Liturgie

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Thukydides
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Thuk. 6,16,3 – Original:

‘καὶ προσήκει μοι μᾶλλον ἑτέρων, ὦ Ἀθηναῖοι, ἄρχειν (ἀνάγκη γὰρ ἐντεῦθεν ἄρξασθαι,ἐπειδή μου Νικίας καθήψατο), καὶ ἄξιος ἅμα νομίζω εἶναι. Ὧν γὰρ πέρι ἐπιβόητός εἰμι,τοῖς μὲν προγόνοις μου καὶ ἐμοὶ δόξαν φέρει ταῦτα,τῇ δὲ πατρίδι καὶ ὠφελίαν. [2] οἱ γὰρ Ἕλληνες καὶ ὑπὲρ δύναμιν μείζω ἡμῶν τὴν πόλιν ἐνόμισαν τῷ ἐμῷ διαπρεπεῖ τῆς Ὀλυμπίαζε θεωρίας, πρότερον ἐλπίζοντες αὐτὴν καταπεπολεμῆσθαι, διότι ἅρματαμὲν ἑπτὰ καθῆκα, ὅσα οὐδείς πω ἰδιώτης πρότερον, ἐνίκησα δὲ καὶ δεύτερος καὶ τέταρτος ἐγενόμην καὶ τἆλλα ἀξίως τῆς νίκης παρεσκευασάμην. Νόμῳ μὲν γὰρ τιμὴ τὰ τοιαῦτα, ἐκδὲ τοῦ δρωμένου καὶ δύναμις ἅμα ὑπονοεῖται. [3] καὶ ὅσα αὖ ἐν τῇ πόλει χορηγίαις ἢ ἄλλῳ τῳ λαμπρύνομαι, τοῖς μὲν ἀστοῖς φθονεῖται φύσει, πρὸς δὲ τοὺς ξένους καὶ αὕτη ἰσχὺς φαίνεται. Καὶ οὐκ ἄχρηστος ἥδ᾽ ἡ ἄνοια, ὃς ἂντοῖς ἰδίοις τέλεσι μὴ ἑαυτὸν μόνον ἀλλὰ καὶ τὴν πόλιν ὠφελῇ. [4] οὐδέ γε ἄδικον ἐφ᾽ ἑαυτῷ μέγα φρονοῦντα μὴ ἴσον εἶναι, ἐπεὶ καὶ ὁ κακῶς πράσσωνπρὸς οὐδένα τῆς ξυμφορᾶς ἰσομοιρεῖ: ἀλλ᾽ ὥσπερ δυστυχοῦντες οὐ προσαγορευόμεθα, ἐντῷ ὁμοίῳ τις ἀνεχέσθω καὶ ὑπὸ τῶν εὐπραγούντων ὑπερφρονούμενος, ἢ τὰ ἴσα νέμων τὰ ὁμοῖα ἀνταξιούτω. [5] οἶδα δὲ τοὺς τοιούτους, καὶ ὅσοι ἔν τινος λαμπρότητι προέσχον, ἐν μὲν τῷ καθ᾽ αὑτοὺς βίῳ λυπηροὺς ὄντας, τοῖς ὁμοίοις μὲν μάλιστα, ἔπειτα δὲ καὶ τοῖς ἄλλοις ξυνόντας, τῶν δὲ ἔπειτα ἀνθρώπων προσποίησίν τε ξυγγενείας τισὶ καὶ μὴ οὖσαν καταλιπόντας, καὶ ἧς ἂν ὦσι πατρίδος, ταύτῃ αὔχησιν ὡς οὐ περὶ ἀλλοτρίων οὐδ᾽ ἁμαρτόντων, ἀλλ᾽ ὡς περὶ σφετέρων τε καὶ καλὰ πραξάντων. [6] ὧν ἐγὼ ὀρεγόμενος καὶ διὰ ταῦτα τὰ ἴδια ἐπιβοώμενος τὰ δημόσια σκοπεῖτε εἴ του χεῖρον μεταχειρίζω. Πελοποννήσου γὰρ τὰ δυνατώτατα ξυστήσας ἄνευ μεγάλου ὑμῖν κινδύνου καὶ δαπάνης Λακεδαιμονίους ἐς μίαν ἡμέραν κατέστησα ἐν Μαντινείᾳ περὶ τῶν ἁπάντων ἀγωνίσασθαι: ἐξ οὗ καὶ περιγενόμενοι τῇ μάχῃ οὐδέπω καὶ νῦν βεβαίως θαρσοῦσιν.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Übersetzung: E.C. Marchant
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Übersetzung

‘Athenians, I have a better right to command than others—I must begin with this as Nicias has attacked me—and at the same time I believe myself to be worthy of it.The things for which I am abused, bring fame to my ancestors and to myself, and to the country profit besides.[2] The Hellenes, after expecting to see our city ruined by the war, concluded it to be even greater than it really is, by reason of the magnificence with which I represented it at the Olympic games, when I sent into the lists seven chariots, a number never before entered by any private person, and won the first prize, and was second and fourth, and took care to have everything else in a style worthy of my victory. Custom regards such displays as honourable, and they cannot be made without leaving behind them an impression of power. [3] Again, any splendour that I may have exhibited at home in providing choruses or otherwise, is naturally envied by my fellow-citizens, but in the eyes of foreigners has an air of strength as in the other instance. And this is no useless folly, when a man at his own private cost benefits not himself only, but his city:[4] nor is it unfair that he who prides himself on his position should refuse to be upon an equality with the rest. He who is badly off has his misfortunes all to himself, and as we do not see men courted in adversity, on the like principle a man ought to accept the insolence of prosperity; or else, let him first mete out equal measure to all, and then demand to have it meted out to him. [5] What I know is that persons of this kind and all others that have attained to any distinction, although they may be unpopular in their lifetime in their relations with their fellow-men and especially with their equals, leave to posterity the desire of claiming connection with them even without any ground, and are vaunted by the country to which they belonged, not as strangers or ill-doers, but as fellow-countrymen and heroes.[6] Such are my aspirations, and however I am abused for them in private, the question is whether any one manages public affairs better than I do. Having united the most powerful states of Peloponnese, without great danger or expense to you, I compelled the Lacedaemonians to stake their all upon the issue of a single day atMantinea; and although victorious in the battle, they have never since fully recovered confidence.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Tobias Nowizki
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Thuk. 6,16,3

Leitfragen:

1) Welche Leistungen seinerseits für die Polis Athen führt Alkibiades in seiner Rede an?

2) Warum führt er gerade diese Leistungen an?

3) Welche Rückschlüsse lassen sich aus dieser Rede auf das in den Liturgien organisierte „Wohltätigkeitswesen“ der athenischen Oberschicht ziehen?

Kommentar:

Die vorliegende Rede des Alkibiades gegen Nikias wird uns von Thukydides überliefert. Es handelt sich hierbei wahrscheinlich nicht um den tatsächlichen Wortlaut der Rede; in der antiken Geschichtsschreibung war es üblich, Reden selbst zu ergänzen, jedoch in einer Art und Weise, die nachvollziehbar und stringent war. Und da Thukydides durch seine hervorragende Beobachtungsgabe an vielen Punkten besticht, kann man dem generellen Duktus der Rede durchaus folgen.

Alkibiades zählt hier eine Reihe von gemeinnützigen Tätigkeiten für die Polis Athen auf. Zuerst einmal erwähnt er, dass er mehrere Gespanne bei den Olympischen Spielen eingebracht hat, so viele wie niemand zuvor. Interessant ist, dass er die Siege für sich beanspruchte, obwohl er nicht selbst die Wagen lenkte: Der Sponsor war mindestens ebenso wichtig wie der Sportler selbst, eine Praxis, die heute noch ähnlich zu finden ist, man denke nur an die mit Werbung überzogenen Rennwagen bei Autorennen. Des Weiteren gibt Alkibiades an, Chöre für die Heimatstadt gestiftet zu haben. Diese Liturgie, die Choregie, gehörte zu den beiden wichtigsten Liturgien Athens. Wohlhabende Bürger finanzierten die Ausbildung und Ausstattung eines Chores für eines der tragischen oder komischen Stücke, die während der Dichterwettbewerbe an den Dionysien oder den Lenäen, großen attischen Festen, aufgeführt wurden. Je pompöser man diesen Chor ausstaffierte, nicht nur in Bezug auf die Stimmen, sondern auch auf die Kostüme und das Bühnenbild, desto größer der Ruhm, den der Chorege damit erwarb – darauf weist auch Alkibiades in seiner Rede hin. Die andere große Liturgie, die er hier nicht namentlich erwähnt, war die Trierarchie, die im langen Peloponnesischen Krieg besonders wichtig war: Sie beinhaltete die Ausstattung und Bemannung einer Triere auf Kosten des Privatmannes, eine Art Militärsteuer für die Oberschicht. Da Athens Macht auf seiner Flotte beruhte, ist es verständlich, dass diese Liturgie zu den wichtigsten und prestigeträchtigsten zählte. Bei der Choregie war es ähnlich, denn die Athener legten immensen Wert auf ihre Theater; sie bezahlten den Bürgern sogar Diäten für den Besuch des Theaters, damit auch diejenigen, die sich einen Verdienstausfall nicht leisten konnten, wie Tagelöhner oder Kleinbauern, an den Aufführungen teilhaben konnten. Alle diese Liturgien, sei es das Stellen eines Chores, die Ausrüstung einer Triere oder auch die Entsendung eines Rennwagengespannes zu den Olympischen Spielen, waren mit enormen Kosten für die Oberschicht verbunden. Insbesondere die Trierarchie wurde mit der Zeit zu teuer, sodass man eine gemeinsame Trierarchie einführen musste.

Wurde man als Trierarch oder Chorege ausgewählt, so war man dazu verpflichtet, es sei denn, man konnte eine Person benennen, die reicher als man selbst war; in dem Fall wurde diese Person zur Liturgie verpflichtet. Um Betrug zu vermeiden, gab es das System der Antidosis: Der zuerst Veranlagte bot dem anderen an, entweder seinen größeren Reichtum zuzugeben und die Liturgie zu übernehmen, oder auf seinem geringeren Reichtum zu beharren und mit dem ersten Mann das Vermögen zu tauschen.

Bedeutsam ist, dass die Oberschicht, wie an Alkibiades‘ Rede deutlich wird, großen Wert auf diese Liturgien legte und einen enormen Stolz darauf entwickelte. Dies ist insbesondere bemerkenswert, da die Mitglieder der politisch aktiven Oberschicht immer auch Gefahr liefen, beim Volk in Ungnade zu fallen und entweder exiliert oder getötet zu werden. Einen Erklärungsversuch für diesen Widerspruch fand man in der extrem kompetitiven Haltung der athenischen Eliten.

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Podcast-Hinweise
Sehen Sie zu dieser Quelle auch den Podcast „Die athenische Demokratie“. Um einen breiteren Einblick in die griechische Klassik  zu erhalten, sehen Sie auch die Podcastreihe „Griechische Geschichte II – Klassik“.
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Siehe zum Verhältnis des Athenischen Volkes zu seinen Amtsträgern auch den Ostrakismos des Themistokles (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/ostrakismus-des-themistokles/), zu Reden vor der Ekklesia auch die des Kleon (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/kleons-rede-vor-der-ekklesia/).

Kleroterion / Losmaschine von der Agora in Athen

Link zum Objekt

 

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Tobias Nowitzki
Lizenz: CC-BY-NC-SA

 

Kleroterion/Losmaschine von der Agora in Athen

Leitfragen:

1) Welchen Zweck erfüllt die hier abgebildete Maschine?

2)Welchen Vorteil sahen die Athener darin, ihre Richter auszulosen?

3) Welche Rückschlüsse kann man aus dieser Tatsache auf die Situation des athenischen Rechtssystems ziehen?

Kommentar:

Das hier abgebildete Objekt ist eine Losmaschine von der Agora in Athen. Sie diente dazu, die Richter für Prozesse am jeweiligen Prozesstag auszulosen. Jeder Richter besaß ein Täfelchen, pinakion, das in eine der Öffnungen gesteckt wurde. Ein komplexes System warf dann jeweils eine der Tafeln aus und ordnete so die Richter zu ihren Prozessen zu. Jeder der 6000 zuvor bestimmten potentiellen Richter konnte sich morgens anstellen, um an dem Tag Richter zu sein, am Ende des Tages gab es dafür ein Entgelt, denn die meisten Athener waren angewiesen darauf, jeden Tag für ihr Essen zu arbeiten.

Die Vorteile, die die Athener in diesem System sahen, liegen auf der Hand. Erstens sollte so verhindert werden, dass parteiische Richter in den Prozessen saßen, die beispielsweise verwandt oder befreundet mit einer der Prozessparteien waren. Zweitens sollte Bestechung verhindert werden, denn wenn man erst am Morgen des Prozesstages erfuhr, wer die Richter sein würden, würde es weit schwieriger sein, sie zu bestechen. Drittens sollte so gewährleistet werden, dass die Richter ein möglichst gutes Abbild der athenischen Bürgerschaft darstellten, was durch den Zufall auch funktionierte. All diese Vorteile müssen für die Athener die Nachteile überwogen haben: Es gab keine spezialisierten Richter; in jedem Fall urteilten Laien; an jedem Tag konnte die Rechtsprechung anders sein. Wen ein Richtergremium verurteilte, den hätte ein anderes womöglich freigesprochen. Außerdem hatten die Richter auf diese Weise keinerlei Zeit, sich vorzubereiten, sie mussten die „Wahrheit“ über das Geschehen den sehr parteiischen Reden von Anklage und Verteidigung entnehmen.

Die Rückschlüsse aus dieser Vorgehensweise sind nicht sehr schmeichelhaft für das athenische Rechtssystem. Denn eine Losmaschine wie diese mit dem entsprechend komplizierten Prozedere dahinter war nur dann notwendig, wenn die Bestechung vorher überhandgenommen hatte und alle anderen Maßnahmen dagegen nicht genug Wirkung zeigten.

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Podcast-Hinweise
Sehen Sie zu dieser Quelle auch den Podcast „Die athenische Demokratie“. Um einen breiteren Einblick in die griechische Klassik  zu erhalten, sehen Sie auch die Podcastreihe „Griechische Geschichte II – Klassik“.
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Vergleiche zum athenischen Rechtssystem auch die Lysiasrede (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/lysiasrede/) und den Bericht Plutarchs zu Solons Popularklage (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/solons-popularklage/). Vergleiche zur Zufälligkeit der Entscheidungen Athens auch den Ostrakismos des Themistokles (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/ostrakismus-des-themistokles/).

Ostrakismos des Themistokles

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Autor_in: Plutarch
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Plut. Them. 22,4 – Original:

ἤδη δὲ καὶ τῶν πολιτῶν διὰ τὸ φθονεῖν ἡδέως τὰς διαβολὰς προσιεμένων ἠναγκάζετο λυπηρὸς εἶναι τῶν αὑτοῦ πράξεων πολλάκις ἐν τῷ δήμῳ μνημονεύων: καὶ πρὸς τοὺς δυσχεραίνοντας ‘τί κοπιᾶτε,’ εἶπεν, ‘ὑπὸ τῶν αὐτῶν πολλάκις εὖ πάσχοντες;’ ἠνίασε δὲτοὺς πολλοὺς καὶ τὸ τῆς Ἀρτέμιδος ἱερὸν εἱσάμενος, ἣν Ἀριστοβούλην μὲν προσηγόρευσεν, ὡς ἄριστα τῇ πόλει καὶ τοῖς Ἕλλησι βουλευσάμενος, [2] πλησίον δὲ τῆς οἰκίας κατεσκεύασεν ἐν Μελίτῃ τὸ ἱερὸν, οὗ νῦν τὰ σώματα τῶν θανατουμένων οἱ δήμιοι προβάλλουσι καὶ τὰ ἱμάτια καὶ τοὺς βρόχους τῶν ἀπαγχομένων καὶ καθαιρεθέντων ἐκφέρουσιν. Ἔκειτο δὲ καὶ τοῦ Θεμιστοκλέους εἰκόνιον ἐν τῷ ναῷ τῆς Ἀριστοβούλης ἔτι καθ᾽ ἡμᾶς: καὶ φαίνεταί τις οὐ τὴν ψυχὴν μόνον, ἀλλὰ καὶ τὴν ὄψιν ἡρωϊκὸς γενόμενος. [3] τὸν μὲν οὖν ἐξοστρακισμὸν ἐποιήσαντο κατ᾽ αὐτοῦ κολούοντες τὸ ἀξίωμα καὶ τὴν ὑπεροχήν, ὥσπερ εἰώθεσαν ἐπὶ πάντων, οὓς ᾤοντο τῇ δυνάμει βαρεῖς καὶ πρὸς ἰσότητα δημοκρατικὴν ἀσυμμέτρους εἶναι. Κόλασις γὰρ οὐκ ἦν ὁ ἐξοστρακισμός, ἀλλὰ παραμυθία φθόνου καὶ κουφισμὸς ἡδομένου τῷ ταπεινοῦν τοὺς ὑπερέχοντας καὶ τὴν δυσμένειαν εἰς ταύτην τὴν ἀτιμίαν ἀποπνέοντος.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Übersetzung: Bernadotte Perrin
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Übersetzung

And at last, when even his fellow-citizens were led by their jealousy of his greatness to welcome such slanders against him, he was forced to allude to his own achievements when he addressed the Assembly, till he became tiresome thereby, and he once said to the malcontents: ‘Why are ye vexed that the same men should often benefit you?’ He offended the multitude also by building the temple of Artemis, whom he surnamed Aristoboule, or Best Counsellor, intimating thus that it was he who had given the best counsel to the city and to the Hellenes. [2] This temple he established near his house in Melite, where now the public officers cast out the bodies of those who have been put to death, and carry forth the garments and the nooses of those who have dispatched themselves by hanging. A portrait-statue of Themistocles stood in this temple of Aristoboule down to my time, from which he appears to have been a man not only of heroic spirit, but also of heroic presence. [3] Well then, they visited him with ostracism, curtailing his dignity and pre-eminence, as they were wont to do in the case of all whom they thought to have oppressive power, and to be incommensurate with true democratic equality. For ostracism was not a penalty, but a way of pacifying and alleviating that jealousy which delights to humble the eminent, breathing out its malice into this disfranchisement.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Autor_in: Tobias Nowitzki
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Plut. Them. 22,4

Leitfragen:

1) Was sind die Gründe für die Ostrakisierung des Themistokles?

2) Was lässt sich über die Haltung der Athener zu ihren führenden Männern sagen, wenn man Themistokles‘ Leistungen mit einbezieht?

3) Welche Folgen hat diese Haltung für Athen?

