Kimon überführt die Gebeinde des Theseus

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Plutarch
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Plut. Kim. 8.3-6 – Original:

[3] ὤικισαν δὲ καὶ Σκῦρον ἑλόντος Κίμωνος ἐξ αἰτίας τοιαύτης. Δόλοπες ᾤκουν τὴν νῆσον, ἐργάται κακοὶ γῆς: ληϊζόμενοι δὲ τὴν θάλασσαν ἐκ παλαιοῦ, τελευτῶντες οὐδὲ τῶν εἰσπλεόντων παρ᾽ αὐτοὺς καὶ χρωμένων ἀπείχοντο ξένων, ἀλλὰ Θετταλούς τινας ἐμπόρους περὶ τὸ Κτήσιον ὁρμισαμένους συλήσαντες εἷρξαν. [4] ἐπεὶ δὲ διαδράντες ἐκ τῶν δεσμῶν οἱ ἄνθρωποι δίκην κατεδικάσαντο τῆς πόλεως Ἀμφικτυονικήν, οὐ βουλομένων τὰ χρήματα τῶν πολλῶν συνεκτίνειν, ἀλλὰ τοὺς ἔχοντας καὶ διηρπακότας ἀποδοῦναι κελευόντων, δείσαντες ἐκεῖνοι πέμπουσι γράμματα πρὸς Κίμωνα, κελεύοντες ἥκειν μετὰ τῶν νεῶν ληψόμενον τὴν πόλιν ὑπ᾽ αὐτῶν ἐνδιδομένην. [5] παραλαβὼν δ᾽ οὕτω τὴν νῆσον ὁ Κίμων τοὺς μὲν Δόλοπας ἐξήλασε καὶ τὸν Αἰγαῖον ἠλευθέρωσε, πυνθανόμενος δὲ τὸν παλαιὸν Θησέα τὸν Αἰγέως φυγόντα μὲν ἐξ Ἀθηνῶν εἰς Σκῦρον, αὐτοῦ δ᾽ ἀποθανόντα δόλῳ διὰ φόβον ὑπὸ Λυκομήδους τοῦ βασιλέως, [6] ἐσπούδασε τὸν τάφον ἀνευρεῖν. καὶ γὰρ ἦν χρησμὸς Ἀθηναίοις τὰ Θησέως λείψανα κελεύων ἀνακομίζειν εἰς ἄστυ καὶ τιμᾶν ὡς ἥρωα πρεπόντως, ἀλλ᾽ ἠγνόουν ὅπου κεῖται, Σκυρίων οὐχ ὁμολογούντων οὐδ᾽ ἐώντων ἀναζητεῖν. τότε δὴ πολλῇ φιλοτιμίᾳ τοῦ σηκοῦ μόγις ἐξευρεθέντος, ἐνθέμενος ὁ Κίμων εἰς τὴν αὑτοῦ τριήρη τὰ ὀστᾶ καὶ τἆλλα κοσμήσας μεγαλοπρεπῶς κατήγαγεν εἰς τὴν αὐτοῦ δι᾽ ἐτῶν σχεδὸν τετρακοσίων. ἐφ᾽ ᾧ καὶ μάλιστα πρὸς αὐτὸν ἡδέως ὁ δῆμος ἔσχεν.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Übersetzung: Bernadotte Perrin
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Übersetzung:

[3] They settled Scyros too, which Cimon seized for the following reason. Dolopians were living on the island, but they were poor tillers of the soil. So they practised piracy on the high sea from of old, and finally did not withhold their hands even from those who put into their ports and had dealings with them, but robbed some Thessalian merchants who had cast anchor at Ctesium, and threw them into prison. [4] When these men had escaped from bondage and won their suit against the city at the Amphictyonic assembly, the people of Scyros were not willing to make restitution, but called on those who actually held the plunder to give it back. The robbers, in terror, sent a letter to Cimon, urging him to come with his fleet to seize the city, and they would give it up to him. [5] In this manner Cimon got possession of the island, drove out the Dolopians and made the Aegean a free sea. On learning that the ancient Theseus, son of Aegeus, had fled in exile from Athens to Scyros, but had been treacherously put to death there, through fear, by Lycomedes the king, Cimon eagerly sought to discover his grave. [6] For the Athenians had once received an oracle bidding them bring back the bones of Theseus to the city and honor him as became a hero, but they knew not where he lay buried, since the Scyrians would not admit the truth of the story, nor permit any search to be made. Now, however, Cimon set to work with great ardour, discovered at last the hallowed spot, had the bones bestowed in his own trireme, and with general pomp and show brought them back to the hero’s own country after an absence of about four hundred years. This was the chief reason why the people took kindly to him.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Agnes von der Decken
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Plut. Kim. 8.3-6

Leitfragen:

1) Wovon handelt die Quellenstelle?

2) Welches Interesse hatte Kimon an der Rückführung der Gebeine?

3) Welche Bedeutung hatten die Rückführung der Gebeine für Athen?

Kommentar:

Die vorliegende Quellenstelle ist ein Auszug aus der Kimon-Vita des Plutarch (um 50 bis 120 n. Chr.). Plutarch schildert hier die Überführung der „Gebeine“ des Theseus, des mythischen Königs und Staatsheros der Athener, von der Insel Skyros nach Athen durch den athenischen Politiker Kimon. In der Quelle heißt es, dass die Doloper, die die Insel Sykros bewohnten, das Land schlecht bewirtschafteten und Seeräuberei betrieben. Zudem überfielen sie thrakische Kaufleute und nahmen sie gefangen. Als diese aus der Haft entkamen, erwirkten sie beim Gericht der Amphiktyonie (Staatenbund zur Verwaltung eines Heiligtums) ein Urteil gegen die Doloper. Einige auf Sykros lebende Doloper, die sich nicht schuldig fühlten, wollten sich dem Amphiktyonen-Spruch jedoch nicht beugen und riefen deswegen den Athener Kimon um Hilfe, damit das Urteil gegen sie nicht umgesetzt werde. Kimon hat daraufhin die Insel eingenommen, die Doloper vertrieben und die Ägäis von der Seeräuberei befreit. Während der Eroberung der Insel erfuhr Kimon, dass dort der alte König Theseus getötet worden sei und suchte deswegen nach dessen Grab. Denn ein Orakel hatte den Athenern aufgetragen, die Gebeine des Theseus nach Athen zu holen. Daraufhin suchten und fanden die Athener das Grab und Kimon ließ die Gebeine auf seine Triere bringen, die prunkvoll geschmückt war. So führte er die Gebeine des Theseus nach 400 Jahren wieder nach Athen und wurde dafür von den Bürgern Athens verehrt.

Dass der Athener Kimon die Gebeine des Theseus, wahrscheinlich um 476/5 v. Chr., in einem Triumphzug nach Athen überführte, wird in der Forschung als historisch anerkannt. Kimon, Sohn des Marathonsiegers Miltiades und führender Mann des altehrwürdigen Geschlechts der Philaiden, war zu dem Zeitpunkt der Überführung der Gebeine des Theseus einer der herausragendsten Köpfe der athenischen Politik. Die Eroberung der im ägäischen Meer gelegenen Insel Skyros durch diesen steht dabei sehr wahrscheinlich im Zusammenhang mit den frühen Aktivitäten des 478/7 v. Chr. gegründeten delisch-attischen Seebundes, an dessen Gründung Kimon entscheidend beteiligt war. Kimon erlangte durch die Eroberung von Skyros nicht nur einen Erfolg als Heerführer, sondern konnte sich auch als Politiker etablieren, indem er im Anschluss an den kriegerischen Akt der Einnahme der Insel die Heimführung der Gebeine des Theseus initiierte. Kimon konnte seinem Profil dadurch einen deutlichen religionspolitischen Akzent hinzufügen. Die Eroberung, das Auffinden des vermeintlichen Grabes sowie die Rückführung der Gebeine bedeutete für Kimon einen Zugewinn an Ansehen und Einfluss für sich und sein Geschlecht. Mit der berühmten Überführung gelang es Kimon somit, das Idealbild eines Atheners zu verkörpern, der Tatkraft und Tugend auf sich vereinte, eine Gelegenheit, die er sich nicht entgehen lassen konnte.

Die Eroberung der Insel Skyros diente dem Aufbau und der Konsolidierung des noch jungen delisch-attischen Seebundes und der Stellung Athens innerhalb dieses Verbundes. Die anschließende Überführung der Gebeine des Theseus hatte hingegen eine andere, nämlich besonders symbolische Bedeutung. Theseus galt den Athenern als Stammesheros und die Rückführung seiner Gebeine nach Athen daher als große Heimkehr des Nationalhelden. In Athen selbst errichtete man dem Heros daraufhin eine Gedenkstätte, das Theseion. Das Theseion wurde dabei mit bedeutenden Sagenszenen aus dem Leben des Theseus geschmückt, wie etwa seinen Kämpfen gegen die Amazonen oder Kentauren. Diese Erinnerungen an die Taten des Theseus versinnbildlichten auf symbolische Weise den erfolgreichen Widerstand gegen fremde Invasoren und stellten damit gleichzeitig eine Verbindung zu den jüngst siegreich gefochtenen Schlachten der Athener gegen die Perser her. Die Perserkriege wurden auf diese Weise mythologisiert und erhöht. Durch die Rückführung der Gebeine des Theseus konnten die Athener somit einen Zusammenhang zwischen den heroischen und historischen Taten herstellen und damit gleichsam ihren Führungsanspruch im Ägäisraum begründen. Nicht unerwähnt sollte darüber hinaus bleiben, dass Kimon durch die Rückführung der Gebeine des Theseus zu einer Überhöhung der eigenen Familiengeschichte beitrug, da das kimonische Geschlecht der Philaiden sich damit rühmte, von Theseus abzustammen.

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Ephialtes und die Entmachtung des Areopag

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Autor_in: Aristoteles oder Schüler des Aristoteles
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Ath.pol.25 – Original:

[1] ἡ μὲν οὖν τροφὴ τῷ δήμῳ διὰ τούτων ἐγίγνετο. ἔτη δὲ ἑπτακαίδεκα μάλιστα μετὰ τὰ Μηδικὰ διέμεινεν ἡ πολιτεία προεστώτων τῶν Ἀρεοπαγιτῶν, καίπερ ὑποφερομένη κατὰ μικρόν. αὐξανομένου δὲ τοῦ πλήθους, γενόμενος τοῦ δήμου προστάτης Ἐφιάλτης ὁ Σοφωνίδου, ͅͅ δοκῶν καὶ ἀδωροδόκητος εἶναι καὶ δίκαιος πρὸς τὴν πολιτείαν, ἐπέθετο τῇ βουλῇ. [2] καὶ πρῶτον μὲν ἀνεῖλεν πολλοὺς τῶν Ἀρεοπαγιτῶν, ἀγῶνας ἐπιφέρων περὶ τῶν διῳκημένων. ἔπειτα τῆς βουλῆς ἐπὶ Κόνωνος ἄρχοντος ἅπαντα περιεῖλε τὰ ἐπίθετα δι᾽ ὧν ἦν ἡ τῆς πολιτείας φυλακή, καὶ τὰ μὲν τοῖς πεντακοσίοις, τὰ δὲ τῷ δήμῳ καὶ τοῖς δικαστηρίοις ἀπέδωκεν. [3] ἔπραξε δὲ ταῦτα συναιτίου γενομένου Θεμιστοκλέους, ὃς ἦν μὲν τῶν Ἀρεοπαγιτῶν, ἔμελλε δὲ κρίνεσθαι μηδισμοῦ. βουλόμενος δὲ καταλυθῆναι τὴν βουλὴν ὁ Θεμιστοκλῆς πρὸς μὲν τὸν Ἐφιάλτην ἔλεγεν ὅτι συναρπάζειν αὐτὸν ἡ βουλὴ μέλλει, πρὸς δὲ τοὺς Ἀρεοπαγίτας, ὅτι δείξει τινὰς συνισταμένους ἐπὶ καταλύσει τῆς πολιτείας. ἀγαγὼν δὲ τοὺς αἱρεθέντας τῆς βουλῆς οὗ διέτριβεν ὁ Ἐφιάλτης, ἵνα δείξῃ τοὺς ἀθροιζομένους, διελέγετο μετὰ σπουδῆς αὐτοῖς. [4] ὁ δ᾽ Ἐφιάλτης ὡς εἶδεν καταπλαγείς, καθίζει μονοχίτων ἐπὶ τὸν βωμόν. θαυμασάντων δὲ πάντων τὸ γεγονός, καὶ μετὰ ταῦτα συναθροισθείσης τῆς βουλῆς τῶν πεντακοσίων, κατηγόρουν τῶν Ἀρεοπαγιτῶν ὅ τ᾽ Ἐφιάλτης καὶ ὁ Θεμιστοκλῆς, καὶ πάλιν ἐν τῷ δήμῳ τὸν αὐτὸν τρόπον, ἕως περιείλοντο αὐτῶν τὴν δύναμιν. καὶ ἀνῃρέθη δὲ καὶ ὁ Ἐφιάλτης δολοφονηθεὶς μετ᾽ οὐ πολὺν χρόνον δι᾽ Ἀριστοδίκου τοῦ Ταναγραίου.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Übersetzung: H. Rackham
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Übersetzung:

[1] By these means the people were provided with their food-supply. The constitution remained under the leadership of the Areopagites for about seventeen years after the Persian War, although it was being gradually modified. But as the population increased, Ephialtes son of Sophonides, having become head of the People and having the reputation of being incorruptible and just in regard to the constitution, attacked the Council. [2] First he made away with many of the Areopagites by bringing legal proceedings against them about their acts of administration; then in the archonship of Conon he stripped the Council of all its added powers which made it the safeguard of the constitution, and assigned some of them to the Five Hundred and others to the People and to the jury-courts. [3] For these acts of Ephialtes, Themistocles was partly responsible; he was a member of the Areopagus, but was destined to be put on trial for treasonable dealings with Persia. Themistocles desiring the Council to be destroyed used to tell Ephialtes that the Council was going to arrest him, while he told the Areopagites that he would give information about certain persons who were conspiring to destroy the constitution. And he used to take selected members of the Council to the place where Ephialtes resided to show them the people collecting there, and conversed with them seriously. [4] Ephialtes was dismayed when he saw this, and took his seat at the altar in only his shirt. Everybody was amazed at what had happened, and afterwards when the Council of Five Hundred assembled Ephialtes and Themistocles kept on denouncing the Areopagites, and again similarly at the meetings of the people, until they deprived them of their power. And also Ephialtes was actually made away with not long after, being craftily murdered by Aristodicus of Tanagra.
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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Autor_in: Agnes von der Decken
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Ath.pol.25

Leitfragen:

1) Wovon handelt die Quellenstelle?

2) Worin genau bestand die Entmachtung des Areopags durch Ephialtes?

3) Welche Folgen hatte die Entmachtung des Areopags für Athen?

Kommentar:

Unsere ausführlichste Quelle zur Entmachtung des Areopags durch Ephialtes ist die vorliegende Quellenstelle aus der Athenaion Politeia (AP) des Aristoteles oder eines seiner Schüler. In diesem Bericht heißt es, dass Ephialtes, der aufgrund seiner Unbestechlichkeit und Verfassungstreue in den 60er Jahren des 5. Jh. v. Chr. führender Politiker in Athen war, zur Zeit des Archontats des Konon (462/61 v. Chr.) den Rat auf dem Areopag angriff. Zudem, so die AP, soll Ephialtes dem Areopag bedeutende gerichtliche Kompetenzen entzogen und diese auf den Rat der 500, das Volk und die Geschworenengerichte übertragen haben. Ephialtes erhielt bei der Entmachtung des Areopag Unterstützung von Themistokles, dem es zusammen mit Ephialtes gelang, den Areopag vor der Boule und der Volksversammlung anzuklagen. Schlussendlich jedoch, so der Bericht der AP, fiel Ephialtes einem Mordanschlag des Aristodikos von Tanagra zum Opfer.

