die außenpolitische Situation stabilisieren sollte. Dieser wurde auf römischer Seite von dem Heermeister Saturninus und auf gotischer Seite von einem unbenannten König (vielleicht Fritigern) geschlossen. Verträge sind von den Römern schon immer geschlossen worden, um Frieden oder Bündnisse zwischen den Vertragspartnern zu sichern. Das Novum der spätantiken foedera war die Zuschreibung von Reichsgebiet an den Vertragspartner und die Zahlung bestimmter Jahresgehälter. Der Vertragstext des eigentlichen Gotenfoedus von 382 n. Chr. ist nur fragmentarisch überliefert. Der Inhalt lässt sich allerdings durch die vorliegende Rede teilweise rekonstruieren; Die Goten erhielten in den Provinzen Dacien und Thracien steuerbefreites Siedlungsgebiet. Dieses Land blieb offiziell römisches Territorium, in dem die Goten, als reichsangehörige Foederaten unter ihren eigenen Königen lebten. Im Gegenzug waren die Goten den Römern zur Waffenhilfe verpflichtet und wurden im Kriegsfall als Teil der römischen Armee betrachtet. Sie durften allerdings in geschlossenen Verbänden unter eigenen Anführern kämpfen. Zudem wurde ihnen eine Art Jahresgehalt gezahlt. Damit erlaubte ihnen diese Vereinbarung sozusagen einen Staat im Staat.

Dieses Konzept kann ohne Frage als epochemachend bezeichnet werden, da zum ersten Mal ein großes Volk auf dem Territorium des Römischen Reiches einen halbautonomen Status zugesprochen bekam. Nichtsdestoweniger brachte dieses Halbbürgerrecht, welches einen Schwebezustand zwischen Autonomie und Reichsangehörigkeit beinhaltete, in den Folgejahren eigene Probleme mit sich.

Im Falle der Westgoten war die Vertragsbeziehung der beiden Parteien immer noch von der gelegentlichen Kriegs- und Raublust der Goten geprägt. Einige Jahre lang konnte Theodosius I. diese allerdings einigermaßen in Schranken halten, bis schlussendlich 391 n. Chr. der Frieden gebrochen wurde und sich nach mehreren Auseinandersetzungen zwischen Goten und Römern, auf gotischer Seite ein gewisser Alarich hervortat, der für die Geschichte des Römischen Reiches noch eine wichtige Rolle einnehmen sollte.

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Bischöfe als Fürsprecher der Bevölkerung

 

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Autor_in: Constantius von Lyon
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                               Constantius Vita. Germ. 28

(28) Vixdum domum de transmarina expeditione remeaverat, et iam legatio Armoricani tractus fatigationem beati antistitis ambiebat. Offensus enim superbae insolentia regionis vir magnificus Aetius qui tum rem publicam gubernabat, Gochari ferocissimo Alanorum regi loca illa inclinanda pro rebellionis praesumptione permiserat, quae ille aviditate barbaricae cupiditatis inhiaverat. Itaque genti bellicosissimae regique idolorum monistro obictur senex unus, sed tamen omnibus Christi praesidio maior et fortior. Nec mora, festinus egreditur, quia imminebat bellicus apparatus. Iam progressa gens fuerat totumque iter eques ferratus impleverat, et tamen sacerdos noster obvius ferebatur, donec ad regem ipsum qui subsequebatur accederet. Occurrit in itinere iam progresso et armato duci inter suorum catervas opponitur medique interprete primum precem supplicem fundit, deinde increpat differentem, ad extremum, manu iniecta, freni habenas invadit atque in eo universum sistit exercitum. Ad haec rex ferocissimus admirationem pro iracundia, Deo imperante, concepit; stupet constantiam, veneratur reverentiam, auctoritatis pertinacia permovetur. Apparatus bellicus armorumque commotio ad consilii civilitatem deposito tumore, descendit, tractaturque, qualiter non qoud rex voluerat, sed quod sacerdos petierat conpleretur. Ad stationis quietem rex exercitusque se recipit; pacis securitatem fidelissimam pollicetur, ea conditione, ut venia, quam ipse praestiterat, ab imperatore vel ab Aetio peteretur. Interea per intercessionem et meritum sacerdotis rex conpressus est, exercitus revocatus, provinciae vastationibus absolutae.

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Übersetzung: Jan Seehusen
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Übersetzung

(28) Gerade war Germanus von seiner jenseits des Meeres befindlichen Mission zurückgekehrt, da wandte sich bereits eine Gesandtschaft der Armorikanergegend an den müden seligen Bischof. Denn der hochedle Mann Aetius, der damals den Staat leitete, wurde durch die Unverschämtheit der stolzen Region beleidigt und hatte dem äußerst wilden König der Alanen, Goar, jene Gegenden überlassen, die diese in seiner Gier barbarischer Sucht begehrt hatte und die zum Verdacht einer Rebellion Anlass gaben. So stellte sich der Greis allein dem äußerst kriegerischen Volk und götzendienenden König entgegen, war aber durch den Schutz Christi größer und stärker als alle. Ohne Aufschub brach er eilig auf, denn die Kriegsrüstungen drohten zu beginnen. Bereits das ganze Volk war aufgebrochen und mit Eisen beschlagene Reiter füllten den ganzen Weg. Und dennoch wurde unser Bischof ihnen entgegen gebracht, bis er zum König selbst gelangte, der folgte. Er trat ihm auf dem Weg entgegen, nachdem er bereits herangeschritten war, und er wurde dem bewaffneten König zwischen seinen Scharen entgegengestellt, und durch einen vermittelnden Dolmetscher brachte er ihm als erstes seine Fürbitte vor. Danach schalt er den Abweichler und ergriff, mit ausgestreckter Hand, die Riemen der Zügel und brachte das ganze Heer vor ihm zum Stillstand. Infolge dessen empfand der äußerst wilde König auf Gottes Befehl Bewunderung anstelle von Zorn; er bestaunte seine Beharrlichkeit, verehrte seine Erhabenheit und war bewegt ob des Nachdrucks seines Willens. Die Kriegsrüstungen und das Erheben der Waffen sank, nachdem sich die Wut gelegt hatte, zu einer Bürgerversammlung herab und es wurde so verhandelt, dass nicht das, was der König beabsichtigt hatte, sondern das, worum der Bischof gebeten hatte, erfüllt wurde. Der König und das Heer zogen sich in die Ruhe des Lagers zurück; er versprach die äußerst verlässliche Sicherheit des Friedens unter der Bedingung, dass die Nachsicht, die er selbst gewährleistet hatte, vom Kaiser oder von Aetius erbeten werde. Unterdessen wurde durch das Einschreiten und den Verdienst des Bischofs der König zurückgehalten, das Heer zurückgerufen und Provinzen von Verwüstungen befreit.

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Constantius Vita. Germ. 28

Leitfragen:

1.) Was ist eine (Heiligen)vita?
2.) Wie wird der Bischof Germanus beschrieben?
3.) Was lässt sich daraus über die gesellschaftliche Rolle der Bischöfe im späten 5. Jahrhundert entnehmen?

Kommentar:

Der Quellenauszug ist Teil der umfangreichen Bischofsvita des Germanus von Auxerre (auch: Saint Germain), die von Constantius von Lyon im 5. Jahrhundert n. Chr. verfasst worden ist.

