Eich, A, Wirtschaftliche Vorgänge […]

Eich, A., Konzeptionen zur politischen Steuerung und Beeinflussbarkeit von wirtschaftlichen Vorgängen. Athen, 4. Jh. v. Chr., in: C. Tiersch (Hgg.), Die Athenische Demokratie im 4. Jahrhundert. Zwischen Modernisierung und Tradition, Stuttgart: Steiner 2016, 233-252.

Mordanschlag auf Agrippina

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Tacitus
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Tac.ann. 14,3-Original

Igitur Nero vitare secretos eius congressus, abscedentem in hortos aut Tusculanum vel Antiatem in agrum laudare quod otium capesseret. postremo, ubicumque haberetur, praegravem ratus interficere constituit, hactenus consultans, veneno an ferro vel qua alia vi. placuitque primo venenum. sed inter epulas principis si daretur, referri ad casum non poterat tali iam Britannici exitio; et ministros temptare arduum videbatur mulieris usu scelerum adversus insidias intentae; atque ipsa praesumendo remedia munierat corpus. ferrum et caedes quonam modo occultaretur nemo reperiebat; et ne quis illi tanto facinori delectus iussa sperneret metuebat. obtulit ingenium Anicetus libertus, classi apud Misenum praefectus et pueritiae Neronis educator ac mutuis odiis Agrippinae invisus. ergo navem posse componi docet cuius pars ipso in mari per artem soluta effunderet ignaram: nihil tam capax fortuitorum quam mare; et si naufragio intercepta sit, quem adeo iniquum ut sceleri adsignet quod venti et fluctus deliquerint? additurum principem defunctae templum et aras et cetera ostentandae pietati.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Übersetzung: Alfred John Church
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Übersetzung

Nero accordingly avoided secret interviews with her, and when she withdrew to her gardens or to her estates at Tusculum and Antium, he praised her for courting repose. At last, convinced that she would be too formidable, wherever she might dwell, he resolved to destroy her, merely deliberating whether it was to be accomplished by poison, or by the sword, or by any other violent means. Poison at first seemed best, but, were it to be administered at the imperial table, the result could not be referred to chance after the recent circumstances of the death of Britannicus. Again, to tamper with the servants of a woman who, from her familiarity with crime, was on her guard against treachery, appeared to be extremely difficult, and then, too, she had fortified her constitution by the use of antidotes. How again the dagger and its work were to be kept secret, no one could suggest, and it was feared too that whoever might be chosen to execute such a crime would spurn the order.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Nathalie Klinck
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Tac.ann. 14,3

Leitfragen:

1.) Was wird in dieser Textstelle beschrieben?
2.) In welche Beziehung standen Agrippina und Nero zueinander?
3.) Welche Folgen hatte dieses Attentat?

Kommentar:

Der vorliegende Quellenauszug stammt aus den Annalen des römischen Geschichtsschreibers Tacitus (58-120 n. Chr.). Tacitus, der während seiner Senatorenlaufbahn die Stationen des cursus honorum bis zum Konsulat durchlief, ist heute vor allem aufgrund seiner beiden großen Geschichtswerke, der Historia und den Annalen bekannt. Die Annalen behandeln die Herrschaftszeit der julisch-claudischen Dynastie, von Augustus bis Nero, wobei mit den Aussagen, die Tacitus trifft, grundsätzlich vorsichtig umgegangen werden muss, da es sich bei der antiken Historiographie keinesfalls um einen objektiven Versuch der Geschichtsschreibung handelt. In dem hier dargestellten Auszug geht es um die schwierige Beziehung von Kaiser Nero zu seiner Mutter Agrippina. Agrippina versuchte, die verlorene Kontrolle über ihren Sohn wiederzuerlangen und war aus diesem Grund verantwortlich für einige Verschwörungen und Intrigen, die zum Sturz des Kaisers führen sollten. Diese konnten ihr allerdings nicht offiziell nachgewiesen werden. Nero, der in Furcht vor den Taten seiner Mutter lebte, hielt nach Möglichkeit Abstand zu ihr und lobte sie, wenn sie sich außerhalb Roms auf ihren Landgütern aufhielt.