Die Frage danach, worin genau die Entmachtung des Areopags durch Ephialtes bestand, ist nicht leicht zu beantworten und in der Forschung umstritten, da aufgrund der Quellenarmut nicht eindeutig ist, welche Kompetenz der Areopag vor seiner Entmachtung überhaupt besaß. Zudem sind den darüber berichtenden Autoren des 4. Jh. v. Chr. selbst offenbar kaum Details über die Reformen des Ephialtes bekannt gewesen. Aus der AP erhalten wir jedoch einige wenige Informationen. So ist zu lesen, dass Ephialtes durch das Führen von Prozessen einzelne Areopagiten aufgrund ihrer Amtsführung verfolgte. Wahrscheinlich ging es Ephialtes hierbei darum, das Ansehen einzelner Areopagiten zu schwächen und damit zugleich das Prestige und die traditionelle Autorität des gesamten Gremiums nachhaltig beim Demos in Verruf zu bringen. Zudem entzog er dem Areopag laut AP alle zusätzlichen Funktionen, die den Rat zum Wächter der Verfassung gemacht hatten. Was bedeutet das? Die neuere Forschung geht davon aus, dass Ephialtes dem Rat damit die Gerichtshoheit in Bezug auf Vergehen gegen Bürgerschaft und Polis entzogen sowie ihm alle Zuständigkeiten genommen habe, die mit der Kontrolle von Beamten einhergingen, d.h. die dokimasίai, die Prüfung der Bedingung für Ämter, sowie die euthýnai, die Prüfung der Amtsführung von Beamten. Zusammengenommen muss Ephialtes bei seinen Reformen wohl vor allem daran gelegen gewesen sein, der traditionell aristokratischen Institution des Areopags die Möglichkeit des direkten Einflusses auf den Kurs der Politik und seine konkrete Umsetzung zu entziehen. Durch die Übertragung der Kompetenzen auf das Volk und dessen Organe sollte vielmehr eine neue Kontrolle über allzu selbstherrliche aristokratische Politiker ausgeübt werden. Dadurch avancierte das Volk zur mächtigsten Instanz im Staat.

Durch Ephialtesʼ gerichtliche Kampagnen gegen mehrere führende Areopagiten und die Übertragung und die Verlagerung der politischen Macht auf das Volk ist die aristokratische Führungsschichte als Gruppe sowie der Areopag als Institution belastet worden und stand nun gewissermaßen als Kollektiv für ein veraltetes Verhalten, das den neuen politischen Verhältnissen der umfassenden Rechte und Entscheidungskompetenzen des Volkes im Wege stand. Es besteht kein Zweifel daran, dass die von Ephialtes beschlossenen Maßnahmen insofern zukunftsweisend waren und entscheidend dazu beitrugen, dass das institutionelle Gefüge in Athen in der folgenden Zeit in stärkerem Maße als Demokratie empfunden wurde, in welcher die Verfügungsgewalt des Demos essentiell war. Es handelt sich bei den Reformen des Ephialtes dabei nicht um eine grundlegend neue Konstituierung der Demokratie, denn die Voraussetzung für die Umsetzung seiner Reformen war durch die in den Jahren zuvor erstarkte Volksversammlung schon im Ansatz vorhanden. Die Reformen des Ephialtes bedeuteten jedoch die Bestätigung und Erweiterung der Macht des Volkes, wodurch die demokratische Staatsform Athens ihre grundlegende Ausformung erlangte.

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Der Machtkampf zwischen Kleisthenes und Isagoras

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Herodot
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Hdt. 5. 66 – 72.2 – Original:

Ἀθῆναι, ἐοῦσαι καὶ πρὶν μεγάλαι, τότε ἀπαλλαχθεῖσαι τυράννων ἐγίνοντο μέζονες: ἐν δὲ αὐτῇσι δύο ἄνδρες ἐδυνάστευον, Κλεισθένης τε ἀνὴρ Ἀλκμεωνίδης, ὅς περ δὴ λόγον ἔχει τὴν Πυθίην ἀναπεῖσαι, καὶ Ἰσαγόρης Τισάνδρου οἰκίης μὲν ἐὼν δοκίμου, ἀτὰρ τὰ ἀνέκαθεν οὐκ ἔχω φράσαι: θύουσι δὲ οἱ συγγενέες αὐτοῦ Διὶ Καρίῳ. [2] οὗτοι οἱ ἄνδρες ἐστασίασαν περὶ δυνάμιος, ἑσσούμενος δὲ ὁ Κλεισθένης τὸν δῆμον προσεταιρίζεται. μετὰ δὲ τετραφύλους ἐόντας Ἀθηναίους δεκαφύλους ἐποίησε, τῶν Ἴωνος παίδων Γελέοντος καὶ Αἰγικόρεος καὶ Ἀργάδεω καὶ Ὅπλητος ἀπαλλάξας τὰς ἐπωνυμίας, ἐξευρὼν δὲ ἑτέρων ἡρώων ἐπωνυμίας ἐπιχωρίων, πάρεξ Αἴαντος: τοῦτον δὲ ἅτε ἀστυγείτονα καὶ σύμμαχον, ξεῖνον ἐόντα προσέθετο.

[…]

ὡς γὰρ δὴ τὸν Ἀθηναίων δῆμον πρότερον ἀπωσμένον τότε πάντων πρὸς τὴν ἑωυτοῦ μοῖραν προσεθήκατο, τὰς φυλὰς μετωνόμασε καὶ ἐποίησε πλεῦνας ἐξ ἐλασσόνων: δέκα τε δὴ φυλάρχους ἀντὶ τεσσέρων ἐποίησε, δέκαχα1δὲ καὶ τοὺς δήμους κατένειμε ἐς τὰς φυλάς: ἦν τε τὸν δῆμον προσθέμενος πολλῷ κατύπερθε τῶν ἀντιστασιωτέων.
ἐν τῷ μέρεϊ δὲ ἑσσούμενος ὁ Ἰσαγόρης ἀντιτεχνᾶται τάδε: ἐπικαλέεται Κλεομένεα τὸν Λακεδαιμόνιον γενόμενον ἑωυτῷ ξεῖνον ἀπὸ τῆς Πεισιστρατιδέων πολιορκίης: τὸν δὲ Κλεομένεα εἶχε αἰτίη φοιτᾶν παρὰ τοῦ Ἰσαγόρεω τὴν γυναῖκα. τὰ μὲν δὴ πρῶτα πέμπων ὁ Κλεομένης ἐς τὰς Ἀθήνας κήρυκα ἐξέβαλλε Κλεισθένεα καὶ μετ᾽ αὐτοῦ ἄλλους πολλοὺς Ἀθηναίων, τοὺς ἐναγέας ἐπιλέγων: ταῦτα δὲ πέμπων ἔλεγε ἐκ διδαχῆς τοῦ Ἰσαγόρεω. οἱ μὲν γὰρ Ἀλκμεωνίδαι καὶ οἱ συστασιῶται αὐτῶν εἶχον αἰτίην τοῦ φόνου τούτου, αὐτὸς δὲ οὐ μετεῖχε οὐδ᾽ οἱ φίλοι αὐτοῦ.

[…]

Κλεομένης δὲ ὡς πέμπων ἐξέβαλλε Κλεισθένεα καὶ τοὺς ἐναγέας, Κλεισθένης μὲν αὐτὸς ὑπεξέσχε, μετὰ δὲ οὐδὲν ἧσσον παρῆν ἐς τὰς Ἀθήνας ὁ Κλεομένης οὐ σὺν μεγάλῃ χειρί, ἀπικόμενος δὲ ἀγηλατέει ἑπτακόσια ἐπίστια Ἀθηναίων, τά οἱ ὑπέθετο ὁ Ἰσαγόρης. ταῦτα δὲ ποιήσας δεύτερα τὴν βουλὴν καταλύειν ἐπειρᾶτο, τριηκοσίοισι δὲ τοῖσι Ἰσαγόρεω στασιώτῃσι τὰς ἀρχὰς ἐνεχείριζε. [2] ἀντισταθείσης δὲ τῆς βουλῆς καὶ οὐ βουλομένης πείθεσθαι, ὅ τε Κλεομένης καὶ ὁ Ἰσαγόρης καὶ οἱ στασιῶται αὐτοῦ καταλαμβάνουσι τὴν ἀκρόπολιν. Ἀθηναίων δὲ οἱ λοιποὶ τὰ αὐτὰ φρονήσαντες ἐπολιόρκεον αὐτοὺς ἡμέρας δύο: τῇ δὲ τρίτῃ ὑπόσπονδοι ἐξέρχονται ἐκ τῆς χώρης ὅσοι ἦσαν αὐτῶν Λακεδαιμόνιοι.

[…]

τοὺς δὲ ἄλλους Ἀθηναῖοι κατέδησαν τὴν ἐπὶ θανάτῳ, ἐν δὲ αὐτοῖσι καὶ Τιμησίθεον τὸν Δελφόν, τοῦ ἔργα χειρῶν τε καὶ λήματος ἔχοιμ᾽ ἂν μέγιστα καταλέξαι.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Übersetzung: A. D. Godley
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Übersetzung:

Athens, which had been great before, now grew even greater when her tyrants had been removed. The two principal holders of power were Cleisthenes an Alcmaeonid, who was reputed to have bribed the Pythian priestess, and Isagoras son of Tisandrus, a man of a notable house but his lineage I cannot say. His kinsfolk, at any rate, sacrifice to Zeus of Caria. [2] These men with their factions fell to contending for power, Cleisthenes was getting the worst of it in this dispute and took the commons into his party. Presently he divided the Athenians into ten tribes instead of four as formerly. He called none after the names of the sons of Ion—Geleon, Aegicores, Argades, and Hoples—but invented for them names taken from other heroes, all native to the country except Aias. Him he added despite the fact that he was a stranger because he was a neighbor and an ally.

[…]

When he had drawn into his own party the Athenian people, which was then debarred from all rights, he gave the tribes new names and increased their number, making ten tribe-wardens in place of four, and assigning ten districts to each tribe. When he had won over the people, he was stronger by far than the rival faction.
Isagoras, who was on the losing side, devised a counter-plot, and invited the aid of Cleomenes, who had been his friend since the besieging of the Pisistratidae. It was even said of Cleomenes that he regularly went to see Isagoras‘ wife. Then Cleomenes first sent a herald to Athens demanding the banishment of Cleisthenes and many other Athenians with him, the Accursed, as he called them. This he said in his message by Isagoras‘ instruction, for the Alcmeonidae and their faction were held to be guilty of that bloody deed while Isagoras and his friends had no part in it.
When Cleomenes had sent for and demanded the banishment of Cleisthenes and the Accursed, Cleisthenes himself secretly departed. Afterwards, however, Cleomenes appeared in Athens with no great force. Upon his arrival, he, in order to take away the curse, banished seven hundred Athenian families named for him by Isagoras. Having so done he next attempted to dissolve the Council, entrusting the offices of government to Isagoras‘ faction. [2] The Council, however, resisted him, whereupon Cleomenes and Isagoras and his partisans seized the acropolis. The rest of the Athenians united and besieged them for two days. On the third day as many of them as were Lacedaemonians left the country under truce.

[…]

As for the rest, the Athenians imprisoned them under sentence of death. Among the prisoners was Timesitheus the Delphian, whose achievements of strength and courage were quite formidable.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Autor_in: Agnes von der Decken
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Hdt. 5. 66 – 72.2

Leitfragen:

1) Wovon handelt der Quellentext?

2) Wer war alles am Machtkampf zwischen Isagoras und Kleisthenes beteiligt?

3) Welche Rückschlüsse auf Kleinsthenesʼ Vorgehen zeigt die Entwicklung der Ereignisse?

Kommentar:

In dieser Quellenstelle beschreibt der griechische Historiker Herodot die innerathenischen Machtkämpfe und die damit einhergehenden dramatischen Ereignisse, die sich Ende des 6. Jh. v. Chr. in Athen zutrugen. Die Protagonisten der Auseinandersetzung um die Macht in Athen waren der Alkmeonide Kleisthenes und sein Kontrahent Isagoras, Sohn des Teisandros. Herodot berichtet, dass Kleisthenes anfänglich unterlag und es Isagoras gelang, sich das Archontenamt für das Jahr 508/507 zu sichern. Später konnte Kleisthenes jedoch durch eine Phylenreform, mit welcher er aus vier bestehenden Phylen zehn neue Phylen schuf, das Volk der Athener, wie Herodot schreibt, gänzlich auf seine Seite bringen. Isagoras, der die von Kleistehens beantragte Verfassungsänderung fürchtete, sah sich gezwungen, gegen den drohenden Machtverlust vorzugehen. Deswegen rief er den spartanischen König Kleomenes, der sein Gastfreund war, zur Hilfe. Dieser forderte auf Geheiß des Isagroas die Verbannung des Kleisthenes und seiner athenischen Anhänger. Begründet wurde diese Forderung mit der Schuld, die sich das Geschlecht des Kleistehens drei Generationen vorher mit dem sogenannten Kylonischen Frevel aufgeladen hatte. So musste der „fluchbeladene“ Kleisthenes die Stadt verlassen und seine politischen Anhänger, 700 athenische Familien, wurden von Kleomenes‘ Heer vertrieben. Isagoras und Kleomenes versuchten daraufhin, den von Kleisthenes gegründeten Rat in Athen aufzulösen und durch eigene Anhänger zu ersetzen. Weil sich der Rat jedoch widersetzte, besetzten Kleomenes und Isagoras die Akropolis. Hier wurden sie jedoch zwei Tage lang belagert, bis sie schließlich am dritten Tag die Stadt verlassen mussten. Die übrigen Anhänger Isagoras‘ wurden von den Athenern festgenommen und hingerichtet.

Herodot berichtet zu Beginn der oben angeführten Quellenstelle, dass Kleisthenes im anfänglichen Machtkampf seinem Kontrahenten und dessen Gefolgschaft unterlag. Danach, so Herodot, habe Kleisthenes den Demos zu seiner Hetairie hinzugewonnen. Im Machtkampf zwischen Kleisthenes und Isagoras waren also auch Gruppen von Menschen beteiligt, die sich auf die eine oder die andere Seite stellten. Dabei handelte es sich um sogenannte Hetairien, also adlige Gefährten der einzelnen Kontrahenten. Die Hetairien waren ein ausgewählter Kreis adliger Tischgenossen von etwa zehn Personen. Es war ein gängiges Prinzip, dass einzelne Adlige mit Unterstützung der Familien, ihrer Verwandtschaft aber eben auch ihrer Hetairoi versuchten, politischen Einfluss in den jeweiligen Poleis zu erlangen. Wahrscheinlich ist, dass Isagoras und anfänglich auch Kleisthenes ebenfalls auf diesem Wege versuchten, den Kampf für sich zu entscheiden. Interessant ist jedoch, dass Herodot darüber hinaus auch von Freunden bzw. Parteigängern (συστασιῶται) der Männer spricht. Dies lässt Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Anhängerschaft von Isagoras und Kleisthenes zu. So nennt Herodot insgesamt 300 Parteifreunde des Isagoras und 700 befreundete Familien des Kleisthenes. Diese Zahlen können nicht auf die oben erwähnten ursprünglichen Hetairien der Kontrahenten zurückgehen. Es kann deswegen davon ausgegangen werden, dass sich den beiden Gegenspielern jeweils mehrere Hetairien anschlossen, als sich der Konflikt zuspitzte. Vermutlich handelte es sich insgesamt um eine größere und komplexere Struktur der Anhängerschaften, die in den Machtkampf zwischen Isagoras und Kleisthenes involviert waren. Der innere Zirkel bestand aber wohl nach wie vor aus dem engsten Freundeskreis, den Hetairoi.

Wie Herodot berichtet, war es Kleisthenes anfangs offenbar nicht gelungen, den Machtkampf für sich zu entscheiden. Isagoras hingegen erreichte, für das Jahr 508/507 zum Archon gewählt zu werden. Kleistehens muss daraufhin erkannt haben, dass seine bisherigen Mittel zur Einflussname ihren Zweck nicht erfüllten. Wahrscheinlich nahm er dies zum Anlass, sein Vorgehen zu ändern. Herodot schildert anschaulich, dass der vorerst unterlegene Kleisthenes nun versuchte, das Volk auf seine Seite zu ziehen. Und es gelang ihm wohl, in relativ kurzer Zeit auch breitere Kreise der Mittel- und Unterschicht für sich zu gewinnen. Wie war das möglich? Denkbar ist, dass Kleisthenes schon zu diesem Zeitpunkt, lange bevor seine Reformen endgültig umgesetzt wurden, seine Konzeption einer politischen Neuordnung Attikas der Öffentlichkeit (vielleicht in der Volksversammlung) vorstellte und diese dabei – weil sie von relevantem Interesse für den Demos waren – Zustimmung fanden. Nicht anders ist auch der von Herodot beschriebene, ungewöhnlich starke Widerstand des Demos gegen die militärische Intervention des Kleomenes und die Obstruktion des Isagoras zu erklären. Kleisthenes muss dem Demos eine politische Neuordnung Attikas vorgeschlagen haben, die eine attraktive Alternative zum Bestehenden dargestellt haben muss. Der Widerstand des Demos gegen Isagoras und Kleomenes war damit auch eine Absage an die alte Ordnung und das Verhalten der Aristokraten, das man in Isagoras und seinen Anhänger klassischerweise verkörpert sah.