Bei dem Autor der Vita sancti Germani handelt es sich um den gallischen Kleriker Constantius von Lyon. Sein Schreibstil verrät rhetorische Bildung und literarisches Können und zeichnet Constantius dadurch als spätantiken gelehrten Aristokraten aus. Es ist wenig über sein Leben und Wirken bekannt. Die Vita verfasste er wahrscheinlich eher an seinem Lebensende, um das Jahr 494 n. Chr.

Der Text beschreibt das Leben und die Taten des gallorömischen Bischofes Germanus von Auxerre und liefert damit, neben zwei Widmungsbriefen und vier Briefen des Sidonius Apollinaris (432-488 n. Chr.), die Hauptquelle über das Leben des Heiligen. Auffallend ist, dass der Text der Vita Sancti Germani – im Gegensatz zu vielen anderen Heiligenviten, wie z.B. der von Martin von Tours (Siehe Kommentar: Nächstenliebe im Christentum) – nicht verfasst wurde, um einem Zeitgenossen zum Ruhm zu verhelfen, sondern Constantius vielmehr einen Bericht über eine bereits „berühmte“ Persönlichkeit verfasste. In erster Linie wollte Constantius – nach eigener Aussage – versuchen, einen Bericht über die Frömmigkeit des Bischofes und dessen zahllose Wundertaten zu verfassen. Dabei handele es sich um eine Aufgabe, der er eigentlich nicht würdig und fähig sei. Der Autor bedient sich damit bereits in der Einleitung eines gängigen Topos der hagiographischen Literatur.

Heiligenviten zählen, wie die Prozessakten der Märtyrer (actae) und ihre Leidensdarstellungen (passiones) zur Gattung der Hagiographie. In den Viten wird der Heilige und Gottes Wirken an und durch ihn dargestellt. Sie geben i.d.R. Aufschluss über das Leben der Heiligen, ihren Kult und besonders über die bewirkten Wunder. Diese fungieren als ein beliebtes Mittel, um den Glauben der Menschen durch Staunen und Loben über Gottes Wundertaten zu festigen; Ziel dieser Textgattung ist oftmals die Erbauung der Gemeinde. Dennoch ist es wichtig festzuhalten, dass es sich bei den Texten um äußerst individuelle Darstellungen handelt, welche sich durch Ähnlichkeiten im Aufbau und in Formulierung von anderen abgrenzen lassen, im selben Moment allerdings immer mit einer ganz eigenen Intention verfasst worden sind.

Der vorliegende Textausschnitt stellt die besonderen Aufgaben des Bischofes Germanus im 5. Jahrhundert dar. Nachdem dieser gerade von einer Reise zurückgekehrt war, erwartete ihn schon die nächste Gesandtschaft. Sie baten den Bischof darum, mit dem „wilden“ Alanenkönig Goar zu verhandeln. Umgehend machte sich Germanus auf den Weg und stellte sich dem König ohne Furcht entgegen, um ihm sein Anliegen vorzubringen. Dieser zeigte sich dem Bischof gegenüber nicht feindselig, sondern bewunderte „die Standhaftigkeit, verehrte die Erhabenheit und war verwirrt ob der Kühnheit solcher Autorität.“ Er verhandelte mit dem Bischof und gab schließlich seiner Bitte nach. Besonders deutlich wird hierbei, dass Germanus diese politische Konfliktsituation allein durch seine (gottgegebene) Autorität zu lösen vermöchte und so in der Lage war, der Provinz den Frieden zu sichern.

Er wurde sogar gebeten, das Anliegen der Amorikaner noch weiter an den Kaiserhof zu tragen, wobei er auf dem Weg nach Ravenna vielzählige Wunder vollzog. Dort angekommen erreichte er beim Kaiser für die Gesandtschaft Vergebung und beständige Sicherheit. Am Ende war allerdings die Fürsprache des Bischofes, aufgrund eines betrügerischen Zwischenfalles, vergebens. Die Vita endet mit dem „natürlichen Tod“ des Bischofes. Im starken Gegensatz zu den Märtyrerberichten erleidet Germanus also keinen gewaltvoll herbeigeführten Tod, dennoch wurden seine Überreste unter allerlei Ehrungen in seine Heimatstadt überführt und dort – wo sie auch noch lange weitere Wunder wirkten – verehrt.

Die teilweise unkritische und idealisierte Darstellung des Bischofes präsentiert dem Rezipienten die Lebensbeschreibung eines vorbildhaften Menschen, der ihm als sittliches Vorbild sowie der kultischen Verehrung würdig präsentiert wird.

Zudem wird in der Vita Sancti Germani auch die politische Rolle des Bischofes deutlich; er empfängt Gesandtschaften und reist sogar persönlich an den Kaiserhof, um als Fürsprecher zu fungieren – und wird dort angehört. Insbesondere im Gallien des 5. Jahrhunderts n. Chr. nahmen Bischöfe als sog. defensores civitates die Rolle als Fürsprecher für das Volk ein. Diese Tätigkeit wird auch dem Heiligenbild und dem hagiographischen Diskurs hinzugefügt.

Germanus wird als Heiliger vor allem als Schutzpatron gegen diverse Krankheiten verehrt, sein Gedenktag in der katholischen Kirche ist der 31.7.

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Plünderung Karthagos

 

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Autor_in: Victor von Vita
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                                           Vict.Vit. 1, 8-10

(8) In aedificiis nonnullis magnarum aedium vel domorum, ubi ministerium ignis minus valuerat, tectis admodum despicatis pulcritudinem parietum solo aequabant, ut nunc antiqua illa speciositas civitatum nec quia fuerit prorsus appareat. Sed et urbes quam plurimae aut raris aut nullis habitatoribus incoluntur; nam et hodie si qua supersunt, subinde desolantur. Sicut ibi Carthagine odium, theatrum, aedem Memoriae et viam, quam Caelestis vocitabant, funditus deleverunt. (9) Et, ut de necessariis loquar, basilicam Maiorum, ubi, corpora sanctarum martyrum Perpetuae atque Felicitatis sepulta sunt, Celerinae vel Scilitanorum et alias, quas non destruxerant suae religioni licentia tyrannica mancipaverunt. Ubi vero munitiones aliquae videbantur, quas hostilitas barbarici furoris obpugnare nequiret, congregatis in circuitu castrorum innumerabilibus turbis, gladiis feralibus cruciabant, ut putrefactis cadaveribus, quos adire non poterant arcente murorum defensione, corporum liquescentium enecarent foetore. (10) Quanti et quam numerosi tunc ab eis cruciati sunt sacerdotes, explicare quis poterit? Tunc enim et nostrae civitatis venerabilis Panpinianus antistes candentis ferri lamminis toto adustus est corpore. Similiter et Mansuetus Uriciatanus in porta incensus est Fornitana. Qua tempestate Hipporegiorum obsessa est civitas, quam omni laude dignus beatus Augustinus, librorum multorum confector pontifex gubernabat.

