03 – Die Unterwerfung Italiens, das Ausgreifen nach Westen

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in:
Werner Rieß
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Römische Geschichte I: Die Republik

03 – Die Unterwerfung Italiens, das Ausgreifen nach Westen

Ein wesentliches Merkmal der Römischen Republik ist das ungeheure Ausgreifen Roms, zuerst in Italien, dann sogar in den gesamten Mittelmeerraum. Diese Geschichte der Expansion kann hier nur in den allergröbsten Umrissen nachgezeichnet werden, v.a. geht es mir jedoch um eine Bewertung dieser Vorgänge, was die Ursachen für diese fortlaufende Expansion waren, wie sie überhaupt erst möglich wurde und was dies für Rom und die unterworfenen Völker eigentlich bedeutete. Bis zur Eroberung Süditaliens können wir grob drei Phasen unterscheiden, 1. bis zur Kelteninvasion von 387, die zweite Phase bis zur Unterwerfung Latiums 338 und schließlich bis zur Unterwerfung Süditaliens 264.
Um diese gewaltige Expansion zu erklären, wurden viele Theorien vorgebracht. Im Wesentlichen kann man drei Argumentationslinien ausmachen, die ihrerseits wieder viele Verästelungen aufweisen.
Die Römer selbst waren überzeugt, dass sie nur reagierten und sich verteidigten, dass also die Sicherheitspolitik notwendigerweise eine immer weitere Ausdehnung des Herrschaftsgebietes nach sich zog. Man könnte also von einem defensiven Imperialismus sprechen. Natürlich fehlt es nicht an Stimmen moderner Forscher, die sehr wohl von einer planmäßigen Expansion ausgehen und den Römern intentionales Handeln unterstellen. Ein dritter Erklärungsversuch bezieht die innenpolitischen Verhältnisse mit ein: Die Ständekämpfe machten immer wieder Landverteilungen notwendig, und die römische Oberschicht glaubte wohl, die sozialen Probleme am besten durch Expansion, also auf Kosten Dritter, lösen zu können. Die Expansion würde sich also nach dieser Theorie aus einer innenpolitischen Dynamik heraus begründen. Der Begriff des Sozialimperialismus, der aus der Imperialismus-Forschung stammt und dort das 19. Jh. charakterisiert, würde dann also angewandt werden können.
Wie dem auch immer sei, ein so komplexes Phänomen wie die römische Expansion lässt sich auf keinen Fall monokausal erklären. Natürlich hatten die Römer zu Beginn nicht vor Augen, das gesamte Mittelmeergebiet zu beherrschen. Planmäßig war jedoch ihr Vorgehen gegen die immer neuen Nachbarn, wenn ihre Interessen in irgendeiner Weise bedroht zu sein schienen. Dass die Römer oft reagierten und auch aus innenpolitischen Impulsen heraus handelten, wird man nicht leugnen können. Alle Theorien haben also etwas für sich. Nur in der Kombination der verschiedenen Erklärungsansätze wird man der Erklärung der römischen Expansion ein Stück näher kommen können.
Das 5. Jh. war von Kämpfen um Veji und von Kämpfen Roms gegen die Latiner und sabellisch-oskischen Stämmen geprägt, die von den Apenninen immer wieder in die fruchtbaren Ebenen Kampaniens und Latiums hinunterdrängten. Insgesamt sehen wir jedoch bis zu den Kelteneinfällen eine erste Konsolidierung des römischen Machtbereichs.
Gehen wir ganz kurz auf die Latiner, die Kelten, die Samniten und die Etrusker ein und schließlich den Krieg gegen Tarent und König Pyrrhos von Epirus. Damit sind wir dann kurz vor dem Ausbruch des ersten Punischen Krieges angelangt. Um den Erfolg der Römer in den Punischen Kriegen zu verstehen, müssen wir uns auch den Umgang der Römer mit den Unterworfenen vergegenwärtigen und die Grundzüge des Bundesgenossensystems skizzieren.