In letzter Instanz entschloss er sich dazu seine Mutter umzubringen. In dem Quellenauszug geht er die möglichen Tötungsarten durch; Gift schien ihm am einfachsten, allerdings befürchtete er, dass zu einfach eine Verbindung zu ihm gezogen werden könne – da er bereits im Verdacht stand seinen Bruder Britannicus vergiftet zu haben. Zudem sorgte er sich darum, dass Agrippina aufgrund ihrer vielfachen Erfahrungen mit solch bösartigen Machenschaften, durch das regelmäßige einnehmen eines Gegengiftes immun sei. Schließlich entschied sich Nero gegen einen Giftanschlag und für ein Attentat auf hoher See. Er beabsichtigte, seine Mutter mit einem eigens dafür konzipierten Schiff zu versenken. Unter vielen Schmeicheleien komplimentierte er Agrippina auf das Schiff, welches sobald es in See stach, auseinanderbrach. In dem dabei entstehenden Chaos konnte sich Agrippina allerdings nur leicht verletzt an Land retten.

Nero, der von der Nachricht schnellstmöglich in Kenntnis gesetzt wurde, entschied sich ein Jahr später 59 n. Chr. für einen zweiten Mordanschlag auf seine Mutter, der diesmal auch gelang. Die Ermordung der Mutter des Kaisers in ihrer Villa wurde für die Öffentlichkeit notdürftig mit einem weiteren geplanten Anschlag von ihr auf den Kaiser gerechtfertigt. Nero sollte in den Folgejahren immer wieder in unterschiedliche Gewaltverbrechen gegen seine Familie und gegen verschiedene römische Senatoren verwickelt werden. Diese Verwicklungen und sein nicht standesgemäßes Ende, als hostis, als Feind des römischen Reiches, machen Nero bis heute zu einem der umstrittensten Kaiser des Imperium Romanum.

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Proskynese / adoratio purpurae

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Nathalie Klinck
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Proskynese / adoratio purpurae

 

 

Leitfragen:

1.) Was ist die Proskynese?
2.) Wie entwickelte sich der spätantike Hof?
3.) Inwiefern ist die Proskynese in das spätantike Hofzeremoniell eingebunden?

Kommentar:

Der spätantike Hof mitsamt seinem umfangreichen Zeremoniell entwickelte sich in einem komplexen und kontinuierlichen Vorgang aus den Strukturen des kaiserlichen Hauses (domus Caesaris) heraus. Bereits zu Beginn des Principats unter Augustus lässt sich die Entstehung einer sog. domus Augusta oder familia Caesaris beobachten. Als erster Bürger stand der Princeps im Römischen Reich auch während der frühen Kaiserzeit bereits im Zentrum des politischen-öffentlichen Lebens. Aus diesem Grund war auch sein Haus und sein Haushalt stark mit der Politik des Reiches verwoben.

Im 3. Jh. n. Chr. schließlich steigerte sich dieses Konstrukt und das „Haus des Kaisers“ wurde um das Attribut „heilig“ erweitert; sacrum palatium und sacratissima domus, was sich auch in einer Steigerung der Verehrung des Kaisers niederschlug. Die Proskynese war dabei allerdings nur ein kleiner Teil des spätantiken höfischen Lebens.

Bei dieser handelt es sich um eine Geste der Verehrung oder Anbetung, die oftmals in Verbindung mit einer äußerst demütigen Körperhaltung stand. Bei dieser wurde das Gesicht nach unten gewandt und manchmal sogar der Körper flach auf den Boden gelegt. Dies geschah in der Absicht, seinem Gegenüber ein größtmögliches Maß an Verehrung zukommen zu lassen.