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Übersetzung: Jan Seehusen
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                                              Übersetzung

(8) Bei manchen Bauten großer Gebäude oder Wohnhäuser, wo der Dienst des Feuers weniger stark gewesen war, machten sie, nachdem sie die Dächer im wahrsten Sinne des Wortes entrupft hatten, die Schönheit der Wände dem Boden gleich, sodass jetzt jene alte Schönheit der Städte gänzlich unsichtbar ist, als habe es sie nicht gegeben. Aber auch viele Städte werden entweder von wenigen oder keinen Bewohnern besiedelt; denn auch wenn heute noch einige übrig bleiben, werden sie allmählich verlassen. So vernichteten sie in Karthago vollständig das Odeion, das Theater, die Aedes Memoriae und die Straße, die Caelestis genannt wird. (9) Auch haben sie, um nur über die schlimmsten Zwangslagen zu sprechen, die Basilica Maiorum, wo die Gebeine der heiligen Märtyrer Perpetua und Felicitas begraben sind, sowie die Kirche der Celerina und die der Scilitanischen Märtyrer und andere, die sie nicht zerstört haben, mit tyrannischer Frechheit ihrem eigenen Kult übergeben. Wo aber irgendwelche Befestigungen so schienen, dass die Feindseligkeit der barbarischen Wut nicht fähig war sie zu erobern, metzelten sie, nachdem im Umkreis der Mauern zahlreiche Mengen versammelt waren, diese mit tödlichen Schwertern nieder, um nach dem Verfaulen der Leichname diejenigen, an die sie wegen der schützenden Verteidigung der Mauern nicht herankommen konnten, durch den Gestank der verwesenden Körper langsam hinzumorden. (10) Wie bedeutende und wie viele Bischöfe wurden dann von ihnen gefoltert, wer könnte dies darlegen? Denn damals wurde auch der verehrte Vorsteher unserer Stadt, Panpinianus, am ganzen Körper mit einer glühenden Eisenplatte verbrannt. Ebenso wurde Mansuetus Uricitanus an der Porta Fornitana in Brand gesetzt. In dieser stürmischen Zeit wurde auch die Stadt Hippo Regius belagert, die der allem Lob würdige und selige Augustinus als Bischof regierte, welcher der Vollender zahlreicher Schriften war.

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Autor_in: Nathalie Klinck
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Vict.Vit. 1, 8-10

Leitfragen:

1.) Mit welcher Intention verfasste Victor den vorliegenden Text?
2.) Was erfahren wir über die Situation in Karthago unter den Vandalen?
3.) In welcher Beziehung standen die Vandalen zur karthagischen Kirche?

Kommentar:

Der vorliegende Quellenausschnitt stammt von dem spätantiken Kirchenhistoriker Victor von Vita. Er verfasste um das Jahr 487/89 sein Werk, die Historia persecutionis Africanae provinciae, eine Geschichte, die allen voran die Leiden der Katholiken unter der vandalischen Verfolgung und ihre Standhaftigkeit darstellen sollte. Victor selbst war Kleriker, Bischof von Vita und Zeitzeuge der beschriebenen Ereignisse. Bei seinem Werk handelt es sich um eine der wenigen narrativen Quellen über die Zeit der Vandalen in Nordafrika – die schriftliche Überlieferung dieser Periode dominiert klar die Hagiographie – in der Informationen über das tägliche Leben und an einigen Stellen sogar Archivalien überliefert wurden.

Im Jahr 429 n. Chr. überquerte der vandalische König Geiserich mit seiner gesamten gens die Straße von Gibraltar und setzte nach Nordafrika über. Auf ihrem dortigen Eroberungszug zerstörten die Vandalen viele nordafrikanische Städte und vertrieben ihre Bewohner, wie im Fall von Hippo Regius. Im Jahr 439 n. Chr. erreichten sie schließlich Karthago, die Hauptstadt der Proconsularis und legten diese als ihren neuen Königssitz fest. In dem vorliegenden Ausschnitt hebt Victor vor allem die Grausamkeiten vor, mit der die Vandalen Karthago einnahmen; nicht nur zerstörten sie viele Gebäude des öffentlichen Lebens, sondern sie gingen sogar so weit, dass sie versuchten, die Menschen innerhalb der Mauern durch den Verwesungsgeruch von aufgestapelten Leichen herauszutreiben.

Im Mittelpunkt seiner Beschreibungen stehen allerdings die Verbrechen der Vandalen gegenüber der katholischen Kirche. Dies wird auch in der Erwähnung der beiden Märtyrerinnen Perpetua und Felicitas deutlich, die im lokalen Kult eine herausragende Rolle einnahmen. Die Vandalen zerstörten die großen extra urbanen Basiliken, wie die Basilica Maiorum zwar nicht, aber sie belegten diese für ihren arianischen Glauben – eine ebenfalls christliche, theologische Lehre, die allerdings seit dem Konzil von Nicäa von einem Großteil der (Reichs)Kirche als häretisch angesehen wurde. Victor verweist wahrscheinlich bewusst auf die Märtyrerinnen, um nochmals die Ignoranz der Vandalen gegenüber der katholischen Kirche deutlich zu machen und durch die Erwähnung der karthagischen Heiligen an das kollektive Gedächtnis der lokalen Gemeinde zu appellieren. Victor beschreibt weiter, dass viele katholische Bischöfe gefangen und gefoltert wurden. Nichtsdestoweniger war es zu keinem Zeitpunkt das erklärte Ziel der Vandalen, die katholische Kirche auszulöschen. Bei der gezielten Verfolgung handelte es sich vielmehr um eine politische als um eine theologische Entscheidung. Im Großen und Ganzen wurden wohl nur wenige Bischöfe hingerichtet, die Mehrzahl wurde ins Exil geschickt. Die lokale Kirche in Karthago sollte in erster Linie in ihrem Einfluss auf die Bevölkerung, ferner in ihrer engen Beziehung zu Konstantinopel eingeschränkt werden.

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Anfänge einer “Reichskirche“

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Autor_in: Eusebius von Caesarea
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Euseb. de.vit.Const. 3,6 – Original:

Εἶθ’ ὥσπερ ἐπιστρατεύων αὐτῷ φάλαγγα θεοῦ σύνοδον οἰκουμενικὴν συνεκρότει, σπεύδειν ἁπανταχόθεν τοὺς ἐπισκόπους γράμμασι τιμητικοῖς προκαλούμενος. οὐκ ἦν [δ’] ἁπλοῦν τὸ ἐπίταγμα, συνήργει δὲ καὶ αὐτῇ πράξει τὸ βασιλέως νεῦμα, οἷς μὲν ἐξουσίαν δημοσίου παρέχον δρόμου, οἷς δὲ νωτοφόρων ὑπηρεσίας ἀφθόνους. ὥριστο δὲ καὶ πόλις ἐμπρέπουσα τῇ συνόδῳ, νίκης ἐπώνυμος, κατὰ τὸ Βιθυνῶν ἔθνος ἡ Νίκαια. ὡς οὖν ἐφοίτα πανταχοῦ τὸ παράγγελμα, οἷά τινος ἀπὸ νύσσης οἱ πάντες ἔθεον σὺν προθυμίᾳ τῇ πάσῃ. εἷλκε γὰρ αὐτοὺς ἀγαθῶν ἐλπίς, ἥ τε τῆς εἰρήνης μετουσία, τοῦ τε ξένου θαύματος τῆς τοῦ τοσούτου βασιλέως ὄψεως ἡ θέα. ἐπειδὴ οὖν συνῆλθον οἱ πάντες, ἔργον ἤδη θεοῦ τὸ πραττόμενον ἐθεωρεῖτο. οἱ γὰρ μὴ μόνον ψυχαῖς ἀλλὰ καὶ σώμασι καὶ χώραις καὶ τόποις καὶ ἔθνεσι πορρωτάτω διεστῶτες ἀλλήλων ὁμοῦ συνήγοντο, καὶ μία τοὺς πάντας ὑπεδέχετο πόλις· ἦν οὖν ὁρᾶν μέγιστον ἱερέων στέφανον οἷόν τινα ἐξ ὡραίων ἀνθέων καταπεποικιλμένον.

