Senatsumbau des Augustus

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Cassius Dio
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Cass. Dio. 52, 42, 1-7 – Original

καὶ μετὰ ταῦτα τιμητεύσας σὺν τῷ Ἀγρίππᾳ ἄλλα τέ τινα διώρθωσε καὶ τὴν βουλὴν ἐξήτασε. Πολλοὶ μὲν γὰρ ἱππῆς πολλοὶ δὲ καὶ πεζοὶ παρὰ τὴν ἀξίαν ἐκτῶν ἐμφυλίων πολέμων ἐβούλευον, ὥστε καὶ ἐς χιλίους τὸ πλήρωμα τῆς γερουσίας αὐξηθῆναι.[2] τούτους οὖν ἐκκρῖναι βουληθεὶς αὐτὸς μὲν οὐδένα αὐτῶν ἀπήλειψε, προτρεψάμενος δέ σφας ἐκ τοῦ συνειδότος τοῦ τε γένους καὶ τοῦβίου δικαστὰς ἑαυτοῖς γενέσθαι τὸ μὲν πρῶτον πεντήκοντά που ἔπεισεν ἐθελοντὰς ἐκστῆναι τοῦ συνεδρίου, ἔπειτα δὲ καὶ ἄλλους ἑκατὸν καὶ τεσσαράκοντα μιμήσασθαί σφας ἠνάγκασε.[3] Καὶ αὐτῶν ἠτίμωσε μὲν οὐδένα, τὰ δ᾽ ὀνόματατῶν δευτέρων ἐξέθηκε: τοῖς γὰρ προτέροις, ὅτι μὴ ἐχρόνισαν ἀλλ᾽ εὐθὺς ἐπει θάρχησάν οἱ, ἀφῆκε τὸ ὀνείδισμα, ὥστ᾽ αὐτοὺς μὴ ἐκδημοσιευθῆναι. Οὗτοιμὲν οὖν ἑκούσιοι δῆθεν ἰδιώτευσαν, Κύιντον δὲ δὴ Στατίλιον καὶ πάνυ ἄκοντα τῆς δημαρχίας, ἐς ἣν ἀπεδέδεικτο, εἶρξεν. [4] Ἑτέρους τέ τινας βουλεύειν ἐποίησε,καὶ ἔς γε τοὺς ὑπατευκότας δύο ἄνδρας ἐκ τῶν βουλευόντων, Κλούουιόν τέτινα καὶ Φούρνιον Γαΐους, ἐγκατέλεξεν, ὅτι προαποδεδειγμένοι οὐκἠδυνήθησαν, ἄλλων τινῶν τὰς ἀρχὰς αὐτῶν προκαταλαβόντων, ὑπατεῦσαι.
[5] τό τε τῶν εὐπατριδῶν γένος συνεπλήθυσε, τῆς βουλῆς οἱ δῆθενἐπιτρεψάσης τοῦτο ποιῆσαι, ἐπειδὴ τό τε πλεῖστόν σφων ἀπωλώλει ῾οὐδὲν γὰρ οὕτως ὡς τὸ γενναῖον ἐν τοῖς ἐμφυλίοις πολέμοις ἀναλίσκεταἰ καὶ ἐς τὴν ποίησιν τῶν πατρίων ἀναγκαῖοι ἀεὶ εἶναι νομίζονται. [6] Ταῦτά τε οὖν ἔπραξε, καὶπροσαπεῖπε πᾶσι τοῖς βουλεύουσι μὴ ἐκδημεῖν ἔξω τῆς Ἰταλίας, ἂν μὴ αὐτός τινι κελεύσῃ ἢ καὶ ἐπιτρέψῃ. Καὶ τοῦτο καὶ δεῦρο ἀεὶ φυλάσσεται: πλὴν γὰρ ὅτι ἔς τε τὴν Σικελίαν καὶ ἐς τὴν Γαλατίαν τὴν περὶ Νάρβωνα, οὐδαμόσε ἄλλοσε βουλευτῇ ἀποδημῆσαι ἔξεστιν. [7] Ἐκεῖσε γὰρ διά τε τὸ σύνεγγυς καὶ διὰ τὸ ἄοπλον τό τε εἰρηναῖον τῶν ἀνθρώπων δέδοται τοῖς γέ τι κεκτημένοις αὐτόθι καὶ ἄνευ παραιτήσεως,ὁσάκις ἂν ἐθελήσωσιν, ἀπιέναι.