Mit den Latinern ist Rom in einem frühen Vertrag, dem sogenannten Foedus Cassianum verbunden, der traditionellerweise auf 493 datiert wird; andere Datierungen sind jedoch möglich. Allmählich kommt es zu Konflikten, die im Latinerkrieg 340-338 eskalieren. Rom gewinnt diesen Krieg und verdreifacht dadurch sein Gebiet. Die Latiner werden integriert, dadurch verdoppelt sich das Wehrpotential Roms. Einige Latinerstädte behalten ihren selbständigen Status, die meisten jedoch werden voll in das römische Staatsgebiet integriert. Somit hat Rom nun, anders als die meisten griechischen Stadtstaaten, ein Territorium mit zahlreichen kleineren städtischen Siedlungen.
Die Kelten dringen zu Beginn des vierten Jahrhunderts in die Poebene vor. König Brennus kann die Römer in der Schlacht an der Allia 387 entscheidend schlagen; für die Römer war das ein Trauma bis in die Tage Caesars. Die Gallier nahmen nicht nur die Poebene in Besitz, sondern zerstörten Rom bis auf das Kapitol. Camillus konnte die Invasoren jedoch auf dem Boden der zerstörten Stadt schlagen und die Übersiedlung der Römer nach Veji verhindern. Nach weiteren Vorstößen der Gallier nach 360 sicherten sich die Römer durch einen Vertrag ab. 283 schlugen die Römer Kelten und Etrusker am Vadimonischen See, Dentatus eroberte das Gebiet der Senonen an der Adria und richtete den ager Gallicus als Pufferzone zwischen dem römischen Italien und dem keltischen Oberitalien ein.
Bzgl. der Samniten unterscheidet die Annalistik drei Kriege, 343-341, 326-304 und schließlich 298-290 den Dritten Samnitenkrieg, der auch als Italischer Krieg bezeichnet wird. Vor allem der Zweite Samnitenkrieg (326-304) ist nicht nur aufgrund seiner Dauer wichtig. Die Römer erlitten 321 eine demütigende Niederlage bei Caudium. Das Heer beider Konsuln wurde unter das Joch, das sogenannte Kaudinische Joch geschickt, eine Schmach, die die Römer nie vergaßen. Da die starre Phalanx der Römer im unwegsamen Berggelände Schwierigkeiten hatte, kam es zu einer folgenreichen Heeresreform. Die Römer gaben die Phalanx auf und führten die Drei-Treffen-Ordnung ein (hastati, principes, triarii), übernahmen den samnitischen Wurfspeer, das pilum, als Angriffswaffe und führten die lockere Manipel-Ordnung ein. 30 Manipel bildeten fortan eine Legion. Mit dieser neuen Militärordnung gelang es den Römern schließlich, die Samniten niederzuringen. Große Gebiete Samniums wurden annektiert, Samnium wurde durch römische Koloniegründungen von drei Seiten eingeklammert. Nach dem Dritten Samnitenkrieg, in dem auch die Sabiner unterworfen wurden, waren die Samniten heerespflichtige Bundesgenossen. Rom war nun durch das Festungsnetz und das Bundesgenossensystem unbestrittene Hegemonialmacht in Mittelitalien. Als die Samniten sich König Pyrrhos von Epirus anschlossen, schloss Rom ein Bündnis mit Karthago, um dieser Gefahr Herr zu werden. Nach dem Sieg über Pyrrhos wurde der samnitische Bund endgültig aufgelöst, Vertragsschlüsse mit Rom wurden aufoktroyiert, die Samniten mussten ein Drittel ihres Gebietes abtreten. Die Römer sicherten das Gebiet durch Straßenbau und Koloniegründungen, an erster Stelle ist hier Beneventum zu nennen.
Die Kämpfe gegen die Etrusker ziehen sich von 477 bis 264 hin. Die gens Fabia unternahm 477 einen Privatkrieg gegen Veji und wurde praktisch vernichtet. Die Fabier mussten einsehen, dass die Zeit der Privatfehden ohne das römische Hauptaufgebot vorbei war. 474 verloren die Etrusker schwer gegen Hieron I. von Syrakus in der Seeschlacht von Cumae, worauf sie ihren Einfluss in Kampanien und Latium einbüßten. Mit Rom schlossen sie daher einen Waffenstillstand. In einem zehnjährigen Entscheidungskampf (406-396) rang Rom schließlich den alten Rivalen Veji nieder. Weitere Kriege folgten, insbesondere schlossen sich die Etrusker in den Samnitenkriegen gerne den Samniten an. 310 und 283 wurden die Etrusker von den Römern am Vadimonischen See geschlagen. 264 schließlich gelang es den Römern, Volsinii Veteres, das heutige Orvieto, zu zerstören und damit das religiöse Zentrum der Etrusker.