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Übersetzung: P. Schaff
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Übersetzung:

THEN as if to bring a divine array against this enemy, he convoked a general council, and invited the speedy attendance of bishops from all quarters, in letters expressive of the honorable estimation in which he held them. Nor was this merely the issuing of a bare command but the emperor’s good will contributed much to its being carried into effect: for he allowed some the use of the public means of conveyance, while he afforded to others an ample supply of horses for their transport. The place, too, selected for the synod, the city Nicæa in Bithynia was appropriate to the occasion. As soon then as the imperial injunction was generally made known, all with the utmost willingness hastened thither, as though they would outstrip one another in a race; for they were impelled by the anticipation of a happy result to the conference, by the hope of enjoying present peace, and the desire of beholding something new and strange in the person of so admirable an emperor. Now when they were all assembled, it appeared evident that the proceeding was the work of God, inasmuch as men who had been most widely separated, not merely in sentiment but also personally, and by difference of country, place, and nation, were here brought together, and comprised within the walls of a single city, forming as it were a vast garland of priests, composed of a variety of the choicest flowers.

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Euseb. de.vit.Const. 3,6

Leitfragen:

1) Was waren die Ursprünge für die Einberufung des Konzils?

2) Was bedeutete dieses für Konstantin?

3) Was waren die Folgen des Konzils?

Kommentar:

Der hier dargestellte Quellenausschnitt stammt von Eusebius von Caesarea und beschreibt die Einberufung des ersten christlichen Konzils in Nicäa 325 n. Chr. Eusebius von Caesarea (ca. 260-339 n. Chr.) war ein spätantiker Gelehrter und Theologe. Der Bischof und Kirchenvater ist vor allem durch seine historischen Schriften bekannt geworden; die Chronik, die Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica) und ein Werk über das Leben Konstantins (Vita Constantini), aus welchem auch der hier vorliegende Abschnitt stammt.

Eusebius berichtet, dass das Konzil von Kaiser Konstantin in Nicäa, in der Nähe von Konstantinopel in Kleinasien einberufen wurde. Das Besondere an diesem Konzil war, dass es sich dabei um das erste „ökumenische“ Konzil in der Kirchengeschichte handelte. Bereits vor dieser Einberufung gab es immer wieder Synoden oder Konzilien, die allerdings lokal begrenzt blieben. In diesem Fall rief der Kaiser alle Bischöfe des Reiches zusammen, um einige der wichtigsten innerkirchlichen Streitfragen, wie die Festlegung des Ostertermins oder die dogmatische Auslegung der Trinitätslehre zu klären. Er erlaubte den Bischöfen, für eine schnelle und sichere Anreise sogar auf den kaiserlichen cursus publicus zurückzugreifen. Die herausgehobene Stellung Konstantins innerhalb dieses Konzils wird noch einmal unterstrichen, wenn Eusebius schreibt, dass die Bischöfe nicht nur um des (innerkirchlichen) Friedens willen anreisten, sondern auch um die strahlende Gestalt des Kaisers einmal sehen zu können.

Kaiser Konstantin hatte verschiedene Gründe, ein ortsübergreifendes Konzil einzuberufen u.a. war dies der Versuch, Ordnung in die unterschiedlichen christlichen Strömungen zu bringen, die sich im Römischen Reich entwickelt hatten. Hierbei stand wohl der Streit um den Arianismus, der vor allem in Alexandria geführt worden war, im Mittelpunkt. Zudem machte der Kaiser hiermit seine Vorrangstellung gegenüber den anderen Bischöfen deutlich. Die Neuerung, die sich hierbei im Gegensatz zu den paganen Kulten anbahnt, ist die, dass der Herrscher hier nicht nur eine weltliche Komponente der Machtausübung und eine religiöse Komponente (im Sinne des Gottesgnadentums) in sich vereint – in Rom wurden seit Augustus die Kaiser durch einen Staatskult auch als Götter verehrt – sondern, dass der Kaiser hier aktiv in religiös-sakrale Fragen eingreift und schwerwiegende Entscheidungen für die Kultausübung trifft. Konstantin nutzt zudem die im Römischen Reich weit verbreiteten christlichen Strukturen und Institutionen als provinzübergreifende friedenstiftende Maßnahmen und um die Bedeutung seines Kaisertums und seiner Stellung im Römischen Reich deutlich zu machen. An der Versammlung im bithynischen Nicäa nahmen ca. 270 Bischöfe teil. Die hierbei verfassten Kanones wurden von allen anwesenden Bischöfen unterschrieben – und von den meisten – als Gesetze einer sich entwickelnden „Reichskirche“ anerkannt.

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Arianerstreit

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Athan. or.adv.Arian. 1,1 – Original:

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Übersetzung: J. Kösel
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Übersetzung:

Alle Häresien, die durch Abfall von der Wahrheit entstanden, haben offenbar ein Wahngebilde sich ausgesonnen, und ihre Gottlosigkeit ist längst allen offenkundig geworden. Daß ja die, die solches ausgeheckt haben, von uns geschieden sind, ist doch wohl klar, wie ja der selige Johannes geschrieben hat: Die Anschauung solcher Leute hätte mit der unsrigen nie harmoniert noch auch harmoniere sie heute. Deshalb zerstreuen sie auch, wie der Heiland gesagt hat, mit dem Teufel, sie, die nicht mit uns sammeln, und warten, bis die Leute schlafen, um dann ihr eigenes tödliches Gift auszusäen und so Genossen im Tode zu gewinnen. Eine von den Irrlehren nun und zwar die jüngste, die eben erst als Vorläuferin des Antichrist ausgezogen ist, die sogenannte arianische, — listig und verschlagen — sieht, wie ihre älteren Schwestern, die andern Irrlehren, vor aller Welt gebrandmarkt wurden. Deshalb sucht sie sich heuchlerisch mit den Aussprüchen der Schrift zu decken wie schon ihr Vater, der Teufel, und will sich den Wiedereintritt in das Paradies der Kirche erzwingen, um unter der Maske des Christentums durch ihre verführerischen Fehlschlüsse — etwas Vernünftiges ist ja bei ihr nicht zu finden — den einen und andern zu einer falschen Vorstellung von Christus zu verleiten. Und sie hat ja wirklich schon einige Unbesonnene irregeführt und zwar so, daß deren Schädigung nicht auf das Anhören beschränkt blieb, sondern daß sie, der Eva gleich, auch nahmen und kosteten und nunmehr in ihrer Verblendung das Bittere süß wähnen und die abscheuliche Irrlehre schön nennen. Ich erachtete es daher, von euch dazu ermuntert, für nötig, den geschlossenen Panzer dieser häßlichen Irrlehre zu öffnen und euch deren übelriechende Torheit nachzuweisen, damit die ihr ferne Stehenden sie noch mehr fliehen, die von ihr bereits Betrogenen aber zu besserer Einsicht kommen, die Augen ihres Herzens öffnen und erkennen, daß, wie die Finsternis nicht Licht und die Lüge nicht Wahrheit ist, so auch die arianische Irrlehre nicht schön ist, daß aber auch die, welche diese Leute noch Christen nennen, in gar schwerer Täuschung befangen sind, da sie weder die Schrift verstehen noch überhaupt das Christentum und seinen Glauben kennen.