Kommentar:

Plutarch gibt uns hier Auskunft über einen Vorfall, der zur Abfassungszeit seines Werkes schon etwa 600 Jahre vergangen war – allerdings sind wir auch durch andere Quellen darüber informiert, dass sich diese Ereignisse zugetragen haben. Da Plutarch seine Vergleichsbiographien berühmter griechischer und römischer Persönlichkeiten (in diesem Fall des Themistokles) auch zu erzieherischen Zwecken schrieb, müssen wir bei dieser Quelle besonders auf die Wertungen achten, die der Autor hat einfließen lassen.

Aber zuerst ein Blick auf die Fakten, die Plutarch uns berichtet. Themistokles, der berühmte Stratege aus der Zeit der Perserkriege, hatte mit seiner Flottenstrategie 480 v. Chr. maßgeblich dazu beigetragen, Athen vor der persischen Armee zu retten (Schlacht von Salamis 480 v. Chr.). Sein Fokus auf die Flotte als Macht und „hölzerne Mauern“ von Athen legte gleichzeitig einen der Grundsteine für Athens Großmachtstellung im späteren fünften Jahrhundert. Ungefähr zehn Jahre später, das genaue Jahr ist nicht gesichert, wurde er mittels eines Ostrakismos aus Athen verbannt. Ein Ostrakismos oder Scherbengericht (ostrakon=Tonscherbe), war eine Besonderheit Athens. Die Volksversammlung konnte beschließen, einmal im Jahr eine solche Abstimmung abzuhalten. Bei der Abstimmung schrieb jeder Bürger einen Namen auf eine Tonscherbe, den Namen eines Mannes, den er verbannt sehen wollte. Wer am Ende der Zählung die meisten Nennungen hatte, musste die Stadt für zehn Jahre verlassen. Da theoretisch jeder Bürger benannt werden konnte, war es schwer vorherzusehen, wen ein Ostrakismos treffen würde; als politisches Mittel für die führenden Männer war er daher immer gefährlich. So traf es um 415 Hyperbolos, der den Ostrakismos eigentlich einberufen hatte, um einen seiner Widersacher loszuwerden.

Gemessen an der damaligen Lebenserwartung war eine Verbannung auf zehn Jahre eine harte Strafe. Ursprünglich gedacht war sie wohl dazu, die Politiker loszuwerden, die Ambitionen zeigten, die für die Demokratie gefährlich werden konnten. Doch nicht immer traf es Oligarchen oder potentielle Tyrannen – bei Themistokles sind sich die Forscher bis heute nicht über die Gründe seiner Verbannung einig geworden. Plutarch liefert uns jedoch einen anderen Grund: Neid und Missgunst. Wer den Unwillen der Masse auf sich geladen hatte, wie im Fall des Themistokles durch zu offene Zurschaustellung der eigenen Stellung und des Reichtums, der musste damit rechnen, verbannt zu werden. Es war dabei nicht nur so, dass es auch diejenigen treffen konnte, die der Gemeinschaft gute Dienste geleistet hatten, diese Personen traf es sogar besonders häufig. Denn die Athener misstrauten erfolgreichen Generälen und Admirälen sehr, schließlich wurden sie durch ihren Ruhm zu sehr aus der Masse herausgehoben, was für die Demokratie gefährlich werden konnte. So sieht Plutarch den Ostrakismos auch: nicht als Strafe, sondern als Ventil für soziale Spannungen.

Es stellt sich jedoch die Frage, weshalb sich überhaupt noch Athener bereitfanden, Ämter und Verantwortung zu übernehmen. Machte man seine Sache schlecht, dann konnte einen der Zorn des Volkes treffen, selbst wenn es unverschuldet passiert war, wie im Fall der Admiräle, die nach dem Sieg bei den Arginusen hingerichtet wurden, weil sie in einem Sturm Seeleute nicht hatten retten können. Zu gut durfte man seine Sache aber ebenfalls nicht machen. Themistokles rettete die Stadt vor dem Untergang und nicht einmal zehn Jahre später war er im Exil.

Ironischerweise fand Themistokles gerade bei Athens Feinden Zuflucht: den Persern, die er zuvor besiegt hatte. In deren Diensten starb er schließlich auch. Das gespaltene Verhältnis der Athener zu ihren eigenen Anführern ist ein besonders intensiv erforschtes und diskutiertes Thema. 

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Podcast-Hinweise
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Zur Problematik der Unberechenbarkeit von Entscheidungen des Volkes siehe auch das mytilenische Psephisma (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/mytilene/). Zu den Leistungen des Themistokles siehe auch das Themistoklesdekret (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/troizeninschrift/).

Lysiasrede

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Autor_in: Lysias
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Lysias 1, 1-4, 28-33-Original:

[1] περὶ πολλοῦ ἂν ποιησαίμην, ὦ ἄνδρες, τὸ τοιούτους ὑμᾶς ἐμοὶ δικαστὰς περὶ τούτου τοῦ πράγματος γενέσθαι, οἷοίπερ ἂν ὑμῖν αὐτοῖς εἴητε τοιαῦτα πεπονθότες: εὖ γὰρ οἶδ᾽ ὅτι, εἰ τὴν αὐτὴν γνώμην περὶ τῶν ἄλλων ἔχοιτε, ἥνπερ περὶ ὑμῶν αὐτῶν, οὐκ ἂν εἴη: ὅστις οὐκ ἐπὶ τοῖς γεγενημένοις ἀγανακτοίη, ἀλλὰ πάντες ἂν περὶ τῶν τὰ τοιαῦτα ἐπιτηδευόντων τὰς ζημίας μικρὰς ἡγοῖσθε. [2] καὶ ταῦτα οὐκ ἂν εἴη μόνον παρ᾽ ὑμῖν οὕτως ἐγνωσμένα, ἀλλ᾽ ἐν ἁπάσῃ τῇ Ἑλλάδι: περὶ τούτου γὰρ μόνου τοῦ ἀδικήματος καὶ ἐν δημοκρατίᾳ καὶ ὀλιγαρχίᾳ ἡ αὐτὴ τιμωρία τοῖς ἀσθενεστάτοις πρὸς τοὺς τὰ μέγιστα δυναμένους ἀποδέδοται, ὥστε τὸν χείριστον τῶν αὐτῶν τυγχάνειν τῷ βελτίστῳ: οὕτως, ὦ ἄνδρες, ταύτην τὴν ὕβριν ἅπαντες ἄνθρωποι δεινοτάτην ἡγοῦνται. [3] περὶ μὲν οὖν τοῦ μεγέθους τῆς ζημίας ἅπαντας ὑμᾶς νομίζω τὴν αὐτὴν διάνοιαν ἔχειν, καὶ οὐδένα οὕτως ὀλιγώρως διακεῖσθαι, ὅστις οἴεται δεῖν συγγνώμης τυγχάνειν ἢ μικρᾶς ζημίας ἀξίους ἡγεῖται τοὺς τῶν τοιούτων ἔργων αἰτίους: ἡγοῦμαι δέ, [4] ὦ ἄνδρες, τοῦτό με δεῖν ἐπιδεῖξαι, ὡς ἐμοίχευεν Ἐρατοσθένης τὴν γυναῖκα τὴν ἐμὴν καὶ ἐκείνην τε διέφθειρε καὶ τοὺς παῖδας τοὺς ἐμοὺς ᾔσχυνε καὶ ἐμὲ αὐτὸν ὕβρισεν εἰς τὴν οἰκίαν τὴν ἐμὴν εἰσιών, καὶ οὔτε ἔχθρα ἐμοὶ καὶ ἐκείνῳ οὐδεμία ἦν πλὴν ταύτης, οὔτε χρημάτων ἕνεκα ἔπραξα ταῦτα, ἵνα πλούσιος ἐκ πένητος γένωμαι, οὔτε ἄλλου κέρδους οὐδενὸς πλὴν τῆς κατὰ τοὺς νόμους τιμωρίας.
[…] [28] ἀλλ᾽, ὦ ἄνδρες, οἶμαι καὶ ὑμᾶς εἰδέναι ὅτι οἱ μὴ τὰ δίκαια πράττοντες οὐχ ὁμολογοῦσι τοὺς ἐχθροὺς λέγειν ἀληθῆ, ἀλλ᾽ αὐτοὶ ψευδόμενοι καὶ τὰ τοιαῦτα μηχανώμενοι ὀργὰς τοῖς ἀκούουσι κατὰ τῶν τὰ δίκαια πραττόντων παρασκευάζουσι. πρῶτον μὲν οὖν ἀνάγνωθι τὸν νόμον.“Νόμος” [29] οὐκ ἠμφεσβήτει, ὦ ἄνδρες, ἀλλ᾽ ὡμολόγει ἀδικεῖν, καὶ ὅπως μὲν μὴ ἀποθάνῃ ἠντεβόλει καὶ ἱκέτευεν, ἀποτίνειν δ᾽ ἕτοιμος ἦν χρήματα. ἐγὼ δὲ τῷ μὲν ἐκείνου τιμήματι οὐ συνεχώρουν, τὸν δὲ τῆς πόλεως νόμον ἠξίουν εἶναι κυριώτερον, καὶ ταύτην ἔλαβον τὴν δίκην, ἣν ὑμεῖς δικαιοτάτην εἶναι ἡγησάμενοι τοῖς τὰ τοιαῦτα ἐπιτηδεύουσιν ἐτάξατε. καί μοι ἀνάβητε τούτων μάρτυρες.“Μάρτυρες” [30] ἀνάγνωθι δέ μοι καὶ τοῦτον τὸν νόμον τὸν ἐκ τῆς στήλης τῆς ἐξ Ἀρείου πάγου.“Νόμος” ἀκούετε, ὦ ἄνδρες, ὅτι αὐτῷ τῷ δικαστηρίῳ τῷ ἐξ Ἀρείου πάγου, ᾧ καὶ πάτριόν ἐστι καὶ ἐφ᾽ ἡμῶν ἀποδέδοται τοῦ φόνου τὰς δίκας δικάζειν, διαρρήδην εἴρηται τούτου μὴ καταγιγνώσκειν φόνον, ὃς ἂν ἐπὶ δάμαρτι τῇ ἑαυτοῦ μοιχὸν λαβὼν ταύτην τὴν τιμωρίαν ποιήσηται.
[31] καὶ οὕτω σφόδρα ὁ νομοθέτης ἐπὶ ταῖς γαμεταῖς γυναιξὶ δίκαια ταῦτα ἡγήσατο εἶναι, ὥστε καὶ ἐπὶ ταῖς παλλακαῖς ταῖς ἐλάττονος ἀξίαις τὴν αὐτὴν δίκην ἐπέθηκε. καίτοι δῆλον ὅτι, εἴ τινα εἶχε ταύτης μείζω τιμωρίαν ἐπὶ ταῖς γαμεταῖς, ἐποίησεν ἄν. νῦν δὲ οὐχ οἷός τε ὢν ταύτης ἰσχυροτέραν ἐπ᾽ ἐκείναις ἐξευρεῖν, τὴν αὐτὴν καὶ ἐπὶ ταῖς παλλακαῖς ἠξίωσε γίγνεσθαι. ἀνάγνωθι δέ μοι καὶ τοῦτον τὸν νόμον.“Νόμος” [32] ἀκούετε, ἄνδρες, ὅτι κελεύει, ἐάν τις ἄνθρωπον ἐλεύθερον ἢ παῖδα αἰσχύνῃ βίᾳ, διπλῆν τὴν βλάβην ὀφείλειν: ἐὰν δὲ γυναῖκα, ἐφ᾽ αἷσπερ ἀποκτείνειν ἔξεστιν, ἐν τοῖς αὐτοῖς ἐνέχεσθαι: οὕτως, ὦ ἄνδρες, τοὺς βιαζομένους ἐλάττονος ζημίας ἀξίους ἡγήσατο εἶναι ἢ τοὺς πείθοντας: τῶν μὲν γὰρ θάνατον κατέγνω, τοῖς δὲ διπλῆν ἐποίησε τὴν βλάβην, ἡγούμενος τοὺς μὲν διαπραττομένους βίᾳ ὑπὸ τῶν βιασθέντων μισεῖσθαι, [33] τοὺς δὲ πείσαντας οὕτως αὐτῶν τὰς ψυχὰς διαφθείρειν, ὥστ᾽ οἰκειοτέρας αὑτοῖς ποιεῖν τὰς ἀλλοτρίας γυναῖκας ἢ τοῖς ἀνδράσι, καὶ πᾶσαν ἐπ᾽ ἐκείνοις τὴν οἰκίαν γεγονέναι, καὶ τοὺς παῖδας ἀδήλους εἶναι ὁποτέρων τυγχάνουσιν ὄντες, τῶν ἀνδρῶν ἢ τῶν μοιχῶν. ἀνθ᾽ ὧν ὁ τὸν νόμον τιθεὶς θάνατον αὐτοῖς ἐποίησε τὴν ζημίαν.
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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Übersetzung: W.R.M. Lamb
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Übersetzung

[1] I should be only too pleased, sirs, to have you so disposed towards me in judging this case as you would be to yourselves, if you found yourselves in my plight. For I am sure that, if you had the same feelings about others as about yourselves, not one of you but would be indignant at what has been done; you would all regard the penalties appointed for those who resort to such practices as too mild. [2] And these feelings would be found, not only among you, but in the whole of Greece: for in the case of this crime alone, under both democracy and oligarchy, the same requital is accorded to the weakest against the strongest, so that the lowest gets the same treatment as the highest.1 Thus you see, sirs, how all men abominate this outrage. [3] Well, I conceive that, in regard to the severity of the penalty, you are all of the same mind, and that not one of you is so easygoing as to think it right that men who are guilty of such acts should obtain pardon, or to presume that slight penalties suffice for their deserts. [4] But I take it, sirs, that what I have to show is that Eratosthenes had an intrigue with my wife, and not only corrupted her but inflicted disgrace upon my children and an outrage on myself by entering my house; that this was the one and only enmity between him and me; that I have not acted thus for the sake of money, so as to raise myself from poverty to wealth; and that all I seek to gain is the requital accorded by our laws. […] [28] But, sirs, I think you know as well as I that those whose acts are against justice do not acknowledge that their enemies speak the truth, but lie themselves and use other such devices to foment anger in their hearers against those whose acts are just. So, first read the law.“Law” [29] He did not dispute it, sirs: he acknowledged his guilt, and besought and implored that he might not be killed, and was ready to pay compensation in money. But I would not agree to his estimate, as I held that our city’s law should have higher authority; and I obtained that satisfaction which you deemed most just when you imposed it on those who adopt such courses. Now, let my witnesses come forward in support of these statements.“Witnesses” [30] Read out also, please, that law from the pillar in the Areopagus.“Law” You hear, sirs, how the Court of the Areopagus itself, to which has been assigned, in our own as in our fathers‘ time, the trial of suits for murder, has expressly stated that whoever takes this vengeance on an adulterer caught in the act with his spouse shall not be convicted of murder. [31] And so strongly was the lawgiver convinced of the justice of this in the case of wedded wives, that he even applied the same penalty in the case of mistresses, who are of less account. Now surely it is clear that, if he had had any heavier punishment than this for the case of married women, he would have imposed it. But in fact, as he was unable to devise a severer one for this case, he ordained that it should be the same for that of mistresses also. Please read this law besides.“Law” [32] You hear, sirs, how it directs that, if anyone forcibly debauches a free adult or child, he shall be liable to double1 damages; while if he so debauches a woman, in one of the cases where it is permitted to kill him, he is subject to the same rule. Thus the lawgiver, sirs, considered that those who use force deserve a less penalty than those who use persuasion; for the latter he condemned to death, whereas for the former he doubled the damages, [33] considering that those who achieve their ends by force are hated by the persons forced; while those who used persuasion corrupted thereby their victims‘ souls, thus making the wives of others more closely attached to themselves than to their husbands, and got the whole house into their hands, and caused uncertainty as to whose the children really were, the husbands‘ or the adulterers‘. In view of all this the author of the law made death their penalty.
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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Tobias Nowitzki
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Lysias 1, 1-4, 28-33

Leitfragen:

1) Welche Argumente bringt Lysias vor?

2) Welche Unterschiede lassen sich aus dieser Rede zwischen dem modernen westlichen und dem athenischen Rechtssystem erkennen?

3)Wieso war es den Athenern so wichtig, Ehebruch unter die Todesstrafe zu stellen?

Kommentar:

Die vorliegende Quelle ist eine Gerichtsrede aus dem klassischen Athen. Geschrieben wurde sie wohl um die Wende vom 5. zum 4. Jahrhundert vom Logographen Lysias. Logographen waren professionelle Redenschreiber, die Anklage- oder Verteidigungsreden für Gerichtsprozesse schrieben. In Athen war es nicht erlaubt, Anwälte für sich sprechen zu lassen, man konnte sich aber die Rede von einem Profi verfassen lassen, wie es in diesem Fall Euphiletos getan hat. Er war angeklagt, Eratosthenes getötet zu haben. Das streitet er auch nicht ab, er brüstet sich sogar mit seiner Tat. Sie sei, so lässt Lysias Euphiletos sagen, nicht nur gerechtfertigt, sondern auch höchst notwendig gewesen. Immerhin habe Eratosthenes ein Verhältnis mit der Frau des Euphiletos gehabt und sei auf frischer Tat von Euphiletos in dessen eigenem Haus ertappt worden – daraufhin erschlug Euphiletos ihn. Im heutigen Rechtsverständnis würde diese Tat sicherlich als Totschlag, möglicherweise sogar als Mord gelten, und Euphiletos würde wohl verurteilt werden. In Athen jedoch, und darauf stützt sich die Verteidigung im Wesentlichen, war es einem Ehemann erlaubt, den Mann, den er beim Ehebruch mit seiner Frau erwischt, auf der Stelle zu erschlagen, vorausgesetzt es waren Zeugen zugegen. Die habe er hinzugezogen, so Euphiletos, und dann direkt sein Recht ausgeübt. Seine Verteidigung baut ebenso stark auf die von ihm zitierten Gesetze auf wie auf seine Argumentation, dass er nicht im Affekt, sondern vielmehr rational gehandelt, ja seine Pflicht erfüllt habe. Insbesondere sei er vor der Tat nicht mit Eratosthenes befeindet gewesen.