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Der Kallias-Frieden

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Diodor
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Diodor 12,4,4-6 – Original:

[4] Ἀρταξέρξης δὲ ὁ βασιλεὺς πυθόμενος τὰ περὶ τὴν Κύπρον ἐλαττώματα, καὶ βουλευσάμενος μετὰ τῶν φίλων περὶ τοῦ πολέμου, ἔκρινε συμφέρειν εἰρήνην συνθέσθαι πρὸς τοὺς Ἕλληνας. ἔγραψε τοίνυν τοῖς περὶ Κύπρον ἡγεμόσι καὶ σατράπαις, ἐφ᾽ οἷς ἂν δύνωνται συλλύσασθαι πρὸς τοὺς Ἕλληνας. [5] διόπερ οἱ περὶ τὸν Ἀρτάβαζον καὶ Μεγάβυζον ἔπεμψαν εἰς τὰς Ἀθήνας πρεσβευτὰς τοὺς διαλεξομένους περὶ συλλύσεως. ὑπακουσάντων δὲ τῶν Ἀθηναίων καὶ πεμψάντων πρέσβεις αὐτοκράτορας, ὧν ἡγεῖτο Καλλίας ὁ Ἱππονίκου, ἐγένοντο συνθῆκαι περὶ τῆς εἰρήνης τοῖς Ἀθηναίοις καὶ τοῖς συμμάχοις πρὸς τοὺς Πέρσας, ὧν ἐστι τὰ κεφάλαια ταῦτα: αὐτονόμους εἶναι τὰς κατὰ τὴν Ἀσίαν Ἑλληνίδας πόλεις ἁπάσας, τοὺς δὲ τῶν Περσῶν σατράπας μὴ καταβαίνειν ἐπὶ θάλατταν κατωτέρω τριῶν ἡμερῶν ὁδόν, μηδὲ ναῦν μακρὰν πλεῖν ἐντὸς Φασήλιδος καὶ Κυανέων: ταῦτα δὲ τοῦ βασιλέως καὶ τῶν στρατηγῶν ἐπιτελούντων, μὴ στρατεύειν Ἀθηναίους εἰς τὴν χώραν, ἧς βασιλεὺς ἄρχει. [6] συντελεσθεισῶν δὲ τῶν σπονδῶν Ἀθηναῖοι τὰς δυνάμεις ἀπήγαγον ἐκ τῆς Κύπρου, λαμπρὰν μὲν νίκην νενικηκότες, ἐπιφανεστάτας δὲ συνθήκας πεποιημένοι. συνέβη δὲ καὶ τὸν Κίμωνα περὶ τὴν Κύπρον διατρίβοντα νόσῳ τελευτῆσαι.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Übersetzung: C. H. Oldfather
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Übersetzung:

[4] Artaxerxes the king, however, when he learned of the reverses his forces had suffered at Cyprus, took counsel on the war with his friends and decided that it was to his advantage to conclude a peace with the Greeks. Accordingly he dispatched to the generals in Cyprus and to the satraps the written terms on which they were permitted to come to a settlement with the Greeks. [5] Consequently Artabazus and Megabyzus sent ambassadors to Athens to discuss a settlement. The Athenians were favourable and dispatched ambassadors plenipotentiary, the leader of whom was Callias the son of Hipponicus; and so the Athenians and their allies concluded with the Persians a treaty of peace, the principal terms of which run as follows: All the Greeks cities of Asia are to live under laws of their own making; the satraps of the Persians are not to come nearer to the sea than a three days‘ journey and no Persian warship is to sail inside of Phaselis or the Cyanean Rocks; and if these terms are observed by the king and his generals, the Athenians are not to send troops into the territory over which the king is ruler. [6] After the treaty had been solemnly concluded, the Athenians withdrew their armaments from Cyprus, having won a brilliant victory and concluded most noteworthy terms of peace. And it so happened that Cimon died of an illness during his stay in Cyprus.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Agnes von der Decken
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Diodor 12,4,4-6

Leitfragen:

1) Worin bestand der Kallias-Frieden?

2) Warum wurde der Kallias-Frieden geschlossen?

3) Hat es den Kallias-Frieden wirklich gegeben?

Kommentar:

Diodors Bericht über das Zustandekommen des sogenannten Kallias-Friedens findet sich im zwölften Buch seines aus 40 Büchern bestehenden Geschichtswerks Bibliotheke, einer Universalgeschichte von der Entstehung der Welt bis ins 1. Jh. v. Chr. Diodor berichtet hier über einen Vertrag zwischen Athen und Persien, der nach dem daran federführend beteiligten Athener Kallias benannt ist. In der Quelle heißt es, dass der persische Großkönig Artaxerxes I. sich dazu entschied, Frieden mit den Griechen zu schließen und dafür ein Treffen mit athenischen Gesandten arrangierte. Die Athener willigten ein und unter der Führung des Kallias wurde 449/448 v. Chr. (diese Zeitangabe von Diodor geht der obigen Quellenpassage voraus) Frieden zwischen Athen mit seinen Bundesgenossen und Persien geschlossen. Aus der Quelle erfahren wir zudem, welche Vertragsbedingungen bei dem Kallias-Frieden ausgehandelt wurden: 1) Die griechischen Poleis in Kleinasien bleiben autonom 2) Persische Streitkräfte dürfen sich der kleinasiatischen Küste nur bis auf drei Tagesmärsche nähern 3) Persische Kriegsschiffe dürfen die Ägäis zwischen den Chelidonischen Inseln im Süden und den Eingang am thrakischen Bosporus im Norden nicht befahren 4) Den Athenern ist es verboten, Angriffe auf persische Gebiete zu unternehmen.

Dem Kallias-Frieden gingen die in der ersten Hälfte des 5. Jh. v. Chr. geführten Kämpfe zwischen den Persern und den Griechen voraus. Persien versuchte seit Beginn des 5. Jh. durch verschiedene gewaltsame Unternehmungen, Griechenland in sein Reich einzugliedern. Dieses Vorhaben der truppenmäßig überlegenen Perser scheiterte jedoch wiederholt an dem von Sparta und Athen geleiteten Bündnis vereinter griechischer Heere. In mehreren Schlachten, wie etwa der von Marathon, Plataiai und Salamis, unterlagen die Perser den Griechen. Die Niederlagen der Perser führte im Umkehrschluss zu einer Verschiebung der griechischen Verteidigungslinie nach Osten und zu aggressiven Unternehmungen der Griechen gegen die Perser unter dem Vorwand der Rache. Nach einer Offensive gegen Persien unter dem Athener Kimon um 450 v. Chr. auf Zypern und einem Sieg gegen Verbündete der Perser bei Salamis auf Zypern kam es laut Diodor 449/448 zum oben beschriebenen Kallias-Frieden. Bei Diodor heißt es, Artaxerxes habe es für gut befunden, mit den Athenern Frieden zu schließen. Nach dieser Schilderung scheinen die Perser nach den bedeutenden Niederlagen gegen die Griechen also ein ernsthaftes Interesse an den Friedensverhandlungen gehabt zu haben. Dies könnte auch die starke Verhandlungsposition der Athener begründen. Diodors Bericht nach zu urteilen sind die Perserkriege mit dem Kallias-Frieden endgültig beigelegt. Allerdings sind die Datierung und Existenz dieser Vereinbarung in der modernen Forschung umstritten.

Die Frage der Historizität des Kallias-Friedens wird in der Forschung nach wie vor diskutiert. Zu dieser Debatte hat etwa die Tatsache geführt, dass Autoren erst ab dem 4. Jh. v. Chr. beginnen, über den (vermeintlich) im 5. Jh. v. Chr. geschlossenen Friedensvertrag zu berichten. Zeitgenössische Autoren wie Herodot und Thukydides erwähnen den Kallias-Frieden gar nicht. Andere Autoren, wie Kallisthenes oder Theopomp, leugnen den Kallias-Frieden sogar. Grundsätzlich ist auch nicht einleuchtend, weshalb die athenische Führung einer Einigung mit Persien überhaupt zustimmen sollte, da die Macht der Athener aus dem Seebund erwuchs, der einzig der Abwehr der Perser diente. Und so wird neben der Frage nach der korrekten Datierung des Friedensvertrages auch die Frage nach der Existenz des Kallias-Friedens gestellt. Auch wenn diese Fragen hier nicht im Detail erörtert werden können, soll dennoch davon ausgegangen werden, dass es zumindest ein informelles Abkommen gegeben haben muss, das die Kämpfe zwischen den Persern und den Griechen beendet hat. Mit diesem Abkommen haben die Athener de facto die Vorherrschaft in der Ägäis erreicht und konnten sich nun vermehrt der angespannten Situation in Griechenland widmen, wo es zu zunehmenden Auseinandersetzungen mit Sparta kam. Nach dem Doppelschlag bei Salamis gegen die Perser hat es jedenfalls faktisch tatsächlich und auf lange Zeit keine Kämpfe mehr zwischen Persern und Griechen gegeben.

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Der gescheiterte Hilfeversuch des Kimon

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Autor_in: Plutarch
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Plut. Kim. 16-17.2 – Original:

16. ἦν μὲν οὖν ἀπ᾽ ἀρχῆς φιλολάκων: καὶ τῶν γε παίδων τῶν διδύμων τὸν ἕτερον Λακεδαιμόνιον ὠνόμασε, τὸν δ᾽ ἕτερον Ἠλεῖον, ἐκ γυναικὸς αὐτῷ Κλειτορίας γενομένους, ὡς Στησίμβροτος ἱστορεῖ: διὸ πολλάκις τὸν Περικλέα τὸ μητρῷον αὐτοῖς γένος ὀνειδίζειν. Διόδωρος δ᾽ ὁ Περιηγητὴς καὶ τούτους φησὶ καὶ τὸν τρίτον τῶν Κίμωνος υἱῶν Θεσσαλὸν ἐξ Ἰσοδίκης γεγονέναι τῆς Εὐρυπτολέμου τοῦ Μεγακλέους. [2] ηὐξήθη δ᾽ ὑπὸ τῶν Λακεδαιμονίων ἤδη τῷ Θεμιστοκλεῖ προσπολεμούντων καὶ τοῦτον ὄντα νέον ἐν Ἀθήναις μᾶλλον ἰσχύειν καὶ κρατεῖν βουλομένων. οἱ δ᾽ Ἀθηναῖοι τὸ πρῶτον ἡδέως ἑώρων οὐ μικρὰ τῆς πρὸς ἐκεῖνον εὐνοίας τῶν Σπαρτιατῶν ἀπολαύοντες: αὐξανομένοις γὰρ αὐτοῖς κατ᾽ ἀρχὰς καὶ τὰ συμμαχικὰ πολυπραγμονοῦσιν οὐκ ἤχθοντο τιμῇ καὶ χάριτι τοῦ Κίμωνος. [3] τὰ γὰρ πλεῖστα δι᾽ ἐκείνου τῶν Ἑλληνικῶν διεπράττετο, πρᾴως μὲν τοῖς συμμάχοις, κεχαρισμένως δὲ τοῖς Λακεδαιμονίοις ὁμιλοῦντος. ἔπειτα δυνατώτεροι γενόμενοι καὶ τὸν Κίμωνα τοῖς Σπαρτιάταις οὐκ ἠρέμα προσκείμενον ὁρῶντες ἤχθοντο. καὶ γὰρ αὐτὸς ἐπὶ παντὶ μεγαλύνων τὴν Λακεδαίμονα πρὸς Ἀθηναίους, καὶ μάλιστα ὅτε τύχοι μεμφόμενος αὐτοῖς ἢ παροξύνων, ὥς φησι Στησίμβροτος, εἰώθει λέγειν: ‘ἀλλ᾽ οὐ Λακεδαιμόνιοί γε τοιοῦτοι.’ [4] ὅθεν φθόνον ἑαυτῷ συνῆγε καὶ δυσμένειάν τινα παρὰ τῶν πολιτῶν. ἡ δ᾽ οὖν ἰσχύσασα μάλιστα κατ᾽ αὐτοῦ τῶν διαβολῶν αἰτίαν ἔσχε τοιαύτην. Ἀρχιδάμου τοῦ Ζευξιδάμου τέταρτον1ἔτος ἐν Σπάρτῃ βασιλεύοντος ὑπὸ σεισμοῦ μεγίστου δὴ τῶν μνημονευομένων πρότερον ἥ τε χώρα τῶν Λακεδαιμονίων χάσμασιν ἐνώλισθε πολλοῖς καὶ τῶν Ταϋγέτων τιναχθέντων κορυφαί τινες ἀπερράγησαν, αὐτὴ δ᾽ ἡ πόλις ὅλη συνεχύθη πλὴν οἰκιῶν πέντε, τὰς δ᾽ ἄλλας ἤρειψεν ὁ σεισμός. [5] ἐν δὲ μέσῃ τῇ στοᾷ γυμναζομένων ὁμοῦ τῶν ἐφήβων καὶ τῶν νεανίσκων λέγεται μικρὸν πρὸ τοῦ σεισμοῦ λαγὼν παραφανῆναι, καὶ τοὺς μὲν νεανίσκους, ὥσπερ ἦσαν ἀληλιμμένοι, μετὰ παιδιᾶς ἐκδραμεῖν καὶ διώκειν, τοῖς δ᾽ ἐφήβοις ὑπολειφθεῖσιν ἐπιπεσεῖν τὸ γυμνάσιον καὶ πάντας ὁμοῦ τελευτῆσαι. τὸν δὲ τάφον αὐτῶν ἔτι νῦν Σεισματίαν προσαγορεύουσι. [6] ταχὺ δὴ συνιδὼν ἀπὸ τοῦ παρόντος τὸν μέλλοντα κίνδυνον ὁ Ἀρχίδαμος, καὶ τοὺς πολίτας ὁρῶν ἐκ τῶν οἰκιῶν τὰ τιμιώτατα πειρωμένους σώζειν, ἐκέλευσε τῇ σάλπιγγι σημαίνειν, ὡς πολεμίων ἐπιόντων, ὅπως ὅτι τάχιστα μετὰ τῶν ὅπλων ἀθροίζωνται πρὸς αὐτόν. ὃ δὴ καὶ μόνον ἐν τῷ τότε καιρῷ τὴν Σπάρτην διέσωσεν. οἱ γὰρ εἵλωτες ἐκ τῶν ἀγρῶν συνέδραμον πανταχόθεν ὡς ἀναρπασόμενοι τοὺς σεσωσμένους τῶν Σπαρτιατῶν. [7] ὡπλισμένους δὲ καὶ συντεταγμένους εὑρόντες ἀνεχώρησαν ἐπὶ τὰς πόλεις καὶ φανερῶς ἐπολέμουν, τῶν τε περιοίκων ἀναπείσαντες οὐκ ὀλίγους, καὶ Μεσσηνίων ἅμα τοῖς Σπαρτιάταις συνεπιθεμένων. πέμπουσιν οὖν οἱ Λακεδαιμόνιοι Περικλείδαν εἰς Ἀθήνας δεόμενοι βοηθεῖν, ὅν φησι κωμῳδῶν Ἀριστοφάνης καθεζόμενον ἐπὶ τοῖς βωμοῖς ὠχρὸν ἐν φοινικίδι στρατιὰν ἐπαιτεῖν. [8] Ἐφιάλτου δὲ κωλύοντος καὶ διαμαρτυρομένου μὴ βοηθεῖν μηδ᾽ ἀνιστάναι πόλιν ἀντίπαλον ἐπὶ τὰς Ἀθήνας, ἀλλ᾽ ἐᾶν κεῖσθαι καὶ πατηθῆναι τὸ φρόνημα τῆς Σπάρτης, Κίμωνά φησι Κριτίας τὴν τῆς πατρίδος αὔξησιν ἐν ὑστέρῳ θέμενον τοῦ Λακεδαιμονίων συμφέροντος ἀναπείσαντα τὸν δῆμον ἐξελθεῖν βοηθοῦντα μετὰ πολλῶν ὁπλιτῶν. ὁ δ᾽ Ἴων ἀπομνημονεύει καὶ τὸν λόγον, ᾧ μάλιστα τοὺς Ἀθηναίους ἐκίνησε, παρακαλῶν μήτε τὴν Ἑλλάδα χωλὴν μήτε τὴν πόλιν ἑτερόζυγα περιϊδεῖν γεγενημένην.
17. ἐπεὶ δὲ βοηθήσας τοῖς Λακεδαιμονίοις ἀπῄει διὰ Κορίνθου τὴν στρατιὰν ἄγων, ἐνεκάλει Λάχαρτος αὐτῷ πρὶν ἐντυχεῖν τοῖς πολίταις εἰσαγαγόντι τὸ στράτευμα: καὶ γὰρ θύραν κόψαντας ἀλλοτρίαν οὐκ εἰσιέναι πρότερον ἢ τὸν κύριον κελεῦσαι. καὶ ὁ Κίμων ‘ἀλλ᾽ οὐχ ὑμεῖς,’ εἶπεν, ‘ὦ Λάχαρτε, τὰς Κλεωναίων καὶ Μεγαρέων πύλας κόψαντες, ἀλλὰ κατασχίσαντες εἰσεβιάσασθε μετὰ τῶν ὅπλων ἀξιοῦντες ἀνεῳγέναι πάντα τοῖς μεῖζον δυναμένοις.’ οὕτω μὲν ἐθρασύνατο πρὸς τὸν Κορίνθιον ἐν δέοντι, καὶ μετὰ τῆς στρατιᾶς διεξῆλθεν. [2] οἱ δὲ Λακεδαιμόνιοι τοὺς Ἀθηναίους αὖθις ἐκάλουν ἐπὶ τοὺς ἐν Ἰθώμῃ Μεσσηνίους καὶ εἵλωτας, ἐλθόντων δὲ τὴν τόλμαν καὶ τὴν λαμπρότητα δείσαντες ἀπεπέμψαντο μόνους τῶν συμμάχων ὡς νεωτεριστάς. οἱ δὲ πρὸς ὀργὴν ἀπελθόντες ἤδη τοῖς λακωνίζουσι φανερῶς ἐχαλέπαινον, καὶ τὸν Κίμωνα μικρᾶς ἐπιλαβόμενοι προφάσεως ἐξωστράκισαν εἰς ἔτη δέκα: τοσοῦτον γὰρ ἦν χρόνου τεταγμένον ἅπασι τοῖς ἐξοστρακιζομένοις.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Übersetzung: Bernadotte Perrin
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Übersetzung:

