Clipeus Virtutis

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Autor_in: Tobias Nowitzki
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Tugendschild des Augustus

Leitfragen:

1) Welche Botschaften lassen sich der Inschrift auf dem Tugendschild entnehmen?

2) Wieso stellt der Senat Augustus diesen Ehrenschild in seinem Sitzungssaal auf?

3) Welche Bedeutung hat der Tugendschild für die Propaganda des Augustus?

Kommentar:

Das vorliegende Objekt ist nur als Kopie auf uns gekommen. Das Original, ein im Sitzungssaal des Senates aufgestellter, goldener Schild ist verloren gegangen, erhalten hat sich jedoch eine Kopie aus Stein, die in Gallien gefunden wurde und sich heute im Museum von Arles befindet. Auch einige Darstellungen auf Münzen sind gefunden worden.

Die Inschrift des clipeus virtutis (Tugendschild) sollte jedem Senator beständig eine Reihe wichtiger Botschaften übermitteln, die eine zentrale Rolle in Augustus‘ Propaganda spielten.

Das Wichtigste ist der Beginn der Inschrift: SENATUS POPULUSQUE ROMANUS […] DEDIT CLIPEUM (Der Senat und das römische Volk gaben diesen Schild…). Hiermit drückt sich der Grundgedanke des Prinzipates aus: Angeblich liegt die Macht im Staat immer noch, bzw. wieder bei Senat und Volk, das dem Princeps Augustus aus freien Stücken wegen seiner Verdienste diese Ehrungen zuteil werden lässt. Dass die Macht de facto alleine bei Augustus lag, lässt sich ebenfalls erahnen, nämlich in den Titeln, die ihm zugewiesen wurden: IMP CAESARI DIVI F AUGUSTO COS VIII (dem Imperator Cäsar, dem Sohn des vergöttlichten Cäsars, Augustus, Konsul zum 8. Mal). Er ist nicht nur Imperator, also oberster Feldherr, sondern auch Nachkomme eines vergöttlichten Menschen, seines Adoptivvaters Julius Caesar. Außerdem trägt er den Titel, unter dem ihn heute die Allgemeinheit kennt: Augustus, der Erhabene. Nicht rex, dictator oder tyrannus, nicht einmal princeps, er nennt sich Augustus und deutet damit die subtile Art seiner Machtstellung an. Allerdings sieht man auch ganz konkrete Machtbefugnisse auf dem Schild, die deutlich machen, dass die Grundsätze der Republik mitnichten wiederhergestellt wurden: Augustus ist zu diesem Zeitpunkt zum 8. Mal Konsul. Eigentlich durfte dieses Amt erst mit 43 Jahren angetreten werden, er ist mit 36 nun schon acht Mal Konsul gewesen, obwohl eigentlich auch immer mindestens ein Jahr zwischen den Konsulaten liegen sollte.

Die wichtigste Propagandabotschaft dieses Ehrenschildes ist jedoch der Grund für seine Verleihung. Es ist der CLUPEUM VIRTUTIS CLEMENTIAE IUSTITIAE PIETATIS ERGA DEOS PATRIAMQUE (der Schild der Tapferkeit, Milde, Gerechtigkeit und Frömmigkeit gegenüber den Göttern und dem Vaterland). Alle diese Tugenden weisen deutlich auf den idealen Adligen der hohen Republik hin: Tapfer auf dem Schlachtfeld, mild dort, wo es nützt, gerecht, fromm und heimatliebend. Augustus werden alle diese Tugenden zugeschrieben und mehr noch: Durch den prominenten Aufstellungsort vor Augen der versammelten Nobilität im Senatssaal und seiner prächtigen, goldenen Erscheinung, wird jedem deutlich, dass Augustus diese Tugenden in einem Ausmaß repräsentiert, das von den normalen nobiles nicht erreicht werden kann. Er ist eindeutig Augustus, der Erhabene, und kein gewöhnlicher Mensch mehr.

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Podcast-Hinweise
Sehen Sie zu dieser Quelle auch den Podcast „Augustus“. Um einen breiteren Einblick in die Römische Kaiserzeit zu erhalten, sehen Sie auch die Podcastreihe „Römische Geschichte II – Kaiserzeit“.
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Vergleiche zur Propaganda des Augustus auch seine Münzprägungen (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/augustenische-muenze/), die Textbeispiele aus seiner Autobiographie (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/res-gestae-iii/, http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/res-gestae-ii/, http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/res-gestae-i/) und die Statue des Augustus von Prima Porta (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/529-2/). Zu seinem Verhältnis zum Senat ferner die Beschreibung des Staatsaktes von 27 (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/augustus-staatsakt/) und der Senatsumstrukturierung (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/senatsumbau-des-augustus/).