Diese Taktik offenbart einen der wesentlichen Unterschiede zwischen dem athenischen Rechtssystem und dem heutigen, westlichen Modell. Zuerst einmal waren die Richter keine Juristen, sondern normale Bürger, die per Los ihren Gerichtsdienst in einem zufälligen Prozess versahen. Daher ist es notwendig, dass Anklage und Verteidigung selbst die Gesetze zitieren – die Richter kennen sie unter Umständen gar nicht. Zweitens wird ganz offen versucht, den Ruf des anderen zu beschädigen, da man so hofft, die Richter gegen den anderen aufzubringen; heute würde dies nicht unbedingt hilfreich sein. Drittens sind auch Ankläger und Verteidiger in der Regel keine Profis, sie müssen Redenschreiber hinzuziehen, die ihnen ihre Argumente liefern. Viertens gibt es nur einen Prozesstag und nur zwei Reden auf jeder Seite, daher müssen diese Reden besonders überzeugend sein. Und schließlich werden die Gesetze nicht nur vom Redner vorgelesen, sondern auch ausgelegt, heute wäre dies Aufgabe der Richter und Anwälte.

Warum legten die Athener so viel Wert darauf, Ehebruch unter Umständen mit dem Tode zu bestrafen? Die wesentliche Begründung liefert Euphiletos selbst: Man wollte illegitime Kinder verhindern. Ohne die Möglichkeit von Vaterschaftstests war man darauf angewiesen, andere Maßnahmen zu ergreifen um dafür zu sorgen, dass nur legitime Kinder geboren wurden. Wie in vielen anderen Kulturen und Zeiten war das erste Mittel dafür, die Frau im Haus einzusperren. In Athen war diese Situation besonders extrem, die athenische Frau aus der Oberschicht durfte idealiter nur selten ohne Begleitung das Haus verlassen. Ehebruch konnte daher im Grunde nur im Haus der Frau stattfinden, wo sie der Mann leicht überraschen konnte. Für diesen Fall war festgelegt, dass er dann den Ehebrecher erschlagen durfte. Denn der habe damit ja die Geburt eines rechtmäßigen Bürgerkindes in Frage gestellt. „Kukuckskinder“ waren eine der größten Sorgen der Athener, da sie den Bürgerverbund als solches gefährdeten und in Frage stellten. 

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Podcast-Hinweise
Sehen Sie zu dieser Quelle auch den Podcast „Die athenische Demokratie“. Um einen breiteren Einblick in die griechische Klassik  zu erhalten, sehen Sie auch die Podcastreihe „Griechische Geschichte II – Klassik“.
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Zum athenischen Rechtssystem siehe auch das Kleroterion (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/kleroterion-losmaschine-von-der-agora-in-athen/) und Plutarchs Bericht über die von Solon eingeführte Popularklage (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/solons-popularklage/).

Xenophon zu den 30 Tyrannen

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Xen. Hell. 2,3,11-2,4,1 – Original:

[11] οἱ δὲ τριάκοντα ᾑρέθησαν μὲν ἐπεὶ τάχιστα τὰ μακρὰ τείχη καὶ τὰ περὶ τὸν Πειραιᾶ καθῃρέθη: αἱρεθέντες δὲ ἐφ᾽ ᾧτε συγγράψαι νόμους, καθ᾽ οὕστινας πολιτεύσοιντο, τούτους μὲν ἀεὶ ἔμελλον συγγράφειν τε καὶ ἀποδεικνύναι, βουλὴν δὲ καὶ τὰς ἄλλας ἀρχὰς κατέστησαν ὡς ἐδόκει αὐτοῖς.
[12] ἔπειτα πρῶτον μὲν οὓς πάντες ᾔδεσαν ἐν τῇ δημοκρατίᾳ ἀπὸ συκοφαντίας ζῶντας καὶ τοῖς καλοῖς κἀγαθοῖς βαρεῖς ὄντας, συλλαμβάνοντες ὑπῆγον θανάτου: καὶ ἥ τε βουλὴ ἡδέως αὐτῶν κατεψηφίζετο οἵ τε ἄλλοι ὅσοι συνῄδεσαν ἑαυτοῖς μὴ ὄντες τοιοῦτοι οὐδὲν ἤχθοντο.
[13] ἐπεὶ δὲ ἤρξαντο βουλεύεσθαι ὅπως ἂν ἐξείη αὐτοῖς τῇ πόλει χρῆσθαι ὅπως βούλοιντο, ἐκ τούτου πρῶτον μὲν πέμψαντες εἰς Λακεδαίμονα Αἰσχίνην τε καὶ Ἀριστοτέλην ἔπεισαν Λύσανδρον φρουροὺς σφίσι συμπρᾶξαι ἐλθεῖν, ἕως δὴ τοὺς πονηροὺς ἐκποδὼν ποιησάμενοι καταστήσαιντο τὴν πολιτείαν: θρέψειν δὲ αὐτοὶ ὑπισχνοῦντο.
[14] ὁ δὲ πεισθεὶς τούς τε φρουροὺς καὶ Καλλίβιον ἁρμοστὴν συνέπραξεν αὐτοῖς πεμφθῆναι. οἱ δ᾽ ἐπεὶ τὴν φρουρὰν ἔλαβον, τὸν μὲν Καλλίβιον ἐθεράπευον πάσῃ θεραπείᾳ, ὡς πάντα ἐπαινοίη ἃ πράττοιεν, τῶν δὲ φρουρῶν τούτου συμπέμποντος αὐτοῖς οὓς ἐβούλοντο συνελάμβανον οὐκέτι τοὺς πονηρούς τε καὶ ὀλίγου ἀξίους, ἀλλ᾽ ἤδη οὓς ἐνόμιζον ἥκιστα μὲν παρωθουμένους ἀνέχεσθαι, ἀντιπράττειν δέ τι ἐπιχειροῦντας πλείστους ἂν τοὺς συνεθέλοντας λαμβάνειν.
[15] τῷ μὲν οὖν πρώτῳ χρόνῳ ὁ Κριτίας τῷ Θηραμένει ὁμογνώμων τε καὶ φίλος ἦν: ἐπεὶ δὲ αὐτὸς μὲν προπετὴς ἦν ἐπὶ τὸ πολλοὺς ἀποκτείνειν, ἅτε καὶ φυγὼν ὑπὸ τοῦ δήμου, ὁ δὲ Θηραμένης ἀντέκοπτε, λέγων ὅτι οὐκ εἰκὸς εἴη θανατοῦν, εἴ τις ἐτιμᾶτο ὑπὸ τοῦ δήμου, τοὺς δὲ καλοὺς κἀγαθοὺς μηδὲν κακὸν εἰργάζετο, ἐπεὶ καὶ ἐγώ, ἔφη, καὶ σὺ πολλὰ δὴ τοῦ ἀρέσκειν ἕνεκα τῇ πόλει καὶ εἴπομεν καὶ ἐπράξαμεν:
[16] ὁ δέ (ἔτι γὰρ οἰκείως ἐχρῆτο τῷ Θηραμένει) ἀντέλεγεν ὅτι οὐκ ἐγχωροίη τοῖς πλεονεκτεῖν βουλομένοις μὴ οὐκ ἐκποδὼν ποιεῖσθαι τοὺς ἱκανωτάτους διακωλύειν: εἰ δέ, ὅτι τριάκοντά ἐσμεν καὶ οὐχ εἷς, ἧττόν τι οἴει ὥσπερ τυραννίδος ταύτης τῆς ἀρχῆς χρῆναι ἐπιμελεῖσθαι, εὐήθης εἶ.
[17] ἐπεὶ δέ, ἀποθνῃσκόντων πολλῶν καὶ ἀδίκως, πολλοὶ δῆλοι ἦσαν συνιστάμενοί τε καὶ θαυμάζοντες τί ἔσοιτο ἡ πολιτεία, πάλιν ἔλεγεν ὁ Θηραμένης ὅτι εἰ μή τις κοινωνοὺς ἱκανοὺς λήψοιτο τῶν πραγμάτων, ἀδύνατον ἔσοιτο τὴν ὀλιγαρχίαν διαμένειν.
[18] ἐκ τούτου μέντοι Κριτίας καὶ οἱ ἄλλοι τριάκοντα, ἤδη φοβούμενοι καὶ οὐχ ἥκιστα τὸν Θηραμένην, μὴ συρρυείησαν πρὸς αὐτὸν οἱ πολῖται, καταλέγουσι τρισχιλίους τοὺς μεθέξοντας δὴ τῶν πραγμάτων:
[19] ὁ δ᾽ αὖ Θηραμένης καὶ πρὸς ταῦτα ἔλεγεν ὅτι ἄτοπον δοκοίη ἑαυτῷ γε εἶναι τὸ πρῶτον μὲν βουλομένους τοὺς βελτίστους τῶν πολιτῶν κοινωνοὺς ποιήσασθαι τρισχιλίους, ὥσπερ τὸν ἀριθμὸν τοῦτον ἔχοντά τινα ἀνάγκην καλοὺς καὶ ἀγαθοὺς εἶναι, καὶ οὔτ᾽ ἔξω τούτων σπουδαίους οὔτ᾽ ἐντὸς τούτων πονηροὺς οἷόν τε εἴη γενέσθαι: ἔπειτα δ᾽, ἔφη, ὁρῶ ἔγωγε δύο ἡμᾶς τὰ ἐναντιώτατα πράττοντας, βιαίαν τε τὴν ἀρχὴν καὶ ἥττονα τῶν ἀρχομένων κατασκευαζομένους.
[20] ὁ μὲν ταῦτ᾽ ἔλεγεν. οἱ δ᾽ ἐξέτασιν ποιήσαντες τῶν μὲν τρισχιλίων ἐν τῇ ἀγορᾷ, τῶν δ᾽ ἔξω τοῦ καταλόγου ἄλλων ἀλλαχοῦ, ἔπειτα κελεύσαντες ἐπὶ τὰ ὅπλα, ἐν ᾧ ἐκεῖνοι ἀπεληλύθεσαν πέμψαντες τοὺς φρουροὺς καὶ τῶν πολιτῶν τοὺς ὁμογνώμονας αὑτοῖς τὰ ὅπλα πάντων πλὴν τῶν τρισχιλίων παρείλοντο, καὶ ἀνακομίσαντες ταῦτα εἰς τὴν ἀκρόπολιν συνέθηκαν ἐν τῷ ναῷ.
[21] τούτων δὲ γενομένων, ὡς ἐξὸν ἤδη ποιεῖν αὐτοῖς ὅ τι βούλοιντο, πολλοὺς μὲν ἔχθρας ἕνεκα ἀπέκτεινον, πολλοὺς δὲ χρημάτων. ἔδοξε δ᾽ αὐτοῖς, ὅπως ἔχοιεν καὶ τοῖς φρουροῖς χρήματα διδόναι, καὶ τῶν μετοίκων ἕνα ἕκαστον λαβεῖν, καὶ αὐτοὺς μὲν ἀποκτεῖναι, τὰ δὲ χρήματα αὐτῶν ἀποσημήνασθαι.
[22] ἐκέλευον δὲ καὶ τὸν Θηραμένην λαβεῖν ὅντινα βούλοιτο. ὁ δ᾽ ἀπεκρίνατο: ἀλλ᾽ οὐ δοκεῖ μοι, ἔφη, καλὸν εἶναι φάσκοντας βελτίστους εἶναι ἀδικώτερα τῶν συκοφαντῶν ποιεῖν. ἐκεῖνοι μὲν γὰρ παρ᾽ ὧν χρήματα λαμβάνοιεν ζῆν εἴων, ἡμεῖς δὲ ἀποκτενοῦμεν μηδὲν ἀδικοῦντας, ἵνα χρήματα λαμβάνωμεν;
[23] πῶς οὐ ταῦτα τῷ παντὶ ἐκείνων ἀδικώτερα; οἱ δ᾽ ἐμποδὼν νομίζοντες αὐτὸν εἶναι τῷ ποιεῖν ὅ τι βούλοιντο, ἐπιβουλεύουσιν αὐτῷ, καὶ ἰδίᾳ πρὸς τοὺς βουλευτὰς ἄλλος πρὸς ἄλλον διέβαλλον ὡς λυμαινόμενον τὴν πολιτείαν. καὶ παραγγείλαντες νεανίσκοις οἳ ἐδόκουν αὐτοῖς θρασύτατοι εἶναι ξιφίδια ὑπὸ μάλης ἔχοντας παραγενέσθαι, συνέλεξαν τὴν βουλήν.
[…] [50] ὡς δ᾽ εἰπὼν ταῦτα ἐπαύσατο, καὶ ἡ βουλὴ δήλη ἐγένετο εὐμενῶς ἐπιθορυβήσασα, γνοὺς ὁ Κριτίας ὅτι εἰ ἐπιτρέψοι τῇ βουλῇ διαψηφίζεσθαι περὶ αὐτοῦ, ἀναφεύξοιτο, καὶ τοῦτο οὐ βιωτὸν ἡγησάμενος, προσελθὼν καὶ διαλεχθείς τι τοῖς τριάκοντα ἐξῆλθε, καὶ ἐπιστῆναι ἐκέλευσε τοὺς τὰ ἐγχειρίδια ἔχοντας φανερῶς τῇ βουλῇ ἐπὶ τοῖς δρυφάκτοις.
[51] πάλιν δὲ εἰσελθὼν εἶπεν: ἐγώ, ὦ βουλή, νομίζω προστάτου ἔργον εἶναι οἵου δεῖ, ὃς ἂν ὁρῶν τοὺς φίλους ἐξαπατωμένους μὴ ἐπιτρέπῃ. καὶ ἐγὼ οὖν τοῦτο ποιήσω. καὶ γὰρ οἵδε οἱ ἐφεστηκότες οὔ φασιν ἡμῖν ἐπιτρέψειν, εἰ ἀνήσομεν ἄνδρα τὸν φανερῶς τὴν ὀλιγαρχίαν λυμαινόμενον. ἔστι δὲ ἐν τοῖς καινοῖς νόμοις τῶν μὲν ἐν τοῖς τρισχιλίοις ὄντων μηδένα ἀποθνῄσκειν ἄνευ τῆς ὑμετέρας ψήφου, τῶν δ᾽ ἔξω τοῦ καταλόγου κυρίους εἶναι τοὺς τριάκοντα θανατοῦν. ἐγὼ οὖν, ἔφη, Θηραμένην τουτονὶ ἐξαλείφω ἐκ τοῦ καταλόγου, συνδοκοῦν ἅπασιν ἡμῖν. καὶ τοῦτον, ἔφη, ἡμεῖς θανατοῦμεν.
[52] ἀκούσας ταῦτα ὁ Θηραμένης ἀνεπήδησεν ἐπὶ τὴν ἑστίαν καὶ εἶπεν: ἐγὼ δ᾽, ἔφη, ὦ ἄνδρες, ἱκετεύω τὰ πάντων ἐννομώτατα, μὴ ἐπὶ Κριτίᾳ εἶναι ἐξαλείφειν μήτε ἐμὲ μήτε ὑμῶν ὃν ἂν βούληται, ἀλλ᾽ ὅνπερ νόμον οὗτοι ἔγραψαν περὶ τῶν ἐν τῷ καταλόγῳ, κατὰ τοῦτον καὶ ὑμῖν καὶ ἐμοὶ τὴν κρίσιν εἶναι.
[53] καὶ τοῦτο μέν, ἔφη, μὰ τοὺς θεοὺς οὐκ ἀγνοῶ, ὅτι οὐδέν μοι ἀρκέσει ὅδε ὁ βωμός, ἀλλὰ βούλομαι καὶ τοῦτο ἐπιδεῖξαι, ὅτι οὗτοι οὐ μόνον εἰσὶ περὶ ἀνθρώπους ἀδικώτατοι, ἀλλὰ καὶ περὶ θεοὺς ἀσεβέστατοι. ὑμῶν μέντοι, ἔφη, ὦ ἄνδρες καλοὶ κἀγαθοί, θαυμάζω, εἰ μὴ βοηθήσετε ὑμῖν αὐτοῖς, καὶ ταῦτα γιγνώσκοντες ὅτι οὐδὲν τὸ ἐμὸν ὄνομα εὐεξαλειπτότερον ἢ τὸ ὑμῶν ἑκάστου.
[54] ἐκ δὲ τούτου ἐκέλευσε μὲν ὁ τῶν τριάκοντα κῆρυξ τοὺς ἕνδεκα ἐπὶ τὸν Θηραμένην: ἐκεῖνοι δὲ
εἰσελθόντες σὺν τοῖς ὑπηρέταις, ἡγουμένου αὐτῶν Σατύρου τοῦ θρασυτάτου τε καὶ ἀναιδεστάτου, εἶπε μὲν ὁ Κριτίας: παραδίδομεν ὑμῖν, ἔφη, Θηραμένην τουτονὶ κατακεκριμένον κατὰ τὸν νόμον:
[55] ὑμεῖς δὲ λαβόντες καὶ ἀπαγαγόντες οἱ ἕνδεκα οὗ δεῖ τὰ ἐκ τούτων πράττετε. ὡς δὲ ταῦτα εἶπεν, εἷλκε μὲν ἀπὸ τοῦ βωμοῦ ὁ Σάτυρος, εἷλκον δὲ οἱ ὑπηρέται. ὁ δὲ Θηραμένης ὥσπερ εἰκὸς καὶ θεοὺς ἐπεκαλεῖτο καὶ ἀνθρώπους καθορᾶν τὰ γιγνόμενα. ἡ δὲ βουλὴ ἡσυχίαν εἶχεν, ὁρῶσα καὶ τοὺς ἐπὶ τοῖς δρυφάκτοις ὁμοίους Σατύρῳ καὶ τὸ ἔμπροσθεν τοῦ βουλευτηρίου πλῆρες τῶν φρουρῶν, καὶ οὐκ ἀγνοοῦντες ὅτι ἐγχειρίδια ἔχοντες παρῆσαν.
[56] οἱ δ᾽ ἀπήγαγον τὸν ἄνδρα διὰ τῆς ἀγορᾶς μάλα μεγάλῃ τῇ φωνῇ δηλοῦντα οἷα ἔπασχε. λέγεται δ᾽ ἓν ῥῆμα καὶ τοῦτο αὐτοῦ. ὡς εἶπεν ὁ Σάτυρος ὅτι οἰμώξοιτο, εἰ μὴ σιωπήσειεν, ἐπήρετο: ἂν δὲ σιωπῶ, οὐκ ἄρ᾽, ἔφη, οἰμώξομαι; καὶ ἐπεί γε ἀποθνῄσκειν ἀναγκαζόμενος τὸ κώνειον ἔπιε, τὸ λειπόμενον ἔφασαν ἀποκοτταβίσαντα εἰπεῖν αὐτόν: Κριτίᾳ τοῦτ᾽ ἔστω τῷ καλῷ. καὶ τοῦτο μὲν οὐκ ἀγνοῶ, ὅτι ταῦτα ἀποφθέγματα οὐκ ἀξιόλογα, ἐκεῖνο δὲ κρίνω τοῦ ἀνδρὸς ἀγαστόν, τὸ τοῦ θανάτου παρεστηκότος μήτε τὸ φρόνιμον μήτε τὸ παιγνιῶδες ἀπολιπεῖν ἐκ τῆς ψυχῆς.
Θηραμένης μὲν δὴ οὕτως ἀπέθανεν: οἱ δὲ τριάκοντα, ὡς ἐξὸν ἤδη αὐτοῖς τυραννεῖν ἀδεῶς, προεῖπον μὲν τοῖς ἔξω τοῦ καταλόγου μὴ εἰσιέναι εἰς τὸ ἄστυ, ἦγον δὲ ἐκ τῶν χωρίων, ἵν᾽ αὐτοὶ καὶ οἱ φίλοι τοὺς τούτων ἀγροὺς ἔχοιεν. φευγόντων δὲ εἰς τὸν Πειραιᾶ καὶ ἐντεῦθεν πολλοὺς ἄγοντες ἐνέπλησαν καὶ τὰ Μέγαρα καὶ τὰς Θήβας τῶν ὑποχωρούντων.
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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Übersetzung: Carleton l. Brownson
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Übersetzung