16. It is true indeed that he was from the first a philo-Laconian. He actually named one of his twin sons Lacedaemonius, and the other Eleius,— the sons whom a woman of Cleitor bare him, as Stesimbrotus relates, wherefore Pericles often reproached them with their maternal lineage. But Diodorus the Topographer says that these, as well as the third of Cimon’s sons, Thessalus, were born of Isodice, the daughter of Euryptolemus, the son of Megacles. [2] And he was looked upon with favour by the Lacedaemonians, who soon were at enmity with Themistocles, and therefore preferred that Cimon, young as he was, should have the more weight and power in Athens. The Athenians were glad to see this at first, since they reaped no slight advantage from the good will which the Spartans showed him. While their empire was first growing, and they were busy making alliances, they were not displeased that honor and favour should be shown to Cimon. [3] He was the foremost Hellenic statesman, dealing gently with the allies and acceptably with the Lacedaemonians. But afterwards, when they became more powerful, and saw that Cimon was strongly attached to the Spartans, they were displeased thereat. For on every occasion he was prone to exalt Lacedaemon to the Athenians, especially when he had occasion to chide or incite them. Then, as Stesimbrotus tells us, he would say, ‘But the Lacedaemonians are not of such a sort.’ [4] In this way he awakened the envy and hatred of his fellow-citizens. At any rate, the strongest charge against him arose as follows. When Archidamus, the son of Zeuxidamus, was in the fourth year of his reign at Sparta,1 a greater earthquake than any before reported rent the land of the Lacedaemonians into many chasms, shook Taygetus so that sundry peaks were torn away, and demolished the entire city with the exception of five houses. The rest were thrown down by the earthquake. [5] It is said that while the young men and youths were exercising together in the interior of the colonnade, just a little before the earthquake, a hare made its appearance, and the youths, all anointed as they were, in sport dashed out and gave chase to it, but the young men remained behind, on whom the gymnasium fell, and all perished together. Their tomb, even down to the present day, they call Seismatias. [6] Archidamus at once comprehended from the danger at hand that which was sure to follow, and as he saw the citizens trying to save the choicest valuables out of their houses, ordered the trumpet to give the signal of an enemy’s attack, in order that they might flock to him at once under arms. This was all that saved Sparta at that crisis. For the Helots hurriedly gathered from all the country round about with intent to despatch the surviving Spartans. [7] But finding them arrayed in arms, they withdrew to their cities and waged open war, persuading many Perioeci also so to do. The Messenians besides joined in this attack upon the Spartans. Accordingly, the Lacedaemonians sent Pericleidas to Athens with request for aid, and Aristophanes introduces him into a comedy as ‘sitting at the altars, pale of face, in purple cloak, soliciting an army.’ [8] But Ephialtes opposed the project, and besought the Athenians not to succour nor restore a city which was their rival, but to let haughty Sparta lie to be trodden under foot of men. Whereupon, as Critias says, Cimon made his country’s increase of less account than Sparta’s interest, and persuaded the people to go forth to her aid with many hoplites. And Ion actually mentions the phrase by which, more than by anything else, Cimon prevailed upon the Athenians, exhorting them ‘not to suffer Hellas to be crippled, nor their city to be robbed of its yoke-fellow.’
17. After he had given aid to the Lacedaemonians, he was going back home with his forces through the Isthmus of Corinth, when Lachartus upbraided him for having introduced his army before he had conferred with the citizens. ‘People who knock at doors,’ said he, ‘do not go in before the owner bids them’; to which Cimon replied, ‘And yet you Corinthians, O Lachartus, did not so much as knock at the gates of Cleonae and Megara, but hewed them down and forced your way in under arms, demanding that everything be opened up to the stronger.’ Such was his boldness of speech to the Corinthian in an emergency, and he passed on through with his forces. [2] Once more the Lacedaemonians summoned the Athenians to come to their aid against the Messenians and Helots in Ithome, and the Athenians went, but their dashing boldness awakened fear, and they were singled out from all the allies and sent off as dangerous conspirators. They came back home in a rage, and at once took open measures of hostility against the Laconizers, and above all against Cimon. Laying hold of a trifling pretext, they ostracised him for ten years. That was the period decreed in all cases of ostracism.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Agnes von der Decken
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Plut. Kim. 16-17.2

Leitfragen:

1) Wovon handelt die Quelle?

2) Aus welchen Gründen wiesen die Spartaner die Athener zurück?

3) Welche Folgen hatten die bei Plutarch geschilderten Vorfälle?

Kommentar:

In dieser Quellenstelle, die einen Auszug aus der biographischen Erzählung über den griechischen Politiker und Feldherren Kimon darstellt, berichtetet Plutarch (um 50 bis 120 n. Chr.) über ein Hilfegesuch der Spartaner, welchem der Athener Kimon 462 v. Chr. nachkam. Kimon bestimmte in der ersten Hälfte der Pentekontaëtie (einem Zeitraum von 50 Jahren zwischen der Abwehr des Perserzuges unter Xerxes bis zum Ausbruch des Peloponnesischen Krieges) von etwa 480 – 460 v. Chr. die politischen Geschicke Athens. Von Plutarch erfahren wir, dass er ein Freund der Spartaner war und seinen Söhnen gar spartanische Namen gegeben habe. Kimon war es auch, der das Verhältnis zwischen Sparta und Athen im Gleichgewicht hielt. Als Athen jedoch an Macht gewann, hegten die Athener zunehmend Skepsis gegenüber dem „Lakonerfreund“ Kimon, der Sparta bei jeder Gelegenheit pries. Zu einem Eklat kam es jedoch erst, als das Land der Spartaner 464 v. Chr. von einem schweren Erdbeben getroffen wurde. Dies hatte zur Folge, dass die von Sparta unterdrückten messenischen Heloten (Unfreie) einen Aufstand gegen ihre nun geschwächten Herren anzettelten (3. Messenischer Krieg). In ihrer Not riefen die Spartaner ihre Verbündeten zu Hilfe, darunter auch Athen. Plutarch berichtet, dass der Athener Ephialtes dagegen war, einer feindlich gesonnenen Stadt zu helfen. Der Lakonerfreund Kimon hingegen setzte sich gegen Ephialtes durch und eilte den Spartanern an der Spitze eines Hoplitenheeres zur Hilfe. Nach einer ersten Hilfeleistung begaben sich Kimon und das athenische Heer auf den Rückweg, wurden jedoch ein zweites Mal von Sparta um Hilfe gegen messenische Rebellen, die sich auf dem Berg Ithome verschanzt hatten, gerufen. Als die Athener nun wieder nach Sparta kamen, wurden die Spartaner wegen des glänzenden Auftretens der Athener plötzlich misstrauisch und schickten die Athener kurzerhand zurück – als einzige aller Bundesgenossen. Plutarch schreibt, dass die Athener durch diese Zurückweisung von Zorn über die Spartaner ergriffen wurden. Zudem suchten sie einen Vorwand, um Kimon durch ein Scherbengericht für zehn Jahre zu verbannen.

In dem Bericht Plutarchs werden die Gründe für das Misstrauen der Spartaner gegenüber den Athenern nur angedeutet. Lediglich in einem Satz erwähnt Plutarch, dass die Spartaner aufgrund der Kühnheit und des glänzenden Auftretens der Athener in Furch gerieten und deswegen die athenischen νεωτεριστάς, hier übersetzt mit „dangerous conspirators“, nach Hause schickten. Bei einem genaueren Blick auf diese Äußerung werden dabei zwei Gründe für die Zurückweisung der Athener deutlich: Einerseits fürchteten die Spartaner sich vor dem glänzenden Auftreten und der Kühnheit der Athener. Dies kann sinnbildlich für die wachsende Macht der Athener stehen, die die Spartaner aufgrund ihrer Rivalität zu den Athenern um die Vorherrschaft in Griechenland vermutlich schon seit Längerem mit Sorge beobachteten. Zum anderen sahen die Spartaner in den Athenern laut Plutarch „dangerous conspirators“. Es ist dieser Äußerung zu Folge möglich, dass die Spartaner fürchteten, die Athener würden heimlich die feindlichen Messenier unterstützen und nun gemeinsame Sache mit den Messeniern machen wollen. Es ist nicht abschließend zu klären, ob es sich bei diesem Verdacht um mehr als nur eine Vermutung handelte. Interessant ist jedoch, dass die Athener sich tatsächlich als Protektoren der Messenier erwiesen, als diese nach der Niederlage gegen Sparta bei Ithome von den Spartanern von der Peloponnes vertrieben wurden.

Die von Plutarch geschilderten Ereignisse des Affronts gegen die Athener unter der Leitung Kimons führten schlussendlich zum formalen Bruch der politischen Freundschaft zwischen Athen und Sparta. Die Athener waren über die Zurückweisung der Spartaner so empört, dass sie 462 v. Chr. das noch bestehende Bündnis zur Waffenhilfe, den 481 v. Chr. zur Abwehr der Perser gegründeten Hellenenbund, mit den Spartanern aufkündigten. Zugleich schlossen sie einen Waffenbund mit Argos, der großen Gegnerin Spartas auf der Peloponnes. Damit ist der Beginn der offenen Auseinandersetzungen zwischen Sparta und Athen markiert, der in weiterer Folge zu den kriegerischen Auseinandersetzungen im Peloponnesischen Krieg führte.

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Sehen Sie auch den Beitrag zu Athen und der Delisch-Attische Seebund.

Athen und der Delisch-Attische Seebund

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Autor_in: Thukydides
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Thuk. 1. 96-99 – Original:

96 παραλαβόντες δὲ οἱ Ἀθηναῖοι τὴν ἡγεμονίαν τούτῳ τῷ τρόπῳ ἑκόντων τῶν ξυμμάχων διὰ τὸ Παυσανίου μῖσος, ἔταξαν ἅς τε ἔδει παρέχειν τῶν πόλεων χρήματα πρὸς τὸν βάρβαρον καὶ ἃς ναῦς: πρόσχημα γὰρ ἦν ἀμύνεσθαι ὧν ἔπαθον δῃοῦντας τὴν βασιλέως χώραν. [2] καὶ Ἑλληνοταμίαι τότε πρῶτον Ἀθηναίοις κατέστη ἀρχή, οἳ ἐδέχοντο τὸν φόρον: οὕτω γὰρ ὠνομάσθη τῶν χρημάτων ἡ φορά. ἦν δ᾽ ὁ πρῶτος φόρος ταχθεὶς τετρακόσια τάλαντα καὶ ἑξήκοντα. ταμιεῖόν τε Δῆλος ἦν αὐτοῖς, καὶ αἱ ξύνοδοι ἐς τὸ ἱερὸν ἐγίγνοντο. 97. ἡγούμενοι δὲ αὐτονόμων τὸ πρῶτον τῶν ξυμμάχων καὶ ἀπὸ κοινῶν ξυνόδων βουλευόντων τοσάδε ἐπῆλθον πολέμῳ τε καὶ διαχειρίσει πραγμάτων μεταξὺ τοῦδε τοῦ πολέμου καὶ τοῦ Μηδικοῦ, ἃ ἐγένετο πρός τε τὸν βάρβαρον αὐτοῖς καὶ πρὸς τοὺς σφετέρους ξυμμάχους νεωτερίζοντας καὶ Πελοποννησίων τοὺς αἰεὶ προστυγχάνοντας ἐν ἑκάστῳ. [2] ἔγραψα δὲ αὐτὰ καὶ τὴν ἐκβολὴν τοῦ λόγου ἐποιησάμην διὰ τόδε, ὅτι τοῖς πρὸ ἐμοῦ ἅπασιν ἐκλιπὲς τοῦτο ἦν τὸ χωρίον καὶ ἢ τὰ πρὸ τῶν Μηδικῶν Ἑλληνικὰ ξυνετίθεσαν ἢ αὐτὰ τὰ Μηδικά: τούτων δὲ ὅσπερ καὶ ἥψατο ἐν τῇ Ἀττικῇ ξυγγραφῇ Ἑλλάνικος, βραχέως τε καὶ τοῖς χρόνοις οὐκ ἀκριβῶς ἐπεμνήσθη. ἅμα δὲ καὶ τῆς ἀρχῆς ἀπόδειξιν ἔχει τῆς τῶν Ἀθηναίων ἐν οἵῳ τρόπῳ κατέστη. 98. πρῶτον μὲν Ἠιόνα τὴν ἐπὶ Στρυμόνι Μήδων ἐχόντων πολιορκίᾳ εἷλον καὶ ἠνδραπόδισαν, Κίμωνος τοῦ Μιλτιάδου στρατηγοῦντος. [2] ἔπειτα Σκῦρον τὴν ἐν τῷ Αἰγαίῳ νῆσον, ἣν ᾤκουν Δόλοπες, ἠνδραπόδισαν καὶ ᾤκισαν αὐτοί. [3] πρὸς δὲ Καρυστίους αὐτοῖς ἄνευ τῶν ἄλλων Εὐβοέων πόλεμος ἐγένετο, καὶ χρόνῳ ξυνέβησαν καθ᾽ ὁμολογίαν. [4] Ναξίοις δὲ ἀποστᾶσι μετὰ ταῦτα ἐπολέμησαν καὶ πολιορκίᾳ παρεστήσαντο, πρώτη τε αὕτη πόλις ξυμμαχὶς παρὰ τὸ καθεστηκὸς ἐδουλώθη, ἔπειτα δὲ καὶ τῶν ἄλλων ὡς ἑκάστῃ ξυνέβη. 99. αἰτίαι δὲ ἄλλαι τε ἦσαν τῶν ἀποστάσεων καὶ μέγισται αἱ τῶν φόρων καὶ νεῶν ἔκδειαι καὶ λιποστράτιον εἴ τῳ ἐγένετο: οἱ γὰρ Ἀθηναῖοι ἀκριβῶς ἔπρασσον καὶ λυπηροὶ ἦσαν οὐκ εἰωθόσιν οὐδὲ βουλομένοις ταλαιπωρεῖν προσάγοντες τὰς ἀνάγκας. [2] ἦσαν δέ πως καὶ ἄλλως οἱ Ἀθηναῖοι οὐκέτι ὁμοίως ἐν ἡδονῇ ἄρχοντες, καὶ οὔτε ξυνεστράτευον ἀπὸ τοῦ ἴσου ῥᾴδιόν τε προσάγεσθαι ἦν αὐτοῖς τοὺς ἀφισταμένους. [3] ὧν αὐτοὶ αἴτιοι ἐγένοντο οἱ ξύμμαχοι: διὰ γὰρ τὴν ἀπόκνησιν ταύτην τῶν στρατειῶν οἱ πλείους αὐτῶν, ἵνα μὴ ἀπ᾽ οἴκου ὦσι, χρήματα ἐτάξαντο ἀντὶ τῶν νεῶν τὸ ἱκνούμενον ἀνάλωμα φέρειν, καὶ τοῖς μὲν Ἀθηναίοις ηὔξετο τὸ ναυτικὸν ἀπὸ τῆς δαπάνης ἣν ἐκεῖνοι ξυμφέροιεν, αὐτοὶ δέ, ὁπότε ἀποσταῖεν, ἀπαράσκευοι καὶ ἄπειροι ἐς τὸν πόλεμον καθίσταντο.