Noch während dieser Kämpfe braute sich in Unteritalien eine Gefahr zusammen. Tarent hatte 282 v. Chr. römische Schiffe vor der Küste versenkt, die allerdings vertragswidrig im Golf von Tarent gekreuzt waren. Zudem griff Tarent Thurii an, zwang die dortige römische Besatzung zur Kapitulation und behandelte römische Gesandte schimpflich. Erschwerend kam hinzu, dass König Pyrrhos von Epirus, der wenig Aussichten auf den makedonischen Königsthron hatte, als Sachwalter der Griechen in Unteritalien auftrat. In einer ersten Schlacht bei Heraclea 280 gelang ihm mit seinen Kriegselefanten ein Sieg über die Römer. Die Folge war, dass Samniten, Lukaner und Bruttier von Rom abfielen, aber die ganz große Abfallbewegung blieb aus.
Wie später im Krieg gegen Hannibal, bewährte sich das römische Festungs- und Bundesgenossensystem. Nach der Schlacht von Asculum, in der Pyrrhos einen verlustreichen Sieg errang (Pyrrhos-Sieg), und der unentschiedenen Schlacht von Beneventum kehrte Pyrrhos nach Epirus zurück. Ein epirotischer Kommandant übergab Tarent an die Römer, damit war Rom nun auch Herrin über Süditalien, die Magna Graecia wurde in das römische Herrschaftssystem eingegliedert, die griechischen Städte als socii navales zur Gestellung von Schiffen verpflichtet. Somit war Rom von einem Tag auf den anderen auch Seemacht. In dieser neuen Stellung als Hegemonialmacht über Süditalien war Rom nun aber auch für die Probleme der Griechenstädte verantwortlich und d.h. Rom musste sich auch irgendwann mit Karthago auseinandersetzen, das in Westsizilien präsent war.
Bevor wir jedoch auf die Punischen Krieg eingehen, müssen wir in aller Kürze das Römische Bundesgenossensystem skizzieren, das nicht nur Folge der Expansion war, sondern deren Ergebnis auch herrschaftspolitisch absicherte. Dabei war das Bundesgenossensystem keine Ordnung, die künstlich auf dem Reißbrett in überlegter Planung entstanden wäre. Die Römer waren Pragmatiker und verschriftlichten den Umgang mit ihren Bündnern kaum. Jede Stadt wurde, je nachdem wie sie in den Kriegen zu Rom stand, unterschiedlich behandelt. Ein Flickenteppich mit sehr diversen Verhältnissen der Landstädte zu Rom entstand organisch, aus der jeweiligen Situation heraus.
Nun kurz zu den verschiedenen Statusgruppen, von oben nach unten. Römische Bürger, cives Romani, waren außerhalb Roms drei Gruppen: In der Frühzeit beteiligten sich nur Bürger an Koloniegründungen; diese Siedler blieben römische Bürger und erhielten eine begrenzte Selbstverwaltung. Im vierten und dritten Jahrhundert wurden diese Siedlungen ausschließlich an der Küste gegründet, wie etwa Antium oder Ostia. Sie hießen daher entweder coloniae civium Romanorum oder coloniae maritimae.
Dann gab es die municipia, Gemeinden der jeweiligen ortsansässigen Bevölkerung mit vollem römischen Bürgerrecht und kommunaler Selbstverwaltung, sie waren voll integriert. Die dritte Stufe waren die civitates sine suffragio, wie Caere und Capua. Die Einwohner dieser Gemeinden hatten das römische Bürgerrecht außer dem Recht, an der Wahl römischer Magistrate mitzuwirken, sie waren also auch nicht Teil der Tribusordnung. Diese civitates genossen volle innere Autonomie, mussten allerdings Soldaten stellen. Diese Halbbürgergemeinden, wie Mommsen sie etwas missverständlich bezeichnete, trugen durch diese Teilintegration wesentlich zur Romanisierung Italiens bei. Die meisten waren bis zum zweiten Jahrhundert voll in den römischen Bürgerverband integriert. Am Ende der Republik gab es also nur noch coloniae und municipia.