[11] Now at Athens the Thirty had been chosen as soon as the long walls and the walls round Piraeus were demolished; although chosen, however, for the purpose of framing a constitution under which to conduct the government, they continually delayed framing and publishing this constitution, but they appointed a Senate and the other magistrates as they saw fit.
[12] Then, as a first step, they arrested and brought to trial for their lives those persons who, by common knowledge, had made a living in the time of the democracy by acting as informers and had been offensive to the aristocrats; and the Senate was glad to pronounce these people guilty, and the rest of the citizens—at least all who were conscious that they were not of the same sort themselves—were not at all displeased.
[13] When, however, the Thirty began to consider how they might become free to do just as they pleased with the state, their first act was to send Aeschines and Aristoteles to Lacedaemon and persuade Lysander to help them to secure the sending of a Lacedaemonian garrison, to remain until, as they said, they could put “the scoundrels” out of the way and establish their government; and they promised to maintain this garrison at their own charges.
[14] Lysander consented, and helped them to secure the dispatch of the troops and of Callibius as governor. But when they had got the garrison, they paid court to Callibius in every way, in order that he might approve of everything they did, and as he detailed guardsmen to go with them, they arrested the people whom they wished to reach,—not now “the scoundrels” and persons of little account, but from this time forth the men who, they thought, were least likely to submit to being ignored, and who, if they undertook to offer any opposition, would obtain supporters in the greatest numbers.
[15] Now in the beginning Critias and Theramenes were agreed in their policy and friendly; but when Critias showed himself eager to put many to death, because, for one thing, he had been banished by the democracy, Theramenes opposed him, saying that it1 was not reasonable to put a man to death because he was honoured by the commons, provided he was doing no harm to the aristocrats. “For,” said he, “you and I also have said and done many things for the sake of winning the favour of the city.”
[16] Then Critias (for he still treated Theramenes as a friend) replied that it was impossible for people who wanted to gain power not to put out of the way those who were best able to thwart them. “But if,” he said, “merely because we are thirty and not one, you imagine that it is any the less necessary for us to keep a close watch over this government, just as one would if it were an absolute monarchy, you are foolish.”
[17] But when, on account of the great numbers continually—and unjustly—put to death, it was evident that many were banding together and wondering what the state was coming to, Theramenes spoke again, saying that unless they admitted an adequate number of citizens into partnership with them in the management of affairs, it would be impossible for the oligarchy to endure.
[18] Accordingly Critias and the rest of the Thirty, who were by this time alarmed and feared above all that the citizens would flock to the support of Theramenes, enrolled a body of three thousand, who were to share, as they said, in the government.
[19] Theramenes, however, objected to this move also, saying that, in the first place, it seemed to him absurd that, when they wanted to make the best of the citizens their associates, they should limit themselves to three thousand, as though this number must somehow be good men and true and there could neither be excellent men outside this body nor rascals within1 it. “Besides,” he said, “we are undertaking, in my opinion, two absolutely inconsistent things,—to rig up our government on the basis of force and at the same time to make it weaker than its subjects.”
[20] This was what Theramenes said. As for the Thirty, they held a review, the Three Thousand assembling in the market-place and those who were not on “the roll” in various places here and there; then they gave the order to pile arms, and while the men were off duty and away, they sent their Lacedaemonian guardsmen and such citizens as were in sympathy with them, seized the arms of all except the Three Thousand, carried them up to the Acropolis, and deposited them in the temple.
[21] And now, when this had been accomplished, thinking that they were at length free to do whatever they pleased, they put many people to death out of personal enmity, and many also for the sake of securing their property. One measure that they resolved upon, in order to get money to pay their guardsmen, was that each of their number should seize one of the aliens residing in the city, and that they should put these men to death and confiscate their property.
[22] So they bade Theramenes also to seize anyone he pleased; and he replied: “But it is not honourable, as it seems to me,” he said, “for people who style themselves the best citizens to commit acts of greater injustice than the informers used to do. For they allowed those from whom they got money, to live; but shall we, in order to get money, put to death men who are guilty of no wrong-doing? Are not such acts altogether more unjust than theirs were?”
[23] Then the Thirty, thinking that Theramenes was an obstacle to their doing whatever they pleased, plotted against him, and kept accusing him to individual senators, one to one man and another to another, of injuring the government. And after passing the word to some young men, who seemed to them most audacious, to be in attendance with daggers hidden under their arms, they convened the Senate.
[24-34] (Kritias hält eine Anklagerede gegen Theramenes. Dieser sei ein notorischer Opportunist, Verräter und Fahnenwechsler. Er habe bereits eine Oligarchie verraten und plane dies nun erneut. Ferner habe er die Polis schon bei anderen Gelegenheiten verraten, so bei der Seeschlacht an den Arginusen. Kritias schließt damit, dass ein solcher Verräter in Sparta, das ja die beste Verfassung habe, sofort hingerichtet würde. Dies solle hier nun auch geschehen.] [35-49] (Theramenes verteidigt sich mit einer Rede. Er habe niemanden verraten, außerdem sei auch Kritias ein Opportunist, da er für die Demokratie gearbeitet habe. Er, Theramenes, sei Feind der 30 geworden, als sie verdiente Bürger aus Gier töten ließen und die Polis durch die Entwaffnung der Bürger schwächten. Ferner sei er selbst ein Freund aller Klassen, Kritias ein Feind aller – extreme Oligarchien wie Demokratien lehnt Theramenes ab.] [50] When with these words he ceased speaking and the Senate had shown its good will by applause, Critias, realizing that if he should allow the Senate to pass judgment on the case, Theramenes would escape, and thinking that this would be unendurable, went and held a brief consultation with the Thirty, and then went out and ordered the men with the daggers to take their stand at the railing in plain sight of the Senate.
[51] Then he came in again and said: “Senators, I deem it the duty of a leader who is what he ought to be, in case he sees that his friends are being deceived, not to permit it. I, therefore, shall follow that course. Besides, these men who have taken their stand here say that if we propose to let a man go who is manifestly injuring the oligarchy, they will not suffer us to do so. Now it is provided in the new laws that while no one of those who are on the roll of the Three Thousand may be put to death without your vote, the Thirty shall have power of life or death over those outside the roll. I, therefore,” he said, “strike off this man Theramenes from the roll, with the approval of all the Thirty. That being done,” he added, “we now condemn him to death.”
[52] When Theramenes heard this, he sprang to the altar and said: “And I, sirs,” said he, “beg only bare justice,—that it be not within the power of Critias to strike off either me or whomsoever of you he may wish, but rather that both in your case and in mine the judgment may be rendered strictly in accordance with that law which these men have made regarding those on the roll.
[53] To be sure,” said he, “I know, I swear by the gods, only too well, that this altar will avail me nothing, but I wish to show that these Thirty are not only most unjust toward men, but also most impious toward the gods. But I am surprised at you,” he said, “gentlemen of the aristocracy, that you are not going to defend your own rights, especially when you know that my name is not a whit easier to strike off than the name of each of you.”
[54] At this moment the herald of the Thirty ordered the Eleven to seize Theramenes; and when they came in, attended by their servants and with Satyrus, the most audacious and shameless of them, at their head, Critias said: “We hand over to you,” said he, “this man Theramenes, condemned according to the law. Do you, the Eleven, take him and lead him to the proper place and do that which follows.”
[55] When Critias had spoken these words, Satyrus dragged Theramenes away from the altar, and his servants lent their aid. And Theramenes, as was natural, called upon gods and men to witness what was going on. But the senators kept quiet, seeing that the men at the rail were of the same sort as Satyrus and that the space in front of the senate-house was filled with the guardsmen, and being well aware that the former had come armed with daggers.
[56] So they led the man away through the market-place, while he proclaimed in a very loud voice the wrongs he was suffering. One saying of his that is reported was this: when Satyrus told him that if he did not keep quiet, he would suffer for it, he asked: “Then if I do keep quiet, shall I not suffer?” And when, being compelled to die, he had drunk the hemlock, they said that he threw out the last drops, like a man playing kottabos, and exclaimed: “Here’s to the health of my beloved Critias.” Now I am not unaware of this, that these are not sayings worthy of record; still, I deem it admirable in the man that when death was close at hand, neither self-possession nor the spirit of playfulness departed from his soul.
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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Xen. Hell. 2,3,11-2,4,1

Leitfragen

1) In welchen Schritten entwickelt sich die Tyrannis der 30 in Athen laut Xenophon?

2) Wieso wird gerade der Tod des Theramenes so ausführlich beschrieben, ganz im Gegensatz zu anderen, nur kurz erwähnten Fällen?

3) Welche Rückschlüsse können aus dieser Quelle über die Stabilität der Herrschaft der 30 gewonnen werden?

 

Kommentar

Xenophon hat uns in seiner Hellenika, seinem großen Geschichtswerk, eine Beschreibung der Herrschaft der dreißig Tyrannen in Athen überliefert. Die dreißig Tyrannen hat Xenophon in seiner Jugend selbst erlebt, er schreibt also aus seiner Sicht Zeitgeschichte.

Nach der Niederlage im Peloponnesischen Krieg gegen Sparta wurde Athen gezwungen, seine langen Mauern, die den Hafen mit der Stadt verbanden, abzureißen und eine oligarchische Verfassung anzunehmen. Zuständig dafür sollten die dreißig Tyrannen sein, hochrangige Athener, die als Gruppe den Staat übernahmen und eine oligarchische Tyrannis errichteten. In einem ersten Schritt verzögerten sie die Veröffentlichung einer Verfassung und setzten stattdessen einen Rat nach eigenem Gutdünken ein, der mit Sicherheit handverlesen war. Dass sich viele Athener bereitfanden, den Tyrannen als Ratsleute zu dienen, lässt sich im Wesentlichen durch zwei Dinge erklären: Zum Einen gab es in Athen schon lange starke oligarisch-antidemokratische Strömungen in der Oberschicht und zum Anderen waren die ersten Opfer der Dreißig den anderen Oberschichtmitgliedern wohl recht willkommen. In einem zweiten Schritt holten die Dreißig eine spartanische Garnison in die Stadt, die sie als eine Art Privatarmee nutzten – Sparta hatte ein großes Interesse daran, dass Athen nicht wieder zu einer Demokratie wurde. Nachdem die Dreißig ihre Macht so militärisch abgesichert hatten, legten sie fest, dass die Anzahl an Bürgern auf 3000 begrenzt sein sollte und zwangen alle anderen, ihre Waffen abzugeben. Gleichzeitig begannen sie, sich selbst zu bereichern, indem sie reiche Metöken und Bürger hinrichteten und deren Vermögen beschlagnahmten. Dies brachte ihnen jedoch Widerspruch von Theramenes ein, einem eigentlich auch oligarchisch gesinnten Oberschichtmitglied, der die Radikalität dieser Maßnahmen allerdings kritisierte. 3000 Bürger seien zu wenig, um die Stadt zu verteidigen, und es sei eine Katastrophe, verdiente Bürger zu töten, um sich selbst zu bereichern. Als Reaktion darauf ließen Kritias und die Dreißig den Rat zusammenkommen, um ihn zum Tode verurteilen zu lassen. Als sie merkten, dass ihre Forderung keine Mehrheit finden würde, verurteilten sie ihn kurzerhand selbst zum Tode. Er suchte zwar noch am Altar Zuflucht, wurde aber davon weggezerrt und hingerichtet.

In dieser letzten Szene wird auch der Grund deutlich, aus dem Xenophon diese Episode in solcher Länge beschreibt. Dies ist erklärungsbedürftig, da auch andere Widerstand gegen die Dreißig leisteten und hingerichtet wurden. Aber das Ende des Theramenes war für Xenophon aus zwei Gründen besonders interessant. Zum Einen weil der Rat den Dreißig nicht zustimmt, wie sie es wollten, was einiges über die Stabilität ihrer Herrschaft aussagt. Und zum Anderen weil Theramenes Schutz am Altar sucht und dennoch hingerichtet wird, ein klarer Frevel gegen die Götter. Xenophon bezieht damit Position gegen diese extreme Form der Oligarchie; inwieweit er gemäßigte Oligarchien guthieß, ist umstritten. Sicher ist, dass viele Schriftsteller demokratiefeindlich waren, darunter auch Platon, dessen „Mitschüler“ bei Sokrates Kritias war.

Die Herrschaft der Dreißig stellt sich hier als instabil dar. Zwar haben sie die Macht, mittels ihrer bewaffneten Leibwächter Theramenes selbst vom Altar zu reißen und hinrichten zu lassen. Aber es gelingt ihnen nicht, den Rat, und damit die Masse der einflussreichen Athener, auf ihre Seite zu ziehen. Wahrscheinlich haben viele von ihnen mit Theramenes‘ Vision einer gemäßigten Oligarchie geliebäugelt – in dieser Episode werden sie nur durch Gewaltandrohung in Schach gehalten.

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Zur Herrschaft der Dreißig siehe auch den entsprechenden Bericht aus der Athenaion Politeia des Aristoteles (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/30-tyrannen/). Zum Verhältnis der athenischen Oberschicht zur Demokratie siehe auch den Bericht zum Ostrakismos (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/ostrakismus-des-themistokles/), zu den Liturgien (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/liturgie/) und den kleisthenischen Reformen (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/kleisthenische-reformen/).

30 Tyrannen

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Aristoteles
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Arist. Ath. Pol. 35-37 -Original

οἱ μὲν οὖν τριάκοντα τοῦτον τὸν τρόπον κατέστησαν ἐπὶ Πυθοδώρου ἄρχοντος.γενόμενοι δὲ κύριοι τῆς πόλεως, τὰ μὲν ἄλλα τὰ δόξαντα περὶ τῆς πολιτείας παρεώρων,πεντακοσίους δὲ βουλευτὰς καὶ τὰς ἄλλας ἀρχὰς καταστήσαντες ἐκ προκρίτων ἐκ τῶν χιλίων, καὶ προσελόμενοι σφίσιν αὐτοῖς τοῦ Πειραιέως ἄρχοντας δέκα, καὶ τοῦ δεσμωτηρίου φύλακας ἕνδεκα, καὶ μαστιγοφόρους τριακοσίους ὑπηρέτας κατεῖχον τὴν πόλιν δι᾽ ἑαυτῶν. [2][…][3] κατ᾽ ἀρχὰςμὲν οὖν ταῦτ᾽ ἐποίουν, καὶ τοὺς συκοφάντας καὶ τοὺς τῷ δήμῳ πρὸς χάριν ὁμιλοῦντας παρὰ τὸ βέλτιστον καὶ κακοπράγμονας ὄντας καὶ πονηροὺς ἀνῄρουν, ἐφ᾽ οἷς ἔχαιρεν ἡ πόλις γιγνομένοις, ἡγούμενοι τοῦ βελτίστου χάριν ποιεῖν αὐτούς. [4] ἐπεὶ δὲ τὴν πόλιν ἐγκρατέστερον ἔσχον, οὐδενὸς ἀπείχοντο τῶν πολιτῶν, ἀλλ᾽ ἀπέκτειναν τοὺς καὶ ταῖς οὐσίαις καὶ τῷ γένει καὶ τοῖς ἀξιώμασιν προέχοντας, ὑπεξαιρούμενοί τε τὸν φόβον καὶ βουλόμενοι τὰς οὐσίας διαρπάζειν. Καὶ χρόνου διαπεσόντος βραχέος, οὐκ ἐλάττους ἀνῃρήκεσαν ἢ χιλίους πεντακοσίους.
[36]οὕτως δὲ τῆς πόλεως ὑποφερομένης, Θηραμένης ἀγανακτῶν ἐπὶ τοῖς γιγνομένοις, τῆς μὲν ἀσελγείας αὐτοῖς παρῄνει παύσασθαι, μεταδοῦναι δὲ τῶν πραγμάτων τοῖς βελτίστοις. Οἱ δὲ πρῶτον ἐναντιωθέντες, ἐπεὶ διεσπάρησαν οἱ λόγοι πρὸς τὸ πλῆθος καὶ πρὸς τὸν Θηραμένην οἰκείως εἶχον οἱ πολλοί,φοβηθέντες μὴ προστάτης γενόμενος τοῦ δήμου καταλύσῃ τὴν δυναστείαν,καταλέγουσιν τῶν πολιτῶν τρισχιλίους, ὡς μεταδώσοντες τῆς πολιτείας. [2]Θηραμένης δὲ πάλιν ἐπιτιμᾷ καὶ τούτοις, πρῶτον μὲν ὅτι βουλόμενοι μεταδοῦναι τοῖς ἐπιεικέσι τρισ χιλίοις μόνοις μεταδιδόασι, ὡς ἐν τούτῳ τῷ πλήθει τῆς ἀρετῆς ὡρισμένης, ἔπειθ᾽ ὅτι δύο τὰ ἐναντιώτατα ποιοῦσιν, βίαιόντε τὴν ἀρχὴν καὶ τῶν ἀρχομένων ἥττω κατασκευάζοντες. Οἱ δὲ τούτων μὲν ὠλιγώρησαν, τὸν δὲ κατάλογον τῶν τρισχιλίων πολὺν μὲν χρόνον ὑπερεβάλλοντο καὶ παρ᾽ αὑτοῖς ἐφύλαττον τοὺς ἐγνωσμένους, ὅτε δὲ καὶ δόξειεν αὐτοῖς ἐκφέρειν, τοὺς μὲν ἐξήλειφον τῶν ἐγγεγραμμένων, τοὺς δ᾽ἀντενέγραφον τῶν ἔξωθεν. [37] [1] […] [2] ἀναιρεθέντος δὲ Θηραμένους, τά τε ὅπλα παρείλοντο πάντων πλὴν τῶν τρισχιλίων, καὶ ἐν τοῖς ἄλλοις πολὺ πρὸς ὠμότητα καὶ πονηρίαν ἐπέδοσαν. Πρέσβεις δὲ πέμψαντες εἰς Λακεδαίμονα τοῦ τε Θηραμένους κατηγόρουν, καὶ βοηθεῖν αὑτοῖς ἠξίουν. Ὧν ἀκούσαντες οἱ Λακεδαιμόνιοι Καλλίβιον ἀπέστειλαν ἁρμοστὴν καὶ στρατιώτας ὡς ἑπτακοσίους, οἳ τὴν ἀκρόπολιν ἐλθόντες ἐφρούρουν.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Übersetzung: H.Rackmann
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Text Übersetzung:

So in this manner the Thirty were established, in the archonship of Pythodorus. Having become masters of the state they neglected most of the measures that had been resolved on in regard to the constitution, but appointed five hundred Councillors and the other offices from among persons previously selected from the Thousand, and also chose for themselves ten governors of Peiraeus, eleven guardians of the prison, and three hundred retainers carrying whips, and so kept the state in their own hands. [2] [Die Dreißig reformieren einen Teil des Testamentsgesetzes] [3] At the outset, therefore, they were engaged in these matters, and in removing the blackmailers and the persons who consorted undesirably with the people to curry favor and were evil-doers and scoundrels; and the state was delighted at these measures, thinking that they were acting with the best intentions. [4] But when they got a firmer hold on the state, they kept their hands off none of the citizens, but put to death those of outstanding wealth or birth or reputation, intending to put that source of danger out of the way, and also desiring to plunder their estates; and by the end of a brief interval of time they had made away with not less than fifteen hundred.
[36]While the state was thus being undermined, Theramenes, resenting what was taking place, kept exhorting them to cease from their wantonness and to admit the best classes to a share in affairs. At first they opposed him, but since these proposals became disseminated among the multitude, and the general public were well disposed towards Theramenes, they grew afraid that he might become head of the People and put down the oligarchy, and so they enrolled three thousand of the citizens with the intention of giving them a share in the government. [2] But Theramenes again criticized this procedure also, first on the ground that although willing to share the government with the respectable they were only giving a share to three thousand, as though moral worth were limited to that number, and next because they were doing two absolutely incompatible things, making their rule one of force and at the same time weaker than those they ruled. But they despised these remonstrances, and for a long time went on postponing the roll of the Three Thousand and keeping to themselves those on whom they had decided, and even on occasions when they thought fit to publish it they made a practice of erasing some of the names enrolled and writing in others instead from among those outside the roll.
[37] [Thrasybulos und andere Exilanten besetzen ein Fort außerhalb Athens und Theramenes wird hingerichtet.] [2] Theramenes having been put out of the way, they disarmed everybody except the Three Thousand, and in the rest of their proceedings went much further in the direction of cruelty and rascality. And they sent ambassadors to Sparta to denounce Theramenes and call upon the Spartans to assist them; and when the Spartans heard this message they dispatched Callibius as governor and about seven hundred troops, who came and garrisoned the Acropolis.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Tobias Nowitzki
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Arist. Ath. Pol. 35-37

Leitfragen:

1) Welchen Gang der Ereignisse beschreibt der Autor der Athenaion Politeia in diesem Abschnitt?

2) Welche Reaktionen ruft die Errichtung einer Oligarchie in Athen hervor und aus welchem Grund?

3) Welche Rückschlüsse lassen sich aus dieser Darstellung der Ereignisse über die Einstellung der athenischen Oberschicht zur Demokratie ziehen?

Kommentar:

Diese Quellenstelle ist der Athenaion Politeia, der „Verfassung der Athener“, entnommen, die unter Aristoteles‘ Namen veröffentlicht ist. Es besteht allerdings keine Einigkeit darüber, ob Aristoteles selbst tatsächlich der Verfasser dieses Werkes ist.

Es wird der Gang der Ereignisse nach 404/3 beschrieben, als eine Clique von dreißig einflussreichen Mitgliedern der Oberschicht die Macht in Athen übernimmt. Dies war eine direkte Folge der katastrophalen Niederlage Athens gegen Sparta im Peloponnesischen Krieg. Die Oligarchie sollte dazu dienen, die athenische Demokratie nicht mehr wieder erstehen zu lassen – Sparta wollte gerne eine Oligarchie in Athen an der Macht sehen, weil diese meist weit positiver gegenüber Sparta eingestellt war als das Volk.

Zu Beginn verabschieden die Dreißig eine Reihe von nicht unpopulären Gesetzen, sehr schnell werden für sie jedoch Machterhalt und persönliche Bereicherung zentrale Motive. In einer Welle der Gewalt sterben nach Angaben der Quelle bis zu 1500 reiche Athener, deren Geld und Besitz sich die Dreißig aneignen. Auch wenn die Zahlen antiker Quellen stets mit Vorsicht zu genießen sind, ist dennoch eindeutig, dass eine große Zahl von Bürgern und Metöken unter den Tyrannen den Tod fand. Da es Schätzungen zufolge nach Ende des Krieges noch etwa 15.000 waffenfähige Bürger in Athen gab, kann man den Blutzoll ermessen, den die Herrschaft der Dreißig der Stadt abverlangte.

Bei der Absicherung ihrer Macht gehen die Tyrannen ebenso skrupellos vor, dabei schalten sie sogar ehemalige Verbündete aus. Theramenes, der einst geholfen hatte, diese Oligarchie einzusetzen und sich für eine milde Form der Oligarchie stark gemacht hatte, wurde wie viele andere hingerichtet. Dazu ging ein großer Teil der Bevölkerung ins Exil bzw. besetzte eine Festung in Attika; ein Bürgerkrieg begann. Wir sind über diese Zeit auch aus anderen Quellen gut unterrichtet, beispielsweise durch die Reden des Lysias, der selbst seinen Bruder durch die Dreißig verloren hatte, oder auch Platon, dessen Verwandter Kritias Anführer der Dreißig war.

An Theramenes‘ Beispiel lässt sich erkennen, dass Teile der athenischen Oberschicht einer Oligarchie nicht abgeneigt waren. Erst als die Oligarchenclique zu brutal vorgeht und auch die reiche Oberschicht ins Visier nimmt, regt sich Widerstand. Dieses Verhalten legt beredt Zeugnis über das gespaltene Verhältnis der Oberschicht zum Volk ab, denn auf der einen Seite nehmen die Mitglieder der führenden Familien große Risiken auf sich, um dem Volk zu gefallen und Ruhm zu erwerben, auf der anderen Seite liebäugeln viele von ihnen beständig mit der Oligarchie.

Der Umsturz der Demokratie hin zu einer Oligarchie oder Tyrannis war denn auch die größte Furcht des athenischen Volkes und nicht wenige, die vom Demos hingerichtet oder exiliert wurden, waren zuvor, ob nun zu Recht oder zu Unrecht, verdächtigt worden, eine Tyrannis errichten zu wollen.

Das Liebäugeln mit autokratischen Regierungsformen „zum Wohle aller und des Staates“ und das Erschrecken darüber, dass Autokraten am Ende immer nach ihrem eigenen Machterhalt streben, sind auch heute überall auf der Welt zu beobachten. Auch in westlichen Demokratien gibt es nicht wenige, die sich eine starke Hand wünschen, die einmal alles „wieder in Ordnung bringt“. Das Beispiel der Dreißig Tyrannen mag jedoch als eines von vielen dafür stehen, was dabei herauskommen kann.

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Zum Verhältnis der Athener zu ihrer Oberschicht siehe auch den Bericht über Alkibiades‘ Liturgien (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/liturgie/), den Ostrakismos des Themistokles (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/ostrakismus-des-themistokles/) sowie die Hinrichtung des Theramenes (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/xenophon-zu-den-30-tyrannen/)

Melierdialog

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Thukydides
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Thuk. 5, 84,3-95 – Original:

[3] στρατοπεδευσάμενοι οὖν ἐς τὴν γῆν αὐτῶν τῇ παρασκευῇ ταύτῃ οἱ στρατηγοὶ Κλεομήδης τε ὁ Λυκομήδους καὶ Τεισίας ὁ Τεισιμάχου, πρὶν ἀδικεῖν τι τῆς γῆς, λόγους πρῶτον ποιησομένους ἔπεμψαν πρέσβεις. Οὓς οἱ Μήλιοι πρὸς μὲν τὸ πλῆθος οὐκ ἤγαγον, ἐν δὲ ταῖς ἀρχαῖς καὶ τοῖς ὀλίγοις λέγειν ἐκέλευον περὶ ὧν ἥκουσιν.
[85] οἱ δὲ τῶν Ἀθηναίων πρέσβεις ἔλεγον τοιάδε. ‘ἐπειδὴ οὐ πρὸς τὸ πλῆθος οἱ λόγοι γίγνονται, ὅπως δὴ μὴ ξυνεχεῖ ῥήσει οἱ πολλοὶ ἐπαγωγὰ καὶ ἀνέλεγκτα ἐσάπαξ ἀκούσαντες ἡμῶν ἀπατηθῶσιν (γιγνώσκομεν γὰρ ὅτι τοῦτο φρονεῖ ἡμῶν ἡ ἐς τοὺς ὀλίγους ἀγωγή), ὑμεῖς οἱ καθήμενοι ἔτι ἀσφαλέστερον ποιήσατε. Καθ᾽ ἕκαστον γὰρ καὶ μηδ᾽ ὑμεῖς ἑνὶ λόγῳ, ἀλλὰ πρὸς τὸ μὴ δοκοῦν ἐπιτηδείως λέγεσθαι εὐθὺς ὑπολαμβάνοντες κρίνετε. Καὶ πρῶτον εἰ ἀρέσκει ὡςλέγομεν εἴπατε.’
[86] οἱ δὲ τῶν Μηλίων ξύνεδροι ἀπεκρίναντο ‘ἡ μὲν ἐπιείκεια τοῦ διδάσκειν καθ᾽ἡσυχίαν ἀλλήλους οὐ ψέγεται, τὰ δὲ τοῦ πολέμου παρόντα ἤδη καὶ οὐ μέλλοντα διαφέροντα αὐτοῦ φαίνεται. ὁρῶμεν γὰρ αὐτούς τε κριτὰς ἥκοντας ὑμᾶς τῶν λεχθησομένων καὶ τὴν τελευτὴν ἐξ αὐτοῦ κατὰ τὸ εἰκὸς περιγενομένοις μὲν τῷ δικαίῳ καὶ δι᾽ αὐτὸ μὴ ἐνδοῦσι πόλεμον ἡμῖν φέρουσαν,πεισθεῖσι δὲ δουλείαν.’
[87]ΑΘ. Εἰ μὲν τοίνυν ὑπονοίας τῶν μελλόντων λογιούμενοι ἢ ἄλλο τι ξυνήκετε ἢ ἐκτῶν παρόντων καὶ ὧν ὁρᾶτε περὶ σωτηρίας βουλεύσοντες τῇ πόλει, παυοίμεθ᾽ἄν: εἰ δ᾽ ἐπὶ τοῦτο, λέγοιμεν ἄν.
[88] ΜΗΛ. Εἰκὸς μὲν καὶ ξυγγνώμη ἐν τῷ τοιῷδε καθεστῶτας ἐπὶ πολλὰ καὶ λέγοντας καὶ δοκοῦντας τρέπεσθαι: ἡ μέντοι ξύνοδος καὶ περὶ σωτηρίας ἥδε πάρεστι, καὶ ὁλόγος ᾧ προκαλεῖσθε τρόπῳ, εἰ δοκεῖ, γιγνέσθω.
[89]ΑΘ. Ἡμεῖς τοίνυν οὔτε αὐτοὶ μετ᾽ ὀνομάτων καλῶν, ὡς ἢ δικαίως τὸν Μῆδον καταλύσαντες ἄρχομεν ἢ ἀδικούμενοι νῦν ἐπεξερχόμεθα, λόγων μῆκος ἄπιστον παρέξομεν, οὔθ᾽ ὑμᾶς ἀξιοῦμεν ἢ ὅτι Λακεδαιμονίων ἄποικοι ὄντες οὐ ξυνεστρατεύσατε ἢ ὡς ἡμᾶς οὐδὲν ἠδικήκατε λέγοντας οἴεσθαι πείσειν, τὰ δυνατὰ δ᾽ ἐξ ὧν ἑκάτεροι ἀληθῶς φρονοῦμεν διαπράσσεσθαι, ἐπισταμένους πρὸς εἰδότας ὅτι δίκαια μὲν ἐν τῷ ἀνθρωπείῳ λόγῳ ἀπὸ τῆς ἴσης ἀνάγκης κρίνεται, δυνατὰ δὲ οἱ προύχοντες πράσσουσι καὶ οἱ ἀσθενεῖς ξυγχωροῦσιν.
[90] ΜΗΛ. Ἧι μὲν δὴ νομίζομέν γε, χρήσιμον (ἀνάγκη γάρ, ἐπειδὴ ὑμεῖς οὕτω παρὰ τὸ δίκαιον τὸ ξυμφέρον λέγειν ὑπέθεσθε) μὴ καταλύειν ὑμᾶς τὸ κοινὸν ἀγαθόν,ἀλλὰ τῷ αἰεὶ ἐν κινδύνῳ γιγνομένῳ εἶναι τὰ εἰκότα καὶ δίκαια, καί τι καὶ ἐντὸς τοῦ ἀκριβοῦς πείσαντά τινα ὠφεληθῆναι. Καὶ πρὸς ὑμῶν οὐχ ἧσσον τοῦτο, ὅσῳ καὶ ἐπὶ μεγίστῃ τιμωρίᾳ σφαλέντες ἂν τοῖς ἄλλοις παράδειγμα γένοισθε.
[91] ΑΘ. Ἡμεῖς δὲ τῆς ἡμετέρας ἀρχῆς, ἢν καὶ παυθῇ, οὐκ ἀθυμοῦμεν τὴν τελευτήν: οὐ γὰρ οἱ ἄρχοντες ἄλλων, ὥσπερ καὶ Λακεδαιμόνιοι, οὗτοι δεινοὶ τοῖς νικηθεῖσιν (ἔστι δὲ οὐ πρὸς Λακεδαιμονίους ἡμῖν ὁ ἀγών), ἀλλ᾽ ἢν οἱ ὑπήκοοί που τῶν ἀρξάντων αὐτοὶ ἐπιθέμενοι κρατήσωσιν. [2] καὶ περὶ μὲν τούτου ἡμῖν ἀφείσθω κινδυνεύεσθαι: ὡς δὲ ἐπ᾽ ὠφελίᾳ τε πάρεσμεν τῆς ἡμετέρας ἀρχῆς καὶ ἐπὶ σωτηρίᾳ νῦν τοὺς λόγους ἐροῦμεν τῆς ὑμετέρας πόλεως, ταῦτα δηλώσομεν, βουλόμενοι ἀπόνως μὲν ὑμῶν ἄρξαι,χρησίμως δ᾽ ὑμᾶς ἀμφοτέροις σωθῆναι.
[92] ΜΗΛ. Καὶ πῶς χρήσιμον ἂν ξυμβαίη ἡμῖν δουλεῦσαι, ὥσπερ καὶ ὑμῖν ἄρξαι;
[93] ΑΘ. Ὅτι ὑμῖν μὲν πρὸ τοῦ τὰ δεινότατα παθεῖν ὑπακοῦσαι ἂν γένοιτο, ἡμεῖς δὲ μὴ διαφθείραντες ὑμᾶς κερδαίνοιμεν ἄν.
[94]ΜΗΛ. Ὥστε [δὲ] ἡσυχίαν ἄγοντας ἡμᾶς φίλους μὲν εἶναι ἀντὶ πολεμίων, ξυμμάχους δὲ μηδετέρων, οὐκ ἂν δέξαισθε;
[95] ΑΘ. Οὐ γὰρ τοσοῦτον ἡμᾶς βλάπτει ἡ ἔχθρα ὑμῶν ὅσον ἡ φιλία μὲν ἀσθενείας, τὸδὲ μῖσος δυνάμεως παράδειγμα τοῖς ἀρχομένοις δηλούμενον.
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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Übersetzung: E.C. Marchant
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Übersetzung

[3] Cleomedes, son of Lycomedes, and Tisias, son of Tisimachus, the generals, encamping in their territory with the above armament, before doing any harm to their land, sent envoys to negotiate. These the Melians did not bring before the people, but bade them state the object of their mission to the magistrates and the few; upon which the Athenian envoys spoke as follows:—
[85]‘Since the negotiations are not to go on before the people, in order that we may not be able to speak straight on without interruption, and deceive the ears of the multitude by seductive arguments which would pass without refutation (for we know that this is the meaning of our being brought before the few), what if you who sit there were to pursue a method more cautious still! Make no set speech yourselves, but take us up at whatever you do not like, and settle that before going any farther. And first tell us if this proposition of ours suits you.’
[86] The Melian commissioners answered:—‘To the fairness of quietly instructing each other as you propose there is nothing to object; but your military preparations are too far advanced to agree with what you say, as we see you are come to be judges in your own cause, and that all we can reasonably expect from this negotiation is war, if we prove to have right on our side and refuse to submit, and in the contrary case, slavery.’
[87] ‘If you have met to reason about presentiments of the future, or for anything else than to consult for the safety of your state upon the facts that you see before you, we will give over; otherwise we will go on.’
[88] ‘It is natural and excusable for men in our position to turn more ways than one both in thought and utterance. However, the question in this conference is, as you say, the safety of our country; and the discussion, if you please, can proceed in the way which you propose.’
[89] ‘For ourselves, we shall not trouble you with specious pretences—either of how we have a right to our empire because we overthrew the Mede, or are now attacking you because of wrong that you have done us—and make a long speech which would not be believed; and in return we hope that you, instead of thinking to influence us by saying that you did not join the Lacedaemonians, although their colonists, or that you have done us no wrong, will aim at what is feasible, holding in view the real sentiments of us both; since you know as well as we do that right, as the world goes, is only in question between equals in power, while the strong do what they can and the weak suffer what they must.’
[90] ‘As we think, at any rate, it is expedient—we speak as we are obliged, since you enjoin us to let right alone and talk only of interest—that you should not destroy what is our common protection, the privilege of being allowed in danger to invoke what is fair and right, and even to profit by arguments not strictly valid if they can be got to pass current. And you are as much interested in this as any, as your fall would be a signal for the heaviest vengeance and an example for the world to meditate upon.’
[91]‘The end of our empire, if end it should, does not frighten us: a rival empire like Lacedaemon, even if Lacedaemon was our real antagonist, is not so terrible to the vanquished as subjects who by themselves attack and overpower their rulers. [2] This, however, is a risk that we are content to take. We will now proceed to show you that we are come here in the interest of our empire, and that we shall say what we are now going to say, for the preservation of your country; as we would fain exercise that empire over you without trouble, and see you preserved for the good of us both.’
[92] ‘And how, pray, could it turn out as good for us to serve as for you to rule?’
[93] ‘Because you would have the advantage of submitting before suffering the worst, and we should gain by not destroying you.’
[94] ‘So that you would not consent to our being neutral, friends instead of enemies, but allies of neither side.’
[95] ‘No; for your hostility cannot so much hurt us as your friendship will be an argument to our subjects of our weakness, and your enmity of our power.’
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Autor_in: Tobias Nowitzki
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Thuk. 5, 84,3-95

Leitfragen:
1) In welchem Verhältnis stehen Athener und Melier zueinander?
2) Welche Rückschlüsse lassen sich von der athenischen Verhandlungsführung auf das Selbstverständnis der Polis Athen ziehen?
3) Welches Menschenbild zeichnet Thukydides in dieser Episode?