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Übersetzung: J. M. Dent
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Übersetzung:

96. The Athenians having thus succeeded to the supremacy by the voluntary act of the allies through their hatred of Pausanias, fixed which cities were to contribute money against the barbarian, which ships; their professed object being to retaliate for their sufferings by ravaging the king’s country. [2] Now was the time that the office of ‘Treasurers for Hellas’ was first instituted by the Athenians. These officers received the tribute, as the money contributed was called. The tribute was first fixed at four hundred and sixty talents. The common treasury was at Delos, and the congresses were held in the temple. 97. Their supremacy commenced with independent allies who acted on the resolutions of a common congress. It was marked by the following undertakings in war and in administration during the interval between the Median and the present war, against the barbarian, against their own rebel allies, and against the Peloponnesian powers which would come in contact with them on various occasions. [2] My excuse for relating these events, and for venturing on this digression, is that this passage of history has been omitted by all my predecessors, who have confined themselves either to Hellenic history before the Median war, or to the Median war itself. Hellanicus, it is true, did touch on these events in his Athenian history; but he is somewhat concise and not accurate in his dates. Besides, the history of these events contains an explanation of the growth of the Athenian empire. 98. First the Athenians besieged and captured Eion on the Strymon from the Medes, and made slaves of the inhabitants, being under the command of Cimon, son of Miltiades. [2] Next they enslaved Scyros the island in the Aegean, containing a Dolopian population, and colonized it themselves. [3] This was followed by a war against Carystus, in which the rest of Euboea remained neutral, and which was ended by surrender on conditions. [4] After this Naxos left the confederacy, and a war ensued, and she had to return after a siege; this was the first instance of the engagement being broken by the subjugation of an allied city, a precedent which was followed by that of the rest in the order which circumstances prescribed. 99. Of all the causes of defection, that connected with arrears of tribute and vessels, and with failure of service, was the chief; for the Athenians were very severe and exacting, and made themselves offensive by applying the screw of necessity to men who were not used to and in fact not disposed for any continuous labour. [2] In some other respects the Athenians were not the old popular rulers they had been at first; and if they had more than their fair share of service, it was correspondingly easy for them to reduce any that tried to leave the confederacy. [3] For this the allies had themselves to blame; the wish to get off service making most of them arrange to pay their share of the expense in money instead of in ships, and so to avoid having to leave their homes. Thus while Athens was increasing her navy with the funds which they contributed, a revolt always found them without resources or experience for war.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Agnes von der Decken
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Thuk. 1. 96-99

Leitfragen:

1) Was erfahren wir aus der Quelle über den Delisch-Attischen Seebund?

2) Welche Rolle nahm Athen im Seebund ein?

3) Welche Folgen hatte der Machtzuwachs Athens durch den Delisch-Attischen Seebund?

Kommentar:

Die vorliegende Quellenstelle ist ein Auszug aus dem Werk des attischen Historikers Thukydides (* um 460 v. Chr.), in welcher es um die Entstehung des Delisch-Attischen Seebundes unter der Führung Athens 478/477 v. Chr. geht. Die Quellenstelle setzt nach einem Bericht über die Übernahme des gegen die Perser geführten Kriegszuges des Hellenenbundes durch die Athener ein. Damit lösten die Athener den Spartaner Pausanias als Kommandeur des Unternehmens ab, der aufgrund seines gewaltsamen Auftretens während des Kriegszuges, wie Thukydides berichtet, in Ungnade gefallen war. Die Athener gründeten daraufhin ein neues Bündnis, das zum Ziel hatte, die Perser künftig aus der Ägäis fernzuhalten. Welche Poleis (Stadtstaaten) im Einzelnen am Bündnis beteiligt waren, geht aus der Quelle nicht direkt hervor. Es ist jedoch bekannt, dass sich Sparta und andere Staaten der Peloponnes dem Seebund nicht anschlossen. Thukydides berichtet, dass das neue Bündnis zum Ziel hatte, Rache für das Leid zu nehmen, das die Perser den Griechen beigefügt hatten. Die Bündner mussten dafür, wie Thukydides darlegt, entweder Schiffe für den Krieg stellen oder Geldbeiträge zahlen. Diese kamen in das Schatzhaus des Heiligtums des Apollon auf Delos, wo auch auf Anordnung der Athener die Versammlungen des neu gegründeten Seebundes abgehalten wurden. Die Höhe der Zahlungen soll nach Thukydides jährlich 460 Talente betragen haben und von athenischen Schatzmeistern verwaltet worden sein. So vereinten die Athener militärische und organisatorische Leitung und übernahmen die Führung der zunächst noch selbstständigen Verbündeten im neu gegründeten Delisch-Attischen Seebund.

Thukydides erklärt in dieser Quellenstelle anschaulich, inwiefern die Athener ihre Vormachtstellung im neu gegründeten Delisch-Attischen Seebund, der parallel zum Peloponnesischen Bund existierte, erlangten und somit ganz grundsätzlich ihre Stärke im Zeitraum zwischen den Perserkriegen und dem zukünftigen Peloponnesischen Krieg ausbauten. Thukydides ist es dabei wichtig zu betonen, dass die Athener im neuen Bündnis nicht nur die Auseinandersetzungen mit den Persern dominierten, sondern auch mit eigenen widerspenstigen Verbündeten oder aber peloponnesischen Staaten – wenn es hier zu Konfrontationen kam – gewaltsam verfuhren. So erfahren wir aus Thukydidesʼ Bericht etwa, dass die Athener Eion am Strymon, das ursprünglich von den Persern gehalten war, erst belagerten und dann seine Einwohner versklavten. Das gleiche Schicksal traf auch die Insel Skyros. Die Athener führten zudem Krieg gegen Orte wie Naxos, die dem Bündnis abtrünnig geworden waren. Oder aber sie zwangen andere Orte, wie Karystos, durch militärischen Druck zum Beitritt in den Bund. Auch trieben sie die Geldbeiträge mit großer Härte ein und zwangen unwillige Städte zum Kriegsdient. Athens Dominanz wuchs zudem durch die Tatsache, dass Verbündete, die einen Widerwillen gegen den Felddienst entwickelten, keine Schiffe mehr stellten, sondern den entsprechenden Betrag in Geld entrichteten und damit zur Vergrößerung der athenischen Flotte beitrugen. Der Seebund – ursprünglich eine Allianz freier Mitglieder – avancierte auf diese Weise zunehmend zu einem Reich unter der Kontrolle Athens.

Diese Beschreibung über die Entwicklung des Delisch-Attischen Seebundes ist Teil der von Thukydides geschilderten Vorgeschichte des zwischen den Großmächten Athen und Sparta ausgefochtenen Peloponnesischen Krieges (heute auf 431 v. Chr. – 404 v. Chr. datiert). Von Thukydides erfahren wir hier, dass Athen den Mitgliedern des Seebundes zwar nominell noch Freiheit und Ebenbürtigkeit zusprach, faktisch jedoch in zunehmenden Maße Macht über eine große Anzahl an griechischen Staaten ausübte. In den folgenden Jahren versuchte Athen, sein Machtgebiet stetig zu erweitern. Insbesondere die Hegemonialmacht Sparta blickte auf den Machtgewinn des einstigen Juniorpartners mit besonderem Argwohn. Der durch den Delisch-Attischen Seebund begründete Machtzuwachs Athens kann im Rückblick als Ursprung des wachsenden Spannungsverhältnisses zwischen Athen und Sparta angesehen werden und stellte den Ausgangspunkt der Rivalität zwischen den beiden Großmächten dar, die schlussendlich zum großen Peloponnesischen Krieg zwischen der alten und der neuen Macht führen sollte.

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Podcast-Hinweise
Sehen Sie zu dieser Quelle auch den Podcast „Die Kleisthenischen Reformen / Die athenische Außenpolitik des 5. Jahrhunderts“. Um einen breiteren Einblick in die Klassik zu erhalten, sehen Sie auch die Podcastreihe „Griechische Geschichte II – Klassik“.
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Sehen Sie auch die Beiträge zum gescheiterten Hilfeversuch des Kimon und zu Kimon überführt die Gebeinde des Theseus.

Stasis in Korkyra

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Thukydides
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Thuk. 3.81.2-82.2, 3.84.2-3 – Original

[2] Κερκυραῖοι δὲ αἰσθόμενοι τάς τε Ἀττικὰς ναῦς προσπλεούσας τάς τε τῶν πολεμίων οἰχομένας, λαβόντες τούς τε Μεσσηνίους ἐς τὴν πόλιν ἤγαγον πρότερον ἔξω ὄντας, καὶ τὰς ναῦς περιπλεῦσαι κελεύσαντες ἃς ἐπλήρωσαν ἐς τὸν Ὑλλαϊκὸν λιμένα, ἐν ὅσῳ περιεκομίζοντο, τῶν ἐχθρῶν εἴ τινα λάβοιεν, ἀπέκτεινον: καὶ ἐκ τῶν νεῶν ὅσους ἔπεισαν ἐσβῆναι ἐκβιβάζοντες ἀπεχρῶντο, ἐς τὸ Ἥραιόν τε ἐλθόντες τῶν ἱκετῶν ὡς πεντήκοντα ἄνδρας δίκην ὑποσχεῖν ἔπεισαν καὶ κατέγνωσαν πάντων θάνατον. [3] οἱ δὲ πολλοὶ τῶν ἱκετῶν, ὅσοι οὐκ ἐπείσθησαν, ὡς ἑώρων τὰ γιγνόμενα, διέφθειρον αὐτοῦ ἐν τῷ ἱερῷ ἀλλήλους, καὶ ἐκ τῶν δένδρων τινὲς ἀπήγχοντο, οἱ δ᾽ ὡς ἕκαστοι ἐδύναντο ἀνηλοῦντο. [4] ἡμέρας τε ἑπτά, ἃς ἀφικόμενος ὁ Εὐρυμέδων ταῖς ἑξήκοντα ναυσὶ παρέμεινε, Κερκυραῖοι σφῶν αὐτῶν τοὺς ἐχθροὺς δοκοῦντας εἶναι ἐφόνευον, τὴν μὲν αἰτίαν ἐπιφέροντες τοῖς τὸν δῆμον καταλύουσιν, ἀπέθανον δέ τινες καὶ ἰδίας ἔχθρας ἕνεκα, καὶ ἄλλοι χρημάτων σφίσιν ὀφειλομένων ὑπὸ τῶν λαβόντων: [5] πᾶσά τε ἰδέα κατέστη θανάτου, καὶ οἷον φιλεῖ ἐν τῷ τοιούτῳ γίγνεσθαι, οὐδὲν ὅτι οὐ ξυνέβη καὶ ἔτι περαιτέρω. καὶ γὰρ πατὴρ παῖδα ἀπέκτεινε καὶ ἀπὸ τῶν ἱερῶν ἀπεσπῶντο καὶ πρὸς αὐτοῖς ἐκτείνοντο, οἱ δέ τινες καὶ περιοικοδομηθέντες ἐν τοῦ Διονύσου τῷ ἱερῷ ἀπέθανον. [1] οὕτως ὠμὴ <ἡ> στάσις προυχώρησε, καὶ ἔδοξε μᾶλλον, διότι ἐν τοῖς πρώτη ἐγένετο, ἐπεὶ ὕστερόν γε καὶ πᾶν ὡς εἰπεῖν τὸ Ἑλληνικὸν ἐκινήθη, διαφορῶν οὐσῶν ἑκασταχοῦ τοῖς τε τῶν δήμων προστάταις τοὺς Ἀθηναίους ἐπάγεσθαι καὶ τοῖς ὀλίγοις τοὺς Λακεδαιμονίους. καὶ ἐν μὲν εἰρήνῃ οὐκ ἂν ἐχόντων πρόφασιν οὐδ᾽ ἑτοίμων παρακαλεῖν αὐτούς, πολεμουμένων δὲ καὶ ξυμμαχίας ἅμα ἑκατέροις τῇ τῶν ἐναντίων κακώσει καὶ σφίσιν αὐτοῖς ἐκ τοῦ αὐτοῦ προσποιήσει ῥᾳδίως αἱ ἐπαγωγαὶ τοῖς νεωτερίζειν τι βουλομένοις ἐπορίζοντο. [2] καὶ ἐπέπεσε πολλὰ καὶ χαλεπὰ κατὰ στάσιν ταῖς πόλεσι, γιγνόμενα μὲν καὶ αἰεὶ ἐσόμενα, ἕως ἂν ἡ αὐτὴ φύσις ἀνθρώπων ᾖ, μᾶλλον δὲ καὶ ἡσυχαίτερα καὶ τοῖς εἴδεσι διηλλαγμένα, ὡς ἂν ἕκασται αἱ μεταβολαὶ τῶν ξυντυχιῶν ἐφιστῶνται. ἐν μὲν γὰρ εἰρήνῃ καὶ ἀγαθοῖς πράγμασιν αἵ τε πόλεις καὶ οἱ ἰδιῶται ἀμείνους τὰς γνώμας ἔχουσι διὰ τὸ μὴ ἐς ἀκουσίους ἀνάγκας πίπτειν: ὁ δὲ πόλεμος ὑφελὼν τὴν εὐπορίαν τοῦ καθ᾽ ἡμέραν βίαιος διδάσκαλος καὶ πρὸς τὰ παρόντα τὰς ὀργὰς τῶν πολλῶν ὁμοιοῖ. […] [2] ξυνταραχθέντος τε τοῦ βίου ἐς τὸν καιρὸν τοῦτον τῇ πόλει καὶ τῶν νόμων κρατήσασα ἡ ἀνθρωπεία φύσις, εἰωθυῖα καὶ παρὰ τοὺς νόμους ἀδικεῖν, ἀσμένη ἐδήλωσεν ἀκρατὴς μὲν ὀργῆς οὖσα, κρείσσων δὲ τοῦ δικαίου, πολεμία δὲ τοῦ προύχοντος: οὐ γὰρ ἂν τοῦ τε ὁσίου τὸ τιμωρεῖσθαι προυτίθεσαν τοῦ τε μὴ ἀδικεῖν τὸ κερδαίνειν, ἐν ᾧ μὴ βλάπτουσαν ἰσχὺν εἶχε τὸ φθονεῖν. [3] ἀξιοῦσί τε τοὺς κοινοὺς περὶ τῶν τοιούτων οἱ ἄνθρωποι νόμους, ἀφ᾽ ὧν ἅπασιν ἐλπὶς ὑπόκειται σφαλεῖσι κἂν αὐτοὺς διασῴζεσθαι, ἐν ἄλλων τιμωρίαις προκαταλύειν καὶ μὴ ὑπολείπεσθαι, εἴ ποτε ἄρα τις κινδυνεύσας τινὸς δεήσεται αὐτῶν.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Übersetzung: Richard Crawley
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Übersetzung

