Res Gestae zur Außenpolitik

 

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Autor_in: Tobias Nowitzki
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Res gestae Divi Augusti, 25-33

Leitfragen:

1) Welche außenpolitischen Erfolge führt Augustus hier auf?

2) Welcher grundlegende Plan des Augustus lässt sich in diesen Maßnahmen erkennen?

3) Wie erfolgreich ist die augusteische Außenpolitik zu bewerten und wie groß war der eigene Anteil des Augustus daran?

Kommentar:

Die res gestae Divi Augusti, also der Tatenbericht des ersten römischen Kaisers, sind eine sehr wertvolle Quelle für die Historiker, da wir hier die Selbstdarstellung eines Herrschers finden und viele Informationen zu seiner Herrschaft erhalten. Diese sind außerdem nicht durch Überlieferungsprobleme beeinflusst, da die Inschrift so erhalten ist, wie sie um 14 n. Chr. abgefasst wurde.

In dem hier behandelten Abschnitt der res gestae beschreibt Augustus die Erfolge seiner Außenpolitik. Diese lassen sich in mehrere Kategorien einteilen: Beendigung der Bürgerkriege, Arrondierung des römischen Territoriums, Beseitigung von Fremdherrschaften innerhalb der Grenzen und diplomatische Erfolge. In die erste Kategorie fällt der Eid, den ganz Italien und das Heer auf ihn leisteten – mit diesem Eid machte sich der Princeps gewissermaßen zum Patronus der gesamten Bevölkerung. Bei Actium beendete er die Bürgerkriege dann als Sieger, was er auch erwähnt. Die Arrondierung des Territoriums fällt besonders ins Auge. In Germanien, Gallien und Spanien schob Augustus die Grenzen des Reiches bis an den Ozean vor, was die Grenzsicherung ebenso stark vereinfachte wie die Verwaltung. Ägypten und Kyrene fallen ebenfalls in diese Kategorie, denn sie schließen die römische Herrschaft über das Mittelmeer ab, es ist nun wirklich ein Mare Nostrum der Römer geworden. Besonders Ägypten als Kornkammer des Mittelmeeres ist für Rom überlebenswichtig, nicht ohne Grund verbieten Augustus und seine Nachfolger den Senatoren, diese Provinz zu betreten: Sie wollen verhindern, dass jemand noch einmal Rom so mit Nahrungsmittelembargos unter Druck setzt wie Sextus Pompeius von Sizilien aus. Zur Beseitigung von „Fremdherrschaften“ innerhalb der Grenzen zählen die erwähnten Seeräuber, die Aufstände entlaufener Sklaven auf Sizilien und keltische Alpenstämme. Offenbar ist es Augustus ein Anliegen, die Kontrolle Roms über seine Provinzen zu vertiefen. Zu den diplomatischen Erfolgen gehören neben der Etablierung eines abhängigen Klientelkönigtums Armenien als Pufferstaat zum Partherreich auch die Rückgabe der verlorenen Feldzeichen auf diplomatischem Wege. Der Verlust dieser Feldzeichen, insbesondere der, die Crassus 54 v. Chr. bei Carrhae an die Parther verloren hatte, stellten eine „nationale“ Schande dar, die Augustus nun ausmerzte, was beispielsweise auch auf Münzen gefeiert wurde.

Augustus scheint ein kluges Programm verfolgt zu haben, indem er die Grenzen des Reiches zwar erweiterte, aber durch die Arrondierung gleichzeitig den Aufwand für die Grenzsicherung verminderte. Die Beseitigung innerer Feinde und Rivalen sorgte für den Bestand der vielbeschworenen pax Augusta. Kriege und Konflikte mit Großmächten wie den Parthern vermied der Princeps, stattdessen wurden kleinere Feinde bekämpft und besiegt. Auch war er nicht immer darauf aus, Provinzen um jeden Preis einzurichten, wie man an den Beispielen Armenien und Dakien sieht.

Auf den ersten Blick ist diese Liste an Erfolgen beeindruckend. Absichtlich werden die entlegensten Gebiete (Germanien und die Arabia Felix beispielsweise) angeführt, zu denen Augustus die Macht ausgedehnt habe. Aber nicht alles ist so erfolgreich, wie er es hier beschreibt. Zum einen wurde weder in der Arabia Felix, noch in Dakien, Armenien oder dem jenseitigen Germanien eine dauerhafte Herrschaft oder Kontrolle eingerichtet. Zum anderen fehlt der Hinweis darauf, dass Augustus nicht nur Feldzeichen zurückgewann, sondern auch welche verlor, nämlich in der Varusschlacht, der größten Katastrophe seiner Amtszeit. Insgesamt war die Außenpolitik des ersten Princeps jedoch höchst erfolgreich, auch weil er sich seine Gegner ebenso klug aussuchte wie seine Generäle, denn Augustus‘ eigenes militärisches Geschick war gering; viele seiner Siege, so beispielsweise der bei Actium, wurden von Agrippa erkämpft, ohne den die Liste der „augusteischen“ Erfolge sicher bescheidener ausgefallen wäre.

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Podcast-Hinweise
Sehen Sie zu dieser Quelle auch den Podcast „Augustus“. Um einen breiteren Einblick in die Römische Kaiserzeit zu erhalten, sehen Sie auch die Podcastreihe „Römische Geschichte II – Kaiserzeit“.
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Siehe zu den internen Kriegen auch den Bericht der res gestae zum Bürgerkrieg (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/res-gestae-i/), den Suetons zu den Bürgerkriegen (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/sueton-zur-aussenpolitik-des-augustus/) und den Strabons zur Ansiedelung von Veteranen (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/strabon-zur-koloniegruendung/). Zur Friedenspropaganda des Augustus siehe auch den Augustus von Prima Porta (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/529-2/) und die Münzen des Augustus (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/augustenische-muenze/).