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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Autor_in: Tobias Nowitzki
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Cass. Dio. 52, 42, 1-7

Leitfragen:

1) Welche Maßnahmen ergreift Augustus, um den Senat nach seinen Vorstellungen neu zu strukturieren?

2) Welche Rückschlüsse lassen sich aus der Quelle auf die Situation im Senat vor der Umgestaltung durch Augustus ziehen?

3) Inwiefern geht Augustus bei der Senatsumstrukturierung anders vor als Sulla oder Cäsar, die es bereits im großen Maßstab getan hatten?

Kommentar:

Augustus ist nicht der erste, der den Senat umstrukturierte, das hatten vor ihm in republikanischer Zeit bereits Sulla und Cäsar getan. Mit Augustus jedoch entsteht der Senat des Prinzipates. Der Senat, den er vorfindet, ist ein anderes Gremium als das, von dem noch Cicero etwa 15 Jahre zuvor gesprochen hatte. Die meisten Mitglieder der alten republikanischen Familien waren ermordet worden oder im Kampf gefallen. Dennoch war der Senat vor Augustus‘ Eingreifen mit 1000 Mitgliedern weit zahlreicher als mit den 600 zur Zeit Ciceros. Der Grund dafür liegt auf der Hand, denn in den Bürgerkriegen waren diverse Günstlinge der jeweiligen Machthaber in den Senat gekommen, beispielsweise durch Pompeius, Cäsar oder Marcus Antonius. Unter diesen waren, so Cassius Dio, auch viele, die die Voraussetzungen für die Zugehörigkeit zum Senat nicht erfüllten, da sie als Ritter, oder, schlimmer noch für die Senatoren, Gemeine, den nötigen Steuerzensus nicht erfüllten. Diese siebt Augustus als erstes aus, wobei scheinbar wenig Rücksicht darauf genommen wird, ob sie nicht vielleicht fähigere Senatoren abgegeben hätten als manch anderer, der nur durch seinen Reichtum diesem Gremium angehörte. Er ersetzt sie sogleich mit eigenen Günstlingen, womit er sich einen hörigen Senat schafft, denn die 190, die er aus dem Gremium entfernt, werden mit Sicherheit auch viele seiner Gegenspieler und Feinde eingeschlossen haben.

Gleichzeitig gibt er dem Senat etwas, das ihm enorm wichtig ist: Er gibt dem Gremium das Selbstwertgefühl als „Adel“ des Reiches zurück. Als Zensor ist es seine Amtsaufgabe, den Senat zu überprüfen und er wird bei den Entlassungen auf schlechten Lebenswandel oder niedere Herkunft der Personen hingewiesen haben. So konnten die übrigen Senatoren sich selbst wieder als die Aristokratie sehen, die endlich von in ihren Augen unwürdigen Elementen befreit war. Dass die alte republikanische Oberschicht im Wesentlichen ausgelöscht war, spielte dabei eine eher untergeordnete Rolle.

Mit der Verleihung des Rederechtes gewesener Konsuln an die zwei genannten Personen lenkt Augustus auch das Prozedere des Senates wieder in geordnete Bahnen und gibt ihm einen republikanischen Anstrich: Wer Konsul gewesen war, redete zuerst in der Debatte!

Anders als Cäsar oder Sulla gibt Augustus seinen Maßnahmen einen verharmlosenden Anstrich, mit dem er kaschiert, dass er nichts anderes als seine Vorgänger tut, wenn er den Senat nach eigenem Gutdünken umbaut und mit Personen besetzt, die ihm zu Dank verpflichtet sind.

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Podcast-Hinweise
Sehen Sie zu dieser Quelle auch den Podcast „Augustus“. Um einen breiteren Einblick in die Römische Kaiserzeit zu erhalten, sehen Sie auch die Podcastreihe „Römische Geschichte II – Kaiserzeit“.
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Siehe zum Verhältnis zwischen Augustus und Senat auch den Staatsakt von 27 (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/augustus-staatsakt/), den Tugendschild (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/clipeus-virtutis/), sowie den Bericht zur Verschwörung von 23 (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/verschwoerung-von-23/) und das Edikt von Kyrene (http://emanualaltegeschichte.blogs.uni-hamburg.de/532-2/).