[2] The Corcyraeans, made aware of the approach of the Athenian fleet and of the departure of the enemy, brought the Messenians from outside the walls into the town, and ordered the fleet which they had manned to sail round into the Hyllaic harbor; and while it was so doing, slew such of their enemies as they laid hands on, dispatching afterwards as they landed them, those whom they had persuaded to go on board the ships. Next they went to the sanctuary of Hera and persuaded about fifty men to take their trial, and condemned them all to death. [3] The mass of the suppliants who had refused to do so, on seeing what was taking place, slew each other there in the consecrated ground; while some hanged themselves upon the trees, and others destroyed themselves as they were severally able. [4] During seven days that Eurymedon stayed with his sixty ships, the Corcyraeans were engaged in butchering those of their fellow-citizens whom they regarded as their enemies: and although the crime imputed was that of attempting to put down the democracy, some were slain also for private hatred, others by their debtors because of the monies owed to them. [5] Death thus raged in every shape; and, as usually happens at such times, there was no length to which violence did not go; sons were killed by their fathers, and suppliants dragged from the altar or slain upon it; while some were even walled up in the temple of Dionysus and died there. [1] So bloody was the march of the revolution, and the impression which it made was the greater as it was one of the first to occur. Later on, one may say, the whole Hellenic world was convulsed; struggles being everywhere made by the popular chiefs to bring in the Athenians, and by the oligarchs to introduce the Lacedaemonians. In peace there would have been neither the pretext nor the wish to make such an invitation; but in war, with an alliance always at the command of either faction for the hurt of their adversaries and their own corresponding advantage, opportunities for bringing in the foreigner were never wanting to the revolutionary parties. [2] The sufferings which revolution entailed upon the cities were many and terrible, such as have occurred and always will occur, as long as the nature of mankind remains the same; though in a severer or milder form, and varying in their symptoms, according to the variety of the particular cases. In peace and prosperity states and individuals have better sentiments, because they do not find themselves suddenly confronted with imperious necessities; but war takes away the easy supply of daily wants, and so proves a rough master, that brings most men’s characters to a level with their fortunes. […] [2] In the confusion into which life was now thrown in the cities, human nature, always rebelling against the law and now its master, gladly showed itself ungoverned in passion, above respect for justice, and the enemy of all superiority; since revenge would not have been set above religion, and gain above justice, had it not been for the fatal power of envy. [3] Indeed men too often take upon themselves in the prosecution of their revenge to set the example of doing away with those general laws to which all alike can look for salvation in adversity, instead of allowing them to subsist against the day of danger when their aid may be required.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Autor_in: Niklas Rempe
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Thuk. 3.81.2-82.2, 3.84.2-3

Leitfragen:

1) Beschreiben Sie die Vorgänge in Korkyra.

2) Unter welcher Voraussetzung brachen die Unruhen in den griechischen Städten hervor?

3) Welche generellen Schlussfolgerungen zieht Thukydides aus den Geschehnissen in Korkyra?

Kommentar:

Der Athener Thukydides beschreibt im Zuge seiner Darstellung des Peloponnesischen Krieges gewaltsame bürgerkriegsartige Unruhen (staseis) in der Polis Korkyra. Zuvor war die Stadt Schauplatz eines Stellvertreterkrieges zwischen den mit ihr Verbündeten Athenern und den Spartanern geworden, wobei erste schlussendlich durch das Entsenden einer Flotte die Oberhand gewannen. Das Erscheinen der athenischen Schiffe leitet nun eine grausame und gewalttätige Episode ein, die Thukydides als Paradebeispiel für die in ganz Griechenland um sich greifende stasis anführt. Die demokratisch gesinnten Korkyrer hätten demnach ihren momentanen Vorteil ausgenutzt und einige spartafreundliche Bewohner der Polis, welche sich zuvor als Schutzflehende (einer Form von religiösem Asyl) in die Tempeln der Stadt gerettet hätten, umgebracht. So sollen sie ihnen zuvor einen fairen Prozess versprochen haben, der allerdings in ihrer sofortigen Hinrichtung resultiert hätte. Die restlichen Schutzflehenden hätten sich daraufhin lieber selbst getötet. Doch damit nicht genug: Unter dem Vorwand der Spartafreundlichkeit bzw. der anti-demokratischen Gesinnung hätten die Demokratiebefürworter weitere ihrer Mitbürger ermordet – die eigentlichen Gründe seien nach Thukydides allerdings persönlicher Natur gewesen. Derartig ausufernd sei die Gewalt in Korkyra gewesen, dass die Bürger nicht einmal vor dem Mord an Verwandten zurückschreckten und auch religiöse Frevel begingen, indem sie Schutzflehende schlussendlich sogar im Tempel selber umbrachten.

Die Voraussetzung für diese Unruhen sei nach Thukydides der Konflikt zwischen Athen und Sparta – der Peloponnesiche Krieg – gewesen. Die kleineren griechischen Poleis seien im Zuge dessen gezwungen gewesen, sich einer dieser Seiten anzuschließen. Die jeweiligen Bürgerschaften seien sich diesbezüglich jedoch nicht immer einig gewesen. Demnach seien sowohl athenfreundliche bzw. demokratische Kräfte als auch oligarchisch gesinnte Teile, die den Spartanern zugeneigt gewesen seien, in den Bürgerschaften vorzufinden gewesen. Entsprechend seien die Gewalteskapaden in Korkyra keine Ausnahme gewesen und die stasis hätte nach Thukydides ganz Griechenland im Griff gehabt.


Thukydides zieht aus den Unruhen in Korkyra und anderen Poleis Griechenlands nun allgemeine Schlussfolgerungen, die auch als die „Pathologie des Krieges“ bekannt wurden. Wie so oft in seinem Werk, künden diese Folgerungen bei dem Geschichtsschreiber sowohl von einem ausgeprägten Pessimismus als auch von einer objektiven Sachlichkeit. Derart ausufernde Gewalt drohe demnach auch in Zukunft sofern extreme Umstände wie der Krieg der menschliche Natur (physis) unkontrolliert ihren Lauf ließe. Die grundsätzlich egoistischen Menschen könnten sich zwar in Friedenszeiten miteinander arrangieren, doch sähen sie sich durch den Krieg in ihrer Existenz bedroht und würden vor nichts zurückschrecken, um diese zu bewahren. Die Gesetze (nomoi) könnten diesem natürlichen Erhaltungstrieb nichts entgegensetzen, und das Recht des Stärken würde sich so durchsetzen. Dass ein Mensch allerdings eines Tages auf einen ihm selbst Überlegenen treffen könnte und ihn die zuvor von ihm missachteten Tugenden und Verhaltensweisen wie Gesetzestreue, Gottesfurcht und Gerechtigkeit selber retten könnten, käme ihm nicht in den Sinn.

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Die Seuche in Athen

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Thukydides
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Thuk. 2.47.3-4, 2.51.2-4, 2.52-53 – Original:

[3] καὶ ὄντων αὐτῶν οὐ πολλάς πω ἡμέρας ἐν τῇ Ἀττικῇ ἡ νόσος πρῶτον ἤρξατο γενέσθαι τοῖς Ἀθηναίοις, λεγόμενον μὲν καὶ πρότερον πολλαχόσε ἐγκατασκῆψαι καὶ περὶ Λῆμνον καὶ ἐν ἄλλοις χωρίοις, οὐ μέντοι τοσοῦτός γε λοιμὸς οὐδὲ φθορὰ οὕτως ἀνθρώπων οὐδαμοῦ ἐμνημονεύετο γενέσθαι. [4] οὔτε γὰρ ἰατροὶ ἤρκουν τὸ πρῶτον θεραπεύοντες ἀγνοίᾳ, ἀλλ᾽ αὐτοὶ μάλιστα ἔθνῃσκον ὅσῳ καὶ μάλιστα προσῇσαν, οὔτε ἄλλη ἀνθρωπεία τέχνη οὐδεμία: ὅσα τε πρὸς ἱεροῖς ἱκέτευσαν ἢ μαντείοις καὶ τοῖς τοιούτοις ἐχρήσαντο, πάντα ἀνωφελῆ ἦν, τελευτῶντές τε αὐτῶν ἀπέστησαν ὑπὸ τοῦ κακοῦ νικώμενοι. […] [2] ἔθνῃσκον δὲ οἱ μὲν ἀμελείᾳ, οἱ δὲ καὶ πάνυ θεραπευόμενοι. ἕν τε οὐδὲ ἓν κατέστη ἴαμα ὡς εἰπεῖν ὅτι χρῆν προσφέροντας ὠφελεῖν: τὸ γάρ τῳ ξυνενεγκὸν ἄλλον τοῦτο ἔβλαπτεν. [3] σῶμά τε αὔταρκες ὂν οὐδὲν διεφάνη πρὸς αὐτὸ ἰσχύος πέρι ἢ ἀσθενείας, ἀλλὰ πάντα ξυνῄρει καὶ τὰ πάσῃ διαίτῃ θεραπευόμενα. [4] δεινότατον δὲ παντὸς ἦν τοῦ κακοῦ ἥ τε ἀθυμία ὁπότε τις αἴσθοιτο κάμνων (πρὸς γὰρ τὸ ἀνέλπιστον εὐθὺς τραπόμενοι τῇ γνώμῃ πολλῷ μᾶλλον προΐεντο σφᾶς αὐτοὺς καὶ οὐκ ἀντεῖχον), καὶ ὅτι ἕτερος ἀφ᾽ ἑτέρου θεραπείας ἀναπιμπλάμενοι ὥσπερ τὰ πρόβατα ἔθνῃσκον: καὶ τὸν πλεῖστον φθόρον τοῦτο ἐνεποίει. […] [1] ἐπίεσε δ᾽ αὐτοὺς μᾶλλον πρὸς τῷ ὑπάρχοντι πόνῳ καὶ ἡ ξυγκομιδὴ ἐκ τῶν ἀγρῶν ἐς τὸ ἄστυ, καὶ οὐχ ἧσσον τοὺς ἐπελθόντας. [2] οἰκιῶν γὰρ οὐχ ὑπαρχουσῶν, ἀλλ᾽ ἐν καλύβαις πνιγηραῖς ὥρᾳ ἔτους διαιτωμένων ὁ φθόρος ἐγίγνετο οὐδενὶ κόσμῳ, ἀλλὰ καὶ νεκροὶ ἐπ᾽ ἀλλήλοις ἀποθνῄσκοντες ἔκειντο καὶ ἐν ταῖς ὁδοῖς ἐκαλινδοῦντο καὶ περὶ τὰς κρήνας ἁπάσας ἡμιθνῆτες τοῦ ὕδατος ἐπιθυμίᾳ. [3] τά τε ἱερὰ ἐν οἷς ἐσκήνηντο νεκρῶν πλέα ἦν, αὐτοῦ ἐναποθνῃσκόντων: ὑπερβιαζομένου γὰρ τοῦ κακοῦ οἱ ἄνθρωποι, οὐκ ἔχοντες ὅτι γένωνται, ἐς ὀλιγωρίαν ἐτράποντο καὶ ἱερῶν καὶ ὁσίων ὁμοίως. [4] νόμοι τε πάντες ξυνεταράχθησαν οἷς ἐχρῶντο πρότερον περὶ τὰς ταφάς, ἔθαπτον δὲ ὡς ἕκαστος ἐδύνατο. καὶ πολλοὶ ἐς ἀναισχύντους θήκας ἐτράποντο σπάνει τῶν ἐπιτηδείων διὰ τὸ συχνοὺς ἤδη προτεθνάναι σφίσιν: ἐπὶ πυρὰς γὰρ ἀλλοτρίας φθάσαντες τοὺς νήσαντας οἱ μὲν ἐπιθέντες τὸν ἑαυτῶν νεκρὸν ὑφῆπτον, οἱ δὲ καιομένου ἄλλου ἐπιβαλόντες ἄνωθεν ὃν φέροιεν ἀπῇσαν. [1] πρῶτόν τε ἦρξε καὶ ἐς τἆλλα τῇ πόλει ἐπὶ πλέον ἀνομίας τὸ νόσημα. ῥᾷον γὰρ ἐτόλμα τις ἃ πρότερον ἀπεκρύπτετο μὴ καθ᾽ ἡδονὴν ποιεῖν, ἀγχίστροφον τὴν μεταβολὴν ὁρῶντες τῶν τε εὐδαιμόνων καὶ αἰφνιδίως θνῃσκόντων καὶ τῶν οὐδὲν πρότερον κεκτημένων, εὐθὺς δὲ τἀκείνων ἐχόντων. [2] ὥστε ταχείας τὰς ἐπαυρέσεις καὶ πρὸς τὸ τερπνὸν ἠξίουν ποιεῖσθαι, ἐφήμερα τά τε σώματα καὶ τὰ χρήματα ὁμοίως ἡγούμενοι. [3] καὶ τὸ μὲν προσταλαιπωρεῖν τῷ δόξαντι καλῷ οὐδεὶς πρόθυμος ἦν, ἄδηλον νομίζων εἰ πρὶν ἐπ᾽ αὐτὸ ἐλθεῖν διαφθαρήσεται: ὅτι δὲ ἤδη τε ἡδὺ πανταχόθεν τε ἐς αὐτὸ κερδαλέον, τοῦτο καὶ καλὸν καὶ χρήσιμον κατέστη. [4] θεῶν δὲ φόβος ἢ ἀνθρώπων νόμος οὐδεὶς ἀπεῖργε, τὸ μὲν κρίνοντες ἐν ὁμοίῳ καὶ σέβειν καὶ μὴ ἐκ τοῦ πάντας ὁρᾶν ἐν ἴσῳ ἀπολλυμένους, τῶν δὲ ἁμαρτημάτων οὐδεὶς ἐλπίζων μέχρι τοῦ δίκην γενέσθαι βιοὺς ἂν τὴν τιμωρίαν ἀντιδοῦναι, πολὺ δὲ μείζω τὴν ἤδη κατεψηφισμένην σφῶν ἐπικρεμασθῆναι, ἣν πρὶν ἐμπεσεῖν εἰκὸς εἶναι τοῦ βίου τι ἀπολαῦσαι.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Übersetzung: Richard Crawley
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Thuk. 2.47.3-4, 2.51.2-4, 2.52-53 – Übersetzung:

[3] Not many days after their arrival in Attica the plague first began to show itself among the Athenians. It was said that it had broken out in many places previously in the neighborhood of Lemnos and elsewhere; but a pestilence of such extent and mortality was nowhere remembered. [4] Neither were the physicians at first of any service, ignorant as they were of the proper way to treat it, but they died themselves the most thickly, as they visited the sick most often; nor did any human art succeed any better. Supplications in the temples, divinations, and so forth were found equally futile, till the overwhelming nature of the disaster at last put a stop to them altogether. […] [2] Some died in neglect, others in the midst of every attention. No remedy was found that could be used as a specific; for what did good in one case, did harm in another. [3] Strong and weak constitutions proved equally incapable of resistance, all alike being swept away, although dieted with the utmost precaution. [4] By far the most terrible feature in the malady was the dejection which ensued when anyone felt himself sickening, for the despair into which they instantly fell took away their power of resistance, and left them a much easier prey to the disorder; besides which, there was the awful spectacle of men dying like sheep, through having caught the infection in nursing each other. This caused the greatest mortality. […] [1] An aggravation of the existing calamity was the influx from the country into the city, and this was especially felt by the new arrivals. [2] As there were no houses to receive them, they had to be lodged at the hot season of the year in stifling cabins, where the mortality raged without restraint. The bodies of dying men lay one upon another, and half-dead creatures reeled about the streets and gathered round all the fountains in their longing for water. [3] The sacred places also in which they had quartered themselves were full of corpses of persons that had died there, just as they were; for as the disaster passed all bounds, men, not knowing what was to become of them, became utterly careless of everything, whether sacred or profane. [4] All the burial rites before in use were entirely upset, and they buried the bodies as best they could. Many from want of the proper appliances, through so many of their friends having died already, had recourse to the most shameless sepultures: sometimes getting the start of those who had raised a pile, they threw their own dead body upon the stranger’s pyre and ignited it; sometimes they tossed the corpse which they were carrying on the top of another that was burning, and so went off.
[1] Nor was this the only form of lawless extravagance which owed its origin to the plague. Men now coolly ventured on what they had formerly done in a corner, and not just as they pleased, seeing the rapid transitions produced by persons in prosperity suddenly dying and those who before had nothing succeeding to their property. [2] So they resolved to spend quickly and enjoy themselves, regarding their lives and riches as alike things of a day. [3] Perseverance in what men called honor was popular with none, it was so uncertain whether they would be spared to attain the object; but it was settled that present enjoyment, and all that contributed to it, was both honorable and useful. [4] Fear of gods or law of man there was none to restrain them. As for the first, they judged it to be just the same whether they worshipped them or not, as they saw all alike perishing; and for the last, no one expected to live to be brought to trial for his offences, but each felt that a far severer sentence had been already passed upon them all and hung ever over their heads, and before this fell it was only reasonable to enjoy life a little.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Autor_in: Niklas Rempe
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Thuk. 2.47.3-4, 2.51.2-4, 2.52-53

Leitfragen:

1) Beschreiben Sie die Maßnahmen, welche die Athener gegen die Seuche ergriffen.

