Alföldy, G., Augustus […]

Alföldy, G., Augustus und die Inschriften. Tradition und Innovation, in: Gymnasium 98, 1991, 289-324.

 

 
Leitfragen

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Josephine Jung
Lizenz: CC-BY-NC-SA

1) Alföldy beschreibt die Funktion der Inschriften unter den veränderten Herrschaftsbedingungen des Prinzipats durch Kaiser Augustus. Nennen Sie die unterschiedlichen Formen von Inschriften, die Alföldy in seinem Aufsatz unter den Gliederungspunkten zwei bis sechs untersucht.

2) Definieren Sie in eigenen Worten in je einem Satz die jeweilige Art von Inschrift, die Sie eben unter erstens genannt haben.

3) Geben Sie jeweils ein Beispiel und nennen Sie die Besonderheiten, die nach Alföldy die epigra-phische Gestaltung der Inschrift unter Augustus von der vorherigen Gestaltung in der Römischen Republik unterscheiden.

4) Alföldy stellt an den Beginn seines Aufsatzes zwei leitende Fragestellungen (Textseite 202). Er fragt als erstes nach der Bedeutung der Inschriften für den Kaiser als Politiker. Versuchen Sie, diese Frage für die eben genannten Inschriften zu beantworten.

Kommentar

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Josephine Jung
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Forschungstradition des Autors

Prof. Dr. Géza Alföldy (†) zählt zu den herausragenden Forschern der Alten Geschichte aus den letz-ten Jahrzehnten. Nach Professuren in Bonn und Bochum war er von 1975-2002 Professor für Alte Geschichte an der Universität Heidelberg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählten unter ande-rem die Römische Epigraphik und die Römische Sozial-, Heeres- und Verwaltungsgeschichte. Alföldy wirkte in vielfacher Hinsicht für die Alte Geschichte, neben der Vielzahl der betreuten Promotionen und Habilitationen ist der Aufbau der Epigraphischen Datenbank Heidelberg hervorzuheben (http://edh-www.adw.uni-heidelberg.de/home?lang=de), die über 70.000 lateinische Inschriften aus den Provinzen des Römischen Reiches beinhaltet. Zu Alföldys breitem literarischen Œuvre, das meh-rere Standardwerke beinhaltet, zählt die ‚Römische Sozialgeschichte‘, aus der der folgende Auszug entnommen ist.

Erläuterung missverständlicher, schwieriger und wichtiger Stellen für das Textverständnis

Alföldy widmet sich in seinem Aufsatz einer der großen Persönlichkeiten der römischen Antike. Die Erforschung des ersten Kaisers des Römischen Reiches hat eine weitreichende Tradition in der Alten Geschichte. Dem modernen Forscher des 21. Jhs. erscheint es oft so, dass zu „großen“ Personen der Geschichte, wie Caesar, Pompeius, Cicero oder eben Augustus nichts Neues mehr gesagt werden könnte. Alföldy zeigt jedoch, dass eine Quellengattung kaum systematisch untersucht worden war. Die Inschriften, die später z.B. von Kolb als Kommunikationsmedien bezeichnet und untersucht wurden, waren 1991 nicht ins Zentrum der Beobachtung geraten.

Alföldy sieht sich selbst als ein kritischer Historiker der Nachkriegszeit. Von dem verklärten Au-gustus-Bild des deutschen Faschismus distanziert er sich und fragt einerseits nach der Bedeutung der Inschriften als Medium für das politische Programm des Augustus. Andererseits fragt Alföldy, ob die Inschriftenkulutur des Augustus weitreichenden Vorbildcharakter für das gesamte Reich hat-te. Folglich sieht Alföldy Augustus nicht als einen später ideologisch verklärten Alleinherrscher, sondern in einem moderneren Sinne als Politiker.

Bezüglich der ersten Fragestellung ist es wichtig zu klären, was grundsätzlich unter einem politi-schen Programm des Augustus verstanden werden kann. Inwieweit kann man von Augustus tatsäch-lich als Politiker sprechen?

Grundsätzlich ist zu sagen, dass sich der „Beruf“ des Politikers einerseits erst in der späten Römi-schen Republik etablierte. Andererseits gab es erste Entwicklungen bereits im 3. Jh. v. Chr. Die Fa-milie der Scipionen war erstmals über Generationen hinweg immer wieder in den höchsten politi-schen Ämtern vertreten. Erste namhafte Persönlichkeiten der späten Republik waren u.a. Tiberius Sempronius Gracchus, sein Bruder Gaius Sempronius Gracchus und Lucius Cornelius Sulla Felix. Wohlhabende römische Bürger waren sowohl finanziell als auch durch ihre finanziellen Mittel durch Schulbildung intellektuell dazu befähigt, den cursus honorum, die römische Ämterlaufbahn zu ab-solvieren. Bezahlt wurden Sie für ihre Dienste von Staats wegen jedoch nicht. Dahingehend unter-scheidet sich der moderne vom antiken Politiker.

Innerhalb dieses Systems der Römischen Republik, welches vor allem auf kurzen Amtszeiten basier-te, war es für den Inhaber eines Amtes sehr schwierig, ein wirkliches Programm zu verfolgen. Ein-zelne größere Reformen, wie die Gracchische Reform, bei der es um Landverteilung ging, waren möglich, aber auch nur als einzelne Aktionen. Die Politik der Römischen Republik bestand vor allem in der Spätzeit des 2. bis 1. Jhs. v. Chr. vielmehr aus einem Wechselspiel von persönlichen Bindun-gen und Abhängigkeiten sowie der Suche nach dem eignen Vorteil.

Augustus etablierte eine Politik, die er vor allem durch Kunst (Textseite 292) und Architektur, das „Bauprogramm“ des Augustus, zum Ausdruck brachte (u.a. Textseite 293-294, 306). Er konnte durch seine herausragenden dauerhaften Ämter seine eigene Agenda durchsetzen, die jedoch grund-sätzlich von modernen politischen Programmen zu unterscheiden ist. Das Programm beinhaltete letztlich vor allem die Legitimation seiner Stellung und die Machterhaltung (Textseite 323), jedoch hatte es auch darüber hinausgehende inhaltliche Schwerpunkte. Folgende Aspekte sind hervorzuhe-ben: 1. Augustus als Friedenstifter, der nach dem Bürgerkrieg in der Spätphase der Republik ein stabiles politisches System ermöglichte (Textseiten 305-312); 2. Augustus als Eroberer, der das Rö-mische Reich massiv vergrößerte (Textseiten 299-302); 3. Augustus als Wahrer der Sitten und Moral. Der letzte Faktor spielt jedoch für Alföldy keine weitreichende Rolle.

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