Massenhochzeit in Susa

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Arrian
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Arrian 7,4,4-8 Original

[4] ὁ δὲ καὶ γάμους ἐποίησεν ἐν Σούσοις αὑτοῦ τε καὶ τῶν ἑταίρων: αὐτὸς μὲν τῶν Δαρείου θυγατέρων τὴν πρεσβυτάτην Βαρσίνην ἠγάγετο, ὡς δὲ λέγει Ἀριστόβουλος, καὶ ἄλλην πρὸς ταύτῃ, τῶν Ὤχου θυγατέρων τὴν νεωτάτην Παρύσατιν. ἤδη δὲ ἦν αὐτῷ ἠγμένη καὶ ἡ Ὀξυάρτου τοῦ Βακτρίου παῖς Ῥωξάνη. [5] Δρύπετιν δὲ Ἡφαιστίωνι δίδωσι, Δαρείου παῖδα καὶ ταύτην, ἀδελφὴν τῆς αὑτοῦ γυναικός: ἐθέλειν γάρ οἱ ἀνεψιοὺς τῶν παίδων γενέσθαι τοὺς Ἡφαιστίωνος παῖδας: Κρατερῷ δὲ Ἀμαστρίνην τὴν Ὀξυάτρου τοῦ Δαρείου ἀδελφοῦ παῖδα: Περδίκκᾳ δὲ τὴν Ἀτροπάτου τοῦ Μηδίας σατράπου παῖδα ἔδωκεν: [6] Πτολεμαίῳ δὲ τῷ σωματοφύλακι καὶ Εὐμενεῖ τῷ γραμματεῖ τῷ βασιλικῷ τὰς Ἀρταβάζου παῖδας τῷ μὲν Ἀρτακάμαν, τῷ δὲ Ἄρτωνιν: Νεάρχῳ δὲ τὴν Βαρσίνης τε καὶ Μέντορος παῖδα: Σελεύκῳ δὲ τὴν Σπιταμένους τοῦ Βακτρίου παῖδα: ὡσαύτως δὲ καὶ τοῖς ἄλλοις ἑταίροις τὰς δοκιμωτάτας Περσῶν τε καὶ Μήδων παῖδας ἐς ὀγδοήκοντα. οἱ γάμοι δὲ ἐποιήθησαν νόμῳ τῷ Περσικῷ: [7] θρόνοι ἐτέθησαν τοῖς νυμφίοις ἐφεξῆς καὶ μετὰ τὸν πότον ἧκον αἱ γαμούμεναι καὶ παρεκαθέζοντο ἑκάστη τῷ ἑαυτῆς: οἱ δὲ ἐδεξιώσαντό τε αὐτὰς καὶ ἐφίλησαν: πρῶτος δὲ ὁ βασιλεὺς ἦρξεν: ἐν τῷ αὐτῷ γὰρ πάντων ἐγίγνοντο οἱ γάμοι. καὶ τοῦτο, εἴπερ τι ἄλλο, ἔδοξε δημοτικόν τε καὶ φιλέταιρον πρᾶξαι Ἀλέξανδρον. [8] οἱ δὲ παραλαβόντες ἀπῆγον τὴν αὐτοῦ ἕκαστος: προῖκας δὲ ξυμπάσαις ἐπέδωκεν Ἀλέξανδρος. καὶ ὅσοι δὲ ἄλλοι ἠγμένοι ἦσαν Μακεδόνες τῶν Ἀσιανῶν τινας γυναικῶν, ἀπογραφῆναι ἐκέλευσε καὶ τούτων τὰ ὀνόματα, καὶ ἐγένοντο ὑπὲρ τοὺς μυρίους, καὶ τούτοις δωρεαὶ Ἀλεξάνδρου ἐδόθησαν ἐπὶ τοῖς γάμοις.
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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Übersetzung: Carl Cless
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Übersetzung

[4] Auch Hochzeitsfeste veranstaltete er in Susa für sich sowohl als für seine Vertrauten. Er selbst vermählte sich mit Darius ältester Tochter Barsine und, wie Aristobul berichtet, außer dieser noch mit Parysatis, der jüngsten Tochter des Ochus: früher schon hatte er auch Roxane, die Tochter des Bactriers Oxyartes heimgeführt. Dem Hephaistion gab er die Drypetis, ebenfalls eine Tochter des Darius zugleich Schwester seiner Gemahlin: es war nämlich sein Wunsch, daß die Kinder Hephaistions Vettern von seinen Kindern würden; dem Kraterus gab er Amastrine, eine Tochter von Oxyartes, dem Bruder des Darius, dem Perdiccas die Tochter des Atropates, Statthalters von Medien; dem Leibwächter Ptolemaios und dem königlichen Schreiber Eumenes die beiden Töchter des Atarbazus, Artacame und Artonis; dem Nearchus die Tochter der Barsine und des Mentor; dem Seleucus die Tochter des Bactriers Spitamenes, und so in gleicher Weise auch seinen übrigen Vertrauten die vornehmen Töchter von Persern und Medern, gegen achtzig an der Zahl. Die Hochzeiten selbst wurden nach persischer Sitte gefeiert. Es waren Sessel der Reihe nach aufgestellt für die Bräutigame und nach dem Trinkgelage erschienen die Bräute und setzten sich, eine jeden neben ihren Verlobten; diese umarmten und küßten sie. Der König machte damit den Anfang; die Hochzeiten wurden nämlich an demselben Ort gefeiert, und dies wurde, wie nur irgend etwas Anderes, als ein Zeichen von Herablassung und Wohlwollen Alexanders gegen seine Vertrauten angesehen. Hierauf nahm jeder die Seinige und führte sie heim. Die Mitgift für alle insgesamt gab Alexander noch dazu. Auch von allen übrigen Macedoniern, welche asiatische Weiber genommen hatten, ließ er die Namen aufzeichnen und es waren ihrer über zehntausend. Ihnen wurden gleichfalls Hochzeitsgeschenke von Alexander gegeben.
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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Autor_in: Tobias Nowitzki
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Arrian 7,4,4-8

