Toleranzedikt

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Eusebius
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Eusebius, Hist. Eccl. 8, 17 – Original

[17,1] Καὶ δὴ τοσούτοις παλαίων κακοῖς συναίσθησιν τῶν κατὰ τῶν θεοσεβῶν αὐτῷ τετολμημένων ἴσχει, συναγαγὼν δ̓ οὖν εἰς ἑαυτὸν τὴν διάνοιαν, πρῶτα μὲν ἀνθομολογεῖται τῷ τῶν ὅλων θεῷ, εἶτα τοὺς ἀμφ̓ αὐτὸν ἀνακαλέσας, μηδὲν ὑπερθεμένους τὸν κατὰ Χριστιανῶν ἀποπαῦσαι διωγμὸν νόμῳ τε καὶ δόγματι βασιλικῷ τὰς ἐκκλησίας αὐτῶν οἰκοδομεῖν ἐπισπέρχειν καὶ τὰ συνήθη διαπράττεσθαι, εὐχὰς ὑπὲρ τοῦ βασιλείου ποιουμένους, προστάττει. [2] αὐτίκα γοῦν ἔργου τῷ λόγῳ παρηκολουθηκότος, ἥπλωτο κατὰ πόλεις βασιλικὰ διατάγματα, τὴν παλινῳδίαν τῶν καθ̓ ἡμᾶς τοῦτον περιέχοντα τὸν τρόπον: ‘ Αὐτοκράτωρ ‘ [3] Καῖσαρ Γαλέριος Οὐαλέριος Μαξιμιανὸς ἀνίκητος Σεβαστός, ἀρχιερεὺς μέγιστος, Γερμανικὸς μέγιστος, Αἰγυπτιακὸς μέγιστος, Θηβαϊκὸς μέγιστος, Σαρματικὸς μέγιστος πεντάκις, Περσῶν μέγιστος δίς, Κάρπων μέγιστος ἑξάκις, Ἀρμενίων μέγιστος, Μήδων μέγιστος, Ἀδιαβηνῶν μέγιστος, δημαρχικῆς ἐξουσίας τὸ εἰκοστόν, αὐτοκράτωρ τὸ ἐννεακαιδέκατον, ὕπατος τὸ ὄγδοον, πατὴρ πατρίδος, ἀνθύπατος: ‘ [4] καὶ Αὐτοκράτωρ Καῖσαρ Φλαύιος Οὐαλέριος Κωνσταντῖνος εὐσεβὴς εὐτυχὴς ἀνίκητος Σεβαστός, ἀρχιερεὺς μέγιστος, δημαρχικῆς ἐξουσίας, αὐτοκράτωρ τὸ πέμπτον, ὕπατος, πατὴρ πατρίδος, ἀνθύπατος. ‘ [5] καὶ Αὐτοκράτωρ Καῖσαρ Οὐαλέριος Λικιννιανὸς Λικίννιος εὐσεβὴς εὐτυχὴς ἀνίκητος Σεβαστός, ἀρχιερεὺς μέγιστος, δημαρχικῆς ἐξουσίας τὸ τέταρτον, αὐτοκράτωρ τὸ τρίτον, ὕπατος, πατὴρ πατρίδος, ἀνθύπατος, ἐπαρχιώταις ἰδίοις χαίρειν. ‘ [6] μεταξὺ τῶν λοιπῶν, ἅπερ ὑπὲρ τοῦ χρησίμου καὶ λυσιτελοῦς τοῖς δημοσίοις διατυπούμεθα, ἡμεῖς μὲν βεβουλήμεθα πρότερον κατὰ τοὺς ἀρχαίους νόμους καὶ τὴν δημοσίαν ἐπιστήμην τὴν τῶν Ῥωμαίων ἅπαντα ἐπανορθώσασθαι καὶ τούτου πρόνοιαν ποιήσασθαι ἵνα καὶ οἱ Χριστιανοί, οἵτινες τῶν γονέων τῶν ἑαυτῶν καταλελοίπασιν τὴν αἵρεσιν, εἰς ἀγαθὴν πρόθεσιν ἐπανέλθοιεν: [7] ἐπείπερ τινὶ λογισμῷ τοσαύτη αὐτοὺς πλεονεξία κατεσχήκει καὶ ἄνοια κατειλήφει ὡς μὴ ἕπεσθαι τοῖς ὑπὸ τῶν πάλαι καταδειχθεῖσιν, ἅπερ ἴσως πρότερον καὶ οἱ γονεῖς αὐτῶν ᾖσαν καταστήσαντες, ἀλλὰ κατὰ τὴν αὐτῶν πρόθεσιν καὶ ὡς ἕκαστος ἐβούλετο, οὕτως ἑαυτοῖς καὶ νόμους ποιῆσαι καὶ τούτους παραφυλάσσειν καὶ ἐν διαφόροις διάφορα πλήθη συνάγειν. [8] τοιγαροῦν τοιούτου ὑφ̓ ἡμῶν προστάγματος παρακολουθήσαντος ὥστε ἐπὶ τὰ ὑπὸ τῶν ἀρχαίων κατασταθέντα ἑαυτοὺς μεταστήσαιεν, πλεῖστοι μὲν κινδύνῳ ὑποβληθέντες, πλεῖστοι δὲ ταραχθέντες παντοίους θανάτους ὑπέφερον: [9] καὶ ἐπειδὴ τῶν πολλῶν τῇ αὐτῇ ἀπονοίᾳ διαμενόντων ἑωρῶμεν μήτε τοῖς θεοῖς τοῖς ἐπουρανίοις τὴν ὀφειλομένην θρῃσκείαν προσάγειν αὐτοὺς μήτε τῷ τῶν Χριστιανῶν προσέχειν, ἀφορῶντες εἰς τὴν ἡμετέραν φιλανθρωπίαν καὶ τὴν διηνεκῆ συνήθειαν δἰ ἧς εἰώθαμεν ἅπασιν ἀνθρώποις συγγνώμην ἀπονέμειν, προθυμότατα καὶ ἐν τούτῳ τὴν συγχώρησιν τὴν ἡμετέραν ἐπεκτεῖναι δεῖν ἐνομίσαμεν, ἵνα αὖθις ὦσιν Χριστιανοὶ καὶ τοὺς οἴκους ἐν οἷς συνήγοντο, συνθῶσιν οὕτως ὥστε μηδὲν ὑπεναντίον τῆς ἐπιστήμης αὐτοὺς πράττειν. δἰ ἑτέρας δὲ ἐπιστολῆς τοῖς δικασταῖς δηλώσομεν τί αὐτοὺς παραφυλάξασθαι δεήσει: [10] ὅθεν κατὰ ταύτην τὴν συγχώρησιν τὴν ἡμετέραν ὀφείλουσιν τὸν ἑαυτῶν θεὸν ἱκετεύειν περὶ τῆς σωτηρίας τῆς ἡμετέρας καὶ τῶν δημοσίων καὶ τῆς ἑαυτῶν, ἵνα κατὰ πάντα τρόπον καὶ τὰ δημόσια παρασχεθῇ ὑγιῆ καὶ ἀμέριμνοι ζῆν ἐν τῇ ἑαυτῶν ἑστίᾳ δυνηθῶσι. [11] Ταῦτα κατὰ τὴν Ῥωμαίων φωνήν, ἐπὶ τὴν Ἑλλάδα γλῶτταν κατὰ τὸ δυνατὸν μεταληφθέντα, τοῦτον εἶχεν τὸν τρόπον. τί δὴ οὖν ἐπὶ τούτοις γίνεται, ἐπιθεωρῆσαι καιρός.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Übersetzung: Eberhard Nestle
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Übersetzung