Ihren Ursprung hatte die Proskynese im frühen Griechenland, wo sie ausschließlich Göttern zukam.

Im Achämenidenreich schließlich wurde diese Geste – in Verbindung mit einem Fußfall – auch vor nicht vergöttlichten Herrschern durchgeführt.

In der Spätantike war die Proskynese schließlich ab dem 3. Jh. n. Chr. Teil der sog. adoratio purpurae, der „Verehrung des kaiserlichen Purpurs“. Sie wurde unter Kaiser Diokletian eingeführt, um die Bedeutung der Kaiser zu symbolisieren. Diese Geste, die auf eine gottähnliche Überhöhung der Kaiser zielte, fungierte dabei als wichtiger Teil des äußerst komplexen Hofzeremoniells und fand seine Anwendung vor allem bei Banketten und Empfängen von Gesandtschaften. Innerhalb dieses „orientalischen“ Zeremoniells trug der Kaiser nicht mehr die römische Toga, sondern einen purpurnen Feldherrnumhang, die Chlamys. Zudem wurde sein Kopf mit einem goldenen Lorbeerkranz oder Diadem geschmückt.

Es scheint wahrscheinlich, dass sich Diokletian und die Kaiser nach ihm dabei von dem achämenidischen Vorbild haben inspirieren lassen.

 

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Schlacht auf den Katalaunischen Feldern

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Nathalie Klinck
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Schlacht auf den Katalaunischen Feldern

https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_auf_den_Katalaunischen_Feldern#/media/File:Battle_of_the_Catalaunian_plains.jpg

Leitfragen:

1.) Was wird auf der Abbildung dargestellt?
2.) Welchen Hintergrund hatte die Schlacht?
3.) Was waren die Auswirkungen?

Kommentar:

Auf dieser mittelalterlichen Buchmalerei aus dem 14. Jh. n. Chr. ist eine spätantike Schlacht dargestellt, die einen wichtigen Einschnitt in der Geschichte Westroms setzte.

Bei der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (auch: campus Mauriacus) handelte es sich um eine militärische Auseinandersetzung zwischen dem weströmischen Heer unter Aëtius gemeinsam mit den aquitanischen Westgoten unter Theoderich und den Hunnen unter Attila, die sich im Sommer 451 n. Chr. in Gallien abspielte.

Nachdem das weströmische Reich mit den Hunnen 447 n. Chr. einen Friedensvertrag geschlossen hatte, änderte sich die politische Stimmung 450 n. Chr. radikal, und Attlia entschloss sich zu einem Angriff auf Westrom. Die plötzliche Wendung nach Westen konnte mehrere Gründe gehabt haben, u.a. ein mögliches Eheversprechen von Honoria, der Tochter Galla Placidias und Schwester Valentinians III., die zugesprochene Unterstützung durch die Vandalen unter Geiserich oder der grundsätzliche Drang nach Expansion des Hunnenreiches.

Die Hunnen unter Attila begannen nach erfolgreichen Eroberungen plündernd durch Gallien zu ziehen. Einigen Quellen zufolge kamen sie sogar bis an die Tore von Paris, wo sie erst durch das Wirken der Stadtpatronin und Heiligen Genoveva aufgehalten werden konnten.

Der Heermeister (magister militum) Aëtius, der durch seine Position de facto die Kontrolle über Ravenna und damit über Westrom innehatte, nahm sich schließlich dieses Problems an. Er versuchte den Einfällen der Hunnen Einhalt zu gebieten und verfolgte das Heer mit Hilfe der Westgoten, bis er die Hunnen schließlich in der Nähe von Tours einholte. Der genaue Schauplatz der Katalaunischen Felder und damit dieser wichtigen Schlacht konnte allerdings bisher noch nicht genau identifiziert werden.