Kommentar:

Der von Thukydides überlieferte „Melierdialog“ gehört zu den bekanntesten Stellen aus dem Werk des Historiographen und ist gleichzeitig eine der bekanntesten Quellenstellen zur Geschichte der griechischen Klassik überhaupt.

Zeitlich fällt der Melierdialog in die Hochphase des Peloponnesischen Krieges. Melos ist eine Kolonie Spartas, des Kriegsgegners Athens, selbst jedoch bisher neutral in diesem Krieg. Die Athener entsenden eine Flotte mit einem simplen Auftrag: Sie soll allen anderen Poleis die Macht Athens deutlich vor Augen führen. Die Melier versuchen, als sie die Flotte vor ihrer Stadt bemerken, in Verhandlungen mit den Athenern zu treten, um herauszufinden, wie sie einen Kampf abwenden können, dessen für sie ungünstigen Ausgang sie bereits vorahnen können.

Die Melier machen in ihren Aussagen deutlich, dass sie sich keinen Illusionen über die Absichten der Athener hingeben, und die Athener machen daraus auch keinen Hehl. “The strong do what they can and the weak suffer what they must”, diese Aussage ist unverhohlen imperialistisch und brutal. Die Athener verschleiern gar nicht erst, dass sie schlicht gekommen sind, um die Polis Melos zu unterwerfen, obwohl diese sich gar nicht mit ihnen im Krieg befindet. Die Handlungsoptionen für die Melier sind begrenzt, was ebenfalls beiden Seiten klar ist: Entweder Widerstand zu leisten und dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit zu sterben, oder sich zu ergeben und unter athenische Herrschaft zu treten. Am Ende, so erwähnt es Thukydides am Schluss des fünften Buches, entscheiden sich die Melier für den Widerstand gegen Athen, werden allerdings besiegt, woraufhin alle Männer getötet und die Frauen und Kinder als Sklaven verkauft werden. Die Stadt wird mit athenischen Kolonisten wiederbesiedelt.

Diese kompromisslose Haltung der Athener lässt sich mit der rücksichtlosen Haltung europäischer Staaten gegenüber abhängigen Kolonien vergleichen: Wir greifen mit Thukydides einen antiken Imperialismus, der mitnichten weniger brutal daherkommt als die Haltung etwa eines Hernán Cortés. Ferner ist der Melierdialog ein gutes Beispiel dafür, dass auch der in Demokratien ausgedrückte Volkswille mitnichten stets moralisch überlegen ist; in diesem Fall hat das athenische Volk sich gemeinsam dafür entschieden, andere auszulöschen und zu unterdrücken.

Ebenfalls lässt sich an diesem Quellenabschnitt gut die Beobachtungsgabe und der Pessimismus des Thukydides zeigen. Er erkannte, dass es nicht die Pläne von Göttern, sondern die Handlungen von Menschen sind, die andere Menschen ins Unglück stürzen. Ohne strategische Notwendigkeit möchten die Athener ein Exempel statuieren und ihre Macht offen demonstrieren, wofür sie sich eine schwächere Polis aussuchen, die außerdem eine Kolonie ihres Feindes Sparta ist. In der Argumentation der athenischen Generäle zeigt sich deutlich, dass weder die Menschlichkeit, noch philosophische Argumente der Melier etwas gegen die simple Brutalität imperialistischer Machtausübung ausrichten können

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Vergleiche zur imperialistischen Haltung Athens auch Kleons Rede vor der Ekklesia (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/kleons-rede-vor-der-ekklesia/) und zur Brutalität des athenischen Vorgehens das mytilenische Psephisma (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/mytilene/).

Kleons Rede vor der Ekklesia

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Thukydides
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Thuk. 3, 37-40 – Original:

‘πολλάκις μὲν ἤδη ἔγωγε καὶ ἄλλοτε ἔγνων δημοκρατίαν ὅτι ἀδύνατόν ἐστιν ἑτέρων ἄρχειν, μάλιστα δ᾽ ἐν τῇ νῦν ὑμετέρᾳ περὶ Μυτιληναίων μεταμελείᾳ. [2] διὰ γὰρ τὸ καθ᾽ ἡμέραν ἀδεὲς καὶ ἀνεπιβούλευτον πρὸς ἀλλήλους καὶ ἐςτοὺς ξυμμάχους τὸ αὐτὸ ἔχετε, καὶ ὅτι ἂν ἢ λόγῳ πεισθέντες ὑπ᾽ αὐτῶν ἁμάρτητε ἢ οἴκτῳ ἐνδῶτε, οὐκ ἐπικινδύνως ἡγεῖσθε ἐς ὑμᾶς καὶ οὐκ ἐς τὴν τῶν ξυμμάχων χάριν μαλακίζεσθαι, οὐ σκοποῦντες ὅτι τυραννίδα ἔχετε τὴν ἀρχὴν καὶ πρὸς ἐπιβουλεύοντας αὐτοὺς καὶ ἄκοντας ἀρχομένους, οἳ οὐκ ἐξ ὧν ἂν χαρίζησθε βλαπτόμενοι αὐτοὶ ἀκροῶνται ὑμῶν, ἀλλ᾽ ἐξ ὧν ἂν ἰσχύι μᾶλλον ἢ τῇ ἐκείνων εὐνοίᾳ περιγένησθε. [3] πάντων δὲ δεινότατον εἰ βέβαιον ἡμῖν μηδὲν καθεστήξει ὧν ἂν δόξῃ πέρι,μηδὲ γνωσόμεθα ὅτι χείροσι νόμοις ἀκινήτοις χρωμένη πόλις κρείσσων ἐστὶν ἢκαλῶς ἔχουσιν ἀκύροις, ἀμαθία τε μετὰ σωφροσύνης ὠφελιμώτερον ἢ δεξιότης μετὰ ἀκολασίας, οἵ τε φαυλότεροι τῶν ἀνθρώπων πρὸς τοὺς ξυνετωτέρους ὡςἐπὶ τὸ πλέον ἄμεινον οἰκοῦσι τὰς πόλεις. [4] οἱ μὲν γὰρ τῶν τε νόμων σοφώτεροι βούλονται φαίνεσθαι τῶν τε αἰεὶ λεγομένων ἐς τὸ κοινὸν περιγίγνεσθαι, ὡς ἐν ἄλλοις μείζοσιν οὐκ ἂν δηλώσαντες τὴν γνώμην, καὶ ἐκ τοῦ τοιούτου τὰ πολλὰ σφάλλουσι τὰς πόλεις:οἱ δ᾽ ἀπιστοῦντες τῇ ἐξ αὑτῶν ξυνέσει ἀμαθέστεροι μὲν τῶν νόμων ἀξιοῦσιν εἶναι, ἀδυνατώτεροι δὲ τοῦ καλῶς εἰπόντος μέμψασθαι λόγον, κριταὶ δὲ ὄντες ἀπὸ τοῦ ἴσου μᾶλλον ἢ ἀγωνισταὶ ὀρθοῦνται τὰ πλείω.[5] ὣς οὖν χρὴ καὶ ἡμᾶς ποιοῦντας μὴ δεινότητι καὶ ξυνέσεως ἀγῶνι ἐπαιρομένους παρὰ δόξαν τῷ ὑμετέρῳ πλήθει παραινεῖν.
[38]‘ἐγὼ μὲν οὖν ὁ αὐτός εἰμι τῇ γνώμῃ καὶ θαυμάζω μὲν τῶν προθέντων αὖθις περὶ Μυτιληναίων λέγειν καὶ χρόνου διατριβὴν ἐμποιησάντων, ὅ ἐστι πρὸς τῶν ἠδικηκότων μᾶλλον (ὁ γὰρ παθὼν τῷ δράσαντι ἀμβλυτέρᾳ τῇ ὀργῇ ἐπεξέρχεται, ἀμύνεσθαι δὲ τῷ παθεῖν ὅτι ἐγγυτάτω κείμενον ἀντίπαλον ὂν μάλιστα τὴν τιμωρίαν ἀναλαμβάνει), θαυμάζω δὲ καὶ ὅστις ἔσται ὁ ἀντερῶνκαὶ ἀξιώσων ἀποφαίνειν τὰς μὲν Μυτιληναίων ἀδικίας ἡμῖν ὠφελίμους οὔσας,τὰς δ᾽ ἡμετέρας ξυμφορὰς τοῖς ξυμμάχοις βλάβας καθισταμένας. [2] καὶ δῆλον ὅτι ἢ τῷ λέγειν πιστεύσας τὸ πάνυ δοκοῦν ἀνταποφῆναι ὡς οὐκ ἔγνωσται ἀγωνίσαιτ᾽ ἄν, ἢ κέρδει ἐπαιρόμενος τὸ εὐπρεπὲς τοῦ λόγου ἐκπονήσας παράγειν πειράσεται. [3] ἡ δὲ πόλις ἐκ τῶν τοιῶνδε ἀγώνων τὰ μὲν ἆθλα ἑτέροις δίδωσιν, αὐτὴ δὲ τοὺς κινδύνους ἀναφέρει. [4] αἴτιοι δ᾽ ὑμεῖς κακῶς ἀγωνοθετοῦντες, οἵτινες εἰώθατε θεαταὶ μὲν τῶν λόγων γίγνεσθαι, ἀκροαταὶ δὲ τῶν ἔργων, τὰ μὲν μέλλοντα ἔργα ἀπὸ τῶν εὖ εἰπόντων σκοποῦντες ὡς δυνατὰ γίγνεσθαι, τὰ δὲ πεπραγμένα ἤδη, οὐ τὸ δρασθὲν πιστότερον ὄψει λαβόντες ἢ τὸ ἀκουσθέν, ἀπὸ τῶν λόγῳ καλῶς ἐπιτιμησάντων: [5] καὶ μετὰ καινότητος μὲν λόγου ἀπατᾶσθαι ἄριστοι, μετὰ δεδοκιμασμένου δὲ μὴ ξυνέπεσθαι ἐθέλειν, δοῦλοι ὄντες τῶν αἰεὶ ἀτόπων, ὑπερόπται δὲ τῶν εἰωθότων, [6] καὶ μάλιστα μὲν αὐτὸς εἰπεῖν ἕκαστος βουλόμενος δύνασθαι, εἰ δὲ μή,ἀνταγωνιζόμενοι τοῖς τοιαῦτα λέγουσι μὴ ὕστεροι ἀκολουθῆσαι δοκεῖν τῇ γνώμῃ, ὀξέως δέ τι λέγοντος προεπαινέσαι, καὶ προαισθέσθαι τε πρόθυμοι εἶναι τὰ λεγόμενα καὶ προνοῆσαι βραδεῖς τὰ ἐξ αὐτῶν ἀποβησόμενα, [7] ζητοῦντές τε ἄλλο τι ὡς εἰπεῖν ἢ ἐν οἷς ζῶμεν, φρονοῦντες δὲ οὐδὲ περὶ τῶν παρόντων ἱκανῶς: ἁπλῶς τε ἀκοῆς ἡδονῇ ἡσσώμενοι καὶ σοφιστῶν θεαταῖς ἐοικότες καθημένοις μᾶλλον ἢ περὶ πόλεως βουλευομένοις.
[39] ‘ὧν ἐγὼ πειρώμενος ἀποτρέπειν ὑμᾶς ἀποφαίνω Μυτιληναίους μάλιστα δὴμίαν πόλιν ἠδικηκότας ὑμᾶς. [2] ἐγὼ γάρ, οἵτινες μὲν μὴ δυνατοὶ φέρειν τὴν ὑμετέραν ἀρχὴν ἢ οἵτινες ὑπὸ τῶν πολεμίων ἀναγκασθέντες ἀπέστησαν, ξυγγνώμην ἔχω: νῆσον δὲ οἵτινες ἔχοντες μετὰ τειχῶν καὶ κατὰ θάλασσαν μόνον φοβούμενοι τοὺς ἡμετέρους πολεμίους, ἐν ᾧ καὶ αὐτοὶ τριήρων παρασκευῇ οὐκ ἄφαρκτοι ἦσαν πρὸς αὐτούς, αὐτόνομοί τε οἰκοῦντες καὶ τιμώμενοι ἐς τὰ πρῶτα ὑπὸ ἡμῶν τοιαῦτα εἰργάσαντο, τί ἄλλο οὗτοι ἢ ἐπεβούλευσάν τε καὶ ἐπανέστησαν μᾶλλον ἢ ἀπέστησαν (ἀπόστασις μέν γε τῶν βίαιόν τι πασχόντων ἐστίν), ἐζήτησάν τε μετὰ τῶν πολεμιωτάτων ἡμᾶς στάντες διαφθεῖραι; καίτοι δεινότερόν ἐστιν ἢ εἰκαθ᾽ αὑτοὺς δύναμιν κτώμενοι ἀντεπολέμησαν. [3] παράδειγμα δὲ αὐτοῖς οὔτε αἱ τῶν πέλας ξυμφοραὶ ἐγένοντο, ὅσοι ἀποστάντες ἤδη ἡμῶν ἐχειρώθησαν, οὔτε ἡ παροῦσα εὐδαιμονία παρέσχεν ὄκνον μὴ ἐλθεῖν ἐς τὰ δεινά: γενόμενοι δὲ πρὸς τὸ μέλλον θρασεῖς καὶ ἐλπίσαντες μακρότερα μὲν τῆς δυνάμεως, ἐλάσσω δὲ τῆς βουλήσεως, πόλεμον ἤραντο, ἰσχὺν ἀξιώσαντες τοῦ δικαίου προθεῖναι: ἐν ᾧ γὰρ ᾠήθησαν περιέσεσθαι, ἐπέθεντο ἡμῖν οὐκ ἀδικούμενοι. [4] εἴωθε δὲ τῶν πόλεων αἷς ἂν μάλιστα καὶ δι᾽ ἐλαχίστου ἀπροσδόκητος εὐπραγία ἔλθῃ, ἐς ὕβριν τρέπειν: τὰ δὲ πολλὰ κατὰ λόγον τοῖς ἀνθρώποις εὐτυχοῦντα ἀσφαλέστερα ἢ παρὰ δόξαν, καὶ κακοπραγίαν ὡς εἰπεῖν ῥᾷον ἀπωθοῦνται ἢ εὐδαιμονίαν διασῴζονται. [5] χρῆν δὲ Μυτιληναίους καὶ πάλαι μηδὲν διαφερόντως τῶν ἄλλων ὑφ᾽ ἡμῶν τετιμῆσθαι, καὶ οὐκ ἂν ἐς τόδε ἐξύβρισαν: πέφυκε γὰρ καὶ ἄλλως ἄνθρωπος τὸμὲν θεραπεῦον ὑπερφρονεῖν, τὸ δὲ μὴ ὑπεῖκον θαυμάζειν. [6] κολασθέντων δὲ καὶ νῦν ἀξίως τῆς ἀδικίας, καὶ μὴ τοῖς μὲν ὀλίγοις ἡ αἰτία προστεθῇ, τὸν δὲ δῆμον ἀπολύσητε. Πάντες γὰρ ὑμῖν γε ὁμοίως ἐπέθεντο, οἷς γ᾽ ἐξῆν ὡς ἡμᾶς τραπομένοις νῦν πάλιν ἐν τῇ πόλει εἶναι: ἀλλὰ τὸν μετὰ τῶν ὀλίγων κίνδυνον ἡγησάμενοι βεβαιότερον ξυναπέστησαν. [7] τῶν τε ξυμμάχων σκέψασθε εἰ τοῖς τε ἀναγκασθεῖσιν ὑπὸ τῶν πολεμίων καὶτοῖς ἑκοῦσιν ἀποστᾶσι τὰς αὐτὰς ζημίας προσθήσετε, τίνα οἴεσθε ὅντινα οὐ βραχείᾳ προφάσει ἀποστήσεσθαι, ὅταν ἢ κατορθώσαντι ἐλευθέρωσις ᾖ ἢσφαλέντι μηδὲν παθεῖν ἀνήκεστον; [8] ἡμῖν δὲ πρὸς ἑκάστην πόλιν ἀποκεκινδυνεύσεται τά τε χρήματα καὶ αἱ ψυχαί, καὶ τυχόντες μὲν πόλιν ἐφθαρμένην παραλαβόντες τῆς ἔπειτα προσόδου, δι᾽ ἣν ἰσχύομεν, τὸ λοιπὸν στερήσεσθε, σφαλέντες δὲ πολεμίους πρὸς τοῖς ὑπάρχουσιν ἕξομεν, καὶ ὃν χρόνον τοῖς νῦν καθεστηκόσι δεῖ ἐχθροῖς ἀνθίστασθαι, τοῖς οἰκείοις ξυμμάχοις πολεμήσομεν.
[40] ‘οὔκουν δεῖ προθεῖναι ἐλπίδα οὔτε λόγῳ πιστὴν οὔτε χρήμασιν ὠνητήν, ὡς ξυγγνώμην ἁμαρτεῖν ἀνθρωπίνως ήψονται. Ἄκοντες μὲν γὰρ οὐκ ἔβλαψαν,εἰδότες δὲ ἐπεβούλευσαν: ξύγγνωμον δ᾽ ἐστὶ τὸ ἀκούσιον. [2] ἐγὼ μὲν οὖν καὶ τότε πρῶτον καὶ νῦν διαμάχομαι μὴ μεταγνῶναι ὑμᾶς τὰ προδεδογμένα, μηδὲ τρισὶ τοῖς ἀξυμφορωτάτοις τῇ ἀρχῇ, οἴκτῳ καὶ ἡδονῇ λόγων καὶ ἐπιεικείᾳ, ἁμαρτάνειν. [3] ἔλεός τε γὰρ πρὸς τοὺς ὁμοίους δίκαιος ἀντιδίδοσθαι, καὶ μὴ πρὸς τοὺς οὔτ᾽ἀντοικτιοῦντας ἐξ ἀνάγκης τε καθεστῶτας αἰεὶ πολεμίους: οἵ τε τέρποντες λόγῳ ῥήτορες ἕξουσι καὶ ἐν ἄλλοις ἐλάσσοσιν ἀγῶνα, καὶ μὴ ἐν ᾧ ἡ μὲν πόλις βραχέα ἡσθεῖσα μεγάλα ζημιώσεται, αὐτοὶ δὲ ἐκ τοῦ εὖ εἰπεῖν τὸ παθεῖν εὖ ἀντιλήψονται:καὶ ἡ ἐπιείκεια πρὸς τοὺς μέλλοντας ἐπιτηδείους καὶ τὸ λοιπὸν ἔσεσθαι μᾶλλον δίδοται ἢ πρὸς τοὺς ὁμοίους τε καὶ οὐδὲν ἧσσον πολεμίους ὑπολειπομένους. [4] ἕν τε ξυνελὼν λέγω: πειθόμενοι μὲν ἐμοὶ τά τε δίκαια ἐς Μυτιληναίους καὶτὰ ξύμφορα ἅμα ποιήσετε, ἄλλως δὲ γνόντες τοῖς μὲν οὐ χαριεῖσθε, ὑμᾶς δὲ αὐτοὺς μᾶλλον δικαιώσεσθε. Εἰ γὰρ οὗτοι ὀρθῶς ἀπέστησαν, ὑμεῖς ἂν οὐ χρεὼν ἄρχοιτε. Εἰ δὲ δὴ καὶ οὐ προσῆκον ὅμως ἀξιοῦτε τοῦτο δρᾶν, παρὰ τὸ εἰκός τοικαὶ τούσδε ξυμφόρως δεῖ κολάζεσθαι,
ἢ παύεσθαι τῆς ἀρχῆς καὶ ἐκ τοῦ ἀκινδύνου ἀνδραγαθίζεσθαι. [5] τῇ τε αὐτῇ ζημίᾳ ἀξιώσατε ἀμύνασθαι καὶ μὴ ἀναλγητότεροι οἱ διαφεύγοντες τῶν ἐπιβουλευσάντων φανῆναι, ἐνθυμηθέντες ἃ εἰκὸς ἦν αὐτοὺς ποιῆσαι κρατήσαντας ὑμῶν, ἄλλως τε καὶ προϋπάρξαντας ἀδικίας. [6] μάλιστα δὲ οἱ μὴ ξὺν προφάσει τινὰ κακῶς ποιοῦντες ἐπεξέρχονται καὶ διολλύναι, τὸν κίνδυνον ὑφορώμενοι τοῦ ὑπολειπομένου ἐχθροῦ: ὁ γὰρ μὴ ξὺνἀνάγκῃ τι παθὼν χαλεπώτερος διαφυγὼντοῦ ἀπὸ τῆς ἴσης ἐχθροῦ. [7] ‘μὴ οὖν προδόται γένησθε ὑμῶν αὐτῶν, γενόμενοι δ᾽ ὅτι ἐγγύτατα τῇ γνώμῃ τοῦ πάσχειν καὶ ὡς πρὸ παντὸς ἂν τιμήσασθε αὐτοὺς χειρώσασθαι, νῦν ἀνταπόδοτε μὴ μαλακισθέντες πρὸς τὸ παρὸν αὐτίκα μηδὲ τοῦ ἐπικρεμασθέντος ποτὲ δεινοῦ ἀμνημονοῦντες. Κολάσατε δὲ ἀξίως τούτους τε καὶ τοῖς ἄλλοις ξυμμάχοις παράδειγμα σαφὲς καταστήσατε, ὃς ἂν ἀφιστῆται,θανάτῳ ζημιωσόμενον. Τόδε γὰρ ἢν γνῶσιν, ἧσσον τῶν πολεμίων ἀμελήσαντες τοῖς ὑμετέροις αὐτῶν μαχεῖσθε ξυμμάχοις.’

