Die Mysterienkulte

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Ps. Homer
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[Hom.] Hymn. Demeter 470-489 – Original:

δεῦρο τέκος, καλέει σε βαρύκτυπος εὐρύοπα Ζεὺς                          [460] ἐλθέμεναι μετὰ φῦλα θεῶν, ὑπέδεκτο δὲ τιμὰς
[δωσέμεν, ἅς κ᾽ ἐθέλῃσθα] μετ᾽ ἀθανάτοισι θεοῖσι.
[νεῦσε δέ σοι κούρην ἔτεος π]εριτελλομένοιο
[τὴν τριτάτην μὲν μοῖραν ὑπὸ ζόφον ἠ]ερόεντα,
[τὰς δὲ δύω παρὰ σοί τε καὶ ἄλλοις] ἀθανάτοισιν.                            [465] [ὣς ἄρ᾽ ἔφη τελέ]εσθαι: ἑῷ δ᾽ ἐπένευσε κάρητι.
[ἀλλ᾽ ἴθι, τέκνον] ἐμόν, καὶ πείθεο, μηδέ τι λίην
ἀ[ζηχὲς μεν]έαινε κελαινεφέι Κρονίωνι.
α[ἶψα δὲ κα]ρπὸν ἄεξε φερέσβιον ἀνθρώποισιν.
ὣς ἔφατ᾽. οὐδ᾽ ἀπίθησεν ἐυστέφανος Δημήτηρ:                               [470] αἶψα δὲ καρπὸν ἀνῆκεν ἀρουράων ἐριβώλων:
πᾶσα δὲ φύλλοισίν τε καὶ ἄνθεσιν εὐρεῖα χθὼν
ἔβρισ᾽: ἣ δὲ κιοῦσα θεμιστοπόλοις βασιλεῦσι
δεῖξεν Τριπτολέμῳ τε Διοκλεῖ τε πληξίππῳ
Εὐμόλπου τε βίῃ Κελεῷ θ᾽ ἡγήτορι λαῶν                                        [475] δρησμοσύνην θ᾽ ἱερῶν καὶ ἐπέφραδεν ὄργια πᾶσι,
Τριπτολέμῳ τε Πολυξείνῳ, ἐπὶ τοῖς δὲ Διοκλεῖ
σεμνά, τά τ᾽ οὔπως ἔστι παρεξίμεν οὔτε πυθέσθαι
οὔτ᾽ ἀχέειν: μέγα γάρ τι θεῶν σέβας ἰσχάνει αὐδήν.
ὄλβιος, ὃς τάδ᾽ ὄπωπεν ἐπιχθονίων ἀνθρώπων:                               [480] ὃς δ᾽ ἀτελὴς ἱερῶν ὅς τ᾽ ἄμμορος, οὔποθ᾽ ὁμοίων
αἶσαν ἔχει φθίμενός περ ὑπὸ ζόφῳ ἠερόεντι.
αὐτὰρ ἐπειδὴ πάνθ᾽ ὑπεθήκατο δῖα θεάων,
βάν ῥ᾽ ἴμεν Οὔλυμπόνδε θεῶν μεθ᾽ ὁμήγυριν ἄλλων.
ἔνθα δὲ ναιετάουσι παραὶ Διὶ τερπικεραύνῳ                                    [485] σεμναί τ᾽ αἰδοῖαι τε: μέγ᾽ ὄλβιος, ὅν τιν᾽ ἐκεῖναι
προφρονέως φίλωνται ἐπιχθονίων ἀνθρώπων:
αἶψα δέ οἱ πέμπουσιν ἐφέστιον ἐς μέγα δῶμα
Πλοῦτον, ὃς ἀνθρώποις ἄφενος θνητοῖσι δίδωσιν.

 

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Übersetzung:: Hugh G. Evelyn-White
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Übersetzung

[460] “Come, my daughter; for far-seeing Zeus the loud-thunderer calls you to join the families of the gods, and has promised to give you what rights you please among the deathless gods, and has agreed that for a third part of the circling year your daughter shall go down to darkness and gloom, [465] but for the two parts shall be with you and the other deathless gods: so has he declared it shall be and has bowed his head in token. But come, my child, obey, and be not too angry unrelentingly with the dark-clouded Son of Cronos; but rather increase forthwith for men the fruit that gives them life.” [470] So spake Rhea. And rich-crowned Demeter did not refuse but straightway made fruit to spring up from the rich lands, so that the whole wide earth was laden with leaves and flowers. Then she went, and to the kings who deal justice, Triptolemus and Diocles, the horse-driver, [475] and to doughty Eumolpus and Celeus, leader of the people, she showed the conduct of her rites and taught them all her mysteries, to Triptolemus and Polyxeinus and Diocles also, — awful mysteries which no one may in any way transgress or pry into or utter, for deep awe of the gods checks the voice. [480] Happy is he among men upon earth who has seen these mysteries; but he who is uninitiate and who has no part in them, never has lot of like good things once he is dead, down in the darkness and gloom. But when the bright goddess had taught them all, they went to Olympus to the gathering of the other gods. [485] And there they dwell beside Zeus who delights in thunder, awful and reverend goddesses. Right blessed is he among men on earth whom they freely love: soon they do send Plutus as guest to his great house, Plutus who gives wealth to mortal men.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Autor_in: Niklas Rempe
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[Hom.] Hymn. Demeter 470-489

Leitfragen:

1) Geben Sie Zeus‘ Richtspruch wieder.