Die Römer und die Westgoten behaupteten sich in einer – wenn den teilweise äußerst fiktionalen Quellen geglaubt werden darf – sehr blutigen Schlacht auf einem Bergkamm. Dieser taktische Erfolg des weströmischen Heeres führte allerdings nicht zu einer endgültigen Vernichtung der hunnischen Bedrohung für das Römische Reich.

Und auch das römisch-westgotische Heer erlitt starke Verluste, so fiel u.a. Theoderich während der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern. Dies führte dazu, dass die Westgoten schnellstmöglich in die Narbonensis zurückkehren wollten, um dort einen neuen König zu bestimmen. Auch Aëtius musste sein angeschlagenes Heer neu ordnen.

Nichtsdestoweniger erlitt Attila hier zum ersten Mal während seines Feldzuges eine größere Niederlage und war gezwungen sich zurückzuziehen. Bereits ein Jahr später 452 n.Chr. wagte er allerdings einen erneuten Vorstoß auf italisches Gebiet, um dort unter anderem Aquileia einzunehmen. Erst kurz vor Mailand konnte er aufgehalten werden und kehrte mit seinem Heer um.

Besonders deutlich wird hier die Krise, in der sich das weströmische Reich befand und die Tatsache, dass es kein genuin römisches Heer mehr gab, sondern auf beiden Seiten Kampfverbände aus unterschiedlichen Völkerschaften – teils sogar auf römischem Gebiet siedelnd – gegeneinander antraten.

 

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Prostitution

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Nathalie Klinck
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Wandmalerei aus Pompeji

Leitfragen:

1) Was wird auf der Wandmalerei dargestellt?
2) In welchem Kontext wurde diese Wandmalerei angebracht?
3) Welche Rolle spielte Prostitution in der römischen Gesellschaft?

Kommentar:

Bei der hier dargestellten Abbildung handelt es sich um eine Wandmalerei aus den Stabianer Thermen in Pompeji (ca. 79 n. Chr.). Diese sind die ältesten Bäder der Stadt mit einer ersten Bauphase, die auf das 3. Jh. v. Chr. datiert werden kann – damit noch lange vor der Errichtung der ersten öffentlichen Bäder in Rom! Während des 1. Jh. n. Chr. wies der Komplex alle Annehmlichkeiten einer zeitgenössischen Therme auf. Der symmetrische Komplex verfügte über einen gesonderten Bereich für Frauen, der von dem der Männer abgetrennt war. Die durch den Ausbruch des Vesuvs gut erhaltenen Wandmalereien von Pompeji sind eine wichtige Quelle für das tägliche Leben in der frühen Kaiserzeit.   Auf der hier vorliegenden Wandmalerei werden zwei männliche und eine weibliche Figur beim Geschlechtsverkehr auf einer Kline dargestellt. Die Malerei wurde als Teil der Dekoration der Südwand des Apodyterions (Umkleideraumes) der Thermen gefunden.

Prostitution gehörte zu einem festen Bestandteil des urbanen Lebens in der römischen Kaiserzeit. Dabei war die Gruppe, der Prostituierten in sich stark heterogen; zu unterscheiden wäre grundsätzlich zwischen der Straßenprostituierten (publica) und der „normalen“ Prostituierten im Bordell (lupa, scortum oder meretrix) sowie einer Form ähnlich, der griechischen Hetäre. Wenn es sich um eine freie Entscheidung für die Prostitution handelte, war diese in den meisten Fällen vor allem ökonomischer Natur, da die Arbeitsmarktsituation für Frauen – der unteren sozialen Schichten – nicht einfach war.

In der Regel gelangte man als Sklave, Freigelassener oder Kriegsgefangener oder durch Kindsaussetzung in die Prostitution. Es gab auch Verbindungen von römischen Bürgern mit (freiwilligen/selbstständigen) Prosituierten, worauf das Eheverbot von Kaiser Augustus hinweist, welches eine Eheschließung römischer Bürger mit ehrlosen Personen, wie Prostituierten verbietet; dennoch hatten viele Männer langanhaltende Beziehungen zu Frauen, mit denen sie in einer eheähnlichen Form des Konkubinates lebten – diese Frauen können allerdings nur bedingt als Prostituierte eingestuft werden.