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Übersetzung: E.C. Marchant
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Übersetzung

[37] ‘I have often before now been convinced that a democracy is incapable of empire, and never more so than by your present change of mind in the matter of Mitylene. [2] Fears or plots being unknown to you in your daily relations with each other, you feel just the same with regard to your allies, and never reflect that the mistakes into which you may be led by listening to their appeals, or by giving way to your own compassion, are full of danger to yourselves, and bring you no thanks for your weakness from your allies; entirely forgetting that your empire is a despotism and your subjects disaffected conspirators, whose obedience is insured not by your suicidal concessions, but by the superiority given you by your own strength and not their loyalty.[3] The most alarming feature in the case is the constant change of measures with which we appear to be threatened, and our seeming ignorance of the fact that bad laws which are never changed are better for a city than good ones that have no authority; that unlearned loyalty is more serviceable than quick-witted insubordination; and that ordinary men usually manage public affairs better than their more gifted fellows. [4] The latter are always wanting to appear wiser than the laws, and to overrule every proposition brought forward, thinking that they cannot show their wit in more important matters, and by such behavior too often ruin their country; while those who mistrust their own cleverness are content to be less learned than the laws, and less able to pick holes in the speech of a good speaker; and being fair judges rather than rival athletes, generally conduct affairs successfully. [5] These we ought to imitate, instead of being led on by cleverness and intellectual rivalry to advise your people against our real opinions.
[38]For myself, I adhere to my former opinion, and wonder at those who have proposed to reopen the case of the Mitylenians, and who are thus causing a delay which is all in favour of the guilty, by making the sufferer proceed against the offender with the edge of his anger blunted; although where vengeance follows most closely upon the wrong, it best equals it and most amply requites it. I wonder also who will be the man who will maintain the contrary, and will pretend to show that the crimes of the Mitylenians are of service to us, and our misfortunes injurious to the allies. [2] Such a man must plainly either have such confidence in his rhetoric as to adventure to prove that what has been once for all decided is still undetermined, or be bribed to try to delude us by elaborate sophisms. [3] In such contests the state gives the rewards to others, and takes the dangers for herself. [4] The persons to blame are you who are so foolish as to institute these contests; who go to see an oration as you would to see a sight, take your facts on hearsay, judge of the practicability of a project by the wit of its advocates, and trust for the truth as to past events not to the fact which you saw more than to the clever strictures which you heard; [5] the easy victims of newfangled arguments, unwilling to follow received conclusions; slaves to every new paradox, despisers of the commonplace; [6] the first wish of every man being that he could speak himself, the next to rival those who can speak by seeming to be quite up with their ideas by applauding every hit almost before it is made, and by being as quick in catching an argument as you are slow in foreseeing its consequences;[7] asking, if I may so say, for something different from the conditions under which we live, and yet comprehending inadequately those very conditions; very slaves to the pleasure of the ear, and more like the audience of a rhetorician than the council of a city.
[39] In order to keep you from this, I proceed to show that no one state has ever injured you as much as Mitylene. [2] I can make allowance for those who revolt because they cannot bear our empire, or who have been forced to do so by the enemy. But for those who possessed an island with fortifications; who could fear our enemies only by sea, and there had their own force of triremes to protect them; who were independent and held in the highest honor by you—to act as these have done, this is not revolt—revolt implies oppression; it is deliberate and wanton aggression; an attempt to ruin us by siding with our bitterest enemies; a worse offence than a war undertaken on their own account in the acquisition of power. [3] The fate of those of their neighbors who had already rebelled and had been subdued, was no lesson to them; their own prosperity could not dissuade them from affronting danger; but blindly confident in the future, and full of hopes beyond their power though not beyond their ambition, they declared war and made their decision to prefer might to right, their attack being determined not by provocation but by the moment which seemed propitious. [4] The truth is that great good fortune coming suddenly and unexpectedly tends to make a people insolent: in most cases it is safer for mankind to have success in reason than out of reason; and it is easier for them, one may say, to stave off adversity than to preserve prosperity. [5] Our mistake has been to distinguish the Mitylenians as we have done: had they been long ago treated like the rest, they never would have so far forgotten themselves, human nature being as surely made arrogant by consideration, as it is awed by firmness. [6] Let them now therefore be punished as their crime requires, and do not, while you condemn the aristocracy, absolve the people. This is certain, that all attacked you without distinction, although they might have come over to us, and been now again in possession of their city. But no, they thought it safer to throw in their lot with the aristocracy and so joined their rebellion! [7] Consider therefore! if you subject to the same punishment the ally who is forced to rebel by the enemy, and him who does so by his own free choice, which of them, think you, is there that will not rebel upon the slightest pretext; when the reward of success is freedom, and the penalty of failure nothing so very terrible? [8] We meanwhile shall have to risk our money and our lives against one state after another; and if successful, shall receive a ruined town from which we can no longer draw the revenue upon which our strength depends; while if unsuccessful, we shall have an enemy the more upon our hands, and shall spend the time that might be employed in combating our existing foes in warring with our own allies.
[40] No hope, therefore, that rhetoric may instil or money purchase, of the mercy due to human infirmity must be held out to the Mitylenians. Their offence was not involuntary, but of malice and deliberate; and mercy is only for unwilling offenders. [2] I therefore now as before persist against your reversing your first decision, or giving way to the three failings most fatal to empire—pity, sentiment, and indulgence. [3] Compassion is due to those who can reciprocate the feeling, not to those who will never pity us in return, but are our natural and necessary foes: the orators who charm us with sentiment may find other less important arenas for their talents, in the place of one where the city pays a heavy penalty for a momentary pleasure, themselves receiving fine acknowledgments for their fine phrases; while indulgence should be shown towards those who will be our friends in future, instead of towards men who will remain just what they were, and as much our enemies as before. [4] To sum up shortly, I say that if you follow my advice you will do what is just towards the Mitylenians, and at the same time expedient; while by a different decision you will not oblige them so much as pass sentence upon yourselves. For if they were right in rebelling, you must be wrong in ruling. However, if, right or wrong, you determine to rule, you must carry out your principle and punish the Mitylenians as your interest requires; or else you must give up your empire and cultivate honesty without danger. [5] Make up your minds, therefore, to give them like for like; and do not let the victims who escaped the plot be more insensible than the conspirators who hatched it; but reflect what they would have done if victorious over you, especially as they were the aggressors. [6] It is they who wrong their neighbor without a cause, that pursue their victim to the death, on account of the danger which they foresee in letting their enemy survive; since the object of a wanton wrong is more dangerous, if he escape, than an enemy who has not this to complain of.[7] Do not, therefore, be traitors to yourselves, but recall as nearly as possible the moment of suffering and the supreme importance which you then attached to their reduction; and now pay them back in their turn, without yielding to present weakness or forgetting the peril that once hung over you. Punish them as they deserve, and teach your other allies by a striking example that the penalty of rebellion is death. Let them once understand this and you will not have so often to neglect your enemies while you are fighting with your own confederates.’
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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Tobias Nowitzki
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Thuk. 3, 37-40

Leitfragen:

1) Mit welchen Argumenten versucht Kleon die Volksversammlung von seiner Meinnung zu überzeugen?

2) Welche Stellung nimmt er zum athenischen Imperialismus ein?

3) Welche Rückschlüsse auf die Meinung des athenischen Volkes lassen sich aus der Tatsache schließen, dass Kleons Meinung beinahe die Hälfte überzeugte?

 

Kommentar:

In diesem Abschnitt hat Thukydides dem Politiker Kleon eine Rede in den Mund gelegt, die er so nicht wortwörtlich gehalten hat, aber die dem Sinn und Stil nach ihm entsprechen könnte, zumindest nach Thukydides‘ Meinung. Dies ist eine allgemein übliche Praxis antiker Historiographen, und Reden in historischen Werken sind daher mit Vorsicht zu betrachten. Allerdings ist die Methodik des Thukydides weitestgehend unstrittig, ebenso wie seine Beobachtungsgabe.

In jedem Fall ist diese Rede ein gutes Beispiel für Reden vor der Ekklesia, denn würde sie von diesen zu sehr abweichen, hätte Thukydides sein Werk sicher nicht so publizieren können.

Hintergrund der Rede ist der Peloponnesische Krieg und die kürzliche Revolte der Polis Mytilene auf Lesbos. Da die Insel strategisch höchst wichtig war, hatten die Athener sie belagert, und die Mytilener hatten bald kapituliert. Am Tag vor dieser Rede hatte die Volksversammlung beschlossen, alle männlichen Mytilener hinzurichten, die Frauen und Kinder zu versklaven und die Stadt zu vernichten. Nun, einen Tag später, wurden die Bürger Athens von Schuldgefühlen und Zweifeln geplagt, und obwohl das Botenschiff schon abgeschickt worden war, saß man noch einmal über die Angelegenheit zur Beratung.

Kleon, der Meinungsführer des tags zuvor beschlossenen Kurses war, hält noch eine Rede. An dieser lassen sich eine Reihe interessanter Beobachtungen zu den Reden vor der Ekklesia treffen. Zuerst einmal gibt sich Kleon große Mühe seinen Standpunkt klar zu machen, er ist schlicht gegen jedes Mitleid und zwar aus machtpolitischen Gründen. Er argumentiert allerdings bei Weitem nicht rein sachlich, sondern versucht geschickt, die Emotionen des Volkes zu lenken, ein Vorgehen, dessen sich jeder erfolgreiche Redner vor der Ekklesia bedienen musste, denn nur mit Sachargumenten alleine kam man meist nicht weit: Die Bürger wollten mit Reden beeindruckt werden.

Als erstes versucht Kleon, die Wut vom Vortag wieder anzustacheln, indem er dem Volk das ganze Ausmaß des mytilenischen Verrates vor Augen führt. Daraufhin packt er sie bei ihrem Stolz auf die Machtposition ihrer Polis: Das gesamte Seereich Athens sei im Grunde zum Scheitern verurteilt, wenn man die Mytilener leben ließe. Interessant ist, dass er den Athener hierbei deutlich den Spiegel vorhält: Das Seereich ist kein freundlicher Bund zwischen Gleichgestellten, sondern athenische Unterdrückung von Schwächeren. Dass er diesen Punkt so anbringen kann, zeigt, dass die Bürger Athens sich in dieser Position des mächtigen Unterdrückers scheinbar recht wohl fühlten.

Kleon, der diese Rede sehr geschickt führt, spielt auf eine weitere Angst des Volkes an: Von Demagogen zu schlechten Entschlüssen verführt zu werden. Eben dies unterstellt er allen, die gegen ihn noch sprechen könnten, während er sich auf die Seite des Volkes stellt, das er gegen die Sophismen der Gegenseite verteidigen will. Er unterschlägt selbstverständlich geflissentlich, dass er sich auch solcher Überzeugungstechniken bedient: In 38,2 sind die Mytilener gewaltsam von Athen Unterdrückte, in 39,2, als er ein anderes Argument aufbaut, sind sie plötzlich ein Volk mit freiem Willen, dessen Verrat umso schwerer wiegt.

Insgesamt stellt die Rede ein gutes Beispiel für eine Rede vor der Ekklesia dar: Kleon spielt mit Emotionen, geschickten Argumenten und rhetorischen Topoi, wie der Aussage, er sei eben kein Demagoge, seine politischen Gegner schon. Auch wenn am Ende die Rede seines Kontrahenten die Athener mehr überzeugt, so hatte er sie doch am Vortag vollständig überzeugen können und auch an diesem Tag folgt seiner Meinung eine Reihe von Bürgern.

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Podcast-Hinweise
Sehen Sie zu dieser Quelle auch den Podcast „Die athenische Demokratie“. Um einen breiteren Einblick in die griechische Klassik  zu erhalten, sehen Sie auch die Podcastreihe „Griechische Geschichte II – Klassik“.
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Vergleiche zur Rücksichtslosigkeit des athenischen „Imperialismus“ auch den Melierdialog (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/melierdialog/), zur Rhetorik in Athen die Lysiasrede (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/lysiasrede/), zur Furcht vor Demagogen die Quellenstelle zum Mytilenischen Psephisma insgesamt (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/mytilene/) und zu den Dekreten der Volksversammlung (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/troizeninschrift/).