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Athan. or.adv.Arian. 1,1

Leitfragen:

1) Was ist der Arianismus?

2) Welche Gegenargumente nennt Athanasius in seiner Rede?

3) Was war die Ausgangslage für diesen Konflikt?

Kommentar:

Bei dem hier vorliegenden Quellenauszug handelt es sich um den Anfang einer Rede, die von dem Kirchenvater Athanasius im 4. Jh. n. Chr. verfasst wurde.

Athanasius (ca. 295-373 n. Chr.) war Bischof von Alexandria und galt als starker Gegner des sog. „Arianismus“, einer theologischen Strömung im frühen Christentum, die spätestens seit dem Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) als Häresie – als eine Lehre, die den Glaubensgrundsätzen der („Reichs“)Kirche widerspricht – angesehen wurde.

Diese Position wird auch in dem einleitenden Teil seiner Rede deutlich; Athanasius bezeichnet den Arianismus als häretisch und führt aus, dass dieser Irrglaube lediglich den Anschein machen würde, als handle es sich dabei um einen Teil des Christentums, allerdings sei dies keinesfalls der Fall. Aus diesem Grund sei dieser Glaube als falsch anzusehen. Zudem seien die Menschen, die dieser Position anhängen, keine wirklichen Christen.

Die Problematik, die hinter diesem Konflikt, dem sog. „Arianerstreit“ steckte, begann schon vor dem Konzilsbeschluss von Nicäa und wirkte noch lange danach. Der Presbyter Arius, nach welchem diese Strömung benannt wurde, befand sich Anfang des 4. Jh. n. Chr. wohl schon längere Zeit in einem Dissens mit Alexander von Alexandria, dem Bischof der Stadt und Vorgänger des Athanasius. Es handelte sich bei dieser dogmatischen Frage von Anfang an auch um eine Frage der bischöflichen Autorität und des Kirchenrechts.

Kern dieser Auseinandersetzung war der theologische Ansatz von Arius, welcher das Trinitätsverständnis von Vater, Sohn und Heiligem Geist grundsätzlich hinterfragte. Arius war der Meinung, dass die Idee von einem Gott, der sich in dreifacher Weise manifestierte, nicht mit der Idee eines christlichen Monotheismus vereinbar sei. Der Sohn und der Heilige Geist waren aus seiner Sicht nur in untergeordneter Position denkbar.

Athanasius wiederum setzte sich stark für diese Wesensgleichheit ein, vor allem um die theologische Position von Jesus als Erlöser zu bekräftigen.
318 n. Chr. wurde Arius nach einem alexandrinischen Konzil aus Alexandria verbannt. Nach der Verbannung verbreitete er seine Ideen weiter vor allem im Osten des Römischen Reiches, unterstützt von anderen einflussreichen Kirchenvätern, wie Eusebius von Caesarea.

Das bereits erwähnte Konzil von Nicäa wurde u.a. als Reaktion auf diesen Streit von Kaiser Konstantin einberufen. Dafür wurden unter dem Vorsitz des Kaisers ca. 250 römische Bischöfe nach Nicäa bestellt, um verschiedene Fragen zu diskutieren. Das Konzil von Nicäa widersprach den Ansätzen des Arianismus – wohl auch um einen allgemeinen Frieden und Festigung einer entstehenden „Reichskirche“ zu gewähren.

Der Streit setzte sich auch nach Beendigung des Konzils weiter fort. Im Zuge dessen wurden nicht nur die Vertreter der arianischen Trinitätslehre als Arianer bezeichnet, sondern vielmehr alle Gegner des nicänischen Bekenntnisses. Offiziell beendet wurde der Konflikt erst im Jahr 381 n. Chr. durch das Konzil von Konstantinopel.

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Niederlage der Burgunder gegen die Hunnen

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Autor_in: Prosper Tiro von Aquitanien
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Prosper. Chron.1320-22 – Original:

(1320) CCCCVIII: Theodosio XV et Valentiniano IV
(1321) pax facta cum Vandalis data eis ad habitandum Africae portione.
(1322) eodem tempore Gundicharium Burgundionum regem intra Gallias habitantem Aetius bello obrivit pacemque ei supplicant dedit, qua non diu potitus est, siquidem illum Chuni com populo suo ab stirpe deleverint ’

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Übersetzung: Nathalie Klinck
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Übersetzung:

(1320) Jahr 408: Theodosius [hatte] zum fünfzehnten und Valentinian zur vierten [Mal das Konsulat inne].
(1321) Mit den Vandalen wurde Frieden geschlossen und ihnen wurde ein Teil Afrikas zur Besiedelung überlassen.
(1322) Zur selben Zeit wiegelte Aetius den Burgundenkönig Gundahar, der in Gallien lebte, im Krieg auf und gewährte ihm auf seine Bitte hin Frieden. Gundahar hatte nicht lange Freude daran, weil die Hunnen ihn mit seinem Volk vollkommen vernichteten.

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Autor_in: Nathalie Klinck
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Prosper. Chron.1320-22

Leitfragen:

1.) Wie wird Aetius beschrieben?
2.) Was waren die Auslöser des Konflikts?
3.) Was waren die Folgen?

Kommentar:

Diese kurze Beschreibung stammt von dem spätantiken Schriftsteller Prosper Tiro von Aquitanien (ca. 390-455 n. Chr.).
Der gallische Gelehrte wirkte unter Papst Leo und setzte sich zudem in seinen diversen Schriften u.a. stark gegen den Pelagianismus ein. Seine Chronik entstand über einen längeren Zeitraum im 5. Jahrhundert und nimmt als historiographische Schrift eine Sonderrolle unter seinen sonst hauptsächlich theologischen Werken ein. Umstritten ist, ob es sich bei ihm um einen theologisch gebildeten Laien oder um einen Kleriker handelte.Die Chronik ist eine Weiterführung der bereits bekannten Chronik des Hieronymus, allerdings verknüpft Prosper Tiro in seinem Werk zusätzlich geschickt die Geschichte des Römischen Reichs mit der christlichen Heilsgeschichte.