2) Was waren die Folgen der Krankheit in Athen?

3) Was für Rückschlüsse lassen sich aus Thukydides‘ Beschreibung der Seuche auf die gesellschaftlichen Folgen dieser Extremsituation in Athen ziehen?

Kommentar:

Thukydides beschreibt in der vorliegenden Quellenpassage aus seinem Werk über den Peloponnesischen Krieg die Seuche, die sich in Athen im Jahre 430 v. Chr. ausbreitete. Mehrere Jahre lang wütete diese Krankheit in Attika, wobei die medizinhistorische Forschung heute nicht mehr zweifelsfrei sagen kann, um welche Krankheit es sich handelte – denkbar sind z.B. Typhus, die Pest oder eine durch heutzutage nicht mehr bekannte Erreger ausgelöste Erkrankung. Thukydides, der angibt, dass auch er selber dieser Krankheit zum Opfer gefallen sei, beschreibt in der Quellenpassage eine Ratlosigkeit der Athener, die jener der modernen Forschung in nichts nachsteht. Sie hätten sich mit einer Krankheit konfrontiert gesehen, gegen welche die üblichen zeitgenössischen Maßnahmen nichts auszurichten vermochten. Die Ärzte, die sich durch ihren Kontakt mit den Erkrankten selbst ansteckten, hätten kein Gegenmittel gefunden. Egal ob stark oder schwach, jung oder alt, reich oder arm, gottesfürchtig oder nicht: niemand sei vor ihr geschützt gewesen. Neben verschiedenen Arzeneimitteln und einer gesunden Diät sollen die Athener auch die Götter durch Opfergaben um Heilung gebeten haben – ein bei Krankheiten damals üblicher Vorgang –, doch nichts hätte schlussendlich genützt.

Die Folgen dieser Seuche in Athen können durch Thukydides Beschreibung gut nachvollzogen werden. Das Grauen, welches sich durch diese Krankheit abgespielt haben muss, wird von dem Geschichtsschreiber plastisch und anschaulich geschildert: Eine Hilflosigkeit der Betroffenen, die sich mit dem schleichenden Tod konfrontiert gesehen hätten, sei dadurch noch verstärkt worden, dass den Gesunden nichts anderes übrig geblieben sei, als sich von den Kranken fernzuhalten, um nicht selber zu erkranken. Die schiere Masse an Leichen – auch aus dem Umland seien zusätzliche Infizierte in Hoffnung auf Hilfe nach Athen gekommen – hätte nach Thukydides zudem zur Folge gehabt, dass diesen die üblichen rituellen Bestattungen verwehrt wurden. Des Weiteren sei den Athenern die Lage derart trost- und hoffnungslos erschienen, dass sie in Anbetracht des nahen Todes sowohl göttliche als auch menschliche Gesetze missachtet hätten. Allein die kurze Zeit, die ihnen noch blieb, so gut wie möglich zu verbringen, hätte die Athener interessiert.


Die von Thukydides dargestellten Folgen der Seuche zeichnen ein Bild einer in Chaos und Anarchie versinkenden Polis, zumal nicht vergessen werden darf, dass die Spartaner zur selben Zeit das attische Umland verwüsteten. Die gesellschaftlichen Werte der Athener, wie Würde, Ehre und Anstand scheinen in dieser Extremsituation vergessen. Sogar die Achtung vor den Göttern und ihren Gesetzen sei verlorengegangen oder wurde wissentlich missachtet. Gleiches gibt Thukydides über die menschlichen Gesetze an – niemand hätte noch daran geglaubt, jemals für seine Verbrechen vor einem Gericht zur Rechenschaft gezogen zu werden, da der Tod derart präsent gewesen sei. Wie so oft, wird hier also Thukydides‘ zwar pessimistischer, doch nichtsdestoweniger objektiver und reflektierender Blick auf die Geschehnisse offensichtlich, wenn er beschreibt, wie die sozialen und moralischen Grundgerüste seiner Polis Athen einstürzen und sich Hoffnungslosigkeit und Gewalt ausbreiten. Die Grauen der Seuche und zur gleichen Zeit auch die des Krieges sind selten in der antiken und auch modernen Geschichtsschreibung derart pointiert und eindrucksvoll beschrieben worden.

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Die Schlacht von Amphipolis

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Thuk. 5.7.1-3, 5.10.1-6, 5.10.8-9, 5.10.11 – Original:

[1] ὁ δὲ Κλέων τέως μὲν ἡσύχαζεν, ἔπειτα ἠναγκάσθη ποιῆσαι ὅπερ ὁ Βρασίδας προσεδέχετο. [2] τῶν γὰρ στρατιωτῶν ἀχθομένων μὲν τῇ ἕδρᾳ, ἀναλογιζομένων δὲ τὴν ἐκείνου ἡγεμονίαν πρὸς οἵαν ἐμπειρίαν καὶ τόλμαν μετὰ οἵας ἀνεπιστημοσύνης καὶ μαλακίας γενήσοιτο καὶ οἴκοθεν ὡς ἄκοντες αὐτῷ ξυνῆλθον, αἰσθόμενος τὸν θροῦν καὶ οὐ βουλόμενος αὐτοὺς διὰ τὸ ἐν τῷ αὐτῷ καθημένους βαρύνεσθαι, ἀναλαβὼν ἦγεν. [3] καὶ ἐχρήσατο τῷ τρόπῳ ᾧπερ καὶ ἐς τὴν Πύλον εὐτυχήσας ἐπίστευσέ τι φρονεῖν: ἐς μάχην μὲν γὰρ οὐδὲ ἤλπισέν οἱ ἐπεξιέναι οὐδένα, κατὰ θέαν δὲ μᾶλλον ἔφη ἀναβαίνειν τοῦ χωρίου, καὶ τὴν μείζω παρασκευὴν περιέμενεν, οὐχ ὡς τῷ ἀσφαλεῖ, ἢν ἀναγκάζηται, περισχήσων, ἀλλ᾽ ὡς κύκλῳ περιστὰς βίᾳ αἱρήσων τὴν πόλιν. […] [1] ὁ μὲν Βρασίδας τοσαῦτα εἰπὼν τήν τε ἔξοδον παρεσκευάζετο αὐτὸς καὶ τοὺς ἄλλους μετὰ τοῦ Κλεαρίδα καθίστη ἐπὶ τὰς Θρᾳκίας καλουμένας τῶν πυλῶν, ὅπως ὥσπερ εἴρητο ἐπεξίοιεν. [2] τῷ δὲ Κλέωνι, φανεροῦ γενομένου αὐτοῦ ἀπὸ τοῦ Κερδυλίου καταβάντος καὶ ἐν τῇ πόλει ἐπιφανεῖ οὔσῃ ἔξωθεν περὶ τὸ ἱερὸν τῆς Ἀθηνᾶς θυομένου καὶ ταῦτα πράσσοντος, ἀγγέλλεται (προυκεχωρήκει γὰρ τότε κατὰ τὴν θέαν) ὅτι ἥ τε στρατιὰ ἅπασα φανερὰ τῶν πολεμίων ἐν τῇ πόλει καὶ ὑπὸ τὰς πύλας ἵππων τε πόδες πολλοὶ καὶ ἀνθρώπων ὡς ἐξιόντων ὑποφαίνονται. [3] ὁ δὲ ἀκούσας ἐπῆλθεν: καὶ ὡς εἶδεν, οὐ βουλόμενος μάχῃ διαγωνίσασθαι πρίν οἱ καὶ τοὺς βοηθοὺς ἥκειν καὶ οἰόμενος φθήσεσθαι ἀπελθών, σημαίνειν τε ἅμα ἐκέλευεν ἀναχώρησιν καὶ παρήγγειλε τοῖς ἀπιοῦσιν ἐπὶ τὸ εὐώνυμον κέρας, ὥσπερ μόνον οἷόν τ᾽ ἦν, ὑπάγειν ἐπὶ τῆς Ἠιόνος. [4] ὡς δ᾽ αὐτῷ ἐδόκει σχολὴ γίγνεσθαι, αὐτὸς ἐπιστρέψας τὸ δεξιὸν καὶ τὰ γυμνὰ πρὸς τοὺς πολεμίους δοὺς ἀπῆγε τὴν στρατιάν. [5] κἀν τούτῳ Βρασίδας ὡς ὁρᾷ τὸν καιρὸν καὶ τὸ στράτευμα τῶν Ἀθηναίων κινούμενον, λέγει τοῖς μεθ᾽ ἑαυτοῦ καὶ τοῖς ἄλλοις ὅτι ‘οἱ ἄνδρες ἡμᾶς οὐ μενοῦσιν. δῆλοι δὲ τῶν τε δοράτων τῇ κινήσει καὶ τῶν κεφαλῶν: οἷς γὰρ ἂν τοῦτο γίγνηται, οὐκ εἰώθασι μένειν τοὺς ἐπιόντας. ἀλλὰ τάς τε πύλας τις ἀνοιγέτω ἐμοὶ ἃς εἴρηται, καὶ ἐπεξίωμεν ὡς τάχιστα θαρσοῦντες.’ [6] καὶ ὁ μὲν κατὰ τὰς ἐπὶ τὸ σταύρωμα πύλας καὶ τὰς πρώτας τοῦ μακροῦ τείχους τότε ὄντος ἐξελθὼν ἔθει δρόμῳ τὴν ὁδὸν ταύτην εὐθεῖαν, ᾗπερ νῦν κατὰ τὸ καρτερώτατον τοῦ χωρίου ἰόντι τροπαῖον ἕστηκε, καὶ προσβαλὼν τοῖς Ἀθηναίοις πεφοβημένοις τε ἅμα τῇ σφετέρᾳ ἀταξίᾳ καὶ τὴν τόλμαν αὐτοῦ ἐκπεπληγμένοις κατὰ μέσον τὸ στράτευμα τρέπει. […] [8] […] καὶ ὁ Βρασίδας ὑποχωροῦντος ἤδη αὐτοῦ ἐπιπαριὼν τῷ δεξιῷ τιτρώσκεται, καὶ πεσόντα αὐτὸν οἱ μὲν Ἀθηναῖοι οὐκ αἰσθάνονται, οἱ δὲ πλησίον ἄραντες ἀπήνεγκαν. [9] τὸ δὲ δεξιὸν τῶν Ἀθηναίων ἔμενέ [τε] μᾶλλον, καὶ ὁ μὲν Κλέων, ὡς τὸ πρῶτον οὐ διενοεῖτο μένειν, εὐθὺς φεύγων καὶ καταληφθεὶς ὑπὸ Μυρκινίου πελταστοῦ ἀποθνῄσκει, οἱ δὲ αὐτοῦ ξυστραφέντες ὁπλῖται ἐπὶ τὸν λόφον τόν τε Κλεαρίδαν ἠμύνοντο καὶ δὶς ἢ τρὶς προσβαλόντα, καὶ οὐ πρότερον ἐνέδοσαν πρὶν ἥ τε Μυρκινία καὶ ἡ Χαλκιδικὴ ἵππος καὶ οἱ πελτασταὶ περιστάντες καὶ ἐσακοντίζοντες αὐτοὺς ἔτρεψαν. […] [11] οἱ δὲ τὸν Βρασίδαν ἄραντες ἐκ τῆς μάχης καὶ διασώσαντες ἐς τὴν πόλιν ἔτι ἔμπνουν ἐσεκόμισαν: καὶ ᾔσθετο μὲν ὅτι νικῶσιν οἱ μεθ᾽ αὑτοῦ, οὐ πολὺ δὲ διαλιπὼν ἐτελεύτησεν.

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Thuk. 5.7.1-3, 5.10.1-6, 5.10.8-9, 5.10.11 – Übersetzung:

[1] After remaining quiet for some time, Cleon was at length obliged to do as Brasidas expected. [2] His soldiers, tired of their inactivity, began also seriously to reflect on the weakness and incompetence of their commander and the skill and valor that would be opposed to him, and on their own original unwillingness to accompany him. These murmurs coming to the ears of Cleon, he resolved not to disgust the army by keeping it in the same place, and broke up his camp and advanced. [3] The temper of the general was what it had been at Pylos, his success on that occasion having given him confidence in his capacity. He never dreamed of any one coming out to fight him, but said that he was rather going up to view the place; and if he waited for his reinforcements it was not in order to make victory secure in case he should be compelled to engage, but to be enabled to surround and storm the city. […] [1] […] Brasidas himself prepared for the sally, and placed the rest with Clearidas at the Thracian gates to support him as had been agreed. [2] Meanwhile he had been seen coming down from Cerdylium and then in the city, which is overlooked from the outside, sacrificing near the temple of Athena; in short, all his movements had been observed, and word was brought to Cleon, who had at the moment gone on to look about him, that the whole of the enemy’s force could be seen in the town, and that the feet of horses and men in great numbers were visible under the gates, as if a sally were intended. [3] Upon hearing this he went up to look, and having done so, being unwilling to venture upon the decisive step of a battle before his reinforcements came up, and fancying that he would have time to retire, bid the retreat be sounded and sent orders to the men to effect it by moving on the left wing in the direction of Eion, which was indeed the only way practicable. [4] This however not being quick enough for him, he joined the retreat in person and made the right wing wheel round, thus turning its unarmed side to the enemy. [5] It was then that Brasidas seeing the Athenian force in motion and his opportunity come, said to the men with him and the rest, ‘Those fellows will never stand before us, one can see that by the way their spears and heads are going. Troops which do as they do seldom stand a charge. Quick, some one, and open the gates I spoke of, and let us be out and at them with no fears for the result.’ [6] Accordingly issuing out by the palisade gate and by the first in the long wall then existing, he ran at the top of his speed along the straight road, where the trophy now stands as you go by the steepest part of the hill, and fell upon and routed the center of the Athenians, panic-stricken by their own disorder and astounded at his audacity. […] [8] […] Just as it was in full retreat and Brasidas was passing on to attack the right, he received a wound; but his fall was not perceived by the Athenians, as he was taken up by those near him and carried off the field. [9] The Athenian right made a better stand, and though Cleon, who from the first had no thought of fighting, at once fled and was overtaken and slain by a Myrcinian targeteer, his infantry forming in close order upon the hill twice or thrice repulsed the attacks of Clearidas, and did not finally give way until they were surrounded and routed by the missiles of the Myrcinian and Chalcidian horse and the targeteers. […] [11] The men who had taken up and rescued Brasidas, brought him into the town with the breath still in him: he lived to hear of the victory of his troops, and not long after expired.

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Thuk. 5.7.1-3, 5.10.1-6, 5.10.8-9, 5.10.11

Leitfragen:

1) Beschreiben Sie die von Thukydides dargestellten Geschehnisse.

2) Vergleichen Sie die Darstellung der beiden Feldherren Brasidas und Kleon.

3) Was für Rückschlüsse lässt die Beschreibung Kleons und Brasidas‘ auf das Feldherrenamt (strategos) und Thukyidides‘ Meinung diesbezüglich zu?