Mytilene

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Thukydides
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Thuk. 3, 28,1-50,1 – Original

γνόντες δὲ οἱ ἐν τοῖς πράγμασιν οὔτ᾽ ἀποκωλύειν δυνατοὶ ὄντες, εἴ τ᾽ἀπομονωθήσονται τῆς ξυμβάσεως κινδυνεύσοντες, ποιοῦνται κοινῇ ὁμολογίαν πρός τε Πάχητα καὶ τὸ στρατόπεδον, ὥστε Ἀθηναίοις μὲν ἐξεῖναι βουλεῦσαιπερὶ Μυτιληναίων ὁποῖον ἄν τι βούλωνται καὶ τὴν στρατιὰν ἐς τὴν πόλιν δέχεσθαι αὐτούς, πρεσβείαν δὲ ἀποστέλλειν ἐς τὰς Ἀθήνας Μυτιληναίους περὶ ἑαυτῶν: ἐν ὅσῳ δ᾽ ἂν πάλιν ἔλθωσι, Πάχητα μήτε δῆσαι Μυτιληναίων μηδένα μηδὲ ἀνδραποδίσαι μήτε ἀποκτεῖναι. [2] ἡ μὲν ξύμβασις αὕτη ἐγένετο, οἱ δὲ πράξαντες πρὸς τοὺς Λακεδαιμονίους μάλιστα τῶν Μυτιληναίων περιδεεῖς ὄντες, ὡς ἡ στρατιὰ ἐσῆλθεν, οὐκ ἠνέσχοντο, ἀλλ᾽ ἐπὶ τοὺς βωμοὺς ὅμως καθίζουσιν: Πάχης δ᾽ ἀναστήσας αὐτοὺς ὥστε μὴ ἀδικῆσαι, κατατίθεται ἐς Τένεδον μέχρι οὗ τοῖς Ἀθηναίοις τι δόξῃ. […] [36,1]ἀφικομένων δὲ τῶν ἀνδρῶν καὶ τοῦ Σαλαίθου οἱ Ἀθηναῖοι τὸν μὲν Σάλαιθον εὐθὺς ἀπέκτειναν, ἔστιν ἃ παρεχόμενον τά τ᾽ ἄλλα καὶ ἀπὸ Πλαταιῶν(ἔτιγὰρ ἐπολιορκοῦντο) ἀπάξειν Πελοποννησίους: [2] περὶ δὲ τῶν ἀνδρῶν γνώμας ἐποιοῦντο, καὶ ὑπὸ ὀργῆς ἔδοξεν αὐτοῖς οὐ τοὺς παρόντας μόνον ἀποκτεῖναι, ἀλλὰ καὶ τοὺς ἅπαντας Μυτιληναίους ὅσοι ἡβῶσι, παῖδας δὲ καὶ γυναῖκας ἀνδραποδίσαι, ἐπικαλοῦντες τήν τε ἄλλην ἀπόστασιν ὅτι οὐκ ἀρχόμενοι ὥσπερ οἱ ἄλλοι ἐποιήσαντο, καὶπροσ ξυνελάβοντο οὐκ ἐλάχιστον τῆς ὁρμῆς αἱ Πελοποννησίων νῆες ἐς Ἰωνίαν ἐκείνοις βοηθοὶ τολμήσασαι παρακινδυνεῦσαι: οὐ γὰρ ἀπὸ βραχείας διανοίας ἐδόκουν τὴν ἀπόστασιν ποιήσασθαι. [3] πέμπουσιν οὖν τριήρη ὡς Πάχητα γγελον τῶν δεδογμένων, κατὰ τάχος κελεύοντες διαχρήσασθαι Μυτιληναίους. [4] καὶ τῇ ὑστεραίᾳ μετάνοιά τις εὐθὺς ἦν αὐτοῖς καὶ ἀναλογισμὸς ὠμὸν τὸ βούλευμα καὶ μέγα ἐγνῶσθαι, πόλιν ὅλην διαφθεῖραι μᾶλλον ἢ οὐ τοὺς αἰτίους. [5] ὡς δ᾽ ᾔσθοντο τοῦτο τῶν Μυτιληναίων οἱ παρόντες πρέσβεις καὶ οἱ αὐτοῖς τῶν Ἀθηναίων ξυμπράσσοντες, παρεσκεύασαν τοὺς ἐν τέλει ὥστε αὖθις γνώμας προθεῖναι: καὶ ἔπεισαν ῥᾷον, διότι καὶ ἐκείνοις ἔνδηλον ἦν βουλόμενον τὸ πλέον τῶν πολιτῶν αὖθίς τινας σφίσιν ἀποδοῦναι βουλεύσασθαι. [6] καταστάσης δ᾽ εὐθὺς ἐκκλησίας ἄλλαι τε γνῶμαι ἀφ᾽ ἑκάστων ἐλέγοντο καὶ Κλέων ὁ Κλεαινέτου, ὅσπερ καὶ τὴν προτέραν ἐνενικήκει ὥστε ἀποκτεῖναι, ὢν καὶ ἐς τὰ ἄλλα βιαιότατος τῶν πολιτῶν τῷ τε δήμῳ παρὰ πολὺ ἐν τῷ τότε πιθανώτατος, παρελθὼν αὖθις ἔλεγε τοιάδε. […] [49,1]τοιαῦτα δὲ ὁ Διόδοτος εἶπεν. Ῥηθεισῶν δὲ τῶν γνωμῶν τούτων μάλιστα ἀντιπάλων πρὸς ἀλλήλας οἱ Ἀθηναῖοι ἦλθον μὲν ἐς ἀγῶνα ὅμως τῆς δόξης καὶ ἐγένοντο ἐν τῇ χειροτονίᾳ ἀγχώμαλοι, ἐκράτησε δὲ ἡ τοῦ Διοδότου. [2] καὶ τριήρη εὐθὺς ἄλλην ἀπέστελλον κατὰ σπουδήν, ὅπως μὴ φθασάσης τῆς προτέρας εὕρωσι διεφθαρμένην τὴν πόλιν: προεῖχε δὲ ἡμέρᾳ καὶ νυκτὶ μάλιστα. [3] παρασκευασάντων δὲ τῶν Μυτιληναίων πρέσβεων τῇ νηὶ οἶνον καὶ ἄλφιτακαὶ μεγάλα ὑποσχομένων, εἰ φθάσειαν, ἐγένετο σπουδὴ τοῦ πλοῦ τοιαύτη ὥστε ἤσθιόν τε ἅμα ἐλαύνοντες οἴνῳ καὶ ἐλαίῳ ἄλφιτα πεφυραμένα, καὶ οἱ μὲν ὕπνον ᾑροῦντο κατὰ μέρος, οἱ δὲ ἤλαυνον. [4] κατὰ τύχην δὲ πνεύματος οὐδενὸς ἐναντιωθέντος καὶ τῆς μὲν προτέρας νεὼς οὐ σπουδῇ πλεούσης ἐπὶ πρᾶγμα ἀλλόκοτον, ταύτης δὲ τοιούτῳ τρόπῳ ἐπειγομένης, ἡ μὲν ἔφθασε τοσοῦτον ὅσον Πάχητα ἀνεγνωκέναι τὸ ψήφισμα καὶ μέλλειν δράσειν τὰ δεδογμένα, ἡ δ᾽ ὑστέρα αὐτῆς ἐπικατάγετα καὶ διεκώλυσε μὴ διαφθεῖραι. Παρὰ τοσοῦτον μὲν ἡ Μυτιλήνη ἦλθε κινδύνου. [50] Τοὺς δ᾽ ἄλλους ἄνδρας οὓς ὁ Πάχης ἀπέπεμψεν ὡς αἰτιωτάτους ὄντας τῆς ἀποστάσεως Κλέωνος γνώμῃ διέφθειραν οἱ Ἀθηναῖοι(ἦσαν δὲ ὀλίγῳ πλείους χιλίων), καὶ Μυτιληναίων τείχη καθεῖλον καὶ ναῦς παρέλαβον.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Übersetzung: E.C. Marchant
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Übersetzung

[28.1-2]“The government, aware of their inability to prevent this, and of the danger they would be in, if left out of the capitulation, publicly agreed with Paches and the army to surrender Mitylene at discretion and to admit the troop into the town upon the understanding that the Mitylenians should be allowed to send an embassy to Athens to plead their cause, and that Paches should not imprison, make slaves of, or put to death any of the citizens until its return.
[2] Such were the terms of the capitulation; in spite of which the chief authors of the negotiation with Lacedaemon were so completely overcome by terror when the army entered, that they went and seated themselves by the altars, from which they were raised up by Paches under promise that he would do them no wrong, and lodged by him in Tenedos, until he should learn the pleasure of the Athenians concerning them .
[…] [36]Upon the arrival of the prisoners with Salaethus, the Athenians at once put the latter to death, although he offered, among other things, to procure the withdrawal of the Peloponnesians from Plataea, which was still under siege; [2] and after deliberating as to what they should do with the former, in the fury of the moment determined to put to death not only the prisoners at Athens, but the whole adult male population of Mitylene, and to make slaves of the women and children. It was remarked that Mitylene had revolted without being, like the rest, subjected to the empire; and what above all swelled the wrath of the Athenians was the fact of the Peloponnesian fleet having ventured over to Ionia to her support, a fact which was held to argue a long-meditated rebellion.
[3] They accordingly sent a trireme to communicate the decree to Paches, commanding him to lose no time in despatching the Mitylenians. [4] The morrow brought repentance with it and reflection on the horrid cruelty of a decree, which condemned a whole city to the fate merited only by the guilty. [5] This was no sooner perceived by the Mitylenian ambassadors at Athens and their Athenian supporters, than they moved the authorities to put the question again to the vote; which they the more easily consented to do, as they themselves plainly saw that most of the citizens wished some one to give them an opportunity for reconsidering the matter. [6] An assembly was therefore at once called, and after much expression of opinion upon both sides, Cleon, son of Cleaenetus, the same who had carried the former motion of putting the Mitylenians to death, the most violent man at Athens, and at that time by far the most powerful with the commons, came forward again and spoke as follows:—
[37-41 Rede des Kleon und 41-48 Rede des Diodotos. Kleon spricht sich weiterhin für eine Vernichtung der Stadt aus, während Diodotos für Milde plädiert. Wie diese aussieht, ist in 50 zu sehen.] [49] Such were the words of Diodotus. The two opinions thus expressed were the ones that most directly contradicted each other; and the Athenians, notwithstanding their change of feeling, now proceeded to a division, in which the show of hands was almost equal, although the motion of Diodotus carried the day. [2] Another trireme was at once sent off in haste, for fear that the first might reach Lesbos in the interval, and the city be found destroyed; the first ship having about a day and a night’s start.[3] Wine and barley-cakes were provided for the vessel by the Mitylenian ambassadors, and great promises made if they arrived in time; which caused the men to use such diligence upon the voyage that they took their meals of barley-cakes kneaded with oil and wine as they rowed, and only slept by turns while the others were at the oar. [4] Luckily they met with no contrary wind, and the first ship making no haste upon so horrid an errand, while the second pressed on in the manner described, the first arrived so little before them, that Paches had only just had time to read the decree, and to prepare to execute the sentence, when the second put into port and prevented the massacre. The danger of Mitylene had indeed been great. [50.1] The other party whom Paches had sent off as the prime movers in the rebellion, were upon Cleon’s motion put to death by the Athenians, the number being rather more than a thousand. The Athenians also demolished the walls of the Mitylenians, and took possession of their ships.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Tobias Nowitzki
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Thuc. 3, 28,1-50,1

Leitfragen:

1) Wie funktioniert die Entscheidungsfindung in der athenischen Demokratie laut Thukydides?

2) Was könnten die Argumente sein, mit denen Kleon und Diodotos ihre jeweiligen Positionen verteidigen?

3) Welche Probleme der athenischen Verfassung lassen sich an dieser Episode erkennen und welche Rückschlüsse lässt dies möglicherweise auf die Position des Thukydides zu?

Kommentar:

Thukydides ist einer der wichtigsten griechischen Historiker überhaupt und hat uns mit seinem Peloponnesischen Krieg ein Meisterwerk hinterlassen. Der um 460 geborene Athener starb im frühen vierten Jahrhundert und ist damit ein Zeitgenosse des Peloponnesischen Krieges (431-404), an dem er sich auch 424 als Stratege Athens beteiligte. Im selben Jahr wurde er wegen Misserfolgen aus Athen verbannt. In diesem Abschnitt seines Werkes beschreibt er den Umgang der Athener mit einer Revolte der zuvor mit ihnen verbündeten Polis Mytilene auf Lesbos im Jahr 428. Die Stadt und die gesamte Insel waren für Athen von höchster strategischer Bedeutung, da die überlebenswichtige Einfuhr von Getreide aus dem Schwarzmeergebiet nach Athen nahe an Lesbos vorbeiführte. Die Episode vom „Mytilenischen Psephisma“, also der Abstimmung über das Schicksal Mytilenes, ist eine der bekanntesten Stellen aus Thukydides‘ Werk.

Als die Mytilener erkennen, dass sie auf lange Sicht gegen Athen verlieren werden, bitten sie um Frieden und um Gnade. Die Volksversammlung in Athen, die alle derartigen Beschlüsse zu fällen hat, reagiert jedoch höchst emotional. Aufgebracht durch den Abfall der Mytileneer, beschließt man, alle männlichen Einwohner zu töten, Frauen und Kinder zu versklaven und die Stadt zu vernichten – man möchte in Rage ein Exempel statuieren. Die Wut geht sogar so weit, dass der Spartaner Salatheus sofort hingerichtet wird, obwohl er den Athenern einen für sie durchaus vorteilhaften Handel anbietet. Offenbar ist der erboste Souverän zu keinerlei Gnade bereit. An dieser Stelle zeigt sich ein Problem der athenischen Demokratie besonders deutlich: die Abhängigkeit der Entscheidungen von der Stimmung. Da jede Sitzung der Ekklesia nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang dauerte, wurden auch wichtige Beschlüsse wie die Vernichtung eines ehemaligen Verbündeten, der kapituliert hat, innerhalb eines Tages getroffen. Ist die Masse des Volkes dann wütend, so ist sie sehr leicht durch Demagogen wie Kleon lenkbar und mitunter keinem rationalen Argument mehr zugänglich. Denn welche Botschaft sendet Athen mit dieser Handlung an seine noch treuen Verbündeten? Wer vom Weg abkommt, wird gnadenlos vernichtet. Unterwerfung oder Tod – Treue verschafft man sich auf diesem Weg nicht, nur Furcht und Hass. Es ist auch nicht die einzige harsche, überstürzt getroffene Entscheidung dieser Art. Jahre später lassen die Athener siegreiche Admiräle hinrichten, weil sie in einem Sturm athenische Seeleute nicht retten konnten, obwohl das erstens unmöglich gewesen war und zweitens die Admirale dringend gebraucht wurden. Auch Sokrates‘ Einwände konnten die erzürnte Masse nicht umstimmen.

Das zweite Problem, das in beiden Fällen sichtbar wird, folgt aus dem ersten. Am nächsten Tag, als die Bürger Zeit hatten, über ihre Entscheidung nachzudenken und die Folgen mit kühlerem Kopf abzuwägen, waren sie häufig reumütig und entschieden sich um. Im Fall der Admirale war das unmöglich, denn sie waren bereits tot, im Falle Mytilenes konnte man die eigene Entscheidung noch revidieren. Häufig werden im Nachhinein diejenigen, die den Vorschlag gemacht hatten, der unbedacht angenommen wurde, als Demagogen verurteilt; es gab sogar ein Gesetz dagegen, der Ekklesia schlechten Rat zu erteilen. Im Falle der Anwendung des Gesetzes musste man sich nicht mit der eigenen Schuld auseinandersetzen: Man war ja getäuscht worden!

Aber selbst die „Milde“ Athens war für Mytilene noch grausam: 1000 hingerichtete Bürger waren ein gewaltiger Blutzoll für die Stadt; durch das Schleifen der Mauern und die Abgabe der Schiffe war die Polis praktisch wehrlos. Man sieht also auch deutlich den imperialistischen Machtwillen der Athener, die selbst dann, wenn sie vergleichsweise milde handeln, noch mit einer Brutalität vorgehen, die sich durchaus mit dem Handeln absolutistischer Herrscher der frühen Neuzeit oder Diktatoren des 20. Jahrhunderts vergleichen lässt.

Die Behauptung, nur von Demagogen verführt worden zu sein, findet sich auch im Nachkriegsdeutschland häufig. Thukydides hatte als scharfsinniger und sehr pessimistischer Beobachter bereits in der Antike eines der größten Probleme der Demokratie aufgeworfen: Bürger sind Menschen und daher emotional – nicht immer zum Guten.

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Podcast-Hinweise
Sehen Sie zu dieser Quelle auch den Podcast „Die athenische Demokratie“. Um einen breiteren Einblick in die griechische Klassik  zu erhalten, sehen Sie auch die Podcastreihe „Griechische Geschichte II – Klassik“.
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Zur Harscheit athenischer Entscheidungen siehe auch den Melierdialog (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/melierdialog/), zur Sprunghaftigkeit der Entscheidungen auch den Bericht zum Ostrakismos des Themistokles (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/ostrakismus-des-themistokles/).

Troizeninschrift

 

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Tobias Nowitzki
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Meiggs/Lewis Nr. 23

Leitfragen:

1) Welche Maßnahmen werden in diesem Beschluss angeordnet?

2) Was sagt die Struktur des Beschlusses über das Prozedere der Beschlussfassung in Athen aus?

3) Welche Rückschlüsse kann man aus den Details der Inschrift auf die strategische Lage Athens ziehen?

Kommentar:

Die vorliegende Inschrift, abgefasst 480 v. Chr., ist eine wichtige Quelle für die Zeit der Perserkriege und stellt einen Zufallsfund dar, denn erst im 20. Jahrhundert fand ein Bauer diesen Stein auf seinem Feld. Es handelt sich um den aus den literarischen Quellen zuvor bekannten „Evakuierungsbefehl“ des Themistokles.

In dem Antrag des Themistokles, den die Volksversammlung beschloss, ist die Strategie zur Abwehr der persischen Armee festgelegt. Die Stadt wird vollkommen evakuiert, von einigen Priestern auf der Akropolis abgesehen. Die Aufteilung ist klar: Die alten Menschen und die materiellen Güter werden auf die Insel Salamis, Frauen und Kinder nach Troizen gebracht. Alle waffenfähigen Bürger bemannen die Schiffe, beziehungsweise befehligen sie. Um die Streitkräfte zu erhöhen, werden sogar Exilierte zurückgerufen. Die athenische Flotte von 200 Trieren soll sich sodann mit den griechischen Verbündeten zusammenschließen und die Insel Salamis beschützen. Die Stadt selbst wird nicht verteidigt. Schließlich werden noch Opfer angeordnet, womit der erhaltene Teil der Inschrift schließt.

Neben anderen Informationen bietet uns dieses Volksversammlungsdekret auch wichtige Informationen zur Funktionsweise der Polis Athen, zuerst einmal, dass das Volk über die Beschlüsse auch schriftlich informiert wird – in diesem Fall sogar in Stein gemeißelt. Das bedeutet, dass ein guter Teil der Bevölkerung zumindest lesen konnte, da sonst der Aufwand kaum gelohnt hätte. In der Inschrift wird auch das Prozedere beleuchtet: Ein Athener, in diesem Fall Themistokles, stellt einen Antrag an die Ekklesia, diese berät und beschließt ihn dann.

Über die strategische Lage Athens können wir hier einige wichtige Informationen gewinnen. Zuerst einmal sah man es offenbar als aussichtslos an, sich gegen das riesige persische Landheer an Land widersetzen zu wollen, selbst hinter den Stadtmauern. Die Stadt wird aufgegeben, die Bewohner bringt man in Sicherheit, in dem Wissen, dass man die Stadt wiederaufbauen würde können. Das Dekret zeigt aber auch deutlich die Verzweiflung der Athener, denn sie gaben damit auch alle ihre Ackerflächen dem Feind preis, besonders die Olivenhaine, deren erneuter Anbau Jahrzehnte dauern würde. Auf die verzweifelte Lage der Stadt weist auch der Passus über die Verbannten hin: Wenn selbst diese aus der Verbannung geholt werden sollten, dann musste die Lage düster gewesen sein. Die Tempel und ihre Schätze vertraute man den Göttern an, man glaubte, die Perser würden sie nicht zerstören – unter Griechen war es zumindest so üblich. Die Perser zerstörten sie allerdings, was eineinhalb Jahrhunderte später noch Alexander als Begründung für seinen Persienfeldzug nutzen würde. Im Vertrauen auf die maritime Stärke der Polis setzte man ganz auf die Flotte, das Ergebnis, der Sieg bei Salamis, sollte Themistokles recht geben.

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Siehe zu Themistokles auch den Abschnitt über seine Verbannung (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/ostrakismus-des-themistokles/), zur Volksversammlung auch die Rede Kleons (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/kleons-rede-vor-der-ekklesia/) und die Abstimmung über Mytilene (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/mytilene/).