Trotz der allgemeinen Präsenz von Prostitution in römischen Städten, wie Pompeji, galten Bordelle als üble und anrüchige Orte. In der römischen Gesellschaft gingen vor allem Männer zu männlichen und weiblichen Prostituierten. Dabei war das grundsätzliche Aufsuchen seiner Prostituierten keinesfalls verpönt – auch nicht für verheiratete Männer.

Prostitution in öffentlichen Bädern war dabei keine Seltenheit. Zum Teil konnten feste Installationen, die auf Bordelle schließen lassen, in einigen Thermen archäologisch nachgewiesen werden. Bei dieser Wandmalerei in dem Umkleideraum der Stabianer Thermen muss allerdings nicht zwingend auf eine Verbindung zu einem Bordell geschlossen werden. Mit Sicherheit handelt es sich hierbei aber um ein einzigartiges Zeugnis der Vielfältigkeit der Alltagskultur in der römischen Gesellschaft.

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Lyrik und die Kunst der Liebe

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Ovid
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Ovid: Ov.ars. 3,611-640

Qua vafer eludi possit ratione maritus,
Quaque vigil custos, praeteriturus eram.
Nupta virum timeat: rata sit custodia nuptae;
Hoc decet, hoc leges iusque pudorque iubent.
Te quoque servari, modo quam vindicta redemit,

Te quoque servari, modo quam vindicta redemit,                615
Quis ferat? Ut fallas, ad mea sacra veni!
Tot licet observent (adsit modo certa voluntas),
Quot fuerant Argo lumina, verba dabis.
Scilicet obstabit custos, ne scribere possis,
Sumendae detur cum tibi tempus aquae?                          620
Conscia cum possit scriptas portare tabellas,
Quas tegat in tepido fascia lata sinu?
Cum possit sura chartas celare ligatas,
Et vincto blandas sub pede ferre notas?
Caverit haec custos, pro charta conscia tergum                625
Praebeat, inque suo corpore verba ferat.
Tuta quoque est fallitque oculos e lacte recenti
Littera: carbonis pulvere tange, leges.
Fallet et umiduli quae fiet acumine lini,
Ut ferat occultas pura tabella notas.                          630
Adfuit Acrisio servandae cura puellae:
Hunc tamen illa suo crimine fecit avum.
Quid faciat custos, cum sint tot in urbe theatra,
Cum spectet iunctos illa libenter equos,
Cum sedeat Phariae sistris operata iuvencae,                   635
Quoque sui comites ire vetantur, eat,
Cum fuget a templis oculos Bona Diva virorum,
Praeterquam siquos illa venire iubet?
Cum, custode foris tunicas servante puellae,
Celent furtivos balnea multa iocos                            640

 

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Übersetzung: Heinrich Lindemann
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Übersetzung:

Wie den verschlagenen Mann, nicht minder den wachsamen Hüter
Haben zum Besten man kann, wollte berühren ich nicht.
Fürcht‘, o Gattin, den Mann und laß dir die Wache gefallen.
Dieses geziemt, dies will Ehre und Recht und Gesetz.
Daß man auch dich bewacht, die eben der Stab erst erlöst hat,

Wer ertrüg‘ es? So laß weihen zum Trug dich von mir.
Mögen auch Augen so viel dich bewachen, als Argus besessen,
Wirst du sie hintergehn, wenn du den Willen nur hast.
Wird im Wege etwa der Hüter dir stehen zu schreiben,
Da man die nöthige Zeit Wasser zu nehmen dir gönnt?
Da Botschaften im Brief kann eine Vertraute doch tragen,
Die an der warmen Brust unter der Binde ihn birgt?
Da sie doch kann das Papier, an der Wade befestigt, verbergen,
Unter gebundenem Fuß tragen die Worte der Gunst?
Sähe der Hüter das vor, so reich‘ als Papier die Vertraute