Kommentar:

Der Geschichtsschreiber Thukydides beschreibt in der vorliegenden Quellenpassage die Schlacht zwischen athenischen Truppen unter dem Feldherren (strategos) Kleon und einem spartanischen Kontingent unter Brasidas. Letzterer hatte sich im Vorjahr (423) in der ursprünglich mit Athen verbündeten thrakischen Polis festgesetzt. Kleon belagert Amphipolis nun, wobei er den Angriff nach Thukydides erst mit seinem in Kürze erwarteten Nachschub wagen wollte. Die athenischen Truppen seien allerdings durch die lange Wartezeit unruhig und ungehorsam geworden und hätten Kleon damit zum Handeln gezwungen. Er und seine Truppen hätten sich entsprechend näher an die Stadt heran gewagt, zumal Kleon einen Ausfall der Spartaner für unmöglich gehalten habe. Genau dies hätten die athenischen Späher allerdings ihrem Feldherren gemeldet. Kleon, der es ohne Verstärkung immer noch nicht zu einer Schlacht habe kommen lassen wollen, hätte dem Heer entsprechend den Rückzug befohlen. Dies sei den Spartanern in Amphipolis nicht entgangen, und Brasidas hätte den Ausfall gegen die sich zurückziehenden Athener angeordnet. Der Plan des spartanisches Feldherren sei aufgegangen und schnell hätten sie sich gegen die ungeordneten Truppen der Athener durchsetzen können. Beide Feldherren seien in der Schlacht gefallen: Brasidas als er mit seinen Männern die starke rechte Flanke der Athener angegriffen habe; Kleon in wilder Flucht vor den anrückenden Spartanern.

Thukydides beschreibt die beiden Feldherren – Kleon auf athenischer, Brasidas auf spartanischer Seite – auffallend unterschiedlich. Der athenische Geschichtsschreiber lobt allerdings keineswegs seinen Mitbürger Kleon, sondern seinen Gegner Brasidas. So soll dieser zum einen den Schritt Kleons, näher an Amphipolis heranzurücken, vorhergesehen haben und außerdem mit dem Ausfall genau die Schwachstelle der athenischen Truppen ausgenutzt haben. Da er seine Männer auf diesen Schritt entsprechend vorbereitet gehabt habe, habe er schlussendlich auch den Sieg davontragen können. Seine tödliche Verwundung soll er sich im Kampf gegen die gut gesicherte rechte Flanke der Athener zugezogen haben, wobei er sich bis zum Sieg der Spartaner ans Leben geklammert haben soll. Der Athener Kleon nun erscheint gänzlich gegensätzlich charakterisiert. Inkompetent in Sachen Strategie und Führungsverhalten, hätte er durch seine falsche taktische Einschätzung der Lage und die entsprechenden Befehle die Niederlage des athenisches Heeres zu verantworten. Dass er beim ersten Anzeichen des Ausfalls der Spartaner geflohen und lediglich von einem leicht bewaffneten Plänkler die tödliche Wunde erhalten haben soll, unterstreicht nur sein unwürdiges Verhalten.


Thukydides‘ Beschreibung der Schlacht von Amphipolis und insb. die der beiden Feldherren kann einen guten Einblick sowohl in die militärische Führung der Zeit als auch in die Vor- und Nachteile des Feldherrenamtes in Athen geben. Zum einen wird deutlich, für wie inkompetent Thukydides Kleon hält, zumal diese Quellenpassage nicht die einzige negative Charakterisierung Kleons im Gesamtwerk des Geschichtsschreibers ist. Das Feldherrenamt in Athen wurde jährlich gewählt, wobei Kleon dies nach Thukydides allein durch sein rüpelhaftes Verhalten und seinen Reichtum erlangt hätte. Diese demokratische Vorgehensweise konnte demnach großen Einfluss auf die militärische Führung und damit auf das gesamte Kriegsgeschick im Peloponnesischen Krieg nehmen. Im schlimmsten Fall wählten die Athener so jemanden, der allein durch seine Redekunst, nicht aber durch sein militärisches Können hervorstach. Dieser Fall sei nach Thukydides bei Kleon eingetroffen. Zu betonen ist allerdings, dass Thukydides – der selber eine eher unglückliche Zeit als Feldherr hatte – aus einer alten und angesehenen Familie stammte und so an dem Emporkömmling Kleon wohl auch aus persönlicher Motivation kein gutes Haar ließ. Ob Kleon sich wirklich derart ungeschickt anstellte, ist letzten Endes nicht mit völliger Sicherheit zu sagen, doch ist zu betonen, wie wichtig ein fähiger Feldherr in derartigen Situationen war. Dass Brasidas als Spartaner in einem so guten Licht gezeichnet wird, unterstreicht entsprechend, dass die Griechen derartige Kompetenz sehr zu schätzen wussten.

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Die Gefallenenrede des Perikles

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Autor_in: Thukydides
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Thuk. 2.41, 2.43.1-2 – Original:

[1] ‘ξυνελών τε λέγω τήν τε πᾶσαν πόλιν τῆς Ἑλλάδος παίδευσιν εἶναι καὶ καθ᾽ ἕκαστον δοκεῖν ἄν μοι τὸν αὐτὸν ἄνδρα παρ᾽ ἡμῶν ἐπὶ πλεῖστ᾽ ἂν εἴδη καὶ μετὰ χαρίτων μάλιστ᾽ ἂν εὐτραπέλως τὸ σῶμα αὔταρκες παρέχεσθαι. [2] καὶ ὡς οὐ λόγων ἐν τῷ παρόντι κόμπος τάδε μᾶλλον ἢ ἔργων ἐστὶν ἀλήθεια, αὐτὴ ἡ δύναμις τῆς πόλεως, ἣν ἀπὸ τῶνδε τῶν τρόπων ἐκτησάμεθα, σημαίνει. [3] μόνη γὰρ τῶν νῦν ἀκοῆς κρείσσων ἐς πεῖραν ἔρχεται, καὶ μόνη οὔτε τῷ πολεμίῳ ἐπελθόντι ἀγανάκτησιν ἔχει ὑφ᾽ οἵων κακοπαθεῖ οὔτε τῷ ὑπηκόῳ κατάμεμψιν ὡς οὐχ ὑπ᾽ ἀξίων ἄρχεται.[4] μετὰ μεγάλων δὲ σημείων καὶ οὐ δή τοι ἀμάρτυρόν γε τὴν δύναμιν παρασχόμενοι τοῖς τε νῦν καὶ τοῖς ἔπειτα θαυμασθησόμεθα, καὶ οὐδὲν προσδεόμενοι οὔτε Ὁμήρου ἐπαινέτου οὔτε ὅστις ἔπεσι μὲν τὸ αὐτίκα τέρψει, τῶν δ᾽ ἔργων τὴν ὑπόνοιαν ἡ ἀλήθεια βλάψει, ἀλλὰ πᾶσαν μὲν θάλασσαν καὶ γῆν ἐσβατὸν τῇ ἡμετέρᾳ τόλμῃ καταναγκάσαντες γενέσθαι, πανταχοῦ δὲ μνημεῖα κακῶν τε κἀγαθῶν ἀίδια ξυγκατοικίσαντες. [5] περὶ τοιαύτης οὖν πόλεως οἵδε τε γενναίως δικαιοῦντες μὴ ἀφαιρεθῆναι αὐτὴν μαχόμενοι ἐτελεύτησαν, καὶ τῶν λειπομένων πάντα τινὰ εἰκὸς ἐθέλειν ὑπὲρ αὐτῆς κάμνειν. […] [1] καὶ οἵδε μὲν προσηκόντως τῇ πόλει τοιοίδε ἐγένοντο: τοὺς δὲ λοιποὺς χρὴ ἀσφαλεστέραν μὲν εὔχεσθαι, ἀτολμοτέραν δὲ μηδὲν ἀξιοῦν τὴν ἐς τοὺς πολεμίους διάνοιαν ἔχειν, σκοποῦντας μὴ λόγῳ μόνῳ τὴν ὠφελίαν, ἣν ἄν τις πρὸς οὐδὲν χεῖρον αὐτοὺς ὑμᾶς εἰδότας μηκύνοι, λέγων ὅσα ἐν τῷ τοὺς πολεμίους ἀμύνεσθαι ἀγαθὰ ἔνεστιν, ἀλλὰ μᾶλλον τὴν τῆς πόλεως δύναμιν καθ᾽ ἡμέραν ἔργῳ θεωμένους καὶ ἐραστὰς γιγνομένους αὐτῆς, καὶ ὅταν ὑμῖν μεγάλη δόξῃ εἶναι,ἐνθυμουμένους ὅτι τολμῶντες καὶ γιγνώσκοντες τὰ δέοντα καὶ ἐν τοῖς ἔργοις αἰσχυνόμενοι ἄνδρες αὐτὰ ἐκτήσαντο, καὶ ὁπότε καὶ πείρᾳ του σφαλεῖεν, οὐκ οὖν καὶ τὴν πόλιν γε τῆς σφετέρας ἀρετῆς ἀξιοῦντες στερίσκειν, κάλλιστον δὲ ἔρανον αὐτῇ προϊέμενοι. [2] κοινῇ γὰρ τὰ σώματα διδόντες ἰδίᾳ τὸν ἀγήρων ἔπαινον ἐλάμβανον καὶ τὸν τάφον ἐπισημότατον, οὐκ ἐν ᾧ κεῖνται μᾶλλον, ἀλλ᾽ ἐν ᾧ ἡ δόξα αὐτῶν παρὰ τῷ ἐντυχόντι αἰεὶ καὶ λόγου καὶ ἔργου καιρῷ αἰείμνηστος καταλείπεται.

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Thuk. 2.41, 2.43.1-2 – Übersetzung:

[1] In short, I say that as a city we are the school of Hellas; while I doubt if the world can produce a man, who where he has only himself to depend upon, is equal to so many emergencies, and graced by so happy a versatility as the Athenian. [2] And that this is no mere boast thrown out for the occasion, but plain matter of fact, the power of the state acquired by these habits proves. [3] For Athens alone of her contemporaries is found when tested to be greater than her reputation, and alone gives no occasion to her assailants to blush at the antagonist by whom they have been worsted, or to her subjects to question her title by merit to rule. [4] Rather, the admiration of the present and succeeding ages will be ours, since we have not left our power without witness, but have shown it by mighty proofs; and far from needing a Homer for our panegyrist, or other of his craft whose verses might charm for the moment only for the impression which they gave to melt at the touch of fact, we have forced every sea and land to be the highway of our daring, and everywhere, whether for evil or for good, have left imperishable monuments behind us. [5] Such is the Athens for which these men, in the assertion of their resolve not to lose her, nobly fought and died; and well may well every one of their survivors be ready to suffer in her cause. […] [1] So died these men as became Athenians. You, their survivors, must determine to have as unaltering a resolution in the field, though you may pray that it may have a happier issue. And not contented with ideas derived only from words of the advantages which are bound up with the defence of your country, though these would furnish a valuable text to a speaker even before an audience so alive to them as the present, you must yourselves realize the power of Athens, and feed your eyes upon her from day to day, till love of her fills your hearts; and then when all her greatness shall break upon you, you must reflect that it was by courage, sense of duty, and a keen feeling of honor in action that men were enabled to win all this, and that no personal failure in an enterprise could make them consent to deprive their country of their valor, but they laid it at her feet as the most glorious contribution that they could offer. [2] For this offering of their lives made in common by them all they each of them individually received that renown which never grows old, and for a sepulchre, not so much that in which their bones have been deposited, but that noblest of shrines wherein their glory is laid up to be eternally remembered upon every occasion on which deed or story shall fall for its commemoration.

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Thuk. 2.41, 2.43.1-2

Leitfragen:

1) Welche Gründe nennt Perikles für die Vorbildfunktion der Polis Athen?

2) Wie versucht Perikles seine Zuhörer für den andauernden Krieg gegen Sparta zu motivieren?

3) Bewerten Sie das Bild von Athen, welches Perikles nach Thukydides zeichnet.

Kommentar:

Bei der Quellenpassage handelt es sich um einen Ausschnitt aus der Gefallenenrede des Perikles im Jahre 431/430 – gehalten nach dem ersten Jahr des Peloponnesischen Kriegs. Derartige Reden wurden in Athen anlässlich der Bestattung der Kriegstoten jährlich abgehalten, wobei ein prominenter Sprecher die Leichenrede (epitaphios logos) vor den zahlreich anwesenden Athenern hielt. Perikles war im Athen der Zeit der führende Politiker und blieb dies bis zu seinem Tod 429. Thukydides gibt diese Rede nun wieder, wobei sie sicherlich nicht wortwörtlich mit der wirklichen Rede des Perikles übereinstimmt – nichtsdestoweniger wird der Geschichtsschreiber keine großen Änderungen vorgenommen haben, zumal er und seine Leser bei dem Vortrag zugegen waren. Perikles soll Athen nun die „Schule von Hellas“ genannt und einige Argumente für diese Vorbildfunktion der Polis angegeben haben. So sei sie die einzige Stadt, deren Feinde sich nicht schämen würden, von ihr besiegt zu werden. Auch ihre Untertanen (zu denken ist hier wohl an die tributpflichtigen Bundesgenossen Athens), würden sich durch den gerechtfertigten Herrschaftsanspruch mit ihrer Rolle zufrieden geben. Die derzeitige Machtstellung Athens sei zudem deutlich von jedem erkennbar und oftmals bezeugt – Denkmäler für ihre Siege und Taten gebe es genug und so seien Lobeshymnen von Dichtern dafür nicht nötig.

Perikles richtet sich mit seinen Worten an die versammelten Athener, um sie für den andauernden Krieg gegen die Spartaner und deren Bündner einzustimmen. Sie sollen die im ersten Kriegsjahr Gefallenen Athener ehren und sich an ihrem Mut und ihrer Opferbereitschaft ein Beispiel nehmen. Ziel könne es für die Athener zukünftig nur sein, siegreich aus den folgenden Kämpfen hervorzugehen. Dass sie die Verteidigung ihrer Heimat und ihrer Familie damit bewirken und sie dies als Motivation betrachten sollen, hält Perikles für selbstverständlich. Er betont darüber hinaus, dass die Größe und der Ruhm Athens, wie er ihn zuvor darstellte, selbst Anreiz für die Kämpfer sein sollte. Nach Perikles sei den Athenern der Rückblick auf die Taten der Vorfahren sowie ihre politischen, gesellschaftlichen und militärischen Errungenschaften und nicht zuletzt das größte Opfer, welches die Kriegsgefallenen erbrachten, der beste Ansporn.

Das Bild Athens, welches der Geschichtsschreiber Thukydides den Staatsmann Perikles in der Quellenpassage zeichnen lässt, ist in vielerlei Hinsicht aufschlussreich. Zum einen wird deutlich, wie stolz die Athener der Zeit auf ihre Polis waren – und dies nicht zu Unrecht: Der Einfluss Athens in der griechischen Staatenwelt ist zu dieser Zeit unübertroffen. Sowohl in politischen als z.B. auch in philosophischen Belangen war Athen Vorreiter, und nicht zuletzt bewundern auch noch heutzutage viele Menschen die prachtvollen und monumentalen Bauten in Athen, die zu Perikles‘ Zeit errichtet wurden. Dass sich Perikles‘ Zeitgenossen den Ruhm der Stadt zu Herzen nehmen sollten, ist nachzuvollziehen und auch, dass dieser Ruf sicherlich als Motivation in dem noch mehrere Jahrzehnte langen Kampf mit Sparta diente, erscheint plausibel. Nichtsdestoweniger ist zu betonen, dass Perikles an der einen oder anderen Stelle die Taten und den Einfluss der Athener beschönigt. So ist z. B. anzuführen, wie hart und mit wie viel Zwang die Athener mit ihren Bundesgenossen umgingen und diese sich keineswegs immer mit ihrer unterwürfigen Stellung zufrieden gaben – inbs. nicht in den folgenden weniger erfolgreichen Kriegsjahren. Auch die Einordnung der Gefallenenrede im Gesamtwerk von Thukydides ist interessant, wenn er ihr nur kurz darauf die Beschreibung der verheerenden Seuche in Athen folgen lässt, die den von Perikles noch so hochgelobten Zusammenhalt und die Überlegenheit der athenischen Bürger auf eine harte Probe stellen wird; zumal auch Perikles durch diese Krankheit später den Tod finden würde. Es erscheint fast so, als ob Thukydides mit der Rede den Nimbus Athens noch einmal hochhalten wollte, bevor die Wirren und Gräuel des Peloponnesischen Krieges auch diesen Glanz verblassen ließen.

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