Die hier beschriebene Niederlage der Burgunder gegen die hunnischen Truppen lässt sich in den größeren Zusammenhang der sog. „Völkerwanderung“ einordnen. Zudem bildet diese Auseinandersetzung auch die Grundlage des Nibelungenliedes. Wahrscheinlich ist, dass die Burgunder zusammen mit den Vandalen den Rhein überquerten und sich daraufhin weiter den Vandalen, Alanen und Sueben anschlossen, um das Gebiet südlich des Rheins zu plündern. Sie folgten ihnen allerdings nicht weiter nach Gallien, sondern beteiligten sich unter ihrem König Gundahar an der Usurpation von Jovinus, um danach 413 n. Chr. in ihrem Siedlungsgebiet am Rhein Foederaten des Kaisers Honorius zu werden. Dabei ist immer noch unklar, wo genau das eigentliche Siedlungsgebiet der Burgunder lag, Worms wird immer wieder angenommen – was vor allem an der um 1200 schriftlich festgehaltenen Nibelungensage liegt, die die Geschichte nach Worms verortet, lässt sich allerdings nicht ausreichend belegen. Prosper spricht lediglich davon, dass sich die Burgunder am Rhein ansiedelten.

Im Sinne dieser Foederatenbeziehung verhielten sich die Burgunder einige Jahre ruhig, bis sie – unter Umständen auch unter dem Druck weiterer germanischer Völker und angespornt durch innerrömischer Konflikte – versuchten, ihren Einflussbereich weiter nach Westen in die Provinz Belgica prima auszuweiten. Daraufhin zog 435 n. Chr. Aetius gegen das burgundische Heer. Aetius hatte sich bereits vorher durch einige wichtige militärische Siege hervorgetan. Auch Prosper Tiro betont die Erfolge des ehemaligen magister militum, der sich seit 435 n. Chr. als patricius et magister utriusque militae bezeichnen konnte und der faktische Machthaber des Römischen Reiches im Westen war. Allerdings zeichnet der Gelehrte an anderen Stellen ein eher ambivalentes Bild des Heermeisters; indem er seine militärischen Erfolge lobt, aber auch darauf hinweist, dass das Machtstreben des Aetius maßgeblich dazu beigetragen hat, das Reich, vor allem in den Außenprovinzen, zu destabilisieren.

Zuerst schloss Aetius mit Gundahar Frieden, griff ihn einige Zeit später unter Zuhilfenahme von hunnischen Hilfstruppen erneut an und fügte ihm eine schwere Niederlage zu. 443 n.Chr. wies Aetius den übrigen Burgundern Siedlungsgebiet in der Sapaudia (am Genfer See) zu, wo sie sich sesshaft niederließen. Schließlich beteiligten sie sich sogar im Jahr 451 n. Chr. auf römischer Seite an der für Aetius äußerst wichtigen Schlacht gegen die Hunnen auf den Katalaunischen Feldern. In den Folgejahren sollte es erst einmal ruhiger um die Burgunder werden bis sie sich nach mehreren Jahrzehnten wieder aktiv in das politische Geschehen Roms einbrachten.

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Duces

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Notitia Dignitatum

Leitfragen:

1.) Was ist die Notitia Dignitatum?
2.) Welchen Zweck hatte diese Schrift?
3.) Was sind die Aufgaben eines Dux?

Kommentar:

Bei der hier dargestellten Quelle handelt es sich um das Frontispiz zum Amt und Kommandobereich des Dux Mogontiacensis in der sog. Notitia Dignitatum. Bei dieser handelt es sich, wie der vollständige Name bereits vermuten lässt (Notitia dignitatum continet omnium tam civilium quam militarium dignitatum utriusque imperii occidentis orientisque – Aufzeichnung der Würdenträger, enthält alle Würdenträger, sowohl die zivilen als auch die militärischen, des westlichen und des östlichen Reiches), um eine Art römisches Staatshandbuch, welches verschiedene zivile und militärische Ämter in Ost- und Westrom auflistet. Die Urfassung ist wahrscheinlich im 4. oder 5. Jahrhundert n. Chr. entstanden. Die vorliegende colorierte Darstellung ist allerdings erst in einer mittelalterlichen Handschrift, dem Codex Spirensis aus dem 9. oder 10. Jahrhundert auf uns gekommen. Die Notitia Dignitatum umfasst 90 Kapitel, die neben dem Text zusätzlich farbige Illustrationen zeigen. Diese stellen u.a. die Insignien verschiedener Beamter, die Schildzeichen der Truppenteile und allegorische Darstellungen der Provinzen dar.

Der genaue Zweck dieses umfassenden administrativen Nachschlagewerks ist nicht bekannt. Eine Möglichkeit ist, dass die Urfassung als Arbeitsinstrument im Sinne eines Handbuches gedacht gewesen war, die aufwendig illustrierten mittelalterlichen Ausgaben des Prachtkodex mit Sicherheit nicht. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei dieser Quelle um eine für den Historiker einzigartige Darstellung der Hierarchie der zivilen und militärischen Würden und ihrer Organisation. Die Notitia Dignitatum zeigt zudem deutlich die Auswirkungen der Heeresreform unter Diocletian und Constantin auf, welche die für sie spätantike charakteristische Trennung von ziviler und militärischer Gewalt zur Folge hatte.

Bei dem hier dargestellten Dux Mogontiacensis handelt es sich um den Heerführer bzw. Oberbefehlshaber über die Region entlang des Mittel- oder Oberrheins nahe der Stadt Mainz. Das Amt des Dux ist eine Entwicklung des ausgefeilten Ämterapparates der spätantiken Verwaltung der beiden Reichshälften. Im Großen und Ganzen waren Duces Heerführer, die vor allem in den Grenzgebieten agierten. Sie waren für die Sicherung der unterschiedlichen Provinzen verantwortlich und wie die Notitia Dignitatum zeigt, waren ihnen eine Reihe von militärischen und administrativen Kräften unterstellt. Der Aufbau des Kapitels zum Dux Mogontiacensis entspricht zum Großteil dem der übrigen; zuerst wird in einer Überschrift der Amtstitel benannt, danach folgt eine erste Bildtafel. Dieses Frontispiz bietet einen ersten groben Überblick über den Kommandobereich des Dux. Daran schließt sich eine Auflistung der Truppenkommandeure inklusive der vom Dux befehligten Einheiten und ihrer Standorte sowie eine Liste des administrativen Personals unter seinem Kommando an.

Das Amt des Dux Mogontiacensis lässt sich ausschließlich in der vorliegenden Quelle greifen. Dabei ist der genaue Entstehungszeitpunkt des Mainzer Dukates nicht überliefert, wahrscheinlich stand dieser in der Nachfolge des Dux Germaniae primae. Dabei ist auffällig, dass das Attribut Mogontiacensis im Gegensatz zu den meisten anderen Benennungen in der Notitia Dignitatum nicht auf eine Diözese oder Provinz, sondern auf eine Stadt hindeutet. Das Frontispitz verweist durch die Dokumentrolle im linken oberen Teil der Darstellung darauf, dass der Dux als comes ordinis primi zur höchsten Rangklasse innerhalb der viri spectabiles, der Amtsträger der mittleren senatorischen Rangklasse, zählte. Die 11 sechseckigen Vignetten stehen symbolisch für die unterschiedlichen Kastelle und Garnisonsorte, die dem Dux unterstanden. Dabei handelt es sich um einen standardisierten Typus von Darstellung, der keine Rückschlusse auf Größe oder Bedeutung der dargestellten Kastelle schließen lässt. Die gesamte Darstellung ist in unterschiedlichen Blautönen gehalten, was – ähnlich den Vignetten – eher einen dekorativen Zweck innehatte. Die außerordentliche Bedeutung des Amtes wird durch die akribische Auflistung der einzelnen Elemente des Aufgabenbereichs des Dux deutlich. Zusätzlich dazu verweist die Entstehung dieses Amtes nochmals auf die politisch unruhigen Zeiten in den Grenzgebieten des Weströmischen Reiches und den Versuch, diese wieder unter Kontrolle zu bringen.