Gehen wir nun zu den Latinern: Hier unterscheidet man die prisci Latini, also die alten Latiner, d.h. die nach dem Latinerkrieg selbständig gebliebenen Städte, von den berühmten coloniae Latinae, die auf ehemals feindlichem Territorium gegründet wurden. Römer, die dorthin zogen, verloren zwar ihr römisches Bürgerrecht und bekamen das der latinischen Kolonie, das das Heirats- und Handelsrecht mit Rom einschloss, genossen dafür aber volle innere Souveränität. Bei einer Übersiedlung nach Rom lebte das römische Bürgerrecht wieder auf. Diese latinischen Kolonien hatten oftmals festungsartigen Charakter, sie zernierten z. B. Samnium. Livius bezeichnet sie auch als propugnacula, als Bollwerke Roms in Italien. Da diese Städte autonom waren und eigene Verfassungsorgane hatten, waren sie im Notfall rasch handlungsfähig. Die latinischen Kolonien, die ganz wesentlich zur Romanisierung Italiens beitrugen, waren also nicht historisch gewachsen, sondern eine künstliche Konstruktion, die die Idee des antiken Stadtstaates zugunsten der Idee der territorialen Herrschaft sprengte. Man war nun nicht mehr Bürger einer bestimmten Stadt, sondern Träger eines bestimmten Typus von Bürgerrecht. Die Rechtstellung war abstrakt und hob die städtische Individualität auf. Diese coloniae Latinae waren nicht nur wegen ihrer exponierten Lage im Feindesland auf Gedeih und Verderb mit Rom verbunden; auch in ihrem ganzen Charakter und dem Gefühl ihre Bewohner nach waren sie zu Rom gehörig.
Ganz unten standen die Bundesgenossen, die socii, deren Territorium fünf Sechstel Italiens ausmachte. Nominell behielten sie ihre Souveränität, insbesondere auch ihr eigenes Bürgerrecht und ihre Selbstverwaltung, allerdings waren sie Rom gegenüber zur Truppenstellung verpflichtet und verloren damit ihre außenpolitische Unabhängigkeit. Die Gemeinden der Bundesgenossen waren in bilateralen Verträgen, die immer anders aussehen konnten, an Rom gebunden.
Das Bundesgenossensystem war ein einmaliges Konstrukt und ein hoch kompliziertes Geflecht. Es gab keinen Bundeswillen, der in einer Bundesorganisation seinen Ausdruck hätte finden können. Rom war stets Vormacht, nicht Partner, die Verbündeten damit Abhängige. Die bilateralen Verträge mit Rom waren unauflöslich. Abgefallene wurden von Rom hart bestraft. Nach dem Prinzip divide et impera, teile und herrsche, hatten die Römer ein fast perfektes Herrschaftsinstrument zur Verfügung. Mit sechs Millionen Menschen war das römische Bundesgenossensystem im Mittelmeerraum ein unvergleichlicher Machtfaktor. Damit war vorgezeichnet, dass Rom in der Lage sein würde, schließlich die ganze damals bekannte Welt zu beherrschen. Aber noch ein anderer Faktor ist wichtig:
Durch seine Herrschaftsorganisation bringt Rom seine Kultur und Zivilisation nach ganz Italien. Rom wird zum Vorbild der italischen Eliten, der Magistratsordnung und auch der Landwirtschaft. Die alten Gegensätze der verschiedenen Stämme verloren zunehmend an Bedeutung. Man spricht auch von der Munizipalisierung Italiens unter der Römischen Republik. Wir stehen zeitlich nun am Ende des Pyrrhos-Krieges und vor dem Ausbruch des Ersten Punischen Krieges.
Es mutet seltsam an, dass sich die Römer nur wenige Jahre nach dem verlustreichen Sieg über Pyrrhos auf das nächste außenpolitische Abenteuer einließen. Das kann nur bedeuten, dass sie ihr Engagement auf Sizilien für die sogenannten Mamertiner, kampanische Söldner oskischer Herkunft, als zeitlich begrenzte Aktion angesehen haben müssen. In was für ein Wespennest sie in Sizilien hineinstechen würden, und welch zähes Ringen mit Karthago die Folge sein würde, konnten sie wohl nicht abschätzen.
