Zanker, P., Augustus […]

Zanker, P., Augustus und die Macht der Bilder, München 52009, 85-106.

 

Leitfragen

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Jan Seehusen
Lizenz: CC-BY-NC-SA

1) „Das Forum [Romanum, Anm. JS] bekam durch diese von und für Octavian errichteten Denkmäler ein neues Gesicht“ (Textseite 87). Betrachten Sie die Skizze des Forum Romanum auf Textseite 86 und erklären Sie Zankers These im Hinblick auf die verschiedenen baulichen Veränderungen, die von Octavian am Forum vorgenommen wurden (Textseiten 85-87).

2) Nennen Sie die „symbolischen Siegeszeichen“ (Textseite 88) des Augustus und skizzieren Sie deren Rezeption in den anderen Städten des römischen Imperiums (Textseiten 88-90).

3) Stellen Sie Augustus‘ religiöses Bildprogramm nach dem Sieg von Actium dar (Textseiten 90-91) und erklären Sie es mindestens an einem der dargestellten Beispiele Zankers (Textseiten 91-96).

4) Nennen Sie die Ehrenzeichen des Augustus (Textseite 97) und erläutern Sie die Symboliken des Lorbeerkranzes und der corona civica (Textseiten 98-99).

5) Charakterisieren Sie abschließend die Herrschaftsinszenierung des Augustus anhand des clipeus virtutis (bes. die Textseiten 100-101) und des Selbstbildnisses (Textseiten 103-104).

Kommentar

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Jan Seehusen
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Forschungstradition des Autors

Prof. Dr. em. Paul Zanker ist Professor für Klassische Archäologie. Neben Professuren in Göttingen (1972-1976) und München (1976-2002) war Zanker in seinem Berufsleben auch Direktor des Archäologischen Instituts in Rom und Direktor des Münchner Museums für Abgüsse Klassischer Bildwerke (1995-2002). Zankers Forschungen zur politischen Symbolik antiker Kunst in der augusteischen Zeit werden in der Alten Geschichte als wegweisend betrachtet, um die Herrschaftsrepräsentation im frühen Prinzipat nachzuvollziehen.

Erläuterung missverständlicher, schwieriger und wichtiger Stellen für das Textverständnis

Die Selbstdarstellung und Herrschaftsrepräsentation des Augustus gehört zu den Kernthemen der Alten Geschichte, die auch im Schulunterricht immer wieder behandelt werden. Namhafte Professoren wie Géza Alföldy, Paul Zanker, Matthias Gelzer und Hermann Strasburger widmeten sich in den vergangenen Jahrzehnten der Erforschung der späten Römischen Republik und der frühen Kaiserzeit, die auch Prinzipat genannt wird. Filme, Serien und Computerspiele greifen vielfach auf die Strukturen, Figuren und politischen Konzepte dieser Zeit im ersten Jahrhundert v. Chr. zurück, die aufgrund der guten Quellenlage vielleicht die am besten bekannte Epoche in der Alten Geschichte ist.

Anschaulich lassen sich die Veränderungen von der späten Republik zur frühen Kaiserzeit am politischen Bildprogramm erklären, dem sich P. Zanker in dem vorliegenden Auszug widmet. Zanker setzt dabei nach der Schlacht von Actium (31 v. Chr.) ein, die den Wendepunkt in den blutigen Bürgerkriegen markiert, die die Römische Republik in ihren letzten Jahrzehnten erlebte: Nach dem Sieg des Octavian über seinen Widersacher Antonius war militärische Dominanz und Überlegenheit des Octavian unbestritten. Nun sollte sich zeigen, wie Octavian mit der gewonnenen Macht umgehen sollte.

Zanker beginnt mit der Umgestaltung des Forum Romanum, die „aus dem politischen Zentrum des alten Staates endgültig ein[en] Repräsentationsplatz der Julier“ (Textseite 87) machte. Anhand verschiedener baulicher Maßnahmen lasse sich erkennen, wie Octavian das Forum zur Selbstdarstellung seiner Gens (Geschlecht), der Familie der Julier, gemacht habe: Zunächst habe er den Tempel für den Divus Iulius eingeweiht (Textseite 85), den vergöttlichten Caesar, dessen Großneffe er war und dessen Ermordung im Jahre 44 v. Chr. er gerächt hatte. Der Curia, dem Sitzungssaal des römischen Senats, habe er ebenfalls den Beinamen Iulia gegeben (Textseite 85). Darüber hinaus sei zu beachten, wie die Curia im Inneren ausgestattet worden sei: Octavian habe eine Marmorstatue der Siegesgöttin Victoria aus Tarent aufgestellt, die seine persönliche Siegesgöttin gewesen (Textseite 85) und dazu noch mit erbeuteten Waffen aus dem Kampf mit Antonius ausgestattet worden sei (Textseiten 85-87).

Auf den Folgeseiten fährt der Autor fort: Neben der Curia sei auch der Caesartempel mit dem Beutegut geschmückt worden, dabei habe auch die bauliche Einbindung der bronzenen Schiffsschnäbel (rostra) aus der Seeschlacht Actium eine Rolle gespielt, die den vollständigen Sieg des Octavian über Antonius einmal mehr verdeutlicht habe (Textseiten 86-87). Weitere Ehrungen des Octavian auf dem Forum stellten das bereits 43 v. Chr. errichtete Reitermonument und der Ehrenbogen des Augustus dar (Textseiten 86-87).

Zanker unterlässt es jedoch nicht, die ebenfalls symbolisch zu verstehende Demut des Octavian zu erwähnen, die ebenfalls performativ inszeniert wurde. Nach den Siegesfeiern begann alles mit einem Staatsakt in einer Senatssitzung im Januar 27 v. Chr., in der er alle Macht an den Senat und das Volk zurückgab. In einer direkten Folge sei Octavian vielfach geehrt worden; er habe etwa eine corona civica (einen Kranz aus Eichenlaub) und den berühmten clipeus virtutis (Tugendenschild) erhielten, der die Tugenden des Octavian rühmt (Textseite 97). Insbesondere der Tugendenschild sei von großem Interesse, da mit den vier Tugenden der virtus (Macht), clementia (Milde), iustitia (Gerechtigkeit) und pietas (Frömmigkeit) gleichsam Herrschertugenden geschaffen worden seien, die im Falle der pietas den „wichtigste[n] kulturpolitische[n] Programmpunkt des neuen Herrschers“ (Textseite 101) umschrieben hätten: Octavian, dem schon bald der Ehrentitel Augustus (der Erhabene) verliehen wurde, erließ strenge Moral- und Sittengesetze, was Zanker an dieser Stelle jedoch nicht weiter ausführt.

Die formale Rückgabe der Macht an Senat und Volk darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Augustus jedoch weiterhin ganz konkrete Grundlagen für seine Herrschaft besaß, die in der jahrzehntelangen Erforschung dieser Epoche gleichsam als ein Kaschieren seiner eigentlichen Macht gedeutet wurden: Er besaß die tribunicia potestas, die Amtsgewalt des Tribunen, mithilfe der er ein Veto gegen Senatsbeschlüsse einlegen konnte, ein riesiges Vermögen und die Kontrolle über das Heer.