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Caesaropapismus

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Caesaropapismus

Leitfragen:

1.) Was wird auf dem Mosaik dargestellt?
2.) Was ist Caesaropapismus?
3.) Inwiefern lässt sich dieses Konzept in der Spätantike wiederfinden?

Kommentar:

Bei dem hier dargestellten Mosaik handelt es sich um eine figürliche Darstellung aus dem 5. Jh. n. Chr. in der spätantiken-frühbyzantinischen Kirche San Vitale in Ravenna. Die Darstellung ist Teil der besonders reichen und farbenprächtigen Mosaikausstattung der Kirche und befindet sich an einer Seite der großen Apsis. Zu sehen sind ca. 11 männliche Figuren. Das Zentrum der Darstellung dominiert der Kaiser Justinian (ca. 482-565 n. Chr.), der von seinem klerikalen Hofstaat und einigen Leibwachen umringt wird. Er hebt sich vor allem durch die aufwendig gestaltete Ikonographie von den anderen dargestellten Personen ab; er trägt ein purpurfarbenes Manteltuch, das von einer prächtigen Gewandfibel gehalten wird und die goldbesetzte Tabula – ein rechteckiges Stoffstück, welches als Ehrensymbol am Hof fungierte. In den Händen hält er eine Hostienschale. Im Gegensatz zu den dargestellten Klerikern – allein der Bischof Maximianus wird hier durch eine Inschrift namentlich benannt – schmückt den Kopf des Kaisers ein prächtiges Diadem und zusätzlich noch ein Nimbus.

Dieses Zusammenspiel von religiösen und weltlichen Attributen der Herrschaft war schon immer ein typisches Charakteristikum der Kaiserzeit. In der Spätantike wird dieses vor allem durch das Aufgreifen von orientalischen Elementen, wie dem Diadem, noch einmal gesteigert. Dies findet sich insbesondere bei den Darstellungen der oströmischen Kaiser, wie eben auch Justinian, wieder. Im byzantinischen Osten des Reiches nahm der Einfluss der Kaiser auf das Christentum immer mehr zu, während im Westen des Imperiums vor allem die Bischöfe – aufgrund der Absetzung des letzten Kaisers Romulus Augustus 476 n. Chr. – an Bedeutung gewannen. Der Kaiser im Osten verstand sich dabei als weltlicher und geistlicher Herrscher, über dem nur noch Gott selbst stand und dem dadurch eine gewisse Mittlerrolle zukam. Diese Form des Gottesgnadentums war für die antiken Zeitgenossen, man vergleiche dies mit dem Konstrukt des Kaiserkultes, allerdings keine Neuheit. Das Novum hierbei ist die Ausprägung einer Herrschaftsform, die von der modernen Forschung als „Caesaropapismus“ bezeichnet wird. Hierbei repräsentiert der Kaiser nicht mehr allein die weltliche und kirchliche Macht, sondern war in der Lage, selbst in dogmatische Streitigkeiten einzugreifen und damit letzte Instanz in allen kirchlichen Fragen zu sein. Dieses aktive Eingreifen in innerkirchliche Auseinandersetzungen, zum Beispiel durch das Einberufen von Konzilien zur Klärung schismatischer Konflikte, wäre in der frühen Kaiserzeit und in den paganen Kulten undenkbar gewesen.

Es ist seit Constantin ein erheblicher Einfluss der Kaiser auf religiöse Fragen und kirchliche Organisationsformen nicht von der Hand zu weisen, genauso wie die Anerkennung der Heiligkeit der Kaiserwürde. Dennoch ist die Machtposition der oströmischen Kaiser keinesfalls so unumstößlich, wie es den Anschein hat, denn diese konnten vor allem von Bischöfen, z.B. durch die Androhung der Exkommunikation, stark unter Druck gesetzt werden. Der Begriff des „Caesaropapismus“ lässt sich demnach nur bedingt auf das spätantike/byzantinische Herrschaftssystem anwenden. Dieses war in erster Linie aus der Allgegenwärtigkeit der Religion in der antiken Gesellschaft entstanden und von der Notwendigkeit geprägt, dass der Kaiser in der Verantwortung stand entstehende (innerkirchliche und gesellschaftliche) Konflikte schlichten zu müssen. Der oströmische Kaiser stand zu keinem Zeitpunkt unangefochten an der Spitze der Kirche und hatte diese auch nie vollständig unter Kontrolle, so räumt auch Justinian dem lokalen Klerus den angemessenen Platz an seiner Seite ein.

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Einfluss der Mütter auf minderjährige Kaiser

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Einfluss der Mütter auf minderjährige Kaiser

Leitfragen:

1.) Woher kam das soziale Kapital von Galla Placidia?
2.) Wie drückte sich ihre Teilhabe am öffentlichen Leben aus?
3.) Welche Rollte spielten ihre verwandtschaftlichen Beziehungen dabei?

Kommentar:

Bei der hier dargestellten Frau handelt es sich um Galla Placidia (392-450 n. Chr.). Sie verkörperte durch ihre Verwandtschaftsbeziehungen – als Tochter von Theodosius I., Enkelin von Valentinian I. und Mutter von Valentinian III. – in Perfektion das dynastische Prinzip, welches seit jeher das politische Denken Roms prägte. Galla Placidia war bereits in jungen Jahren eng in das komplizierte Geflecht des (politisch-)öffentlichen Lebens eingebunden gewesen. Eine Zeit lang war sie dadurch sogar eine der einflussreichsten Frauen im Weströmischen Reich.

Nach dem Tod ihres Vaters Theodosius I. brachte man sie von Konstantinopel nach Mailand und später von dort nach Rom, wo sie 410 n. Chr. beim Einfall der Westgoten unter Alarich als Geisel genommen und schließlich nach Gallien gebracht wurde. Trotz ihrer Geiselnahme sprechen die literarischen Überlieferungen dafür, dass sie im Allgemeinen ihrem Status als Mitglied des römischen Kaiserhauses gemäß behandelt worden ist. 414 n. Chr. wurde sie mit Athaulf, dem Nachfolger Alarichs, vermählt. Einige Quellen verweisen bereits für diese Beziehung auf den politischen Einfluss, den Galla Placidia auf ihren Mann auszuüben vermochte – der ggf. sogar zu einer entspannteren Rompolitik führte. Zudem wird auch den Westgoten der dynastische Einfluss nicht unwichtig gewesen sein, der – insbesondere nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes Theodosius, der allerdings im Jahr seiner Geburt starb – auf einen Ausgleich zwischen Römern und Goten hatte hoffen lassen. Ein Jahr später starb auch ihr Mann Athaulf, was dazu führte, dass Galla Placidia nach einigen Wirren schließlich 416 n. Chr. im Austausch gegen eine große Getreidelieferung wieder nach Rom zurückkehren durfte.