2) Was tut Demeter nach Zeus‘ Richtspruch?

3) Welche Rückschlüsse lassen sich aus dem Mythos über den Kult der Mysterien von Eleusis ziehen?

Kommentar:

In der Homerischen Hymne an Demeter wird der Entstehungsmythos der Mysterien von Eleusis dargestellt. Die Tochter der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter – Persephone bzw. Kore – wird von Hades in die Unterwelt entführt. Ob ihres Verlustes lässt Demeter das Korn auf der Erde nicht mehr wachsen, was Zeus auf den Plan ruft. In der Quellenpassage ist sein Richtspruch in dieser Angelegenheit, der von Rhea der trauernden Mutter überbracht wird, nachzuvollziehen: Ein drittel des Jahres müsse Persephone in der Unterwelt bei Hades bleiben, dürfe allerdings die restliche Zeit bei ihrer Mutter und den anderen Göttern des Olymp verweilen. Durch Zeus‘ Entscheidung zufriedengestellt, habe Demeter die Pflanzen wieder sprießen lassen und soll so der Menschheit ihre Nahrungsgrundlage zurückgegeben haben.

Darüber hinaus habe Demeter einige angesehene und führende Männer ausgewählt und sie bei Eleusis, wo zuvor ein Tempel für sie errichtet worden sei – in ihre Mysterien eingeweiht. Doch spricht sie auch eine Warnung diesbezüglich aus: Gottesfurcht müsse die Eingeweihten davon abbringen, die geheimen Riten zu verraten. Sollten sie es doch tun, drohe ihnen dasselbe Schicksal, was Uneingeweihte vor sich haben würden. Zum einen sei ihnen kein Leben nach dem Tod vergönnt und ewige Dunkelheit wäre ihr Los. Zum anderen würde ihnen keine Belohnung gewährt werden, welche sowohl aus einem Leben nach dem Tod als auch aus einem fruchtbaren und wohlhabenden Leben in dieser Welt bestehen würde. Plutos, der Gott des Reichtums, würde die Eingeweihten nämlich in ihren Häusern auf Anweisung der Demeter besuchen.

Der in der Hymne an Demeter dargestellte Mythos gibt gute Einblicke in die Motivation der Anhänger der Eleusinischen Mysterien. Eingeweihten wurde nicht weniger versprochen als ein wohlhabendes und gutes Leben im Diesseits und ein ewiges Weiterbestehen im Jenseits. Die Anziehungskraft, die ein derartiger Kult ausstrahlte, ist offensichtlich und sicherlich ein maßgeblicher Grund für das Jahrhunderte andauernde bestehen der Mysterien von Eleusis. Ein Gemeinschaftsgefühl oder mitunter ein elitärer Anspruch der Eingeweihten, die sich von Uneingeweihten distanzieren konnten, wird sicherlich auch eine Rolle gespielt haben. Sowieso ist der Geheimnisaspekt nicht zu unterschätzen. Der Hymnus deutet dies an, wenn die unrechtmäßige Weitergabe der Geheimnisse streng verboten wird. Zwar gibt es auch hier prominente Ausnahmen, wie die Profanierung der Mysterien 415 v. Chr., doch scheint die Gottesfurcht und insbesondere die Angst vor dem Tod die Eingeweihten in der Regel davon abgehalten zu haben, die Geheimnisse der Mysterien unrechtmäßig weiterzugeben. So lässt sich auch heutzutage schlussendlich nur wenig aus den Quellen über den eigentlichen Kult und dessen Riten aussagen. Zudem sind die Mysterien von Eleusis damit nicht allein: Viele Mysterienkulte, deren rituelle Handlungen oft nur rudimentär oder überhaupt nicht überliefert sind, können insbesondere im Hellenismus nachvollzogen werden.

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Podcast-Hinweise
Sehen Sie zu dieser Quelle auch den Podcast „Religiöse Entwicklungen im Hellenismus“. Um einen breiteren Einblick in den Hellenismus zu erhalten, sehen Sie auch die Podcastreihe „Griechische Geschichte III – Hellenismus“.
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