[17, 1] Und während er in alle diese Übel geworfen war, fühlte er diejenigen, welche er gegen die Gottesfürchtigen gewagt hatte. Er sammelte aber bei sich seinen Sinn und zuerst bekannte er dem Gott des Alls und nachher rief er seine Nächsten und sagte zu ihnen, es sollte aufhören die Verfolger der Christen ohne Zögern. Und wie nach dem Gesetz und Befehl des Königs sollte sie eilen zu bauen ihre Kirchen, und in ihren Gewohnheiten sollten sie sich führen, und Gebet zu gunsten der Regierung befahl er, dass sie machten. [2] Und dann folgte die That nach seinem Wort. Und Befehle der Könige in jeder Stadt wurden ausgebreitet der Veränderungen ihrer Worte gegen uns, in denen sie war. „Autokrator Cäsar Galerius Valerius Maximianus und Augustus. Autokrator Cäsar Quistinus […] [6] Mit dem Rest der Dinge der Regierung welche zu gunsten der Pflichten der allgemeinen Vorteile, wollten wir zuerst, dass wir nach den ersten Gesetzen und nach den Satzungen der Regierung der Römer alles zurechtbringen, indem wir auch Sorge darüber machten, dass die Christen, welche die Furcht ihrer Väter verlassen hatten, zu ihr umkehrten. [7] Und wenn nicht in irgend welchem Gedanken hat die ganze solche Habsucht sie erreicht, dass sie nach dem, was die Ersten zeigten, nicht gehen, während ihre Väter früher darin standen, sondern nach ihrem Sinn und wie ein jeder von ihnen will, so haben sie gethan, dass sie ihr Gesetz bewahren und mit allen Unterschieden verschiedene Versammlungen versammeln. [8] Deswegen nun wurde ein solcher Befehl gesetzt, dass sie dem was von den Ersten festgestellt wurde, sich zukehren. Und viele von ihnen überlieferten sich der Gefahr und viele wurden verwirrt und alle Arten von Tod trugen sie. [9] Und weil wir die vielen sehen, dass sie in der Weise beharren, dass sie nicht den Göttern im Himmeln den Dienst, der ihnen schuldig ist, darbringen, und auch nicht in den Dienst der Christen eintreten, so sind wir in unser Barmherzigkeit und in unserer beständigen Gewohnheit, die wir gewöhnt sind, die Fehler zu vergeben allen Menschenkindern, auch in diesem von unserem vollen Willen gesinnt, dass wir ihnen Verzeihung geben, dass sie wieder Christen seien , und die Tempel, in denen sie sich versammelten, wieder aufrichten, und etwas, was gegen diese Bestimmung ist, nicht thun. Und durch einen andern Brief machen wir bekannt den Richtern, was ihnen erforderlich ist, dass sie (es) bewahren. [10] Deswegen wie diese unsere Verzeihung sind sie schuldig, dass sie flehen zugunsten unseres Lebens zu ihrem Gott und der Angelegenheiten der Regierung und zu gunsten ihrer Seele selbst, dass auf jede Weise auch den Angelegenheiten der Regierung Gesundheit gegeben werde und sie ohne Sorge leben können in ihrer Wohnung. Dieses ist von der römischen Sprache in die griechische genommen, wie es möglich war, worin es so war. Mit diesem aber, was geschieht, ist uns Zeit, dass wir es verstehen.“
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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Tobias Nowitzki
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Eusebius, Hist. Eccl. 8, 17

