Münze Ptolemaios I. Soter

 

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Agnes von der Decken
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Münze Ptolemaios I. Soter

Leitfragen:

1) Was ist auf der Münze zu sehen?
2) Welche Bedeutung haben die Motive?
3) Was kann die Münze über das Selbstverständnis Ptolemaios I Soter sagen?

Kommentar:

Diese hellenistische Münze ist eine sogenannte Tetradrachme. Sie ist die Hauptmünze der griechischen Silberprägung und entspricht vier Drachmen. Diese Tetradrachme hat einen Durchmesser von 28 mm, wiegt etwa 17 Gramm und stammt aus Ägypten. Geprägt wurde sie von Ptolemaios I. Soter (=Retter), weswegen sie auf den Zeitraum 322-316 v. Chr. datiert werden kann. Auf die Vorderseite (avers) ließ Ptolemaios I. den Kopf Alexanders des Großen, nach rechts schauend, mit Mitra (Stirnbinde), dem Widdergehörn des Zeus-Ammon und einem darüber gelegten Elefantenskalp prägen. Auf der Rückseite (revers) befindet sich der auf einem Thron sitzende Zeus Aetophoros, nach links schauend. Unter dem Thron sind zwei griechische Buchstaben zu erkennen: ΡΥ. In seiner linken Hand hält Zeus ein Zepter, auf der rechten Hand sitzt ein Adler. Unterhalb des rechten Armes befindet sich ein Blitzbündel. Rechts neben der Figur steht der Schriftzug ΑΛΕΞΑΝΔΡΟΥ.

Auf der Vorderseite der Münze ist der Kopf Alexanders mit Widderhörnen, dem Attribut des Zeus Ammon, ausgestattet. Diese Darstellung Alexanders mit den Ammonshörnern basiert auf der Tatsache, dass Alexander sich einst vom Orakel der libyschen Oase Siwa als Sohn des ägyptischen Ammon bezeichnen ließ, der von den Griechen als Zeus identifiziert wurde. Der Alexander mit den Ammonshörnern ist also ein Verweis auf Alexanders Göttlichkeit. Die Ammonshörner wurden zu einem der wichtigsten Attribute Alexanders. Daneben trägt Alexander auf der Münze eine Elefantenhaut auf dem Kopf. Einer älteren These zu Folge könnte dies für die Heldentaten des Münzherren Ptolemaios I. stehen, der laut Diodor (18.23-26) bei einer Schlacht persönlich den Angriff der feindlichen Elefanten vereitelte und damit den Sieg herbeiführte. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass das Elefantenskalp ein von Ptolemaios geschaffenes Attribut für Alexander war, der in seiner letzten großen Schlacht in Indien König Poros und dessen Elefanten besiegte und damit sein Reich maximal ausdehnte. Die Kopfbedeckung symbolisierte somit wahrscheinlich das gesamte eroberte Reich bis ans Ende der damals bekannten Welt. Auf der Rückseite der Münze ist der thronende Zeus mit Zepter abgebildet. Durch die beigefügten Attribute Blitzbündel und Adler sowie seine thronende Pose lässt sich der Gott eindeutig als der olympische Zeus identifizieren. Daneben finden sich weitere hellenische Motive auf der Rückseite der Münze, wie die griechische Beschriftung ΑΛΕΞΑΝΔΡΟΥ (Alexandrou) oder die griechischen Buchstaben PY als Kürzel für den Prägeherren Ptolemaios.

Diese Münze Ptolemaios I. symbolisiert einerseits einen spezifisch ägyptisch-hellenistischen Synkretismus: Der göttliche Schmuck Alexanders vereint ägyptische und griechische Göttlichkeit. Aufgrund des Charakters des Ptolemäerreiches war Ptolemaios (wie seine Nachfolger auch) grundsätzlich gezwungen, die Interessen und Vorstellungen beider Bevölkerungsgruppen des Reiches, der griechischen wie der ägyptischen, zu befriedigen. Die Darstellung der Münze verweist hier auf diese Doppelrolle Ptolemaiosʼ I. als ägyptischer Pharao sowie makedonisch-griechischer Basileus. Mit seiner Münzprägung drückte Ptolemaios I. zudem seinen Anspruch auf die Nachfolge Alexanders des Großen aus. Anfangs ließ Ptolemaios, wie die anderen Diadochen auch, die Münzen der Zeit Alexanders weiter prägen. Um 320/319 v. Chr. änderte Ptolemaios I. dies jedoch, indem er anstelle des ursprünglich abgebildeten Herakles den Kopf Alexanders prägen ließ. Diesen versah er mit dem Widdergehörn des Zeus-Ammon und dem besagten Elefantenskalp. Damit schuf Ptolemaios eine neue symbolische Agenda, womit er sich von den anderen Diadochen absetzen konnte. Sein Ziel war es wohl, sich in die direkte Nachfolge Alexanders des Großen zu stellen (dafür war er schon in den Besitz der Leiche Alexanders gekommen) und sich als griechischer Herrscher in Ägypten zu legitimieren. Durch eine fiktive Genealogie, die ihn mit der Argeadendynastie (das makedonische Herrschergeschlecht, dem Alexander entstammte) verband, und die auf Herakles und Dionysos und damit auf den Göttervater Zeus selbst zurückführte, schuf Ptolemaios einen Anschluss an den vergöttlichten Alexander und legte sich gleichsam eine eigene göttliche Herkunft zu. Die Symbolik auf der Münze zeigt dabei das Zurückreichen der Herkunft bis auf Zeus. Der Adler des Zeus, d.h. das Tier des Urvaters der Ptolemäer, wurde das Wappentier der Dynastie.

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