Ihr Bruder Honorius, der mittlerweile Kaiser war, verheiratete sie mit seinem Heermeister Constantius. Mit ihm bekam sie einige Jahre später die beiden Kinder Honoria und Valentinian III. Das Schlüsselereignis im Leben von Galla Placidia war 421 n. Chr. die Ernennung ihres Mannes zum Mitregenten (Caesar) und damit einhergehend auch ihre Ernennung zur Augusta, die ihr einen höheren sozialen Rang garantierte und dafür sorgte, dass ihr Sohn in der kaiserlichen Nachfolge bedacht werden würde. Dies wiederum einige Jahre später auch geschah; nach dem Tod von Honorius 423 n. Chr. war Theodosius II. kurzzeitig alleiniger Regent, bis er sich – auch durch Druck von Außen – dazu entschloss, seinen fünfjährigen Cousin Valentinian III. zuerst zum Caesar und später auch zum Augustus zu erklären. Dieses neue Bündnis wurde wiederum mit einer Verlobung zwischen dem fünfjährigen Valentinian III. und der zweijährigen Licinia Eudoxia, der Tochter von Theodosius II. besiegelt.

Bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes wurde Galla Placidia die Verantwortung für die Staatsgeschäfte im weströmischen Reich übertragen. Ihr politischer Einfluss lässt sich besonders gut in den von ihr geprägten Münzen fassen. Zusätzlich dazu wird sie einige Gesetze im Namen ihres Sohnes erlassen haben. Vor allem aber tritt sie in der Öffentlichkeit als gottesfürchtige Christin und Euergetin, Stifterin verschiedener Bauwerke, vor allem Kirchen und Sakralbauten, in Erscheinung. Obwohl sich auch einige Stiftungen in Rom und Rimini finden lassen, ist ihr Name vor allem mit der Stadt Ravenna verbunden, die sie baulich – als Kaisersitz ihres Sohnes – maßgeblich geprägt hat.

Auch nach der Volljährigkeit ihres Sohnes zog sie sich nicht vollständig aus dem öffentlichen Leben zurück, es ist fraglich, ob sich Valentinian III. jemals von seiner Mutter emanzipiert hat. Dennoch lässt sich über ihre Rolle als Regentin des Weströmischen Reiches nur wenig sagen, die Teilhabe von Frauen am öffentlichen Leben drückte sich vor allem durch ihre Heiraten aus, die bestimmte politische Bande bzw. Allianzen begründen oder stärken sollten. Über den Einfluss der Frauen auf ihr Umfeld schweigen die Quellen in der Regel, dennoch lässt sich im Falle von Galla Placidia wohl zu Recht davon ausgehen, dass ihr Einfluss auf das Geschehen im Weströmischen Reich nicht zu unterschätzen war.

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Konflikte in den Grenzgebieten

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Donau-Iller-Rhein-Limes

Leitfragen:

1.) Zu welchem Zweck wurde der Donau-Iller-Rhein-Limes errichtet?
2.) Welche Funktion hatte ein römischer Grenzwall?
3.) Welche Schlüsse lassen sich daraus über die politische Situation ab dem 3. Jh. n. Chr. ziehen?

Kommentar:

Bei dem Donau-Iller-Rhein-Limes (DIR-Limes) handelt es sich um ein spätantikes Verteidigungssystem, welches im letzten Drittel des 3. Jahrhunderts n.Chr. errichtet wurde, um das Römische Reich zu schützen. Der Grenzwall befindet sich im heutigen Baden-Württemberg zwischen dem Bodensee (Lacus Brigentinus) und der Donau (Danubius). „Limes“ wird im modernen Sprachgebrauch zwar immer wieder als lückenlos konzipierte Reichsgrenze verstanden, allerdings handelt es sich dabei vielmehr um eine Art Grenzkontrollsystem, welches vorrangig den Waren- und Personenverkehr überwacht. Solche Grenzwälle wurden oftmals durch den Zusammenschluss aus mehreren Kastellen und Wachtürmen gebildet. Im Schatten dieser Kastelle siedelten sich außerdem kleinere civitates an, die durch ihre Nähe zu den militärischen Einrichtungen (land)wirtschaftlich florierten. Keinesfalls sollte dieser Grenzwall mit dem bekannteren obergermanisch-raetischen Limes aus dem 1. Jahrhundert verwechselt werden, der bis ins 3. Jahrhundert eine Art Demarkationslinie gegen die Germanen, zwischen Rhein und Donau bildete.

Anlass zur Errichtung des DIR-Limes waren die verstärkt vorkommenden Einfälle der Alemannen in das Hinterland des obergermanisch-raetischen Limes seit 233 n. Chr. Die Allemannen zerstörten große Teile des alten Limes. Verschiedene archäologische Funde belegen durch Zerstörungshorizonte in mehreren Kastellen und Siedlungen sowie durch vergrabene Münzschätze, dass sich die Sicherheitslage seit 230 n. Chr. massiv verschlechterte. Viele Menschen verließen das Gebiet, was gleichzeitig zu einer Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Situation führte. Diese lässt sich u.a. durch die schlechtere Qualität der lokalen Terra Sigillata-Keramik und den verringerten Import von Waren, wie Garum (Fischsoße), Olivenöl und Wein belegen.

Nach dem sog. „Limesfall“ – der Aufgabe des obergermanisch-raetisches Limes und dem Rückzug der kaiserlichen Truppen aus dem Provinzialgebiet jenseits von Rhein und Donau – war eine neue Grenzanlage notwendig geworden. Nach wiederholten Auseinandersetzungen mit verschiedenen germanischen Stämmen wurden, um der Situation wieder Herr zu werden, unter Diokletian umfassende Reformen durchgeführt. Im Jahr 294 n. Chr. wurden mehrere Kastelle errichtet und die Rhein-Donaufront weiter befestigt. Zudem wurden germanische foederati am linken Rheinufer angesiedelt, mit der Intention, das „Germanenproblem“ so einzudämmen. Valentinian I. führte die Befestigung des südlichen Limes, z.B. durch die Errichtung steinerner Signaltürme, im 4. Jahrhundert weiter aus.

Bis ins 5. Jahrhundert bildete der Donau-Iller-Rhein-Limes die römische Reichsgrenze zum freien Germanien. Die germanische Expansion konnte jedoch – einigen Erfolgen zum Trotz – nicht aufgehalten werden. Das Ende der der zentral organisierten Grenzsicherung lässt sich auf das Jahr 401 n. Chr. mit Stilichos Abzug der militärischen Truppen festlegen. Es kann allerdings nicht mit Sicherheit festgestellt werden, wann die unterschiedlichen Kastelle und Anlagen im Einzelnen aufgegeben wurden, da es sich dabei eher um einen langsamen Verfallsprozess handelte. Schließlich konnten die Germanen im Jahr 455 n. Chr. ungehindert nach Oberitalien übertreten. Die Grenzbefestigung zeugt von der äußerst unsicheren Zeit und der angespannten politischen Situation, welche die sog. „Krise des 3. Jahrhunderts“ mit sich brachte sowie von der allgemeinen Instabilität, die das Ende des Weströmischen Reiches markierte.

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