Augustus Staatsakt

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Cassius Dio
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Cassius Dio 53,11,4-53,12,3 – Original

[4] οὔτ᾽ ἀπιστήσαντες διαβαλεῖν τε αὐτὸν καὶ ἐλέγξαι ἐτόλμων, οἱ μὲν ὅτι ἐφοβοῦντο, οἱ δ᾽ ὅτι οὐκ ἐβούλοντο. Ὅθενπερ καὶ πιστεύειν αὐτῷ πάντεςοἱ μὲν ἠναγκάζοντο οἱ δὲ ἐπλάττοντο. Καὶ ἐπαινεῖν αὐτὸν οἱ μὲν οὐκ ἐθάρσουνοἱ δ᾽ οὐκ ἤθελον, ἀλλὰ πολλὰ μὲν καὶ μεταξὺ ἀναγιγνώσκοντος αὐτοῦ διεβόωνπολλὰ δὲ καὶ μετὰ τοῦτο, μοναρχεῖσθαί τε δεόμενοι καὶ πάντα τὰ ἐςτοῦτο φέροντα ἐπιλέγοντες, μέχρις οὗ κατηνάγκασαν δῆθεν αὐτὸν αὐταρχῆσαι. [5] Καὶ παραυτίκα γε τοῖς δορυφορήσουσιν αὐτὸν διπλάσιον τὸν μισθὸν τοῦ τοῖς ἄλλοις στρατιώταις διδομένου ψηφισθῆναι διεπράξατο, ὅπως ἀκριβῆ τὴν φρουρὰν ἔχῃ. Οὕτως ὡς ἀληθῶς καταθέσθαι τὴν μοναρχίαν ἐπεθύμησε. [12, 1] τὴν μὲν οὖν ἡγεμονίαν τούτῳ τῷ τρόπῳ καὶ παρὰ τῆς γερουσίας τοῦ τε δήμου ἐβεβαιώσατο, βουληθεὶς δὲ δὴ καὶ ὣς δημοτικός τις εἶναι δόξαι, τὴν μὲν φροντίδα τήν τε προστασίαν τῶν κοινῶν πᾶσαν ὡς καὶ ἐπιμελείας τινὸς δεομένων ὑπεδέξατο, οὔτε δὲ πάντων αὐτὸς τῶν ἐθνῶν ἄρξειν, [2] οὔθ᾽ ὅσων ἂν ἄρξῃ, διὰ παντὸς τοῦτο ποιήσειν ἔφη, ἀλλὰ τὰ μὲν ἀσθενέστερα ὡς καὶ εἰρηναῖα καὶ ἀπόλεμα ἀπέδωκε τῇ βουλῇ, τὰ δ᾽ἰσχυρότερα ὡς καὶ σφαλερὰ καὶ ἐπικίνδυνα καὶ ἤτοι πολεμίους τινὰς προσοίκους ἔχοντα ἢ καὶ αὐτὰ καθ᾽ [3] ἑαυτὰ μέγα τι νεωτερίσαι δυνάμενα κατέσχε, λόγῳ μὲν ὅπως ἡ μὲν γερουσία ἀδεῶς τὰ κάλλιστα τῆς ἀρχῆς καρπῷτο, αὐτὸς δὲ τούς τε πόνους καὶ τοὺς κινδύνους ἔχῃ, ἔργῳ δὲ ἵνα ἐπὶ τῇ προφάσει ταύτῃ ἐκεῖνοι μὲν καὶ ἄοπλοικαὶ ἄμαχοι ὦσιν, αὐτὸς δὲ δὴ μόνος καὶ ὅπλα ἔχῃ καὶ στρατιώτας τρέφῃ.
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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Tobias Nowitzki
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Cassius Dio 53,11,4-53,12,3

Leitfragen:

1) Welche neuen Regelungen trifft Augustus in dieser Senatssitzung?

2) Warum teilt Augustus die Provinzen des Reiches so auf, wie es Cassius Dio beschreibt?

3) Welche Informationen bietet die Quelle für das Verhältnis zwischen Senat und Augustus?

Kommentar:

Cassius Dio, ein aus Bithynien stammender Senator und Konsul aus severischer Zeit (geb. 164 n. Chr.), beschreibt uns in diesem Abschnitt seiner römischen Geschichte den berühmten Staatsakt Octavians aus dem Jahre 27 v. Chr., der als eines der politischen Meisterstücke des Princeps gilt.