Dar den Rücken; die Schrift trage ihr eigener Leib.
Sicher auch sind und entgehen dem Blick Buchstaben mit frischer
Milch; thu Kohlenstaub drüber, so liest du sie leicht.
Auch ein Briefchen, gemacht mit der Spitze des saftigen Leines,
Täuschet und bringt, ganz rein, eine verborgene Schrift.
Wohl dem Acrisius lag’s am Herzen, zu hüten die Tochter;
Zum Großvater ihn doch machte des Mädchens Vergehn.
Was soll machen der Hüter, da sind so viele Theater?
Da die Gebieterin schaut Rossegespanne so gern?
Da den Klappern der Pharischen Kuh ergeben sie dasitzt,
Gehet, wohin zu gehn ihren Begleitern verwehrt?
Da von den Tempeln verbannt die Gütige Göttin der Männer
Augen, nur derer nicht, die sie zu kommen bestellt?
Da die Menge der Bäder verbirgt verstohlene Männer,
Während des Mädchens Gewand draußen der Hüter bewacht?

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Autor_in: Nathalie Klinck
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Ov.ars. 3,611-640

Leitfragen:

1.) Was wird in dem Text beschrieben?
2.) In welchem größeren Kontext ist dieser Ausschnitt einzuordnen?
3.) Welche Zielgruppe spricht Ovid damit an?

Kommentar:

Der hier vorliegende Ausschnitt stammt aus einem Lehrgedicht, der Ars Amatoria, von Publius Ovidius Naso – kurz Ovid (43 v. Chr-17 n. Chr.).

Ovid war ein berühmter Schriftsteller und Dichter während des Principats unter Augustus, der vor allem aufgrund seiner „Liebesdichtung“ besondere Bekanntheit genoss und zusammen mit Vergil und Horaz zu den einflussreichsten Dichtern dieser Zeit gehörte. Seine Metamorphosen bilden eines der herausragendsten Werke der frühen Kaiserzeit. In ihnen fasst er verschiedene Erzählungen und Mythen zu einem in sich geschlossenen Sagenkreis zusammen, welcher die Geschichte der bekannten Welt bis zur Herrschaft des Augustus beschreibt.

Im Gegensatz zu dieser „Verherrlichung“ des Principats dürfte die Ars Amatoria auf weniger Wohlwollen beim Kaiser gestoßen sein. In diesem Lehrgedicht schildert Ovid teilweise sarkastisch, teilweise belustigend den Alltag des augusteischen Roms unter besonderer Betrachtung der Liebeswelt ihrer Bewohner – in einer teilweise äußerst unverhüllten Beschreibung von Sexualität. Die Ars Amatoria und ihre spätere Ergänzung, die Remedia amoris (Heilmittel gegen die Liebe) umfassen insgesamt 4 Bücher, die sich in die Lehren für die Männer (Buch 1 und 2), die Lehren für die Frauen (Buch 3) sowie die Heilmittel gegen die Liebe (Buch 4) unterteilen lassen.

In dem Text gibt ein Sprecher in Form eines „erzählenden-Ichs“ dem Leser Ratschläge in unterschiedlichen Liebesangelegenheiten; z.B. wo in Rom eine Bekanntschaft gemacht werden kann und wie ihre Liebe gewonnen und diese erhalten werden kann. Der vorliegende Auszug stammt aus dem dritten Buch und gibt Anweisungen dazu, wie Frauen ihre Liebesangelegenheiten unter den wachsamen Augen ihrer Männer oder Aufsichtspersonen handhaben können; z.B. wie sich ein Paar unbemerkt geheime Botschaften zukommen lassen kann.

Dadurch, dass Ovid dieses Werk in Distichen an Stelle von reinen Hexametern verfasst hat, wird noch einmal der Bezug zur klassischen römischen Liebeselegie, der unerfüllten Liebe, deutlich – damit nimmt Ovid seinem Werk ein Stück weit seine Anrüchigkeit und Sittenlosigkeit.