Leitfragen:

  1. Was ist der Inhalt des sogenannten Toleranzediktes?

  2. Welche Neuerung enthält es im Gegensatz zum bisherigen Umgang mit den Christen?

  3. Welche Rückschlüsse lässt das Edikt auf die Motive zu, die zu seiner Abfassung führten?

Kommentar:

Eusebius von Cäsarea schrieb mit seiner Kirchengeschichte eine der zentralen Quellen zur Spätantike, nicht nur, aber insbesondere für die Geschichte des Christentums. Geboren um 260 und gestorben um 340 n. Chr. hat Eusebius, der Bischof von Cäsarea wurde, viele der umwälzenden Ereignisse seiner Zeit direkt miterlebt. So auch die Verabschiedung des 311 n. Chr. vom Augustus Galerius herausgegebenen „Toleranzediktes“.

Direkt vorausgegangen war dem Dekret eine lange Zeit der Verfolgungen, die schon unter Diokletian angefangen und viele Opfer im ganzen Reich gefordert hatten. Diese beendete Galerius mit dem hier beschriebenen Edikt zumindest in seinem Reichsteil. Inhaltlich birgt das Dekret eine ganze Reihe von wichtigen Neuerungen: Alle Verfolgungen werden eingestellt, es soll niemand mehr wegen seines christlichen Glaubens verhaftet, gefoltert oder hingerichtet werden. Ferner sollen die Christen die Erlaubnis bekommen, die zerstörten Kirchen wieder aufzubauen und sich ganz offen als Christen zu bekennen. Eine wichtige Bedingung stellt Galerius jedoch in seinem Edikt: Die Christen müssen bereit sein, zu ihrem Gott für das Wohl des Kaisers zu beten.

Diese Inhalte sind durchaus revolutionär zu nennen, denn in den 300 Jahren zuvor war es nie ohne große Gefahr möglich, sich offen als Christ zu erkennen zu geben, da man Repressalien befürchten musste. Das Christentum ist nun religio licita geworden, eine anerkannte Religion innerhalb des römischen Reiches.

Die Stoßrichtung und Wirkung dieses Dekretes ist offensichtlich, weniger deutlich treten die Motive hervor. Zuerst einmal ist zu bemerken, dass Galerius mitnichten Christ wurde, es findet sich in dem Edikt auch kein Wort darüber, dass die Verfolgungen verurteilt würden. Was geschehen ist, ist geschehen, vielmehr verzeiht Galerius den Christen und nicht den Verfolgern! Nirgendwo ist die Rede davon, dass etwa Strafen für Denunzianten verhängt würden. Die Christenverfolgungen waren laut Dekret kein Unrecht, sie werden schlichtweg eingestellt, als Gnade des Augustus Galerius. Und diese hat auch ihre Grenzen, denn die Christen müssen bereit sein, für Galerius zu ihrem Gott zu beten. Die Forschung geht davon aus, dass Galerius schlicht keine Erfolgsaussichten mehr für die Verfolgung sah und den inneren Frieden im Reich wiederherstellen wollte. Das Christentum war zu dieser Zeit bereits sehr weit verbreitet, trotz oder vielleicht gerade wegen der Verfolgungen. Die Verfolger mussten einsehen, dass sie kaum mehr Aussichten auf Erfolg hatten. Man muss also eher politische und taktische Gründe für die Abfassung dieses Dekretes annehmen als tatsächliches Mitgefühl, auch wenn dies im Text gesagt wird. Doch ungeachtet der wohl profanen Motive war dieses Dekret ein wichtiger Schritt für das Christentum, auch wenn man nicht davon ausgehen darf, dass die Verfolgungen damit überall sofort endeten.

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Podcast-Hinweise
Sehen Sie zu dieser Quelle auch den Podcast „Diokletian, Konstantin und die konstantinische Dynastie“. Um einen breiteren Einblick in die Spätantike zu erhalten, sehen Sie auch die Podcastreihe „Römische Geschichte III – Spätantike“.
Hier geht’s zum Podcast

 

Siehe zu den Christenverfolgungen auch die entsprechenden Berichte (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/eusebius-zur-christenverfolgung-i/, http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/eusebius-zur-christenverfolgung-ii/, http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/christenverfolung-unter-nero/).