Er hält eine lange Rede vor dem Senat, in der er diesem alle Kompetenzen, die er im Bürgerkrieg auf sich vereint hatte, zurückgibt und seine großen Taten für das römische Volk preist. Der Senat hat, berechtigterweise, Angst vor dem Mann, dem alle Armeen des Reiches direkt unterstehen und spielt das abgekartete Spiel mit, auch wenn eine Reihe von Senatoren Zweifel hat. Augustus lässt sich in diesem Staatsakt vom Senat die Alleinherrschaft „aufnötigen“ und kann somit später so tun, als wäre das nicht sein Ziel gewesen.

Dass alles von Anfang an geplant war, wird jedoch an den ersten Regelungen deutlich, die Cassius Dio überliefert. Zuerst sichert Octavian sich eine aufgrund doppelten Soldes höchst loyale Leibwache, was auch Cassius Dio als Merkmal der Monarchie ansieht. Im Anschluss daran teilt er die Provinzen des Reiches auf: Wo Probleme sind, übernimmt er die Macht, wo Frieden herrscht, gibt er die Provinzen in die Hände des Senates. Dies ist ebenfalls ein höchst geschickter Schachzug, denn so kann er behaupten, er habe sich doch selbst aller Probleme angenommen und die lukrativen Provinzen dem Senat abgetreten, während er in Wirklichkeit auf diese Weise weiterhin alle Truppen kontrolliert, denn die stehen in den umkämpften Grenzprovinzen, nicht in den befriedeten. Das persönliche Interesse der Senatoren wird ebenfalls deutlich: Bereicherung. Die Provinzen, die ihnen übertragen werden, sind die wohlhabendsten des Reiches, darunter Asia Minor. Es handelt sich um die Provinzen, in denen sie über das rücksichtslose Steuerpachtsystem enorme Summen von den Provinzialen erpressen können, ohne wirklich fürchten zu müssen, dafür belangt zu werden.

Dennoch, die Vorteile dieser Abmachung liegen eindeutig auf Augustus‘ Seite, und es ist offenkundig, dass der Senat aufgrund der militärischen Lage keine andere Wahl hatte als bei dieser Farce mitzuspielen.

Es ist dhttp://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/wp-admin/post.php?post=526&action=editeutlich, dass Octavian kluge Schlüsse aus den Bürgerkriegen zog: Er gab die Truppen nicht aus der Hand, kam aber dem Senat in anderen Punkten entgegen. Er begrenzte vorgeblich diese Regelung auf zehn Jahre, ließ sie aber immer wieder erneuern; so verhinderte er den Eindruck, wie Cäsar eine lebenslange Diktatur/Alleinherrschaft anzustreben. Auch wenn jedem klar sein musste, dass dies sein Ziel war, musste man sich nicht, wie noch bei Cäsar, schlicht unterwerfen: Augustus bot dem Senat einen gesichtswahrenden Weg an, denn er wollte nicht das Schicksal seines Adoptivvaters teilen. Einen zweiten Marcus Antonius wusste er ebenfalls zu verhindern, indem er (dies erwähnt Cassius Dio später) den Senatoren den Besuch der kornreichen Provinz Ägypten untersagte. Diese lebenswichtige Provinz konnte er nur handverlesenen Leuten anvertrauen, den ritterlichen praefecti Aegypti; nicht ohne Grund war der praefectus Aegypti in der Kaiserzeit das höchste Amt der ritterlichen Laufbahn.

Im Staatsakt von 27 v. Chr. wird die ganze politische Raffinesse des ersten Princeps deutlich sowie seine Fähigkeit, aus den Fehlern der Vorgänger (Pompeius, Caesar, Marcus Antonius) zu lernen.

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Podcast-Hinweise
Sehen Sie zu dieser Quelle auch den Podcast „Augustus“. Um einen breiteren Einblick in die Römische Kaiserzeit zu erhalten, sehen Sie auch die Podcastreihe „Römische Geschichte II – Kaiserzeit“.
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Vergleiche zu seinem Verhältnis zum Senat auch die Umstrukturierung des Senates (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/senatsumbau-des-augustus/) sowie die Verschwörung von 23 v. Chr. (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/verschwoerung-von-23/) und zum Umgang der Statthalter mit ihren Provinzen das Edikt von Kyrene (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/532-2/).