Leitfragen:

1) Welche Anordnungen trifft Alexander in Susa?

2) Wieso ordnet Alexander diese Vermählungen an?

3) Welche Rückschlüsse kann man aus der vorliegenden Quelle in Bezug auf Alexanders Herrschaftspraxis ziehen?

Kommentar:

Arrian, ein griechischer Historiker des 2. Jahrhunderts nach Christus, hat uns in seiner Anabasis eine der wesentlichen Quellen zur Geschichte Alexanders des Großen überliefert. Die Ereignisse, die er beschreibt, liegen zu seiner Zeit bereits fast 500 Jahre zurück, und oft wirft ihm die Forschung vor, seine Quellen nicht verstanden zu haben; dennoch ist er eine der wenigen vollständigen Quellen für die Geschichte Alexanders.

In diesem Abschnitt behandelt Arrian die sogenannten „Massenhochzeit von Susa“ im Jahre 324 v. Chr. Alexander war von seinem Indienfeldzug zurückgekehrt und im Rahmen seiner Siegesfeier verheiratete er eine ganze Reihe adliger persisch-iranischer Frauen mit hochrangigen Makedonen. Dabei stellt er auch eine eindeutige Rangfolge unter den Makedonen auf. Er selbst nimmt sich die älteste Tochter des verstorbenen Großkönigs Dareios, seinem Vertrauten Hephaistion gibt er die jüngere, womit dieser deutlich als der zweite Mann markiert wird. Auch Krateros, der eine Nichte Dareios‘ heiratet, wird herausgestellt. Viele weitere Offiziere werden ebenfalls verheiratet. Außerdem legitimiert Alexander eine große Zahl von eheähnlichen Gemeinschaften, die seine Soldaten im Laufe des Feldzuges geschlossen hatten. Die Soldaten werden in der Regel davon profitiert haben, denn sie bekamen eine großzügige Mitgift zusammen mit der Legitimierung ihrer wahrscheinlich schon zahlreich vorhandenen Kinder aus diesen Ehen. Alexanders Offiziere waren wohl weniger begeistert von der Hochzeit und das aus zwei Gründen: Als Eroberer sahen sie sich eigentlich in der Position, diese Frauen zu ihren Konkubinen zu machen, Alexander dagegen zwang sie in rechtmäßige Ehen, die auch in Makedonien Verpflichtungen mit sich brachten, die beim Konkubinat nicht existierten. Außerdem wurden die Heiraten nicht nach makedonischer, sondern nach persischer Sitte durchgeführt, für viele der älteren Makedonen sicher ein gewaltiger Affront. Sie hatten das Land erobert, warum sollten sie dessen Sitten annehmen?

Hier wird ein großer Unterschied zwischen Alexander und seinen Offizieren deutlich. Bei der Eroberung des Perserreiches zogen sie an einem Strang, nun gehen ihre Absichten auseinander. Die Makedonen wollen entweder in die Heimat zurück und ihre Beute genießen, oder eine makedonische Herrschaft in Asien einrichten. Alexander hingegen will sein neu erobertes Großreich festigen und erkennt, dass er dazu Kompromisse schließen muss. Nur mit einer Verschmelzung der verschiedenen Völkerschaften, zumindest der Oberschichten, so wohl Alexanders Idee, wäre ein dauerhaftes Reich möglich. Hier dachte er langfristiger und in größeren Dimensionen als seine Offiziere. Seine Nachfolger verfolgten diese Vermischungspläne aber nicht weiter. Alexanders absolutistischen Machtanspruch sieht man an dieser Quelle ebenfalls deutlich, denn weder die Offiziere noch die Frauen werden wohl nach ihrem Einverständnis zu dieser Heirat gefragt worden sein.

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Podcast-Hinweise
Sehen Sie zu dieser Quelle auch den Podcast „Alexander der Große“. Um einen breiteren Einblick in den Hellenismus zu erhalten, sehen Sie auch die Podcastreihe „Griechische Geschichte III – Hellenismus“.
Hier geht’s zum Podcast

 

Siehe zu den unterschiedlichen Ambitionen Alexanders und seiner Offiziere auch den Bericht zur Meuterei am Hydaspes (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/originalquelle-uebersetzung-und-kommentar-meuterei-am-hydaspes/)

Zur Herrschaftspraxis Alexanders siehe auch den Bericht zur Ermordung von Parmenions Familie (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/originalquelle-uebersetzung-und-kommentar-die-ermordung-parmenions-familie/)