Stein-Hölkeskamp, E., Das Archaische Griechenland […]

Stein-Hölkeskamp, E., Das archaische Griechenland. Die Stadt und das Meer, München: Beck 2015, 96-119.

 

Leitfragen

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Josephine Jung
Lizenz: CC-BY-NC-SA

1) Stein-Hölkeskamp erörtert die unterschiedlichen Gründe für die Kolonisation von Mittelmeergebieten durch griechische Poleis. Nennen Sie die Gründe, die auf den Textseiten 100-103 erläutert werden.

2) Nennen Sie drei grundlegende archäologische Quellen, auf die sich Stein-Hölkeskamp bei ihrer Untersuchung stützt. Beschreiben Sie in wenigen Sätzen, welche Schlüsse sich aus den Quellen für die Charakterisierung der Kolonisation ziehen lassen.

3) Die Kolonisation verlief in zwei Phasen. Wie unterscheiden sich diese zwei Phasen für die Orte Metapont, Siris und Incoronata voneinander (Textseiten 110-119)?

4) Was unterscheidet nach Stein-Hölkeskamp die Kolonisation in der Archaik maßgeblich von den Kolonisationsbewegungen der frühen Neuzeit (Textseite 116)? Erläutern Sie den Unterschied in wenigen Sätzen.

5) Stein-Hölkeskamp erörtert zu Beginn und zu Anfang des Kapitels den Zusammenhang zwischen der archaischen Kolonisation und dem Epos „Odyssee“ von Homer. Fassen Sie in eigenen Worten zusammen, welche Aspekte der literarischen Darstellung für die Charakterisierung der archaischen Kolonisation übernommen werden können und warum.

Kommentar

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Josephine Jung
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Forschungstradition des Autors

Apl. Prof. Dr. Elke Stein-Hölkeskamp lehrt seit 2016 als außerplanmäßige Professorin an der Universität Duisburg-Essen das Fach Alte Geschichte. Ihre Forschungsschwerpunkte sind insbesondere die Sozialgeschichte der griechischen Archaik und Klassik, wobei Sie sich vor allem der Adelskultur widmet. Weiterhin forscht sie zur Kultur- und Erinnerungsgeschichte Griechenlands und Roms. Sie ist zusammen mit ihrem Mann Karl-Joachim Hölkeskamp Trägerin des Karl-Christ-Preises, welcher herausragende wissenschaftliche Verdienste für die Alte Geschichte prämiert und auszeichnet.

Erläuterung missverständlicher, schwieriger und wichtiger Stellen für das Textverständnis

Stein-Hölkeskamp erörtert zu Beginn des Kapitels, dass die Beschreibungen in der Odyssee von Homer in der heutigen Forschung in das 8. Jh. v. Chr. datiert werden (Textseite 97). Diese Datierung basiert auf folgenden Überlegungen: Überliefert ist uns, dass die Epen unter dem Tyrannen Peisistratos Mitte des 6. Jhs. v. Chr. in Athen von Sängern vorgetragen wurden. Gesungen wurde von Odysseus und seinen Abendteuern aber nicht so, als seien es Zeitgenossen, sondern gesungen wurde von grauen Vorzeiten. Antike Autoren wie Diodor haben uns überliefert, dass es sich dabei vermeintlich um das 12. Jh. v. Chr. handle. Diese These gilt aber weithin als revidiert. Die Lebensbeschreibungen der Akteure in den Epen stimmen mit denen im 8. Jh. v. Chr. überein. Allgemein wird daher das 8., teilweise auch das 7., Jh. v. Chr. als zu datierender Zeitraum für die Handlung angenommen. Aufgrund dieser Datierung werden die Epen von Stein-Hölkeskamp als literarische Quellen für die Untersuchung der archaischen Kolonisation genutzt. Die Epen sind damit die wichtigsten schriftlichen Quellen. Selbstverständlich werden Sie durch die archäologischen Quellen ergänzt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der im vorliegenden Auszug nicht weitreichend erörtert wird, betrifft die grundsätzliche Begrifflichkeit von „Kolonisation’“. Als „Kolonisation“ wird eine Besiedlung bezeichnet, die über den angestammten Lebensraum hinaus erfolgt. Der Begriff ist nicht inhärent mit einer Form von gewaltsamer Landnahme verbunden, jedoch kann eine Kolonisation auch gewaltsam vorgenommen werden. Einen Sonderfall der Kolonisation umschreibt der Begriff „Kolonialisierung“. Er umfasst die durch eine moderne Staatsmacht vollzogene gewaltsame Landnahme in der Frühen Neuzeit, welche mit Columbus Ende des 15. Jhs. n. Chr. begann. Hinter dem Begriff „Kolonisierung“ steht vor allem eine gewaltsame Unterdrückung, Umerziehung oder Ausrottung der indigenen Bevölkerung. Die Legitimation zur Unterdrückung findet sich vor allem in der Vorstellung einer kulturellen Überlegenheit seitens der Unterdrücker. Der Begriff „Kolonialisierung“ ist folglich nicht zutreffend für die archaischen Kolonisationsbewegungen. Sie können nicht als protostaatliche, geplante, gewaltsame und ideologisch begründete Landnahme bezeichnet werden (Textseite 116).

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