Da die Ereignisgeschichte der drei Punischen Kriege sehr gut bekannt ist, möchte ich hier nur auf die Bedeutung der jeweiligen römischen Siege eingehen. Im Ersten Punischen Krieg (264-241) wird Rom notgedrungenerweise zur Seemacht. Karthago muss gemäß dem Lutatius-Vertrag große Kriegskontributionen leisten, alle Gefangenen ausliefern und die Liparischen und Ägatischen Inseln räumen. 237 besetzen die Römer Sardinien, weil sie karthagische Söldner nicht in ihrem Vorfeld dulden wollten und richteten Sardinien und Korsika 227 als Provinz ein. Das Gleiche passiert auch mit Sizilien. Damit ist Rom Herrin über das Tyrrhenische Meer. Um den Verlust des Krieges auszugleichen, expandieren die Karthager unter der Familie der Barkiden, der auch Hannibal angehören sollte, verstärkt in Spanien. Die Römer betrachteten diese Machtausdehnung der Karthager mit Argwohn und hatten wohl insbesondere Angst, dass sich die karthagische Einflusssphäre immer mehr an Südgallien heranschob. Damit hätte für die Karthager die Möglichkeit bestanden, sich mit den Kelten gegen Rom zu verbünden.
Die Gründe für den Ausbruch des Zweiten Punischen Krieges sind in der Forschung aufgrund der Sagunt- und Ebrofrage höchst umstritten. Der Verlauf des Hannibal-Krieges ist gut bekannt. Es kann nur spekuliert werden, warum Hannibal nach der vernichtenden Niederlage der Römer bei Cannae nicht auf Rom direkt marschierte. Er überschätzte wohl das noch zur Verfügung stehende Abwehrpotential der Römer. Nur aufgrund des vorhin skizzierten Bundesgenossensystems konnte sich Rom schließlich mit größter Mühe durchsetzen, Hannibal zum Abzug aus Italien zwingen und die Karthager in der Schlacht von Zama 202 besiegen. Der Frieden, den Rom Karthago diktierte, stellte die karthagische Souveränität in Frage und legte somit die Grundlage für den Dritten Punischen Krieg. Karthago musste auf alle Besitzungen außerhalb Afrikas verzichten. Das größte historische Ergebnis des Zweiten Punischen Krieges ist sicher, dass die Römer nun voll auf Spanien zugreifen konnten. Und obwohl es dort massive Probleme bis Augustus gab, beginnt hier doch die frühe und intensive Romanisierung Spaniens. Die Karthager müssen des Weiteren ein vergrößertes numidisches Reich unter König Massinissa dulden, der als Aufpasser der Römer vor Ort fungiert. Sie müssen ihre ganze Flotte bis auf 10 Schiffe ausliefern, eine Schmach für die einstmals so stolze Handelsnation. Eine gewaltige Kriegskontribution muss gezahlt werden, dazu müssen 100 vornehme Geiseln gestellt werden. Jede Kriegführung außerhalb Afrikas wird Karthago verboten, innerhalb Afrikas wird sie von der Zustimmung der Römer abhängig gemacht. Ab ca. 150 wehrt sich Karthago gegen diese aufoktroyierten Bestimmungen. Rom sieht den Friedensvertrag von 201 verletzt und erklärt nur zu gerne den Krieg. Die Karthager sind fast zu allem bereit, um den Frieden zu bewahren, sogar einer Entwaffnung hätten sie offenbar zugestimmt. Doch der römischen Aufforderung, die Stadt aufzugeben und landeinwärts zu siedeln, konnten sie nicht Folge leisten. Es entspann sich ein mehrjähriger Verzweiflungs- und Existenzkampf. Scipio Aemilianus, der 133 auch noch über Numantia in Spanien siegen sollte, erobert 146 Karthago und macht die Stadt dem Erdboden gleich.
Parallel zu dieser Entwicklung im Westen, wurde Rom auch immer aktiver im Osten. Diese Expansion im Osten wird Gegenstand des nächsten Podcasts sein. Es wird auch deutlich werden, dass die ständigen Kriege in West und Ost nicht ohne verheerende Wirkungen im Inneren waren. Es ist kein Zufall, dass im Jahre des Sieges über Numantia (133 v. Chr.) Tiberius Gracchus als Volkstribun energische Reformen fordert; die Krise der Römischen Republik ist damit für jeden offenkundig geworden.

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