Die Veröffentlichung dieses Werkes war wahrscheinlich einer der beiden Gründe für seine Verbannung, in der er schließlich auch starb. Ausschlaggebend dürfte allerdings der zweite Grund gewesen sein, auf den Ovid in seiner Einleitung anspielt (carmen et error). Dabei muss es sich um ein höchst brisantes Ereignis gehandelt haben, welches den Kaiser dazu veranlasste, ihn auf Lebenszeit zu verbannen – die  (unterschwellige) Kritik an der Sitten- und Frömmigkeitspolitik des Kaisers, insbesondere an den neuen Ehegesetzen unter Augustus. Diese war sicherlich wenig hilfreich, aber keinesfalls ausschlaggebend für die Verurteilung, da die offenherzigen „Ratschläge“ in Ovids Werk zu keinem Punkt in Obszönitäten ausarten.

 

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Das christliche Pilgerwesen

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Egeria
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Der Reisebericht der Egeria – It.Eg.19,2-5

1 Unde denuo proficiscens, peruenimus in nomine Christi Dei nostri Edessam. Ubi cum peruenissemus, statim perreximus ad ecclesiam et ad martyrium sancti Thomae. Itaque ergo iuxta consuetudinem factis orationibus et cetera, quae consuetudo erat fieri in locis sanctis, nec non etiam et aliquanta ipsius sancti Thomae ibi legimus. Ecclesia autem, ibi que est, ingens et ualde pulchra et noua dispositione, ut uere digna est esse domus Dei; et quoniam multa erant, quae ibi desiderabam uidere, necesse me fuit ibi statiua triduana facere. Ac sic ergo uidi in eadem ciuitate martyria plurima nec non et sanctos monachos, commanentes alios per martyria, alios longius de ciuitate in secretioribus locis habentes monasteria. Et quoniam sanctus episcopus ipsius ciuitatis, uir uere religiosus et monachus et confessor, suscipiens me libenter ait michi: «Quoniam uideo te, filia, gratia religionis tam magnum laborem tibi imposuisse, ut de extremis porro terris uenires ad haec loca, itaque ergo, {49} si libenter habes, quaecumque loca sunt hic grata ad uidendum Christianis, ostendimus tibi»: tunc ergo gratias agens Deo primum et sic ipsi rogaui plurimum, ut dignaretur facere, quod dicebat.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Übersetzung: M. L. McClure
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Übersetzung:

Departing thence, we arrived at Edessa in the Name of Christ our God, and, on our arrival, we straightway repaired to the church and memorial of saint Thomas. There, according to custom, prayers were made and the other things that were customary in the holy places were done; we read also some things concerning saint Thomas himself. The church there is very great, very beautiful and of new construction, well worthy to be the house of God, and as there was much that I desired to see, it was necessary for me to make a three days‘ stay there. Thus I saw in that city many memorials, together with holy monks, some dwelling at the memorials, while others had their cells in more secluded spots farther from the city. Moreover, the holy bishop of the city, a truly devout man, both monk and confessor, received me willingly and said: „As I see, daughter, that for the sake of devotion you have undertaken so great a labour in coming to these places from far-distant lands, if you are willing, we will show you all the places that are pleasant to the sight of Christians.“

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Nathalie Klinck
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It.Eg.19,2-5

Leitfragen:

1.) Um was für eine Textgattung handelt es sich?
2.) Auf welche Monumente bzw. Sehenswürdigkeiten verweist Egeria in ihrem Bericht?
3.) Mit welcher Intention wurde der Text verfasst?

