Weber, G., Die neuen Zentralen […]

Weber, G., Die neuen Zentralen. Hauptstädte, Residenzen, Paläste und Höfe, in: G. Weber (hgg.), Die Kulturgeschichte des Hellenismus. Von Alexander dem Großen bis Kleopatra, Stuttgart: Klett-Cotta 2007, 99-117.

 

 
Leitfragen

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Josephine Jung
Lizenz: CC-BY-NC-SA

1) Definieren Sie nach Weber in eigenen Worten den Begriff „Hauptstadt“ (Textseiten 103-104). Beachten Sie bitte folgenden Hinweis: Was unterscheidet antike Residenzstädte von modernen Hauptstädten?

2) Erläutern Sie Ihre Definition detaillierter. Was genau sind die Bestandteile einer hellenistischen Haupt- und Residenzstadt (Textseiten 104-109)? Nennen Sie das Ihrer Meinung nach wichtigste Element. Begründen Sie Ihre Entscheidung.

3) Beschreiben Sie in wenigen Sätzen drei herausragende Merkmale der ägyptischen Stadt Alexand-ria, die diese Stadt als eine besondere Metropole im Zeitalter des Hellenismus kennzeichnen (Text-seiten 99-102, 104-109). Wählen Sie je ein Beispiel aus den Bereichen Stadtplanung, gesellschaftli-che Nutzung von Bauten und Prestige bzw. Außenwirkung.

4) Nennen Sie die entscheidenden Kernelemente der höfischen Gesellschaft hellenistischer Herr-scher. Halten Sie sich an die zeitliche Struktur von Weber: Alexander der Große, Diadochen- und Epigonenhöfe (Textseiten 111-116).

5) Definieren Sie in eignen Worten den Begriff „Hof“ (Textseiten 111-112) und erläutern Sie dessen Funktionsweise in nur einem Satz. Greifen Sie dabei auch auf das Fazit von Weber zurück (Textsei-ten 116-117).

Kommentar

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Josephine Jung
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Forschungstradition des Autors

Prof. Dr. Gregor Weber studierte die Fächer Geschichte, Griechisch und Katholische Theologie in Freiburg. Er lehrte im Jahr 2002 als ordentlicher Professor Alte Geschichte an der Universität Erfurt. Seit 2003 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Alte Geschichte an der Universität Augsburg. Seine Schwerpunkte liegen in der Geschichte des Hellenismus und der antiken sowie modernen Demokratieforschung.Weber widmet sich insbesondere der Erforschung der Kulturgeschichte sowie den Strukturen antiker Monarchien (hellenistisches Königtum und römisches Prinzipat).

Erläuterung missverständlicher, schwieriger und wichtiger Stellen für das Textverständnis

Grundsätzlich erläutert Weber einerseits die äußere stadtplanerische und architektonische Struktur hellenistischer Großstädte (Textseiten 99-104). Andererseits erörtert er die Funktion dieser städtischen Elemente im Zusammenhang mit der neuen Form hellenistischer Herrschaft (Alexander der Große, die Diadochen und deren Nachfolger (Textseiten 104-117)).

Um die Erläuterungen von Weber besser einordnen zu können, seien die geographischen und die machtpolitischen Strukturen kurz erläutert. Weber weist an mehreren Stellen auf die Städtegründungen durch Alexander den Großen hin (Textseiten 102 und 104). Alexander der Große gelangte mit seinem Heer und einem riesigen Tross bis ins heutige Pakistan. Das eroberte Reich wurde später von seinen Nachfolgern, den Diadochen, in kleinere Reiche aufgeteilt. In diesen neuen Reichen der Diadochen wurden Städte als neue antike Hauptstädte teilweise neu gegründet, teilweise weiter ausgebaut (Textseiten 105-107). Zu den Diadochenreichen, die Weber erörtert, zählen die Ptolemäer (heutiges Ägypten), die Antigoniden (heutige Türkei, Ende des 4. Jh. v. Chr., im 3. Jh v. Chr. Makedonien), die Seleukiden (heute Irak, Iran und Teile Afghanistans) und die Attaliden (westliche Teile der Türkei, später Königreich Pergamon).

Bevor die Diadochen in langen Kämpfen die Größe ihrer Reiche festlegten und dabei teilweise auch auf bereits bestehende Städte als Residenzstädte zurückgriffen, waren diese Städte Teil des persischen Großreichs. Die heutige Türkei, die Arabische Halbinsel, Ägypten, Syrien, Irak, Iran, Afghanistan u.a. waren das Reich eines einzigen Persischen Großkönigs und seiner Satrapen (Statthalter) gewesen, welche dem König vollständig untergeben waren (Textseiten 103-104). Dieser Großkönig hatte jedoch im Gegensatz zu den kleineren Diadochenreichen nicht eine einzige oder einige wenige Residenzstädte. Bei der persischen Herrschaft handelte es sich vielmehr um eine Form von Wanderkönigtum, die auf einer Vielzahl verschiedener Residenzstädte basierte.

Es stellt sich nun die Frage, was diese Städte von den neuen antiken „Hauptstädten“ unterschied. Diese Frage stellt Weber selbst nicht direkt, jedoch drängt sich die Frage beim Lesen des Artikels und in Anbetracht des Titels auf. Auch wenn der Begriff „antike Hauptstadt“ allein nicht treffend ist und daher immer im Zusammenhang mit dem Begriff „Residenzstadt“ von Weber genutzt wird (u.a. Textseiten 104, 106, 107), ist hervorzuheben, dass einige große Diadochenreiche, wenn teilweise auch nur zeitweilig, über eine Metropole bzw. ein Zentrum verfügten (Textseiten 105-106). Namentlich nennt Weber neben Alexandria als Hauptstadt der Ptolemäer zusätzlich Antigoneia als Stadt der Antigoniden und Pergamon als Hauptstadt der Attaliden. Im Übrigen sind mit dem Begriff „Epigonidenreiche“ gleichermaßen die Diadochenreiche gemeint (Textseite 112), jedoch verweist der Begriff bei Weber auf das frühe 2. Jh. n. Chr. (Textseite 116), welches er nur in wenigen Sätzen erwähnt.

Hervorzuheben ist, dass trotz dieser Zentren eine Konkurrenz innerhalb und zwischen den Höfen in den verschiedenen Zentren herrschte (Textseite 114). Mit dieser Aussage hebt Weber nicht nur die rein funktional-strategische Bedeutung der Königsstädte hervor, sondern auch deren soziale Bedeutung. Der „Hof“ bzw. eher die „Höfe“ als soziale Elemente von Herrschaft erschwerten trotz der Reduktion des Wanderkönigtums und der Konzentration auf ein zeitweiliges Zentrum oder auf wenige Kernstädte die Kämpfe um die Macht (Textseiten 114-116). Ursächlich dafür waren die Herrschaftsabsicherung und Administration basierend auf persönlicher Loyalität zwischen einem Herrscher und seinen Gefolgsleuten. Der Herrscher stand mit anderen Herrschern in Konkurrenz um seine treuen Gefolgsleute, genannt phíloi. Die Gefolgsleute erhofften sich teils an anderen Höfen mehr Ruhm oder Vermögen, wenn sie an ihrem Hof nicht ausreichend belohnt wurden.

Text zum downloaden

 

Vergleichen Sie hierzu auch die Karte zu den Diadochenreichen.