Kleroterion / Losmaschine von der Agora in Athen

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Autor_in: Tobias Nowitzki
Lizenz: CC-BY-NC-SA

 

Kleroterion/Losmaschine von der Agora in Athen

Leitfragen:

1) Welchen Zweck erfüllt die hier abgebildete Maschine?

2)Welchen Vorteil sahen die Athener darin, ihre Richter auszulosen?

3) Welche Rückschlüsse kann man aus dieser Tatsache auf die Situation des athenischen Rechtssystems ziehen?

Kommentar:

Das hier abgebildete Objekt ist eine Losmaschine von der Agora in Athen. Sie diente dazu, die Richter für Prozesse am jeweiligen Prozesstag auszulosen. Jeder Richter besaß ein Täfelchen, pinakion, das in eine der Öffnungen gesteckt wurde. Ein komplexes System warf dann jeweils eine der Tafeln aus und ordnete so die Richter zu ihren Prozessen zu. Jeder der 6000 zuvor bestimmten potentiellen Richter konnte sich morgens anstellen, um an dem Tag Richter zu sein, am Ende des Tages gab es dafür ein Entgelt, denn die meisten Athener waren angewiesen darauf, jeden Tag für ihr Essen zu arbeiten.

Die Vorteile, die die Athener in diesem System sahen, liegen auf der Hand. Erstens sollte so verhindert werden, dass parteiische Richter in den Prozessen saßen, die beispielsweise verwandt oder befreundet mit einer der Prozessparteien waren. Zweitens sollte Bestechung verhindert werden, denn wenn man erst am Morgen des Prozesstages erfuhr, wer die Richter sein würden, würde es weit schwieriger sein, sie zu bestechen. Drittens sollte so gewährleistet werden, dass die Richter ein möglichst gutes Abbild der athenischen Bürgerschaft darstellten, was durch den Zufall auch funktionierte. All diese Vorteile müssen für die Athener die Nachteile überwogen haben: Es gab keine spezialisierten Richter; in jedem Fall urteilten Laien; an jedem Tag konnte die Rechtsprechung anders sein. Wen ein Richtergremium verurteilte, den hätte ein anderes womöglich freigesprochen. Außerdem hatten die Richter auf diese Weise keinerlei Zeit, sich vorzubereiten, sie mussten die „Wahrheit“ über das Geschehen den sehr parteiischen Reden von Anklage und Verteidigung entnehmen.

Die Rückschlüsse aus dieser Vorgehensweise sind nicht sehr schmeichelhaft für das athenische Rechtssystem. Denn eine Losmaschine wie diese mit dem entsprechend komplizierten Prozedere dahinter war nur dann notwendig, wenn die Bestechung vorher überhandgenommen hatte und alle anderen Maßnahmen dagegen nicht genug Wirkung zeigten.

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Podcast-Hinweise
Sehen Sie zu dieser Quelle auch den Podcast „Die athenische Demokratie“. Um einen breiteren Einblick in die griechische Klassik  zu erhalten, sehen Sie auch die Podcastreihe „Griechische Geschichte II – Klassik“.
Hier geht’s zum Podcast

 

Vergleiche zum athenischen Rechtssystem auch die Lysiasrede (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/lysiasrede/) und den Bericht Plutarchs zu Solons Popularklage (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/solons-popularklage/). Vergleiche zur Zufälligkeit der Entscheidungen Athens auch den Ostrakismos des Themistokles (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/ostrakismus-des-themistokles/).