Kommentar:

Der hier vorliegende Quellenauszug stammt aus dem Itinerarium Egeriae, dem Reisebericht der Pilgerin Egeria. Dieser Reise- oder Pilgerbericht wurde um 384 n. Chr. von einer Frau aus Galicien oder Aquitanien namens Egeria verfasst. Der überlieferte Text teilt sich in zwei Abschnitte; zum einen der eigentliche Reisebericht, der ihre Reisen durch das Heilige Land, Ägypten, Mesopotamien und Kleinasien beschreibt (It.Eg. 1-23) und zum anderen eine detaillierte Beschreibung der Liturgie Jerusalems (It.Eg. 24-49). Der Text ist in einem für die Spätantike charakteristischen Vulgärlatein verfasst und mit vielen Bibelzitaten gespickt.

In diesem Bericht beschreibt Egeria einige Reiseetappen ihres mehrjährigen Aufenthaltes in Jerusalem und seinem Umland von ca. 381-384 n. Chr. Bei den Adressatinnen des Schreibens handelt es sich um ihre dominae-sorores „Damen-Schwestern“ in der Heimat, wobei die Intention dieses narrativen Itinerars durch das Fehlen des Anschreibens und des Vorwortes nicht abschließend geklärt ist. Und auch über die Autorin selbst liegen keine weiteren Informationen vor – lediglich in einer Randnotiz beschreibt sie sich sehr neugierig, cum satis curiosa (It.Eg. 16,3).

Die obige Beschreibung der mesopotamischen Stadt Edessa findet sich am Ende des Berichtes. Hier ist die erste Station von Egeria und ihrer (Reise)Gruppe die Kirche und das Martyrion (ein kleines Bauwerk oder ein Schrein zur Verehrung von Heiligen und Märtyrern). Der Auszug macht einmal die grundsätzliche Routine deutlich, die die Gruppe an jeder neuen Station durchläuft: Zuerst suchen sie die heilige Stätte, die Kirche oder das Martyrion auf, um dort gemeinsam zu beten und ggf. die passende Textstelle in der Heiligen Schrift zu lesen – wie auch hier im Falle des Heiligen Thomas. Egeria hebt als nächsten Punkt die Vielzahl an christlichen Monumenten hervor, die es für sie notwendig machen drei Tage in Edessa zu verbringen. Zudem freut sie sich ebenso sehr darüber, die sanctos monachos, die heiligen Mönche zu sehen, die sich dicht bei den heiligen Stätten, oftmals auch etwas außerhalb der Stadt, angesiedelt hatten. Als dritten Punkt hebt Egeria die äußerst freundliche Aufnahme durch den lokalen Bischof hervor, der ihre besondere Frömmigkeit hervorhebt, die sie einen so weiten Weg hat zurücklegen lassen, allein für ihren Glauben. Er ist zudem bereit, sie persönlich durch die Stadt zu führen und ihr die verschiedenen Sehenswürdigkeiten zu zeigen und zu erläutern. Diese Behandlung verweist auf ihre hohe gesellschaftliche Stellung.

Mit der Etablierung des Christentums durch Kaiser Konstantin begannen viele Christen zu Pilgerreisen ins Heilige Land aufzubrechen. Pilgerreisen, respektive die Idee, zu besonderen, als heilig angesehenen Orten zu reisen, war eine Neuerung des Christentums. Denn erst mit dem Christentum bildete sich mit dem Heiligen Land ein zentrales Kultzentrum heraus. Bei Reisen zu paganen Heiligtümern, Heilszentren oder Orakeln in den paganen Kulten spielten nie der zurückgelegte Weg oder die durchstandenen Strapazen eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zur christlichen Pilgerreise hätte z.B. der pythische Apollon in Delphi wohl nicht die Reise Egerias aus den weit entfernten Gegenden der Welt besonders hervorgehoben.

Somit ist der Reisebericht von Egeria nicht nur eines der wenigen antiken Ego-Dokumente einer Frau, sondern auch eine einzigartige Quelle zum Pilgerwesen und zu christlichen Reisen im frühen Christentum, durch das Egeria den Leser mit Hilfe der Bibel Schritt für Schritt führt.

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